Stranddistel

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Stranddistel
Blauwe zeedistel DSCF2089.JPG

Stranddistel (Eryngium maritimum)

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Gattung: Mannstreu (Eryngium)
Art: Stranddistel
Wissenschaftlicher Name
Eryngium maritimum
L.

Die Stranddistel (Eryngium maritimum), auch Meer-Mannstreu genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration von Otto Wilhelm Thomé (1885)
Einzelner Blütenstand
Eryngium maritimum

Die zweijährige bis ausdauernde Dünenpflanze wird 10 bis 40 Zentimeter hoch und ist mit einer kräftigen, bis zu zwei Meter tief reichenden Pfahlwurzel fest im Erdreich verankert. Die Pflanze bildet mehrere starke Stängel aus, die mit steifen, derb borstigen Blättern besetzt sind. Die Grundblätter sind lang gestielt, die Stängelblätter kurz gestielt, die oberen Stängelblätter gewöhnlich stängelumfassend. Die blaugrünen Blätter sind handförmig gelappt. Der weißliche Blattrand ist in sich gewellt. Er bildet mehrere Zacken aus, die in einen langen, spitzen Dorn übergehen. Die gesamte Pflanze ist durch eine Wachsschicht bläulich bis weiß bereift.

Die ungestielten Blüten stehen in fast kugelförmigen, dornigen Köpfen dicht zusammen. Unterhalb des Blütenstandes befinden sich eiförmige, seicht dreilappige und dornige Hüllblätter, deren Ränder einander überlagern. Die amethystblaue Einzelblüte setzt sich aus jeweils fünf Kron- und Kelchblättern sowie fünf gelblichen Staubblättern zusammen. Die mit kleinen hakenförmigen Schuppen versehene Kelchröhre endet in fünf markanten stachelspitzigen und eiförmig-lanzettlichen Kelchzähnen. Die Spitzen der ausgerandeten eiförmig-länglichen Kronblätter neigen sich nach innen zum Blütenzentrum. Der unterständige, zweifächrige Fruchtknoten geht in zwei lange Griffel über, die einem flachen drüsigen Griffelpolster aufsitzen.

Die Blütezeit liegt zwischen Juni und Oktober. Die Stranddistel wird von Schmetterlingen und anderen Insekten bestäubt, die Samen werden über den Wind verbreitet. Die Pflanze enthält Saponine.

Die bläuliche Wachsschicht schützt die Stranddistel vor Verdunstung und zu starker Sonnenbestrahlung. Das Wachs hält das Wasser in der Pflanze zurück und reflektiert die Sonnenstrahlen. Die extrem harten Blätter werden als Anpassung an Flugsand gedeutet, dessen Schärfe der eines Sandstrahlgebläses nahekommt.

Vorkommen[Bearbeiten]

Stranddisteln an einem ihrer natürlichen Standorte in der Türkei

Die Pflanzen findet man an den Küsten Europas auf nährsalzhaltigen Sandböden der Weißdünen. Das Areal umfasst Nordeuropa nördlich bis zu den Shetlandinseln und der norwegischen Südküste, die Ostseeküste bis Öland, Gotland und dem Baltikum, die Atlantikküste, südlich bis zum Süden von Marokko, die Küsten des Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres[1]. Sie wächst einzeln oder in kleineren Gruppen, häufig in Begleitung von Strandhaferbüscheln. Sie ist verbreitet, gilt jedoch als stark gefährdet und gehört zu den Arten, deren Bestände nahezu im gesamten heimischen Verbreitungsgebiet deutlich zurückgehen oder regional verschwunden sind. In Deutschland sind zerstreute Bestände der Küsten von Nord-Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bekannt.

Die Stranddistel wurde zur Blume des Jahres 1987 gewählt.

Schutzstatus[Bearbeiten]

Nach Bundesartenschutzverordnung sind die Wildbestände der Pflanzen in Deutschland besonders geschützt. Des Weiteren steht die Art als stark gefährdet auf der Roten Liste in Deutschland.

Die Gefährdung der Stranddistel wird insbesondere durch illegales Abpflücken und Ausgraben sowie durch Kaninchenverbiss begründet. Abgepflückte Blütenstände kann die Pflanze nicht über nachwachsende, neue Triebe ausgleichen. Auch die ausbleibende Küstendynamik im Zusammenhang mit Küstenschutzmaßnahmen zur Festlegung von Dünen trägt wesentlich zur Bestandsminderung bei. Die Stranddistel ist auf Standorte angewiesen, deren Böden noch Nährsalze des Meeres enthalten. Auf Grau- oder Braundünen kann sie nicht mehr gedeihen. Bepflanzungen der Weißdünen, zum Beispiel um den Flugsand zu binden und so den Schutz vor Sturmfluten zu erhöhen, zerstören die Standorte der Stranddistel.

Quellen[Bearbeiten]

  • Dietmar Aichele, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Wildwachsende Blütenpflanzen Mitteleuropas, Stuttgart, Franckh-Kosmos, 54. Auflage 1991, ISBN 3-440-05615-5.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  • Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Band 2. Gefäßpflanzen: Grundband. 18., bearb. Aufl., Spektrum, Heidelberg u. a., 2002, ISBN 3-8274-1359-1.
  • Die Stranddistel. Schutzstation Wattenmeer, abgerufen am 29. Mai 2011.
  • Stranddistel (Eryngium maritimum), Blume des Jahres 1987. Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt, abgerufen am 29. Mai 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. Meusel, E. Jäger, S. Rauschert, E. Weinert (1978): Vergleichende Chorologie der Zentraleuropäischen Flora, Vol. 2: Karten. Jena: Fischer.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stranddistel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien