Saad Hariri

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Saad Hariri (2007)

Saad Hariri, arabisch ‏سعد الدين رفيق الحريري‎, DMG Saʿd ad-Dīn Rafīq al-Ḥarīrī, (* 18. April 1970 in Riad), ist ein libanesisch-saudi-arabischer Unternehmer, Politiker und Milliardenerbe.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Saad ist der zweitälteste Sohn des 2005 ermordeten Unternehmers und damaligen Regierungschefs Rafiq al-Hariri und dessen erster Frau. Er besitzt neben der libanesischen auch die saudi-arabische Staatsbürgerschaft und ist wie sein Vater Sunnit. Saad studierte wie seine Brüder in den USA an der katholischen Georgetown University Betriebswirtschaft und erwarb 1992 den Bachelor in International Business. Außerdem gilt er als Experte für Telekommunikations- und Informationstechnik. Er ist General Director von Saudi Oger, einem Mischkonzern mit 35.000 Angestellten, und besitzt darüber hinaus Teilhaberschaft auch an zahlreichen anderen Konzernen der arabischen Welt, wie z. B. der Saudi-arabischen Bank. Zudem ist er wie sein Vater mit dem saudi-arabischen Königshaus befreundet. [1]

Politik[Bearbeiten]

Nach dem Tod seines Vaters trat Saad dessen politisches Erbe an. Bei der ersten Teilabstimmung der Parlamentswahlen im Libanon 2005 am 29. Mai gewann er mit seiner „Versöhnungs- und Reformliste“ (Zukunftsbewegung, arabisch ‏تيار المستقبل‎ Tayyār al-Mustaqbal, französisch Courant du Futur) alle 19 Sitze, die in der Hauptstadt Beirut zu vergeben waren; davon standen ihm allerdings schon 9 Sitze vor der Wahl wegen Gegnermangels zu. Zum Wahlerfolg trugen der Mythos Rafiq Hariris und umfangreiche Geldmittel bei. Das Endergebnis der in mehreren Durchgängen stattfindenden Wahlen, die am 19. Juni 2005 zu Ende gingen, wies für sein auch Rafiq-Hariri-Märtyrer-Liste genanntes Wahlbündnis insgesamt 72 der 128 Parlamentsmandate aus. Solange aber Émile Lahoud noch Staatspräsident sei, wolle er nicht Ministerpräsident werden. Dies wurde der ehemalige Finanzminister Fuad Siniora, ein langjähriger Vertrauter seines Vaters.

Am 8. Juni 2009, einen Tag nach den libanesischen Parlamentswahlen, erklärte sich Hariri mit seiner pro-westlichen Allianz zum Sieger über die prosyrischen Parteien, dennoch will er auch die Hisbollah an einer Koalition beteiligen. Nach ersten Auszählungen gewann seine Fraktion 71 der 128 Parlamentssitze.[2] Der Wahl wird sowohl im Libanon als auch im Ausland eine besondere Bedeutung zuerkannt, da sie das „Kräfteverhältnis zwischen moderaten und islamistischen Kräften in der Region insgesamt beeinflussen könnte.“[3]

Ihm gelang es jedoch nicht, seine Pläne umzusetzen und eine Regierung der nationalen Einheit unter Beteiligung der Opposition zu bilden. Zehn Wochen nach der Wahl erklärte er deshalb seinen Verzicht auf das Amt des Ministerpräsidenten.[4]

Saad Hariri war nach 2005 schon zweimal das Regierungsamt angeboten worden, das nach dem System der Machtteilung einem Sunniten vorbehalten ist. Beide Male verzichtete er jedoch zugunsten von Fuad Siniora, eines ehemaligen Beraters seines Vaters. Auch Abgeordnete des rivalisierenden Lagers hatten 2009 seine Nominierung unterstützt. [5]

Im Syrischen Bürgerkrieg wird Hariri als eine der Schlüsselfiguren in der Organisation des Waffennachschubs für die Rebellen vermutet.[6]

Familie[Bearbeiten]

Als ein Erbe des väterlichen Vermögens steht Saad Hariri auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt und gilt als einer der jüngsten Milliardäre, ebenso wie seine jüngeren Halbbrüder Fahd (* 1980) und Ayman Hariri (* 1978) und sein älterer Bruder Bahaa Hariri. Seine Halbschwester Hind (* 1984) galt für kurze Zeit als jüngste Milliardärin der Welt.[7]

Er und Bahaa entstammen der Ehe Rafiq Hariris mit seiner ersten, irakischen Ehefrau. Seine Halbgeschwister gingen aus der zweiten Ehe seines Vaters hervor.

Saad Hariri ist zum zweiten Mal verheiratet und Vater von drei Kindern; seine Ehefrau ist Syrerin.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. vgl. Analyse zum Besuch des saudischen Königs in Beirut aus zenith - Zeitschrift für den Orient 1. August 2010
  2. vgl. Hariri-Fraktion erklärt sich zum Wahlsieger (stern.de, 8. Juni 2009)
  3. vgl. Pro-westliches Bündnis erklärt sich zum Sieger (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung (tagesschau.de, 8. Juni 2009)
  4. Libanons Hariri gibt Regierungsbildung auf (Deutsche Welle 10. September 2009)
  5. Saad Hariri ist neuer Ministerpräsident (Spiegel 27.Juni 2009)
  6. New York Times vom 6. Oktober 2012, Robert F. Worth: Citing U.S. Fears, Arab Allies Limit Syrian Rebel Aid, gesichtet am 20. März 2013
  7. The Daily Star, 11. März 2006 [3]