Thomas Bruce, 7. Earl of Elgin

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Thomas Bruce, 7. Earl of Elgin und 11. Earl of Kincardine. Porträtiert von Anton Graff (um 1788).

Thomas Bruce, 7. Earl of Elgin und 11. Earl of Kincardine (* 20. Juli 1766; † 14. November 1841 in Paris) war ein britischer Peer, Diplomat und geschickter Kunsträuber.

Leben[Bearbeiten]

Seine Laufbahn begann er an den Höfen in Brüssel (ab 1792) und Berlin (ab 1795). 1799 wurde ihm ein Posten als Gesandter beim Sultan des Osmanischen Reiches unter der Auflage angeboten, dass er vorher heirate. Zu diesem Zwecke ehelichte er im selben Jahr übereilt die 14 Jahre jüngere schottische Adelige Mary Nisbet. Bald nach seiner Ankunft in Konstantinopel verlor er infolge einer unbekannten Seuche einen großen Teil seiner Nase. Während seiner bis 1803 währenden Amtszeit in der Türkei ließ er mit Zustimmung des Sultans u.a. auch umfangreiche archäologische Grabungen durchführen.

Entgegen den Absprachen beschränkte er sich aber nicht auf die wissenschaftliche Untersuchung der Funde und die Fertigung von Abgüssen. Vielmehr brachte er die Kunstschätze zum großen Teil außer Landes. Soweit sie nicht infolge Schiffbruchs verloren gegangen sind, bereicherte Elgin damit u.a. seine privaten Kunstsammlungen in seinem schottischen Landhaus. Das Prunkstück aber, die auf der Akropolis der damals türkisch besetzten Stadt Athen geborgenen Marmorskulpturen des Parthenon-Tempels, die sog. „Elgin Marbles“, bot er dem Britischen Museum in London an, das sie erst nach einigem Zögern im Jahre 1814 für £ 35.500 ankaufen sollte.

Seine Vorgehensweise trug Lord Elgin bereits zu Lebzeiten heftige Kritik seiner Zeitgenossen ein. Lord Byron schalt ihn im „Childe Harold's Pilgrimage“ gar als „Kulturbarbaren“. Elgin rechtfertigte sich damit, er habe die durch den türkisch-griechischen Krieg gefährdeten Kunstschätze nur retten wollen. Die Griechen seien zu ihrem zuverlässigen Schutz gar nicht in der Lage gewesen, so dass sein Eingreifen geboten gewesen sei, um die Exkavate für die Ewigkeit zu retten. Seither wird der Raub von Kulturgütern vielerorts als „Elginismus“ bezeichnet.

Während seiner Rückreise nach England im Januar 1803 geriet er in Frankreich als britischer Staatsbürger in bis 1806 dauernde Kriegsgefangenschaft. Unterdessen machte sich seine junge Frau Mary Nisbet mit ihrem Liebhaber davon. In zweiter Ehe wurde er Vater von James Bruce Earl of Elgin, dem Zerstörer des Alten Sommerpalastes in Peking. Auf der Flucht vor Gläubigern kam Elgin verarmt, depressiv und lebenslang im Gesicht entstellt nach Paris, wo er 1841 starb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Luciana Gallo: Lord Elgin and Ancient Greek Architecture: The Elgin Drawings at the British Museum. Cambridge University Press, Cambridge/New York 2009. Rez. David Cast, Bryn Mawr Classical Review 2009.09.16

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thomas Bruce, 7. Earl of Elgin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien