Greifswalder Oie

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Greifswalder Oie
Leuchtturm „Greifswalder Oie“
Leuchtturm „Greifswalder Oie“
Gewässer Südliche Ostsee
Geographische Lage 54° 14′ 48″ N, 13° 55′ 1″ O54.24666666666713.91694444444417Koordinaten: 54° 14′ 48″ N, 13° 55′ 1″ O
Greifswalder Oie (Mecklenburg-Vorpommern)
Greifswalder Oie
Länge 1,55 km
Breite 540 m
Fläche 54 ha
Höchste Erhebung Kliff auf der Ostseite
17 m
Einwohner (unbewohnt)
Hauptort Oie

Die Greifswalder Oie (gesprochen oi, niederdeutsch für „(kleine) Insel“) ist eine Insel in der südlichen Ostsee, die zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gehört. Die etwa 54 Hektar große Insel in der Pommerschen Bucht ist die östlichste deutsche Insel in der offenen Ostsee. Der darauf befindliche Leuchtturm hat den gleichen Namen. Verwaltungsmäßig gehört die Greifswalder Oie zur Gemeinde Kröslin. Die Insel wird oft auch als das „Helgoland der Ostsee“ bezeichnet.

Geografie[Bearbeiten]

Die Greifswalder Oie ist etwa 1.550 Meter lang, maximal 570 Meter breit und im Kliff auf der Ostseite maximal 19 Meter hoch. Sie ist der Insel Usedom etwa zwölf Kilometer vorgelagert und gehört rechtlich zur Gemeinde Kröslin auf dem Festland. Auf der Insel mit der markanten Steilküste befindet sich ein 49 Meter hoher Leuchtturm mit einem der stärksten Leuchtfeuer in der Ostsee. Die ganze Insel ist ein Naturschutzgebiet.

Sie entstand während der letzten Eiszeit, der Weichsel-Kaltzeit durch mehrfache Gletscherablagerungen aus Skandinavien. Auf der Oie lassen sich insgesamt drei unterschiedliche Ablagerungsphasen nachweisen, so dass man Gesteine aus verschiedenen Teilen Skandinaviens auf der Insel findet. Darunter befindet sich Leitgeschiebe wie der Åland-Rapakivi-Granit von den rund 750 Kilometer entfernten Ålandinseln und Öje-Granit aus dem Grenzgebiet Schweden/Norwegen. Beim Abschmelzen der Gletscher vor rund 14.500 Jahren blieb die Oie auf dem östlichen Vorsprung der Boddenrandschwelle, dem Rest eines Endmoränenrückens,[1] als Insel erhalten. Der Nordteil der Insel war ursprünglich von einer Abtragung der Sedimente betroffen, die sich im Südteil der Insel ablagerten. Dies ist besonders gut im Nothafen zu erkennen: dort befindet sich ein Strand, der aus Sand des Kliffs besteht. Um die Abtragung zu verhindern, wurde zwischen 1891–1913 ein fast 2 Kilometer langer Schutzwall an der West- und Nordküste errichtet.[2]

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die unterschiedlichen Vegetationszonen der Insel können in drei Bereiche eingeteilt werden: den Wald, die Buschflächen sowie die Strand- und Küstenabschnitte. In allen Bereichen kommen zahlreiche, zum Teil seltene Pflanzen und Tiere vor.

Im Nordosten der Insel befindet sich ein rund 6 Hektar großer Hutewald mit Ahornbäumen, Eschen, Eichen, Hain- und Rotbuchen sowie Ulmen. Die Bäume wurden über viele Jahrhunderte landwirtschaftlich genutzt und weisen teilweise bizarre Wuchsformen auf. Nach dem Ende der Nutzung in den 1950er Jahren breiteten sich insbesondere in dem Gebiet zwischen dem Alten Wald und dem Leuchtturm Eschen aus, da diese Triebe von den auf der Insel befindlichen Ponys nicht gefressen wurden.

Auf den übrigen stillgelegten Flächen findet man heute eine savannenartige Vegetation aus Brombeer-, Schlehen- und Weißdornbüschen. Von April bis Oktober werden diese Flächen vornehmlich vom weiß blühenden Wiesenkerbel bestimmt, der bis zu 1,5 m hoch werden kann. Weiterhin findet man dort Echten Meerkohl, Echten Engelwurz, Kartoffelrosen und Ölweiden. Auffällig sind Restbestände der Obstgärten, die hinter dem Leuchtturm und dem ehemaligen Seemannsheim angelegt wurden.[3]

Der Kliffbewuchs sowie der Strand bestehen im Wesentlichen aus niederwüchsigen Gebüschen, Wildobstbäumen und Einzelsträuchern. Am Strand findet man Stranddisteln, Strandroggen, Salz-Astern, die Salzmiere, das Strand-Milchkraut und den Tataren-Lattich.

Die ornithologische Bedeutung der Oie liegt vornehmlich in ihrer Rolle als wichtiges Rastgebiet für Zugvögel. Für die Vögel, die im Herbst aus Skandinavien kommen, bietet die Insel die erste Möglichkeit, einen Zwischenstopp einzulegen. Die am häufigsten anzutreffenden Singvögel sind Fitis, Rotkehlchen, Singdrossel, Trauerschnäpper und das Wintergoldhähnchen. Im Jahr 1996 wurde eine Brutvogelkartierung durchgeführt, die insgesamt 33 Arten als Brutvögel und zwei weitere Arten mit Brutverdacht identifizieren konnte. Zu den häufigsten Brutvögel zählen Ufer- und Mehlschwalben, Amseln, Buchfinken und Zaunkönige sowie Grasmücken und Karmingimpel.[4] Auf der Insel leben weiterhin Siebenschläfer, früher auch Füchse, die über die zugefrorene Ostsee zugewandert waren, sowie Steinmarder. Sie verhindern jedoch den Bruterfolg von Bodenbrütern.

Das flache Ostseewasser ist die Heimat für Silbermöwen, Mantelmöwen, Lachmöwen u. a. sowie für Schwäne wie den Höckerschwan. Im Winter können Schellenten, Bergenten, Eisenten sowie Haubentaucher und Ohrentaucher, aber auch Gänse und Säger (z. B. Gänsesäger, Mittelsäger) beobachtet werden.

Klima[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 war gemäß der Wetterbilanz des Deutschen Wetterdienstes die Greifswalder Oie mit 1997 Sonnenstunden der sonnenreichste Ort Deutschlands.[5][6]

Geschichte[Bearbeiten]

Insel Oie - 1937-1945, mit Leitbunker, A 4 und A 5

Das Gebiet um die Greifswalder Oie wird als einer der Orte vermutet, welche mit der Seeschlacht von Svold am 9. September 1000 in Verbindung gebracht werden.[7] Die Insel Greifswalder Oie wurde erstmals 1282 als „Swante Wostroe“ (heilige Insel) urkundlich erwähnt, 1292 als „Swante Wuzterhusen“ und erst 1556 als namesähnliche „Öhe“. Der heutige Name der Insel rührt seit 1608 von ihrem ehemaligen Besitzer her, der Stadt Greifswald. Diese erwarb die Insel 1291 von der Stadt Wolgast, die das Geschenk des Pommernfürsten Bogislaw IV. (1282) aus Geldmangel verkaufen musste. Die Greifswalder schickten ihre Zuchtpferde zur Sommerweide auf die Insel. 1527 pachtete der Ratsherr Henning Oldhaver die Insel und nutzte sie als Fischereistützpunkt. Die Insel war zu dieser Zeit unbewohnt; es gab lediglich eine Kapelle für Fischer, die Ende des 16. Jahrhunderts einstürzte. Mitte des 17. Jahrhunderts verpachtete die Stadt Greifswald die Oie für 1000 Reichstaler an den schwedischen Feldmarschall Carl Gustav Wrangel. 1670 holte man die Pferde zurück auf das Festland und setzte Wild aus. Ziel war, die Insel zu einem Jagdrevier auszubauen. Dieser Plan wurde Ende des 17. Jahrhunderts jedoch aufgegeben, da der Wildbestand einging. Nun wurden erstmals Bauern auf der Insel angesiedelt.[8] Sie lebten von Landwirtschaft und Viehzucht, mussten aber auch zur Zeit des Nordischen Krieges (1700–1721) einen dänischen Soldatentrupp von rund 300 Mann ernähren. Anschließend waren die Holzungen der Insel verwüstet und die Viehställe sowie die Vorratskammern geleert. 1749 löste die Stadt die Oie wieder aus und die Pächtergebäude gingen in das Eigentum der Bauern über.[9]

Erst um 1850 wurde die Oie von drei Pächterfamilien dauerhaft besiedelt. Sie betrieben hier neben Fischfang auch eine bescheidene Landwirtschaft. Von 1853 bis 1855 wurde auf der Insel ein Leuchtturm errichtet. 1865 hatte die Insel 41 Einwohner. Von 1873 bis 1877 entstand ein Fischereinothafen, der jedoch bald zu klein war und zu Reibereien unter den Fischern führte. Daher baute man 1889 ein Seemannsheim, das auch in Seenot geratene Fischer aufnahm. Nach einem Einsturz im Jahr 1960 wurde das Gebäude abgerissen.[10] 1883 verkaufte Greifswald die Insel an den preußischen Staat, da der Betrieb des Leuchtturms und der Rettungsstation eine zu große finanzielle Belastung darstellte.[9] Seit Juni 1877 wurde die Oie touristisch genutzt. Das Dampfschiff „Otto“ aus Wolgast brachte zu diesem Zeitpunkt erstmals Tagesgäste auf die Insel. In den folgenden Jahren brachten Ausflugsschiffe immer mehr Badegäste auf die Greifswalder Oie. Nach dem Ersten Weltkrieg betrieb nur noch ein Pächter, die Familie um Fritz Halliger, Landwirtschaft auf dem Eiland. Sie bauten Weizen, Roggen, Klee, Rüben und Kartoffeln an. In Verbindung mit einigen Obstgärten war so eine Selbstversorgung möglich.[11] Halliger baute 1928 für die Inselbesucher sein Anwesen Inselhof zu einer Pension mit Restaurant aus.[12] Zahlreiche Prominente, z. B. Asta Nielsen und Thomas Mann, besuchten die Oie. 1932 war die Insel Kulisse für den Film „F.P.1 antwortet nicht“ mit Hans Albers in der Hauptrolle.

Mit dem Aufbau der Heeresversuchsanstalt Peenemünde begann die militärische Nutzung der Insel durch die Wehrmacht. Personal der Heeresversuchsanstalt quartierte sich auf der Insel ein, die zum militärischen Sperrgebiet erklärt wurde; einen Status, den sie für über 60 Jahre mit einer Unterbrechung in den 1950er Jahren behalten sollte. Die Familie Halliger musste 1937 die Greifswalder Oie verlassen und siedelte zur Stubbenkammer auf Rügen über.[11] Von 1937 bis 1945 wurden auf der Greifswalder Oie zahlreiche Raketenstarts durchgeführt. So erfolgten hier 1937 die vergeblichen Startversuche der A3 und zwischen 1938 und 1942 die Starts der A5-Raketen. Auch 28 A4-Raketen wurden von der Greifswalder Oie zwischen 1943 und 1945 zu Steilstarts gestartet, um deren Verhalten beim Eintritt in die Atmosphäre zu untersuchen, eine Phase, in der die Flugkörper häufig zerbrachen (siehe auch: Liste der in Peenemünde und auf der Greifswalder Oie durchgeführten Starts der A4-Rakete). Die Ruine des großen Leitbunkers aus der Zeit zwischen 1937 und 1945 konnte 2009 noch besichtigt werden.

