Tamara Danz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lenore Tamara Danz (* 14. Dezember 1952 in Winne; † 22. Juli 1996 in Berlin) war eine deutsche Sängerin und Frontfrau der Gruppe Silly. Sie avancierte zu einer der namhaftesten Rocksängerinnen der DDR und wurde international bekannt.

Leben[Bearbeiten]

Tamara Danz war Tochter einer Kindergärtnerin und eines Maschinenbauingenieurs, der später als Handelsrat tätig war. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in Rumänien und Bulgarien, wo sie eine russischsprachige Schule besuchte. In Ost-Berlin besuchte sie zunächst die EOS „Heinrich Hertz“ in Adlershof, wechselte dann jedoch an die EOS „Klement Gottwald“ in Treptow, wo sie 1971 das Abitur ablegte. An dieser Schule sang sie in der Schulband Die Cropies, die von ihrem damaligen Freund Uwe Kropinski geleitet wurde.[1] Ihr Dolmetscherstudium brach sie nach etwa eineinhalb Jahren ab, ihre Bewerbung an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin wurde 1973 abgelehnt. Sie sang weiter bei mehreren Bands, darunter beim Oktoberklub. Von 1973 bis 1976 hatte sie ihr erstes Engagement bei einer professionellen Rockband, der Horst Krüger Band, zusammen mit Heinz-Jürgen Gottschalk, Michael Schwandt und Bernd Römer. Nach dreijähriger Ausbildung erhielt sie 1977 ihren Berufsausweis an der Musikschule Friedrichshain.

Grab von Tamara Danz auf dem Friedhof Münchehofe

1978 stieß Tamara Danz zur Familie Silly, die sich 1980 in Silly umbenannte. Danz wurde 1981, 1983, 1985 und 1986 von Kritikern der DDR-Musikszene zur „Besten Rocksängerin des Jahres“ gewählt.[2] 1986 war sie Sängerin der Allstar-Band Gitarreros, wo sie Uwe Hassbecker kennenlernte. Am 18. September 1989 war sie Mitinitiatorin und Erstunterzeichnerin der „Resolution von Rockmusikern und Liedermachern“ an die DDR-Regierung, in der die Zulassung oppositioneller Gruppen und politische Reformen gefordert wurden. Danz verlas den Text verbotenerweise in den Konzerten. Sie gehörte zu den Erstunterzeichnern des am 28. November 1989 veröffentlichten Aufrufs „Für unser Land“, der eine eigenständige Entwicklung der DDR forderte. 1990 arbeitete sie dann an verschiedenen „runden Tischen“ zur Reform der DDR mit. Später war sie Mitbegründerin der „Komitees für Gerechtigkeit“.

Für das 1993 erschienene Silly-Album Hurensöhne schrieb sie erstmals die Mehrzahl der Texte, für das 1995 erschienene Album Paradies war sie alleinige Texterin. An beiden Alben wirkte sie auch als Produzentin mit. 1994 gründete Danz mit weiteren Silly-Musikern das Danzmusik Studio in Münchehofe bei Berlin. 1995 wurde bei Tamara Danz Brustkrebs diagnostiziert. Etwa ein halbes Jahr vor ihrem Tod heiratete sie Uwe Hassbecker. Sie wurde auf dem Friedhof in Münchehofe beerdigt.

Alben[Bearbeiten]

  • Tanzt keiner Boogie (1981)
  • Mont Klamott (1983)
  • Liebeswalzer (1985)
  • Bataillon d’amour (1986)
  • Februar (1989)
  • Hurensöhne (1993)
  • Paradies (1996)

Ehrungen[Bearbeiten]

Tamara-Danz-Straße in Berlin

Tamara Danz zu Ehren veröffentlichte die Band City 2004 das Lied Tamara.

Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurde nach dem Vorschlag einer Arbeitsgruppe der Bezirksverordnetenversammlung eine Straße nahe dem Ostbahnhof, an der heutigen O₂World, am 16. November 2006 nach Tamara Danz benannt.[3][4]

Im thüringischen Breitungen/Werra, in das der Geburtsort Danz’ inzwischen eingemeindet ist, gibt es seit dem 11. Dezember 2012 ebenfalls eine Tamara-Danz-Straße.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Drei Gänge – Deutsche Identitäten. Feature, 45 Minuten, Buch und Regie: Rainer B. Jogschies, Produktion: Norddeutscher Rundfunk, Erstausstrahlung: 8. Dezember 1994; mit Tamara Danz, Volkhard Knigge, Detlef Hoffmann, Ludwig van Beethoven, Silke Wenk, Annette Berr
  • Tamara Danz – Asyl im Paradies. Dokumentation, 45 Minuten, Buch und Regie: Alfred Roesler-Kleint und Peter Kahane, Produktion: Rundfunk Berlin-Brandenburg, Erstausstrahlung: 13. Juli 2006; Kinofassung 90 Minuten

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tamara-Danz-Straße. In: Die Straßen vom Februar 2007, Friedrichshainer Chronik.
  2. Alexander Osang: Tamara Danz. Legenden. 1997, S. 199.
  3. „Am Ostbahnhof heimisch werden“, taz, 6. Oktober 2006
  4. „Straße nach Tamara Danz benannt“, Superillu, 27. November 2006
  5. www.insuedthueringen.de