St. Hildegard (Eibingen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
St. Hildegard, Eibingen

Die katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Hildegard (auch St. Hildegard und St. Johannes der Täufer) in Eibingen, einem Ortsteil von Rüdesheim am Rhein, wurde auf den Überresten des ehemaligen Klosters der hl. Hildegard errichtet, deren Reliquien sich seit 1641 hier befinden.

Geschichte[Bearbeiten]

Reliquienschrein der Hl. Hildegard von 1929

1148 stiftete die Adlige Marka von Rüdesheim an diesem Ort ein Augustiner-Doppelkloster. Das nach Brandschatzung durch die Truppen Friedrich Barbarossas leerstehende Gebäude wurde 1165 durch Hildegard von Bingen mit Benediktinerinnen neubesiedelt. Anders als im Schwesternkloster Rupertsberg wurden hier nicht nur adelige, sondern auch nichtadelige Frauen aufgenommen. 1575 lebten nur noch drei Schwestern im Kloster, die schließlich in das nahegelegene Kloster Marienhausen der Zisterzienserinnen bei Aulhausen umsiedelten. So konnten vor der Reformation fliehende Augustiner-Chorfrauen aus St. Peter bei Bad Kreuznach in das Eibinger Kloster einziehen. 1603 erreichte die Äbtissin des Klosters Rupertsberg, Cunigundis Freiin von Dehrn, die Rückgabe des Klosters. Seitdem trugen die Äbtissinnen den Titel „von Rupertsberg und Eibingen“.

Nach Zerstörung des Klosters Rupertsberg 1632 durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg zogen die Nonnen nach Zwischenstationen in Köln und Mainz 1641 in Eibingen ein. Äbtissin Anna Lerch von Dirmstein konnte die Reliquie der heiligen Hildegard sowie Hildegards Reliquienschatz in das Eibingener Kloster retten. Auch verschiedene Handschriften, darunter das Buch Scivias der hl. Hildegard, wurden gerettet.

Ein Neubau der Kirche und des Klosters erfolgte 1681–1684 durch Giovanni Angelo Barella aus Mainz sowie 1736–1752 durch Johann Valentin Thomann, ebenfalls aus Mainz. 1802 wurde das Kloster aufgehoben, 1814 auf Beschluss der nassauischen Regierung geräumt. Die gesamte Innenausstattung wurde an die gerade wiederaufgebaute Rochuskapelle bei Bingen verkauft. Auch die Reliquien des hl. Rupert von Bingen und seiner Mutter der hl. Berta von Bingen gingen dorthin. Süd- und Westflügel des Klosters wurden 1817 abgebrochen. Im Jahr 1831 wurde die Klosterkirche zur katholischen Pfarrkirche. Sie ersetzte die baufällige Dorfkirche, von der auch das Patrozinium Johannes des Täufers übernommen wurde.

Neubau[Bearbeiten]

St. Hildegard, Innenansicht

Nach einem Brand in der Nacht vom 3. zum 4. September 1932 wurde die barocke Kirche nicht wieder aufgebaut, sondern in zeitgenössischer Form als schlichter tonnengewölbter Ziegelbau mit Außenaltar nach Entwürfen der Frankfurter Architekten Hans (1872–1952) und Christoph Rummel (1881–1961) errichtet.[1] Die Einweihung erfolgte 1935. Der Ostflügel des ehemaligen Klosters dient seitdem als Pfarrhaus. Die Hildegard-Skulptur an der äußeren Südecke der Kirche aus fränkischem Muschelkalk aus dem Jahr 1957 stammt von Franz Bernhard aus Frankfurt. Sie soll an die seit 1857 am Fest der heiligen Hildegard am 17. September durchgeführte Wallfahrt erinnern.

Innenausstattung[Bearbeiten]

St Hildegard Eibingen Ludwig Baur Eibinger Fenster 1.jpg
St Hildegard Eibingen Ludwig Baur Eibinger Fenster 2.JPG
St Hildegard Eibingen Ludwig Baur Eibinger Fenster 3.JPG
St Hildegard Eibingen Ludwig Baur Eibinger Fenster 4.JPG
St Hildegard Eibingen Ludwig Baur Eibinger Fenster 5.JPG
Kirchenfenster von Ludwig Baur, Telgte

Von der ursprünglichen barocken Ausstattung ist heute nichts mehr erhalten. Vier Holzfiguren des ehemaligen Hochaltars von Johann Georg Bitterich befinden sich heute in der katholischen Pfarrkirche St. Bartholomäus in Fehlheim.