Station der DGzRS auf der Greifswalder Oie

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges demontierte und sprengte die Rote Armee einen Großteil der Anlagen. Anschließend war die Insel wieder bis 1957 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Zu Zeiten der DDR waren auf der Greifswalder Oie rund 25 bis 30 Mann der Grenzsicherungs-Einheiten der 6. Grenzbrigade Küste stationiert. Der Inselhof diente zu dieser Zeit als Dienst- und Unterkunftsgebäude, das heutige Haus der DGzRS wurde vom Offizier der Einheit genutzt. Neben den Seestreitkräften waren zeitweilig auch Einheiten der Luftstreitkräfte auf der Insel stationiert, die den Luftraum mit Radaranlagen überwachten.[13] Die Überreste der militärischen Anlagen prägen noch immer das Bild der Insel. Der VEB Forschungsstelle für Bienenwirtschaft betrieb auf der Insel eine Körstation zur Königinnenzucht.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung verließ die Volksmarine, jetzt als Teil der Bundeswehr, die Insel und das Sperrgebiet wurde aufgehoben. Die zum Teil verwahrlosten Gebäude waren dem Gebrauch durch ungebetene Sportboot-Touristen ausgesetzt, was zu weiteren Gebäudeschäden führte. Erst 1993 eröffnete der Verein Jordsand seine Station und richtete den Inselhof für seine Belange wieder her. Die Bauten wurden meist rückgebaut oder grundüberholt (Leuchtturm ab 1994).

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Naturschutzgebiet[Bearbeiten]

Biologische Station Walter Banzaf auf der Greifswalder Oie

Die Insel ist seit dem 20. Februar 1995[14] als Naturschutzgebiet ausgewiesen und wird vom Verein Jordsand betreut. Zu den Schutzzwecken zählen die Erhaltung der geologischen Besonderheiten der Insel sowie des Oier Riffs: Vor dem Kliff der Südkante befinden sich unterschiedliche geologische Gesteinsblöcke sowie eine artenreiche Strandvegetation. Von der früheren Nutzung als Waldweide und Niederwald zeugt der Eichen-Hainbuchenwald im Südteil der Insel. Die Stechpalme ist in dieser Region nur noch auf der Oie zu finden – weiter östlich sind keine Vorkommen bekannt.[14] Schützenswert sind weiterhin seltene Orchideenarten, wie zum Beispiel das Manns-Knabenkraut. Gäste können sich im Informationszentrum Biologische Station Walter-Banzhaf über die Naturschutzaktivitäten des Vereins informieren.

Vogelberingung[Bearbeiten]

Der Verein führt seit 1. August 1993 in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Hiddensee an etwa 20.000 Vögeln und 166 Vogelarten pro Jahr Beringungsaktionen zur wissenschaftlichen Erforschung des Vogelzuges durch. Damit ist die Insel in eine Kette weiterer Stationen integriert, die zu Forschungszwecken von Skandinavien bis Westafrika Zugvögel beobachten.

Biotopmanagement[Bearbeiten]

Die gras- und staudenähnliche Vegetation der Insel soll aus Naturschutzgründen erhalten bleiben, damit Lebensraum für eine möglichst artenreiche Fauna und Flora existiert. Da die Insel über mehrere Jahrzehnte jedoch nicht mehr landschaftlich bewirtschaftet war, bestand die Gefahr, dass die Flächen verbuschen und anschließend von Wald bedeckt werden. Aus diesem Grund wurde insgesamt rund 50 Heidschnucken (Graue gehörnte Heidschnucke) im Rahmen eines Biotopmanagements auf der Insel eingesetzt Die Beweidung sollte dabei einen Ausgleich schaffen, um zum einen für rastende Zugvögel einen geeigneten Lebensraum bereitzustellen und gleichzeitig eine möglichst hohe und typische Artenvielfalt zu ermöglichen. Die Waldweide soll dabei erhalten bleiben, da sie zeigt, wie zu früheren Zeiten die Insel genutzt wurde. Die Beweidung muss derart erfolgen, dass seltene, gefährdete Pflanzen und Lebensräume nicht zerstört werden. Um diese Ziele zu erreichen, wurden auf der Insel mehrere Koppeln angelegt. So können die Tiere zu unterschiedlichen Jahreszeiten in das Offenland, die halboffene Landschaft und den Wald beschickt werden. Dabei ist von Vorteil, dass die Heidschnucken auch während der Wintermonate auf der Insel verbleiben können. Dazu wurden auf der Insel Unterstellmöglichkeiten für die Tiere errichtet.[15]

Bienenbelegstelle[Bearbeiten]

Bienenbelegstelle auf der Greifswalder Oie

Auf der Insel befindet sich eine Bienenbelegstelle, in der Kärntner Bienen (Apis mellifera carnica) unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet werden. Da sowohl die Königin, wie auch die Drohnen zur Paarung teilweise große Entfernungen zurücklegen können, wird zur Zucht ein Ort benötigt, der von nicht erwünschten Drohnen nur schwer erreicht werden kann. Diese Voraussetzungen sind auf der Oie, wie auch in den weiteren Bienenbelegstellen auf der Insel Hiddensee und auf dem Ruden gegeben. Die Zucht hat das Ziel, die Sanftmütigkeit und den Honigertrag zu steigern. Weiterhin soll die Schwarmneigung gesenkt und die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten gesteigert werden.

Die Bienenbelegstelle wird vom Landesverband der Imker Mecklenburg und Vorpommern sowie dem Bienenzuchtzentrum Bantin betrieben.[16] Mitunter wird hinterfragt, warum in einem Naturschutzgebiet eine Zuchtstation ihre Berechtigung hat. Der Verein Jordsand argumentiert, dass die Bienen nicht nur Honig liefern, sondern auch eine „breite Vielfalt an Pflanzen bestäuben“. Damit seien sie „nicht nur für die Ertragssicherheit von Kulturpflanzen, sondern auch für die Arterhaltung der Wildpflanzen von großem Nutzen“.[16] Die Bestäubung der Pflanzen werde durch die Zucht nicht beeinflusst.

Erreichbarkeit und Fremdenverkehr[Bearbeiten]

Die Greifswalder Oie wird von Ausflugsdampfern von Peenemünde und Freest aus angelaufen. Allerdings ist die Oie als Naturschutzgebiet der Öffentlichkeit nur begrenzt zugänglich. Maximal 50 Personen pro Tag dürfen die Insel betreten. Privater Bootsverkehr und Baden sind nicht gestattet und gastronomische Einrichtungen existieren dort nicht. Die Insel kann vom Hafen zum Leuchtturm an der Nordspitze über einen beschilderten Weg erwandert werden. Im Schutzhafen der Insel ist der Seenotrettungskreuzer Eugen der DGzRS stationiert.

Der Leuchtturm[Bearbeiten]

Der Leuchtturm Greifswalder Oie hat seinen Standort am Übergang zum freien Seeraum der Ostsee. Die Grundsteinlegung erfolgte am 24. August 1853 durch König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen.[9] Der heute unter Denkmalschutz stehende, 38,6 Meter hohe, achteckige Turm wurde am 1. Oktober 1855 offiziell in Betrieb genommen. Er ist bis heute mit 26 Seemeilen (rund 50 Kilometer) Tragweite der lichtstärkste Leuchtturm Mecklenburg-Vorpommerns und besitzt eine linksdrehende Optik mit einer Blitz-Wiederkehr von 3,8 Sekunden. Die Feuerhöhe liegt 48,5 Meter über dem Meeresspiegel.[17]

In den Anfangsjahren wurde das Licht mit Rapsöl erzeugt, ab 1885 wurden Petroleumlampen dazu verwendet. In den Jahren 1911–1914 erfolgte ein Umbau, bei dem ein neues Laternenhaus der Firma Pintsch aus Berlin mit einem Durchmesser von 4,5 Meter errichtet wurde. In das vergrößerte Laternenhaus wurde eine Fresnel-Linse der Firma Weule aus Goslar mit einer Brennweite von 900 Millimeter und einer Höhe von 2,8 Meter eingebaut.[9] Ab 1938 wurden elektrische Scheinwerferlampen mit einer Spannung von 110 V und einer Leistung von 2000 Watt zur Lichtsignalgebung genutzt. 1978 wurde der Leuchtturm auf eine Fernüberwachung umgestellt, so dass der letzte Leuchtfeuermaschinist den Turm verließ und damit die 120-jährige Geschichte der Leuchtfeuerwärter auf der Insel beendete. 1994 erfolgte eine weitere Sanierung, bei der Entladungslampen eingebaut wurden (400 V bei 2000 Watt). Seit dem Frühjahr 2007 ist das Gebäude im Sommer täglich für eine begrenzte Zahl von Touristen geöffnet.

Das Bauwerk ist auf einer 45-Cent-Briefmarke in der Serie Leuchttürme abgebildet, die von der Deutschen Post AG am 8. Juli 2004 ausgegeben wurde. Bereits am 7. Mai 1974 gab es eine ähnliche Briefmarke von der Deutschen Post der DDR von 40 Pfennig in der Serie Leuchttürme, Leit- Leucht- und Molenfeuer.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Guido Verse: Sedimentation und paläogeographische Entwicklung des Greifswalder Boddens und des Seegebietes der Greifswalder Oie (südliche Ostsee) seit dem Weichsel-Spätglazial. (Dissertation), Universität Greifswald 2001, S. 12 (Digitalisat der Einleitung, PDF 345 KB)
  2. Aushang in der Biologischen Station Walter-Banzaf: Eine kleine geologische Geschichte der Insel, Inaugenscheinnahme am 14. August 2011.
  3. Aushang in der Biologischen Station Walter-Banzaf: Insel heute – Die Pflanzenwelt, Inaugenscheinnahme am 14. August 2011.
  4. Aushang in der Biologischen Station Walter-Banzaf: Zur ornithologischen Bedeutung der Oie, Inaugenscheinnahme am 14. August 2011.
  5. Deutschlandwetter im Jahr 2009
  6. Mechthild Henneke: Wetterextreme in Deutschland 2009. In: Südkurier vom 28. April 2010
  7. Joachim Blüthgen: Greifswalder Oie und Ruden, in: Ergänzungsheft Nr. 248 zu Petermanns Geographische Mitteilungen, Gotha 1952, S. 2.
  8. Aushang in der Biologischen Station Walter-Banzaf: Erstmalige Erwähnungen der Insel, Inaugenscheinnahme am 14. August 2011.
  9. a b c d Aushang in der Biologischen Station Walter-Banzaf: Ackerbau & Viehzucht – Das Leben auf der Oie im 18./19. Jahrhundert, Inaugenscheinnahme am 14. August 2011.
  10. Aushang in der Biologischen Station Walter-Banzaf: Fischerei & Seemannsheim, Inaugenscheinnahme am 14. August 2011.
  11. a b Aushang in der Biologischen Station Walter-Banzaf: Das Leben der Insulaner zu Anfang des 20. Jahrhunderts, Inaugenscheinnahme am 14. August 2011.
  12. Axel Dietrich: Die Greifswalder Oie – Das Helgoland der Ostsee: Geschichte einer Insel, Peenemünde 1993
  13. Aushang in der Biologischen Station Walter-Banzaf: Die Oie als militärisches Sperrgebiet, Inaugenscheinnahme am 14. August 2011.
  14. a b Verein zum Schutze der Seevögel und der Natur e. V.: Unsere Schutzgebiete – Greifswalder Oie („Helgoland der Ostsee“), Stand: 2007.
  15. Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e. V.: Naturschutz auf der Greifswalder Oie: Biotopmanagement – Sanfte Beweidung mit Heidschnucken, Stand: 2010.
  16. a b Aushang an der Bienenbelegstelle auf der Greifswalder Oie, Inaugenscheinnahme am 14. August 2011.
  17. Technische Daten zum Leuchtturm Greifswalder Oie auf der Eintrittskarte zum Turm.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Blüthgen: Greifswalder Oie und Ruden, in: Ergänzungsheft Nr. 248 zu Petermanns Geographische Mitteilungen, Gotha 1952.
  • Axel Dietrich: Die Greifswalder Oie – Das Helgoland der Ostsee: Geschichte einer Insel, Peenemünde 1993.
  • Lutz Mohr: Zwischen Ryck und Ruden ... Boddeninseln im Spiegel der Geschichte. Neue Greifswalder Museumshefte (NGM), Heft Nr. 3, Greifswald 1978, S. 50-59.
  • Lutz Mohr: Zwischen Walfisch und Oie. Eilande an der Ostseeküste der DDR. In: Jahrbuch der Schiffahrt. Berlin: Transpress Verlag 1986, S. 109-117, 17 Kartenabbildungen.
  • Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Bd. 2: Festland. (=Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Bd. 2), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6. S. 99
  • Jörg Tamm: Ostseeinsel Greifswalder Oie – Greifswalds kleine Insel und ihr Leuchtturm gezeigt an historischen Ansichts- und Postkarten, Steffen Verlag 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Greifswalder Oie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien