Subharchord

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Subharchord (1962)
Subharchord II (1968)

Das Subharchord ist ein elektronisches Musikinstrument, welches insbesondere Untertöne (Subharmonische) in die Klangerzeugung einbezieht.

Der damals neuartige elektronische Klang- und Geräuscherzeuger wurde auf Initiative von Gerhard Steinke, vormals Direktor im (ehemaligen) Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamt (RFZ) Berlin-Adlershof, von einem Team um Ernst Schreiber in den Jahren 1959 bis 1968 speziell für den Einsatz in Studios für experimentelle bzw. elektroakustische Musik sowie für den Einsatz in Rundfunk-, Film- und Fernsehstudios entwickelt.

Gegenwärtig existieren von den etwa sieben hergestellten Instrumenten noch der 2005 restaurierte und spielfähige Prototyp in der Akademie der Künste zu Berlin, ferner das 2007 wiederhergestellte Seriengerät Nr. 2/68 im Hörspiel-Produktionskomplex 2, Funkhaus Berlin-Nalepastraße sowie das 2008 wieder funktionsfähig gemachte Seriengerät des Slowakischen Rundfunks in Bratislava. Letzteres bereicherte die Ausstellung „Zauberhafte Klangmaschinen“ vom Institut für Medienarchäologie (IMA) in Hainburg bei Wien; es steht nun im Technischen Museum Wien in einem Ausstellungsteil zu Synthesizern. Ein weiteres Seriengerät befindet sich im Ringve-Museum in Trondheim. Durch Ausstellungen und Konzerte findet das Subharchord seit einigen Jahren wieder vermehrt öffentliches Interesse.

Funktionsmerkmale[Bearbeiten]

Das Subharchord verbindet Grundideen des Trautoniums von Friedrich Trautwein und Oskar Sala mit neuartigen elektronischen Klangbausteinen. Das Subharchord ist eine konsequente und moderne Weiterentwicklung dieser Ideen. Neben einer Melodiestimme, die mittels subtraktiver Klangformung aus obertonreichen Kippschwingungen in sägezahn- oder rechteckförmiger Wellenform über Filter unterschiedlicher Charakteristiken vielfältig variierbar ist, können bis zu vier subharmonische Untertöne in den Teilungsverhältnissen ½ bis 1/29 erzeugt und zu einer mehrstimmigen Mixtur beliebig für neuartige Klangstrukturen kombiniert werden. Sie inspirierten zum Namen „Subharchord“. Die subharmonische Frequenzreihe ist das intervallgetreue Spiegelbild der bei natürlichen, konventionellen Klängen vorzufindenden Obertonreihe. Sie wurde bereits in den 1930er Jahren von Friedrich Trautwein gefunden und im bekannten Mixtur-Trautonium von Oskar Sala 1952 erstmals realisiert.

Neuartig waren seinerzeit auch die Lösungen für druckabhängige Lautstärkeregelung zur freien Gestaltung des Toneinsatzes sowie die Verdichtung der Klänge durch einen speziellen Chormodulator sowie andere Bearbeitungsstufen. Ein besonderes Merkmal des Subharchords ist das erstmals in einem elektronischen Instrument realisierte Klangfarbenspiel, das auf einem separaten Manual mittels spezifischer Filter nach der Mel-Tonhöhenskala in vom Komponisten Josef Anton Riedl (seinerzeit im Siemens-Studio für elektronische Musik München) erprobten 14 Frequenzbandbreiten möglich ist.

Das Subharchord war im Hinblick auf einfachste Spielbarkeit und Bedienung zunächst mit einem Tastenmanual (Klaviatur) im Umfang über drei Oktaven ausgestattet worden. Durch geeignete Frequenzteilung und Wahl der Einstellungen steht ein Tonumfang von über zehn Oktaven zur Verfügung. Mit einer Abklingeinrichtung können Dauertöne in Zupf- bzw. Schlagklänge verwandelt werden. Die Dauer des Abklingvorganges und die Steilheit der Abklingkurve sind regelbar. Die Klänge können ferner mittels einer Rhythmisierungseinrichtung in staccato-ähnliche Kurztöne verändert werden. Weitere interessante Klang- und Geräuschstrukturen können mittels Ringmodulator durch Modulation von Sinustönen oder Rauschen über die Klaviatur oder Glissandoregelung erzielt werden. Nach der geplanten Erweiterung um ein zweites Tastenmanual für zusätzliche additive Klangsynthese (Oberton-Mixtur) und ein Bandmanual für eine nicht-temperierte gleitende Tonskala sowie mittels geeigneter Steuerungsmöglichkeiten sollte es auch als Konzertinstrument im Zusammenspiel mit konventionellen Musikinstrumenten und Orchestern eingesetzt werden. Diese Vorhaben waren aber nicht mehr realisierbar.

Entwicklung und Fertigung mussten 1969 aufgrund der seinerzeitigen „musikpolitischen Bedingungen“ in der DDR eingestellt werden. Das Labor für Akustisch-Musikalische Grenzgebiete, das von Gerhard Steinke bereits 1956 eingerichtet worden war, widmete sich jedoch weiterhin den Problemen der Tonstudiotechnologie im Rahmen der Neustruktur im RFZ und auch nach dessen späterer Übernahme durch die Deutsche Telekom. Der Markenname Subharchord ist für Gerhard Steinke rechtlich geschützt.

Verwendung[Bearbeiten]

Eingesetzt wurde das Subharchord im eigenen Experimentalstudio des RFZ zur Aufnahme experimenteller Musik, u. a. mit Sinfonieorchester, für Rundfunk und Fernsehen sowie für Hörspiele. Die Komponisten Addy Kurth und Karl-Ernst Sasse nutzten das Subharchord im (ehemaligen) Trickfilmstudio Dresden für eigene Kompositionen zur Vertonung von Animationen. Zu den Komponisten, die für das Subharchord komponierten, gehörten u. a. Siegfried Matthus, Hans-Hendrik Wehding, Bernd Wefelmeyer, Tilo Medek, Wolfgang Hohensee, Paul-Heinz Dittrich und Frederic Rzewski. Mit zahlreichen Studios für elektronische Musik in aller Welt und den dort tätigen Komponisten (u. a. Luigi Nono, Bruno Maderna, Henk Badings, Herbert Eimert, Elliot Crater, Franco Evangelisti, Lejaren Hiller u. v. a.) hatte das Adlershofer Studio regen Kontakt und Bandaustausch. Die Akademie der Künste in Berlin, insbesondere die Komponisten Kurt Schwaen und Paul Dessau, später auch Georg Katzer, unterstützten die Arbeiten des Studios und organisierten öffentliche Veranstaltungen. Mit der Restaurierung einiger Instrumente, ist in den letzten Jahren wieder das Interesse der Musik- und Kulturszene am Subharchord erwacht. So gibt es z.B. im Rahmen des CTM.13 Festivals dazu einen Vortrag und eine Performance.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Subharmonische Mixturen mit dem Subharchord (Vinyl-EP, Krautopia-Records, 2003/4)
  • Der Krautopia Sampler (CD mit historischen und neuen Klangbeispielen, Krautopia-Records, 2003)
  • Siegfried Matthus: Galilei, Bernd Wefelmeyer: Protest, Paul-Heinz Dittrich: Kammermusik 2 (Schallplatte, Nova; 1966)
  • Addy Kurth: Der faule Zauberer (Kinderhörspiel)
  • VEB Deutsche Schallplatten: Experimentelle Musik (Schallplatte mit Kompositionen und Klangbeispielen, Eterna 720205; 1963/64)
  • Südöstlich des Mondes (Kinderhörspiel mit Musik von H. Höpfner; 1963)
  • Collegium Musicum (Slowakische Gruppe mit Marian Varga am Subharchord, verschiedene LPs, auch CDs; 1970er-Jahre)
  • Filmmusik zu Signale – Ein Weltraumabenteuer (Komponist: Karl-Ernst Sasse, 1923–2006; 1970)

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Miersch: Subharchord. Die Geschichte des Klangerzeugers „SUBHARCHORD“. (4 Teile, veröffentlicht im Magazin Keyboards in den Heften 8, 2003 – 11, 2003).
  • Manfred Miersch: Der Kampf um die Klänge. Die Wiederentdeckung des einzigartigen elektronischen Instrumentes Subharchord. In: Forum Musikbibliothek. Bd. 26, Nr. 2, 2005, ISSN 0173-5187, S. 201–208, (bebildert).
  • Gerhard Steinke: Das Studio für künstliche Klang- und Geräuscherzeugung Berlin-Adlershof. In: DecimE-Mitteilungen. Nr. 10, 1993, ZDB-ID 2307380-9.
  • Gerhard Steinke: Nach 40 Jahren: Wiedergeburt des Klangerzeugers „Subharchord“. In: VDT-Magazin. Heft 4, 2005, ZDB-ID 2074912-0, S. 32–35.
  • Gerhard Steinke: Nach 40 Jahren. Die wundersame Wiedergeburt des Klangerzeugers Subharchord. In: Keyboards. Heft 1, 2008, ISSN 0178-4641, S. 90–91.

Weblinks[Bearbeiten]