Die Reliquie der heiligen Hildegard wird seit 1929 in einem Reliquienschrein aus vergoldetem Kupfer aufbewahrt, der nach einem Entwurf des Benediktiners Radbod Commandeur aus Maria Laach durch den Goldschmied Josef Kleefisch aus Köln gefertigt wurde. Im Jubiläumsjahr 1998 wurde nach umfangreicher Innenrenovierung der Hildegardis-Schrein in den Chorraum verlegt.

Das Innere der heutigen Kirche mit Altarbild, Kieselsteinmosaiken und den Fenstern wurde vom Künstler Ludwig Baur aus Telgte gefertigt. Die 1961 entstandenen Glasmalereien zeigen auf der linken Seite der Kirche drei Fenster mit je 7 Pflanzendarstellungen, die von Hildegard von Bingen als besonders wirksam bezeichnet wurden. Die sechs Fenster auf der rechten Seite sind frei nach ihren Visionen geschaffen. Sie zeigen die Erschaffung, die Erlösung und die Vollendung der Welt. Hergestellt wurden die Fenster durch die Firma Hein Derrix aus Kevelaer. Als Vorlage für das 1965 zum 800. Gründungsjahr des Klosters erschaffene Mosaik des Altarbildes diente die Bildtafel 11 des Scivias-Kodex "Der Urquell des Lebens - Die wahre Dreiheit in der wahren Einheit". Das dreiteilige Mosaik "Vita St. Hildegardis" mit Szenen aus dem Leben und Wirken der Heiligen stammt aus dem Jahr 1969.

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel wurde 1964 von der Bonner Orgelbaufirma Johannes Klais gefertigt. Das Instrument hat 25 Registern (1714 Pfeifen) auf zwei Manualen und Pedal.[2]

I Hauptwerk C–g3
1. Quintadena 16'
2. Principal 8'
3. Octave 4'
4. Spillpfeife 4'
5. Nasard 22/3'
6. Gemshorn 2'
7. Mixtur IV-V
8. Trompete 8'
II Schwellwerk C–g3
9. Holzgedackt 8'
10. Salicet 8'
11. Prinzipal 4'
12. Hohlflöte 4'
13. Oktav 2'
14. Larigot 11/3'
15. Sesquialter II
16. Scharff IV
17. Krummhorn 8'
Tremulant
Pedalwerk C–f1
18. Subbaß 16'
19. Prinzipal 8'
20. Gedackpommer 8'
21. Choralbaß 4'
22. Nachthorn 2'
23. Rauschpfeife III
24. Liebliche Posaune 16'

Abtei St. Hildegard[Bearbeiten]

In der Tradition des alten Klosters wurde 1900–1904 oberhalb von Eibingen die Abtei St. Hildegard errichtet und von Benediktinerinnen der Abtei St. Gabriel in Prag besiedelt.

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Krammes, B. Jakobs, H. Gräff (Hrsg.): Die Kirchen im Mittelrheintal. Führer zu den Bauten des UNESCO-Welterbes Mittelrhein. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2008, ISBN 978-3-86568-237-6.
  • Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln. Dumont Kunst-Reiseführer. DuMont Buchverlag, 1995, ISBN 3-7701-1142-7.
  • Heike Koschyk: Hildegard von Bingen. Ein Leben im Licht. 4. Auflage. Aufbau-Verlag, 2011, ISBN 978-3-7466-2522-5.
  • Hildegard von Bingen. Wirkungsstätten. Reihe "Hagiographie/Ikonographie/Volkskunde". 4. Auflage. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-8000-4.
  • St. Hildegard Rüdesheim-Eibingen, Schnell Kunstführer Nr. 2308, 2. Auflage, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1999, ISBN 3-7954-6070-0.
  • Matthias Schmandt: Hildegard von Bingen und das Kloster Eibingen. Revision einer historischen Überlieferung, in: Nassauische Annalen 125 (2014), S. 29-52.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Hildegardis und Johannes der Täufer, abgerufen am 31. Oktober 2012
  2. Informationen zur Orgel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Hildegard (Eibingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.985887.928229Koordinaten: 49° 59′ 9″ N, 7° 55′ 42″ O