St. Agnes (Köln)

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St. Agnes in Köln

St. Agnes in Köln ist eine katholische Pfarrkirche. Sie befindet sich in der nördlichen Neustadt an der Neusser Straße. Nach dem Dom ist St. Agnes die größte Kirche Kölns. Die Kirche gibt dem sie umgebenden Agnesviertel den Namen. Beim Weltjugendtag 2005 war St. Agnes Gastgeberin für die Gemeinschaft von Communauté de Taizé und führt seitdem monatlich Taizégebete durch. St. Gertrud ist seit den 1960er Jahren Schwesterkirche im Agnesviertel.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Baugeschichte

Der Bau von St. Agnes geht auf die Stiftung von Peter Joseph Roeckerath (1837–1904), einem aufgrund von Grundstücksspekulationen in der Neustadt reich gewordenen Lehrer, aus dem Jahre 1895 zurück. Sie sollte als Grabkirche für seine verstorbene Frau Agnes dienen und deren Namen tragen. Ursprünglich wollte Roeckerath die Kirche an der Herwarthstraße errichten lassen. Dieser Standort wurde dann ebenso verworfen wie ein weiterer Baugrund an der Vorgebirgsstraße. Schließlich fiel nach einem Vorschlag des Generalvikariats des Erzbistums die Wahl auf den Standort an der alten Weggabelung von Neusser Straße und Niehler Straße. Wie andere Kirchen der Kölner Neustadt ist St. Agnes nicht traditionell nach Osten, sondern auf die damals noch junge Ringstrasse ausgerichtet.

1896 wurde mit dem Bau der neugotischen Kirche nach Plänen der Architekten Carl Rüdell und Richard Odenthal begonnen. Sie entwarfen die Kirche im Stil der Neugotik, die in Köln nach der Fertigstellung des Doms sehr populär war. Modell für den Grundriss war die Elisabethkirche in Marburg. Das Gebäude wurde in Ziegelbauweise errichtet und mit hellem Sand- sowie Tuffstein verblendet. Pfeiler, Bögen, die Portale und das Maßwerk der Fenster wurden mit rotem Sandstein hervorgehoben. Auffallend ist, dass sich insbesondere der Turm in seiner Konzeption nicht allein aus dem Formenkanon der Gotik bedient, sondern eine eigenständige, gotisch empfundene Schöpfung des Historismus ist. Der Kirchenbau wurde 1901 fertiggestellt und am 21. Januar 1902 geweiht. 1919 war der 1913 beschlossene Anbau einer Sakristei vollendet. 1924 war die zur Kriegergedächtniskapelle umgebaute Krypta fertig. In einer der Seitenkapellen ist Roeckerath, der 1904 verstarb, bestattet.

St. Agnes ist 80 m lang, 40 m breit und verfügt über ca. 2.155 m² Grundfläche. Der Turm hat eine Höhe von 61 m.

Während des Zweiten Weltkriegs trug St. Agnes erhebliche Schäden davon. 1943 führte die Explosion einer Bombe vor der Kirche zu ersten Schäden, später ging das Dach in Flammen auf und im September 1943 stürzte das Gewölbe des Kirchenschiffs als Folge der Bombardierung ein. Nach Kriegsende brachen im Mai 1945 Teile des Chorgewölbe ein und zerstörten den erhaltenen Hochaltar.

Im Juli 1945 wurde die erste Kölner Notkirche im östlichen Querschiff eingeweiht. Im Januar 1950 wurde das auf Stahlträgern liegende Betonflachdach fertiggestellt und im Oktober 1950 konnte der gesamte Kirchenraum eingeweiht werden.

1958 war die Kirche wieder mit einem Dach versehen und 1967 waren schließlich auch die Arbeiten an der Kirchenfassade beendet. Im Jahre 1980 kam es in Folge unsachgemäß ausgeführter Schweißarbeiten zu einem Großbrand des Kirchendachstuhles, der dabei zerstört wurde. Die für die Wiederaufbauzeit typische holzverkleidete flache Decke wurde nach langer kontroverser Diskussion schließlich durch eine Rekonstruktion des ursprünglichen Gewölbes ersetzt.

