Klinikum Am Urban

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Urbankrankenhaus)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Vorlage:Infobox_Krankenhaus/Mitarbeiter_fehltVorlage:Infobox_Krankenhaus/Ärzte_fehlt

Vivantes Klinikum am Urban
Logo
Trägerschaft Vivantes
Ort Berlin, Deutschland
Koordinaten 52° 29′ 39″ N, 13° 24′ 31″ O52.49416666666713.408611111111Koordinaten: 52° 29′ 39″ N, 13° 24′ 31″ O
Versorgungsstufe Notfallkrankenhaus[1]
Betten 579
Gründung 1887
Website www.vivantes.de/kau/
Klinikum Am Urban

Das Klinikum Am Urban (offizielle Bezeichnung Vivantes Klinikum Am Urban), kurz KAU genannt, in Berlin-Kreuzberg ist wie der nahegelegene Urbanhafen und die vorbeiführende Urbanstraße nach einem alten Feuchtgebiet mit dem Namen Urban benannt, das mit dem Bau des Landwehrkanals trockengelegt worden war. Es ist das einzige Krankenhaus im Berliner Ortsteil Kreuzberg und wird vom landeseigenen Krankenhausbetreiber Vivantes betrieben. Rund 220 Ärzte und 360 Pflegekräfte sind in 12 medizinischen Fachabteilungen und der zentralen Notaufnahme tätig (Stand: 2010). Das Klinkum verfügt über 579 Betten und ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin. In der Klinik werden jährlich rund 56.000 Patienten behandelt, 32.000 davon ambulant.

Geschichte[Bearbeiten]

Gedenktafel Dieffenbachstr. 1 Krankenhaus am Urban

Im Jahr 1862 stiftete Wilhelmine Eleonore Ottilie Beschort (1812–1881), Tochter des Sängers und Schauspielers Friedrich Jonas Beschort, der Stadtgemeinde Berlin 400.000 Mark für den Bau einer Krankenheilanstalt. 1878 beschloss der Magistrat von Berlin den Bau eines städtischen Krankenhauses auf dem Urban. Als Wilhelmine Eleonore Ottilie Beschor 1881 starb, hatten sich nebst Zinsen 600.000 Mark Stiftungsgelder angesammelt, die etwa ein Fünftel der Baukosten abdeckten. 1887 wurde mit dem Bau des III. städtischen Krankenhauses begonnen. Bis dahin hatte Berlin trotz der damals bereits knapp 1,6 Mio. Einwohner lediglich zwei städtische Krankenhäuser (seit 1874 das Krankenhaus Friedrichshain und seit 1875 das Krankenhaus Moabit), obgleich die preußische Gesetzgebung bereits seit 1835 von Städten über 5000 Einwohnern „eine ausreichende Anzahl Heil- und Pflegeanstalten in eigener Regie” verlangte. Das Krankenhaus Am Urban wurde bis 1890 nach den Plänen des Architekten Hermann Blankenstein in offener Pavillonbauweise errichtet. Das über 574 Betten verfügende Krankenhaus wurde mit der Aufnahme der ersten Patientin am 10. Juni 1890 in Betrieb genommen. Der ursprüngliche Komplex bestand mit wenigen Veränderungen bis zum Zweiten Weltkrieg. Bei einem Luftangriff 1943 starben 20 Mitarbeiter und 29 Patienten; es wurde rund ein Drittel der Gebäude zerstört.

Im März 1933 wurde das Krankenhaus Am Urban durch die nationalsozialistische SA unter Leitung des späteren Berliner Polizeipräsidenten Wolf-Heinrich Graf von Helldorf gestürmt und besetzt. Die beiden jüdischen Leiter und mehrere jüdische Ober- und Assistenzärzte wurden aus dem Amt getrieben, jüdische Mitarbeiter verhaftet und vertrieben. Heute erinnert eine Gedenktafel am Haupteingang Dieffenbachstraße 1 daran. Aufgrund des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurden zwischen 1933 und 1945 Zwangssterilisationen und -abtreibungen durchgeführt.

1966 war Baubeginn des ersten Neubaus eines städtischen Krankenhauses in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg, die Grundsteinlegung nahm der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt vor. 1970 wurde im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann der nach den Plänen des Architekten Peter Poelzig in Stahlbeton-Skelettbauweise errichtete Neubau, bestehend aus einem Versorgungs- und Behandlungstrakt sowie dem neungeschossigen V-förmigen Bettenhaus, eingeweiht. 1971 wurde das ehemalige Gertraudenhospital übernommen. 1976 wurde das Krankenhaus Akademisches Lehrkrankenhaus der Freien Universität. 1981 wurde der Neubau um eine Intensivstation mit OP-Trakt erweitert. Umfangreiche Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen wurden 1987 vorgenommen. 1994 wurde ein Hubschrauberlandeplatz in Betrieb genommen, der aber heute nicht mehr existiert und durch eine Grünanlage ersetzt wurde. 1999 übernahm der landeseigene Berliner Krankenhausbetreiber Vivantes das Krankenhaus. Der Altbaubereich wurde im Jahr 2008 bis auf ein Gebäude für 13,5 Mio. Euro an eine aus Anwohnern bestehende private Bietergemeinschaft verkauft, die die Umwandlung des alten Krankenhausgeländes, nahe dem Graefekiez, in Wohn-, Sozial- und Gewerberaum plant.[2]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Schwenk: Lexikon der Berliner Stadtentwicklung. Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung, Berlin 2002, ISBN 3-7759-0472-7, S. 159.
  • Reinhard Bolk: Das Krankenhaus am Urban - Medizingeschichtliche Untersuchung eines Krankenhauses der Stadt Berlin 1887–1945. Westkreuz-Verlag, Berlin/Bonn 1984, ISBN 3-922131-34-4.
  • Fritz Munk: Das medizinische Berlin um die Jahrhundertwende. Verlag Urban & Schwarzenberg, München/Berlin 1956, ISBN 3-541020-22-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Krankenhausplan 2010 des Landes Berlin (pdf; 4,1 MB)
  2. Webseite der Bietergemeinschaft „Am Urban“
  3. W. Hüsten: Prof. Dr. Max Madlener zum 70. Geburtstag. Medizinische Welt 25 (1968), S. 2515 f.