Schiermonnikoog

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Gemeinde Schiermonnikoog
Flagge der Gemeinde Schiermonnikoog
Flagge
Wappen der Gemeinde Schiermonnikoog
Wappen
Provinz Friesland
Bürgermeister Sjon Stellinga (PvdA)
Sitz der Gemeinde Schiermonnikoog
Fläche
 – Land
 – Wasser
199,07 km²
40,79 km²
158,28 km²
CBS-Code 0088
Einwohner 941 (1. Jan. 2014[1])
Bevölkerungsdichte 5 Einwohner/km²
Koordinaten 53° 29′ N, 6° 12′ O53.4891666666676.2022222222222Koordinaten: 53° 29′ N, 6° 12′ O
Vorwahl 0519
Postleitzahlen 9166
Website www.schiermonnikoog.nl
Lage von Schiermonnikoog in den Niederlanden

Schiermonnikoog [ anhören?/i] („Insel der grauen Mönche“; friesisch Skiermûntseach, im lokalen friesischen Dialekt Schiermonnikeich) ist eine der Westfriesischen Inseln. Mit 16 mal 4 Kilometern ist sie die kleinste der fünf bewohnten niederländischen Waddeneilanden („Wattinseln“). Sie zählt 941 Einwohner (Stand 1. Januar 2014) und wurde 2006 von der Nederlandse Christelijke Radio-Vereniging zum „schönsten Ort der Niederlande“[2] ernannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Satellitenaufnahme der Insel

Die Insel entstand vor weit über 1000 Jahren, hat sich als Wattinsel im Lauf der Zeit indes in Form und Umfang stark verändert. Daher sind die ältesten Teile der heutigen Insel nur ungefähr 800 Jahre alt. Wann und von wem Schiermonnikoog zum ersten Mal besiedelt wurde, ist nicht bekannt.[3] Der Name Schiermonnikoog taucht zum ersten Mal in einer Urkunde des holländischen Grafen Philipp der Gute auf. Dieses Dokument aus dem Jahr 1440 beweist, dass die Insel dem Abt des friesischen Klosters Klaarkamp in Rinsumageest bei Dokkum gehörte. Diese Zisterziensermönche trugen graue Kutten. Diesem Umstand verdankt die Insel ihren Namen: Im Friesischen bedeutet schier „grau“, monnik „Mönch“ und oog „Insel“ – „Insel der grauen Mönche“. Seit 1961 erinnert im Dorf eine Bronzestatue des niederländischen Künstlers Martin van Waning an die Mönche.

Der graue Mönch von Martin van Waning

Die Besitztümer dieses Klosters wurden 1580, als sich in Friesland die Reformation durchsetzte, von der Verwaltung dieser Provinz beschlagnahmt. 1638 war Friesland jedoch mit den Zahlungen für den Krieg der niederländischen Republik so in Rückstand geraten, dass etliche Klostergüter verkauft werden mussten. Zu diesen gehörte auch Schiermonnikoog. 1640 erwarb der holländische Kaufmann Johan Stachouwer, der aus Amsterdam stammte, die Insel. Sie blieb auch in der Folgezeit, wie Ameland, eine Erbherrschaft. Für Johan Stachouwer war der Kauf von Schiermonnikoog eine Geldanlage. Die Verwaltung wurde in seinem Namen von einem Drost und vier Bürgermeistern ausgeübt. Im 18. Jahrhundert ergaben sich zwischen der Familie Stachouwer und dem Groninger Regentengeschlecht Tjarda van Starkenborgh Eheverbindungen; daraus entstand der Name Tjarda van Starkenborgh Stachouwer.

Etwa ab 1720 wurde das heutige Dorf Schiermonnikoog errichtet, da das erste Dorf (Westerburen, etwa zwei Kilometer weiter westlich) durch die stetige Erosion an der Westkante der Insel schließlich zerstört wurde. Erste Deiche wurden 1767 errichtet.

Deich mit Schafen

In der französischen Zeit verlor die Familie Stachouwer den größten Teil ihrer herrschaftlichen Rechte. Sie blieb jedoch Besitzer des Grund und Bodens. 1858[4] oder 1859[5] verkaufte sie die Insel an einen Dr. jur. John Eric Banck aus Den Haag, der 1860 durch Eindeichung dem Wattenmeer einen 260 Hektar großen Polder abgewann. 1866 wurde Schiermonnikoog zum Seebad erklärt. Banck verkaufte die Insel im Jahr 1893 an einen deutschen Grafen, Berthold Hartwig Arthur von Bernstorff-Wehningen. Drei Generationen lang blieb die Insel im Besitz der Familie, bevor Becholt Eugen von Bernstorff sie 1940 von seinem Vater erbte.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde von den deutschen Besatzern in den Dünen unter anderem ein Bunker mit dem Namen "Wassermann" als Teil des Atlantikwalls errichtet. Sie bauten nordöstlich des Dorfes einen Radarposten ("Schleidorf") und legten eine Schmalspurbahn an. Als im April 1945 der Norden der Niederlande von kanadischen Truppen befreit wurde, flüchtete eine Gruppe von etwa 120 SS-Leuten nach Schiermonnikoog. Erst am 11. Juni wurden die letzten 600 Deutschen auf Schiermonnikoog abgeführt. Nach dem Krieg wurde die Insel 1945 von dem Königreich der Niederlande als Vijandelijk Vermogen (feindliches Vermögen) beschlagnahmt; die Familie von Bernstorff wurde enteignet, und die Insel fiel an das Königreich.