[Bearbeiten] Ausstattung

Innenansicht

Der Innenraum der Kirche ist schlicht historisierend ausgemalt. Sehenswert sind die von Wilhelm Buschulte entworfenen Fenster im Chor (Buschulte schuf in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rund fünfhundert Kirchenfensterzyklen). Anatol Herzfeld, ein Meisterschüler von Joseph Beuys, gestaltete 1994 die Krypta zur Erinnerung an die Märtyrer der KAB (Nikolaus Groß, Bernhard Letterhaus und Prälat Otto Müller) um. Das Taufbecken und der neugotische Hochaltar stammen aus der Erbauungszeit der Kirche; der Gemeindealtar von 1987 wurde von Elmar Hillebrand entworfen.

Die Orgel mit 50 Registern wurde 1989 von der Orgelbaufirma Rieger aus Österreich erbaut.

[Bearbeiten] Glocken

Glocke 1 – St.-Agnes-Glocke

Drei Glocken des ersten Geläutes aus den Jahren 1903/04 (h0–d1–e1–fis1) mussten im Februar 1942 zum Einschmelzen abgeliefert werden. Die vierte Glocke (e1) überstand den Krieg. 1982 goss die Glockengießerei Mabilon in Saarburg sechs Glocken, nachdem das Vorgängergeläut von 1960 beim Großbrand im Jahre 1980 zerstört wurde. Es zählt mit einem Gesamtgewicht von nahezu 10 Tonnen zu den größten Geläuten Kölns. Aufgrund statischer Probleme, sind die Glocken 3 und 2 mit Gegenpendeln versehen.[1]

Nr.
 
Name
 
Ø
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(16tel)
Inschrift
 
1 Agnes 1750 3400 b0 +2 St. Agnes kündet des Daseins Grund. Gegen Tod und Sünde dem Damm: die Treue im Neuen, im ewigen Bund mit Christus dem Osterlamm
2 Sancta Maria 1570 2350 c1 +2 Die Angelusglocke ruft in die Zeit: Gott selbst kam in Unser Zelt. Das «Fiat» der Jungfrau macht uns bereit für unseren Weg in Gottes Welt
3 Josef 1390 1650 d1 +2 Josef tut schweigend, was Gott ihm sagt. Er schützt das Kind, das die Welt erschuf, und die Mutter, Gottes Jungfräuliche Magd, und uns. – Seine Glocke: ein tröstlicher Ruf
4 Petrus 1170 1000 f1 +2 Der Felsen, auf dem die Kirche gebaut, ist Petrus, dem Christus vergibt. Die Glocke ruft: kehrt um und vertraut. Geheimnis der Gnade – Gott liebt
5 Jakobus 1040 680 g1 +2 Jakobus, Apostel, der unter dem Schwerte für Christus das Leben lässt, ruft uns als Jesu Schicksalsgefährte zum Leben, dem Osterfest
6 Maria Goretti 880 400 b1 +2 Maria Goretti, von Sünde bedroht, hat sich ihr nicht ergeben. Die Glocke kündet: ihr Opfer, ihr Tod ist Tor zum größeren Leben!

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Gerhard Hoffs: Glockenmusik katholischer Kirchen Kölns, Köln 2009, S. 65–69, PDF-Dokument.

[Bearbeiten] Literatur

  • M. Becker-Huberti und G. A. Menne (Hrsg.): Kölner Kirchen. Bachem Verlag, 2004, S. 23f.
  • Werner Schäfke: Carl Rüdell – Bilder aus dem alten Köln. Greven Verlag, Köln 1988, S. 10, ISBN 3-7743-0237-5.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: St. Agnes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.9556.9573611111111Koordinaten: 50° 57′ 18″ N, 6° 57′ 26″ O

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