Seilbrücke

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Eine Seilbrücke ist eine Hängebrücke aus Naturfaser-, Kunstfaser- oder Stahlseilen.

Alte Triftbrücke
Stahlseilbrücke 170 m

Inhaltsverzeichnis

Bauformen [Bearbeiten]

Einfachseil [Bearbeiten]

Die einfachste Seilbrücke ist ein einfaches gespanntes Seil. Überquert wird ein Einfachseil hängend an Füssen und Händen, oder auf dem Bauch rutschend mit einem Bein auf dem Seil und das andere als Gegengewicht herunterhängend (dabei kann ein Stock als Scheuerschutz zwischen Bauch und Seil gelegt werden).

In der Seilakrobatik geht der Artist aufrecht balancierend über das Seil, meist mit einer Balancierstange. In der jungen Sportart Slacklining wird statt des Seiles ein Gurtband verwendet. Bei einer Seilrutsche wie unten beschrieben, oder einer Seilbahn hängt der Überquerer an einem Karabinerhaken oder einer Seilrolle.

Doppelseil übereinander [Bearbeiten]

Das untere Seil ist das Tragseil, das obere das Halteseil. Eine solche Konstruktion ist nur auf kurze Strecken beziehungsweise bei sehr hoher Seilspannung brauchbar. Bei längeren Strecken verwinden sich die beiden Seile derart, dass ihre unterschiedliche Funktion als Trag- oder Halteseil nicht mehr gewährleistet ist. Für diese Brücken werden meist Stahlseile eingesetzt.

Doppelseil nebeneinander [Bearbeiten]

Diese Konstruktion sieht man häufig auf Kinderspielplätzen als Spielgerät zur Schulung des Gleichgewichtssinnes. Meist werden dazu Stahlseile eingesetzt. Werden die beiden Seile durch Holzsprossen oder einen durchgehenden Holzbelag verbunden, wird die Konstruktion bei entsprechend hoher Seilspannung etwas stabiler, zumindest solange man nur die Mittellinie zum Gehen benutzt. Sobald die Mittellinie verlassen wird, beginnt sich die Konstruktion genauso wie die Brücke mit „Doppelseil übereinander“ zu verwinden.

Eine besondere Form ist der „Wild Woosey“, zwei V-förmig auseinanderlaufende Seile, die zu zweit überquert werden. Dabei wird der Abstand von etwa 40 cm immer größer bis etwa 2 m, so dass sich die beiden Überquerer gegenseitig stützen müssen.

Dreiseilbrücke in V-Form [Bearbeiten]

Diese Konstruktion ist auch als Nepal-Brücke bekannt und wird in Entwicklungsländern oft über große Spannweiten zur Überquerung von Schluchten und Flüssen gebaut. Im Gebirge wird sie in Klettersteigen eingesetzt. Dabei ist das untere Seil das Tragseil, die beiden oberen Seile dienen als Halteseil. Seitlich sind die Seile stabilisierend miteinander verbunden, so dass Schwingungen und Verwindungen stark gedämpft werden.

Bei der „Burma-Brücke“ werden die drei Seile mit kurzen Verbindungsseilen fest miteinander verbunden. Diese Verbindungen werden im Abstand von einer Schrittweite angebracht. Beim Überqueren tritt man dann nicht auf das Tragseil, sondern wesentlich stabiler in das V-förmige Verbindungsseil.

Eine Abwandlung ist eine 2-Seilbrücke, bei der zwischen den beiden Seilen schulterhohe Schlaufen hängen. Man tritt von Schlaufe zu Schlaufe und benutzt die beiden Seile als Geländer. Häufig zu sehen im Klettergarten.

Beispiele [Bearbeiten]

 Commons: Seilbrücken in Neuseeland – weitere Seilbrücken (auf neuseeländischen Wanderwegen)

Seilbrücken im Outdoortraining [Bearbeiten]

Pfadfinder, Jugend und Sport und andere Jugendgruppen bauen in ihren Zeltlagern Seilbrücken über Bäche und Schluchten und zwischen Baumhäusern. Im Outdoortraining ist die Konstruktion und Überquerung einer Seilbrücke eine herausfordernde Projektaufgabe für Teams und Führungskräfte. Im Hochseilgarten, im Kletterwald und auf Abenteuerspielplätzen werden Seilbrücken teilweise fest eingerichtet.

Das Überqueren einer Seilbrücke stellt große Anforderungen an den Gleichgewichtssinn und an die Angstbewältigung.

Sicherheit [Bearbeiten]

Für Seilbrücken dürfen nur geprüfte Statikseile mit geringer Dehnung verwendet werden. Beim Überqueren ist immer ein zusätzliches Sicherungsseil zu benutzen. Dazu wird ein Klettergurt getragen, der mit einer Bandschlinge und einem Schraubkarabiner am Sicherungsseil eingehängt wird und so bei einem Sturz die notwendige Sicherheit gewährleistet. [1][2]

Spannen der Seile [Bearbeiten]

Trag- und Halteseile (mindestens 10 mm Durchmesser mit einer Reißfestigkeit von mindestens 2400 daN) werden mit einem Hilfsflaschenzug mit etwa 300 bis 600 daN gespannt. Dazu wird oft eine Klettersteigbremse verwendet, die die Last auf etwa 380 daN begrenzt. Beim Spannen muss die Umlenkung im Flaschenzug immer mit einer Rolle erfolgen oder hilfsweise mit einem Karabiner (nie direkt im Seil, was zu Schmelzverbrennung des Seilmaterials führt). Der Seildurchhang soll mindestens 10 % betragen, dann werden die Verankerungspunkte mit unter 1.000 daN belastet. [3] [4] Die Seile dürfen nach ersten Belastungstests höchstens einmal nachgespannt werden, da sie bei mehrmaligem Spannen unzulässig gedehnt würden.

Borkenschutz [Bearbeiten]

Werden Bäume als Verankerung benutzt, ist die Borke zu schützen. Dazu wird eine Polsterung (Isomatte, Teppichrest) um die Borke gelegt, darüber rund um den Stamm fassartig mehrere Hölzer zur Druckverteilung (mit Spanngurt fixieren). Bei zeitlich begrenzter Einrichtung genügen doppelt genommene breite Bandschlingen.[5]

Knotentechnik [Bearbeiten]

Trag- und Halteseile werden auf der einen Seite mit einem Webeleinenstek oder Zimmermannsschlag an einem dicken fest verwurzelten Baum befestigt. Auf der anderen Seite werden sie mit einem Flaschenzug gespannt. Ein solcher Flaschenzug besteht aus Bandschlingen oder Reepschnüren, die mit Karabinerklemmknoten oder Prusikknoten an Trag- und Hilfseilen festgemacht werden. Umlenkungen werden immer durch Seilrollen oder Karabinerhaken geführt, damit das Seil nicht durch Reibung zerstört wird. Das Tragseil wird nach dem Spannen mehrmals um einen dicken Baum geschlungen und das Ende gesichert.

Seilrutsche im Outdoortraining [Bearbeiten]

Seilrutsche 45 m

Die Seilrutsche, auch Seilbahn, „Flying Fox“, in der Schweiz "Tirolienne" oder "Tyrolienne", in Österreich "Guerillarutsche", ist eine Ein-Seil-Brücke zur Überquerung von Schluchten und Flüssen. Damit werden an einer Rolle oder an einem Karabinerhaken hängende Personen oder Lasten transportiert.

mit Statikseil [Bearbeiten]

Für Seilrutschen dürfen nur geprüfte Statikseile mit geringer Dehnung verwendet werden. Siehe Sicherheit und Spannen der Seile im Artikel Seilbahn.

Sicherheitsrelevante Systeme werden doppelt ausgeführt (Redundanz). Zusätzlich zum Tragseil wird immer ein ebenfalls statisches Sicherungsseil verwendet, das etwa 1 m über dem Tragseil gespannt wird. Auf beiden Seilen läuft je eine Seilrolle, die miteinander über eine Bandschlinge und Schraubkarabinern verbunden sind. Dabei werden spezielle geschlossene Doppelrollen verwendet. Alternativ können Schraubkarabiner verwendet werden. Schraubkarabiner werden mit der Schraubhülse nach unten (kopfüber) eingehängt, damit sie sich durch Erschütterungen nicht aufschrauben können. Die Last oder Person wird mit einer Bandschlinge an die untere Rolle gehängt. Bei Personentransport ist die Verbindung von Klettergurt und Bandschlinge mit zwei gegenläufig eingehängten Schraubkarabinern auszuführen. Die Person darf nicht ins Seil oder die Rolle greifen können und auch schwere Personen müssen jederzeit frei von Bodenberührung sein.

Gebremst wird mit einem dritten Seil, dem Bremsseil. Dieses wird über eine am Befestigungspunkt angebrachte Umlenkung von einem Helfer geführt. Damit kann die Seilrolle, oder bei Schwierigkeiten die Person, wieder zurückgeholt werden.

Für eine Verankerung an einem Baum soll dieser einen Durchmesser von mindestens 20 cm haben. Zur Befestigung der Seile gibt es zwei Systeme:
a) Eine 30 bis 50 mm breite Bandschlinge wird doppelt um den Baum gelegt und in die Schlaufen ein Schraubkarabiner eingehängt.
b) das Seil wird mehrmals um den Verankerungsbaum geschlungen und das Ende an einem zweiten Baum, an einem starken Ast oder am Tragseil selbst gesichert. Die Borke der Bäume ist zu schützen.

Bei einer Verankerung im Fels ist für jede Seilbefestigung jeweils eine eigene Verankerung erforderlich. Mit Bohrhaken wird eine axiale Zugfestigkeit von 1500 daN erreicht. Jedes Seilende wird sicherheitshalber zusätzlich mit der Verankerung des anderen Seiles verbunden. Das Seil wird am Karabiner mit dem Bergrettungsknoten befestigt.

Das Seil wird am Karabiner mit einem HMS-Knoten befestigt und mit einem Schleifknoten und einem Überhandknoten gesichert (Bergrettungsknoten). Dadurch kann die Befestigung auch unter Last jederzeit und auf beiden Seiten entspannt und gelöst werden. Gespannt wird das Seil mit einem Flaschenzug. Die Umlenkungen werden mit einer Bandschlinge mit einem Kreuzklemmknoten befestigt (nie mit einer Reepschnur) und über eine Rolle geführt. Nach dem Spannen wird das Tragseil am Ankerpunkt fixiert, beispielsweise zweimal um den Baum gewickelt und an einem Ast oder am Seil selbst gesichert. Der Flaschenzug muss dann entspannt werden (sonst droht eine Schmelzverbrennung der Bandschlinge, wenn diese auch nur wenige Zentimeter auf dem Seil rutscht).

mit Stahlseil [Bearbeiten]

Für dauerhaft eingerichtete Seilbahnen werden Stahlseile eingesetzt, beispielsweise für Seilbahnen im Hochseilgarten, Kletterwald oder auf Kinderspielplätzen. Bei der Anwendung von Stahlseilen sind ISO-Normen zu berücksichtigen.

Geschichte [Bearbeiten]

Von der Vorzeit bis zumindest in das letzte Jahrhundert spielten Seilbrücken aus Naturfasern und Lederriemen eine große Rolle in den Gebirgsregionen Ostasiens und Südamerikas. Steile, tiefe Schluchten und reißende, bei Regen stark anschwellende Flüsse verlangten Brücken hoch über dem normalen Wasserstand, was zwangsläufig Brücken mit großen Spannweiten bedeutete. Schlichte hölzerne Jochbrücken oder Steinbogenbrücken mit vergleichsweise kleinen Spannweiten konnten diese Anforderungen nicht erfüllen. Seilbrücken waren daher die einzige Möglichkeit, diese Flüsse zu überqueren.[6]

Die einfachste Form war das Einfachseil, an dem der Reisende sich über den Fluss hangelte. Bei größeren Entfernungen zum anderen Ufer hängte sich die Person mit einem hölzernen Haken an das Seil und zog sich mit den Händen vorwärts, wobei der Haken vorher mit Butter eingefettet wurde, um besser rutschen zu können. Bei großen Flüssen wurde das Seil schräg nach unten gespannt, so dass der Durchhang nicht zu einem zu großen Anstieg auf der anderen Seite führte. Die komfortablere Version hatte ein gesondertes Zugseil, mit dem die am Tragseil angehängten Personen über den Fluss gezogen wurden. Auch die Pferde einer Karawane wurden so über reißende Flüsse gezogen.[7]

Verbreitet waren Brücken aus zwei Tragseilen nebeneinander, zwischen denen in V-Form Schlaufen und geflochtene Netze befestigt waren, die als Gehweg dienten. Manchmal wurde der Gehweg sogar aus langen Brettern gebildet, die in die Schlaufen eingelegt waren. Dreiseilbrücken in V-Form mit engmaschig verwobenen Seilen bildeten die größere Version.

Alle diese Brücken mussten laufend instand gehalten und ausgebessert sowie regelmäßig ersetzt werden.

Mit dem Aufkommen von Drahtseilen wurden Seile aus Naturfasern weitgehend verdrängt. Jedoch müssen auch Drahtseilbrücken gewartet und instand gehalten werden.

Die private schweizer Organisation Helvetas hat in den letzten Jahrzehnten Seilbrücken speziell für Nepal und Bhutan entwickelt und über 4000 dieser Brücken installiert.[8]

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  •  Romano Cotti, Herbert Oberholzer: Kennen und können: Werkbuch praktischer Jugendarbeit. 10. Auflage. Rex-Verlag, Luzern 1984, ISBN 9783725202911.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Ausbildungsunterlagen J+S
  2. Risikomanagement bei Seilrutschen.pdf auf bergundsteigen.at
  3. Bei 10 % Durchhang beträgt die Belastung etwa 2,5 × Körpergewicht + Vorspannung, also beispielsweise bei 80 kg Körpergewicht: 2,5 × 80 + 600 = 800 daN.
  4. Formel in Wikibook Hochseilgärten
  5. Arbeitskreis Sicherheit des DAV
  6. Fotosammlung der Royal Geographical Society Enterprises
  7. Der Pundit A.K. berichtete, dass er 1878 in Yunnan an einem Lederseil hängend den Lancang Jiang, den Oberlauf des Mekong überquert habe.
  8. Helvetas - Nepal