Heute ist Schiermonnikoog eine beliebte Urlaubsinsel (ca. 300.000 Besucher pro Jahr[6]) mit einem Badestrand, der bis zu einen Kilometer breit ist und damit zu den breitesten Badestränden Europas zählt. Die Hauptstraße – Lange Streek – ist gesäumt von Backsteinhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Ebenfalls erhalten sind das Gutshaus Rijsbergen am Dorfrand und das alte Rathaus im Ortskern, die heute als Hotels genutzt werden.

Haus an der Lange Streek

Im Jahre 2005 schlossen die Provinzen Groningen und Friesland ein Übereinkommen, in dem festgelegt wurde, dass die gesamte Fläche der Insel Schiermonnikoog weiterhin zu Friesland gehört. Dies wurde nötig, da die Insel durch Sandanspülungen weiter nach Osten gewachsen ist und ihre Ostspitze sonst im Bereich der Provinz Groningen läge. Durch den Vertrag wurde die Seegrenze zwischen Friesland und Groningen nach Osten verlegt. Schiermonnikoog hat sich in den letzten Jahren so weit nach Osten vorgeschoben, dass der östliche Teil an der Stelle der 1717 während der Weihnachtsflut versunkenen Insel Bosch liegt.

Nationalpark Schiermonnikoog[Bearbeiten]

Salzwiese

Im Jahr 1989 wurden das Wattenmeer und rund 5.400 Hektar der Insel als Nationalpark ausgewiesen. Das Gebiet umfasst Strandgebiete, das Watt, Dünen, Salzwiesen und den kleinen See Westerplas, der bis 1965 noch eine Salzwiese war, aber durch einen künstlichen Dünenrücken vom Meer abgetrennt wurde und nun die einzige Süßwasserstelle auf der Insel darstellt. Die östliche Hälfte der Insel ist Vogelschutzgebiet und von April bis Juli teilweise gesperrt.[7] Auch ein Wald gehört zum Gebiet des Nationalparks. Der letzte Privatbesitzer Graf von Bernstorff ließ ihn zwischen 1910 und 1920 als Nadelwald anlegen, da Nadelholz damals im Bergbau sehr gefragt war. Inzwischen wurden die Nadelbäume weitgehend durch Laubbäume, hauptsächlich Birken, verdrängt und es ist ein Mischwald entstanden.

Auf der Insel ist ein Besucherzentrum eingerichtet, das in einer Ausstellung über die Landschaftstypen der Insel informiert und geführte Exkursionen in den Nationalpark anbietet. Neben Wanderungen und Fahrradtouren können auch Busfahrten am Strand (Balgexpres), Kutschfahrten oder Bootstouren unternommen werden.

Das Dorf, der Bancks-Polder, die Umgebung des Dorfes mit Eisbahn, Campingplatz und dem Berkenplas sowie das Dünengebiet im Norden des Dorfes gehören nicht zum Nationalpark. Auf dem Polder sind Milcherzeuger angesiedelt, an einigen Stellen wird Mais angebaut. Hier überwintern große Verbände von Ringel- und Weißwangengänsen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Vogel, Klaas Sikkema: Schiermonnikoog. Ein kleines Insel-Mosaik. VVV Schiermonnikoog 1999.
  • IVN (Hrsg.): Nationalpark Schiermonnikoog, 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schiermonnikoog – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Schiermonnikoog – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 12.04.2014Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. VVV Schiermonnikoog
  3. IVN (Hrsg.): Nationalpark Schiermonnikoog, 2006, S. 9.
  4. IVN (Hrsg.): Nationalpark Schiermonnikoog, 2006, S. 28.
  5. Hans-Jürgen Vogel, Klaas Sikkema: Schiermonnikoog. Ein kleines Insel-Mosaik. VVV Schiermonnikoog 1999, S. 1.
  6. IVN (Hrsg.): Nationalpark Schiermonnikoog, 2006, S. 6.
  7. IVN (Hrsg.): Nationalpark Schiermonnikoog, 2006, S. 3.