Koog

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Koog (Plural: Köge), auch Polder oder Groden, ist an der Nordseeküste Deutschlands, Dänemarks, der Niederlande und Belgiens durch Deichbau und Entwässerung aus der See gewonnenes flaches Marschland. Diese Form der Landgewinnung gibt es auch an Flussläufen. In der Regel schützt ein Deich den Koog.

Westerkoog (Dithmarschen): Typische Kooglandschaft im Februar 2004

Etymologie[Bearbeiten]

In seiner ursprünglichen deutschen Schreibweise Kog hat das Wort die Bedeutung „hohes Land vor dem Deich“. So ist es im neuniederländischen Wort kaag erhalten geblieben, von dem es im Zuge des Deichbaues entlehnt wurde. Koog hat nunmehr die Bedeutung „eingedeichtes Land“. Aus dem Dithmarscher Wort koch (15./16. Jahrhundert) kam es in die dänische Sprache als kog. Im Nordfriesischen heißt es kuch. In der Schreibweise Koog lässt sich die Verwendung beim Dichter Michael Richey für das Jahr 1755 nachweisen. Und um 1700 hieß das heutige Cuxhaven noch Koogshaven.[1]

In den Niederlanden und in angrenzenden Teilen Ostfrieslands wird für das eingedeichte Land meist das Synonym Polder (plattdeutsch: Poller) gebraucht, das mit dem Wort Pfuhl verwandt sein soll.[2] Im östlichen Teil Ostfrieslands und im Oldenburger Land gibt es noch die Bezeichnung Groden.

Groden[Bearbeiten]

Der Begriff Groden (vgl. engl. to grow = „wachsen“, „anwachsen“) bezeichnet von der See angeschwemmte Neulandgebiete. Sinkstoffe lagern sich bei dem Gezeitenwechsel von See her auf dem Watt ab. Nach Erreichen einer bestimmten Außengrodenhöhe erfolgt die Eindeichung. Eingedeichtes Land wird zum Innengroden. Durch Trockenlegung verdichtet sich der fruchtbare Boden und kann sich im Laufe der Zeit auf ein Niveau unterhalb des Meeresspiegels senken. Der ansteigende Meeresspiegel vor dem Deich und das Absacken der trockengelegten ehemaligen Meeresbereiche hinter dem Deich führen daher bei mehreren Eindeichungen zu einer immer höheren Lage der neu eingedeichten Marschflächen. Auf diese Weise entsteht eine so genannte Poldertreppe.[3]

Der Namensbestandteil Groden findet sich beispielsweise in Wilhelmshaven in seinen Stadtteilen Altengroden, Neuengroden und Fedderwardergroden, den dortigen Heppenser, Voslapper und Rüstersieler Groden, sowie im Umland mit Cäciliengroden, Petersgroden und Adelheidsgroden. Alle diese Gebiete sind vor kürzerer (20. Jahrhundert) oder längerer Zeit durch Eindeichung und Aufspülung entstanden, wie es bei Poldern der Fall ist.

Siehe auch Salzwiese und Vorland

Entwässerung[Bearbeiten]

(Pumpen-)Mühlen auf Deich des Overwaard-Polders bei Kinderdijk

Da ein Koog oder Polder oft niedriger als der Wasserspiegel der angrenzenden Gewässer liegt, muss das Binnenland ständig entwässert werden. Die Aufgabe der Entwässerung übernehmen Vorfluter, Siele, Schöpfwerke und Wasserpumpen.[4]

In heutiger Zeit arbeiten die Pumpen mit Motorkraft, in vorindustrieller Zeit bis teilweise zur Hochindustralisierung wurden sie mit Windkraft betrieben (Windpumpe). Die Gruppen von Windmühlen auf den Deichen des Rheindeltas − ein Wahrzeichen der Niederlande − sind alte Wasserpumpen.

Flussköge[Bearbeiten]

Neben der Gewinnung von Land aus dem Meer spricht man auch an Flüssen von Kögen oder Poldern. Meist handelt es sich um ehemalige Feuchtgebiete, die nun landwirtschaftlich genutzt werden. Dabei wird aus einer Flussaue oder einem Bruch ein ganz anderes Ökosystem, an dessen Ursprung nur noch der Name erinnert, wie an dem Beispiel des Oderbruchs zu sehen.

An Rhein, Elbe und Oder werden diese Flächen auch zum Hochwasserschutz mittels Fluten genutzt. Ist das Hochwasser ausreichend abgeflossen, pumpt man das Wasser wieder aus den Poldern und kann diese bis zum nächsten Hochwasser wieder landwirtschaftlich nutzen.

Bis in die 1950er Jahre wurden Köge aus wirtschaftlichen Gründen zur Landgewinnung angelegt, seitdem steht der Küstenschutz im Vordergrund: „Inselschutz ist Küstenschutz“.

Bekannte Polder[Bearbeiten]

In den Niederlanden und Flandern sind ganze Landgebiete eingedeicht, und sie bilden eine typische Polderlandschaft. Das bekannteste Beispiel sind die Zuiderzeewerke, die die Zuiderzee in das IJsselmeer verwandelt haben.

Das Oderbruch ist ein Polder, seit durch die Eindeichung im 18. Jahrhundert die Oder, deren Wasserspiegel nun höher liegt als der Boden der Oderniederung, am Ostrand dieser Niederung daran vorbeigeführt wird.

Die Polderlandschaft der Insel Schokland in den Niederlanden wurde 1995 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen, da diese Kulturlandschaft wegen ihres „außergewöhnlich universellen Wertes“ besonders erhaltenswert sei.

Norddeutsche Köge[Bearbeiten]

An der schleswig-holsteinischen Westküste und der Unterelbe wurden im Laufe der Jahrhunderte über 230 Köge gewonnen. Die ältesten Köge liegen in Eiderstedt; sie stammen aus dem 11. Jahrhundert.[4] Nach der Burchardiflut von 1634 kam es vermehrt zum Bau Oktroyierter Köge.
Bekannte Köge sind beispielsweise:

Ausdeichungen[Bearbeiten]

Eine Besonderheit sind Gebiete, die nicht dem klassischen Zwecke der Landgewinnung dienten, sondern als bereits besiedeltes und bedeichtes Marschland nach Sturmfluten aufgegeben, durch neue / rückverlegte Deiche ausgedeicht werden mussten und oft erst nach wiederholten Anstrengungen wieder eingedeicht werden konnten.

  • Altenkoog bei Ostermoor, ausgedeicht 1687–1762
  • Brunsbüttel-Eddelaker Koog („Brunsbüttelkoog“), ausgedeicht 1717–1762 („Soldatendeich“)
  • Dammkoog, ausgedeicht 1362–1489

Literatur[Bearbeiten]

  • Harry Kunz, Albert Panten: Die Köge Nordfrieslands. Mit Karte. Nordfriisk Instituut, Bräist/Bredstedt 1997, ISBN 3-88007-251-5 (Nordfriisk Instituut 144).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Polder in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Koog – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 1975, Lemma Kog.
  2. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 1975, Lemma Polder.
  3. Klimapfad Sande, Seite 22 (PDF; 1,5 MB), abgerufen am 20. Mai 2013
  4. a b Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc: Schleswig-Holstein Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2006, Lemma Koog.