Urselbach

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Urselbach
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Der Urselbach in Heddernheim, nahe der Mündung in die Nidda

Der Urselbach in Heddernheim, nahe der Mündung in die Nidda

Daten
Gewässerkennzahl DE: 24894
Lage Hochtaunuskreis und Frankfurt am Main; Hessen, Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Nidda → Main → Rhein → Nordsee
Quelle im Taunus an der Weißen Mauer nahe Oberursel
50° 13′ 36″ N, 8° 30′ 0″ O50.2266666666678.5470
Quellhöhe ca. 470 m ü. NHN[1]
Mündung bei Frankfurt-Heddernheim in die Nidda50.1622916666678.6523888888889102Koordinaten: 50° 9′ 44″ N, 8° 39′ 9″ O
50° 9′ 44″ N, 8° 39′ 9″ O50.1622916666678.6523888888889102
Mündungshöhe 102 m ü. NHNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied ca. 368 m
Länge 16 km[2]
Einzugsgebiet 33,32 km²[2]
Abfluss[2] an der Mündung
AEo: 33,32 km²
MNQ
MQ
Mq
59 l/s
296 l/s
8,9 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse siehe unten
Rechte Nebenflüsse siehe unten

Der Urselbach, im Hochtaunuskreis und im Gebiet der kreisfreien Stadt Frankfurt am Main in Hessen, ist ein etwa 16 km langer, nördlicher und orographisch rechter Zufluss der Nidda.

Namen[Bearbeiten]

Der Namensteil Ursel kommt von der früheren Benennung Ursella[3] für das 791 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch erstmals erwähnte alte Oberursel.

Eine Deutung des Namens Ursel(bach) gibt Hans Krahe.[4] Er leitet die Belege 800 Ursalla, 821 Ursela 791 in uilla Ursella[5] letztlich aus dem Illyrischen ab. Er analysiert das Hydronym als alteuropäisch mit Suffix -elâ gebildet aus illyrisch *urs-elâ zu altindisch versati „es regnet“.[6]

Geographie[Bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten]

Der Urselbach entspringt im Vordertaunus im nordwestlichen Teil der Hohemark in der Gemarkung Oberursel. Seine Quelle liegt etwa 6 km nordwestlich des Oberurseler Kernorts auf dem Nordhang der Weißen Mauer (634 m ü. NHN) direkt nördlich des durch Wald verlaufenden Oberen Maßbornweges auf etwa 470 m[1] Höhe. Am nördlich gegenüberliegenden Berghang verläuft zwischen Oberursel und dem Gebirgspass Sandplacken (669 m) die Landesstraße 3004.

Neben dem etwa 200 m langen Rinnsal, das der Quelle des Urselbachs in Richtung Norden entfließt, speisen den Oberlauf des Fließgewässers sieben Quell- bzw. Zuflüsse, die alle wesentlich länger als das eigentliche Quellrinnsal sind. Sie tragen die folgenden Namen: Dreiborn, Hanswagnerborn, Buchborn, Hermannsborn, Kauteborn und Schellbach. Die Quellzone des siebten Baches hat keinen Namen. Etwas abwärts heißt dieses Bächlein jedoch Maßborn (Massborn). Die Quellen dieser Bäche sind in der Regel Schichtquellen. Sie befinden sich meist an der Grenze des besser durchlässigen Hermeskeilsandstein über dichten Bunten Schiefern oder bei Hochstau des Kluftgrundwassers auch etwas höher.[7] Als Hauptquelle des Urselbaches galt früher der Buchborn, was zum Beispiel aus einem alten Kupferstich aus dem Jahre 1734 von P. Fehr hervorgeht. Heute werden die Quellen größtenteils zur Trinkwassergewinnung genutzt. Der Schellbach wurde früher großräumig zu einem Mühlgraben auf der südlichen Talseite des Haidtränkbaches (u. a. auch Haidttränkebach genannt) umgeleitet. Damit kam auch sein Wasser den Turbinen der früheren Spinnerei zugute.

Talabwärts fließen die beiden etwa gleich großen Hauptquellbäche, Maßborn und Buchborn, etwas unterhalb der eigentlichen Quelle des Urselbachs auf etwa 405 m[1] Höhe zusammen und bilden das dort auch Haidttränkebach genannte und anfangs ostwärts strebende Fließgewässer. Es hat durch Begradigungsmaßnahmen beim Ausbau der Kanonenstraße und vor allem in den 1960er Jahren an ökologischem Wert eingebüßt.[8] Von früheren Baumaßnahmen künden noch einige quer verlaufende Dämme. Reste ökologisch bedeutsamer Erlenbrüche mit Torfmoosen, Kappenhelmkraut, Gilbweiderich und Sumpfsegge sind jedoch noch vorhanden.

Nahe dem ehemaligen Gasthaus Heidetränke (auch Haidetränke genannt), das im Bachtal auf dem unteren Südwesthang des Berges Goldgrube (492 m) steht, wird die Trinkwasserversorgung der Stadt Oberursel ergänzend durch Brunnenbohrungen gesichert. Ein Pegel zeigt an, wenn der Bach wenig Wasser führt und die Wasserförderung zurückgefahren werden muss. Mittlerweile verliert der Bach jedoch auch Wasser durch tiefliegende Kanäle in den Neubaugebieten am Rande seiner Ufer. In niederschlagsarmen Jahren kann er daher in Oberursel trockenfallen. Ab dem unterhalb des Gasthauses gelegenen Austritt aus dem Vordertaunus, bei Passieren beider Berge, heißt der überwiegend in südöstlicher Richtung fließende Bach nur noch Urselbach.

Kurz danach wechselt der Urselbach aus dem Wald in ein Wiesengebiet. Er unterquert die Bundesstraße 455 und erreicht das Stadtgebiet von Oberursel. In Oberursel fließt der Bach ab seinem km 6,8)[2] für 700 m Strecke in südlicher Richtung, um dann wieder südostwärts zu verlaufen. Östlich des Stadtteils Stierstadt durchquert er den Stadtteil Weißkirchen.

Nach der Unterquerung der Bundesautobahn 5 erreicht der Urselbach das Gebiet der kreisfreien Stadt Frankfurt. Er durchfließt den Stadtteil Niederursel, um schließlich im Stadtteil Heddernheim auf 120 m[3] Höhe in den dort von etwa von Nordosten kommenden Main-Zufluss Nidda zu münden.

Einzugsgebiet und Zuflüsse[Bearbeiten]

Das Einzugsgebiet des Urselbachs ist 33,32 km²[2] groß. Zu seinen Zuflüssen gehören (flussabwärts betrachtet; auch bei Kilometrierungsangaben in Spalte Einmündung):[2]

Name


GKZ


Länge
(km)

Mündungs-
höhe
(m ü. NHN)[9]
Zufluss-
richtung

Einmündung
bei km
(Geo-Koordinaten)
Mündungsort


Maßborn 2489412 2,7 450 links 15,8 (50.2279305555568.4972388888889) Oberursel
Schelbach 2489416 1,5 432 links 14,9 (50.2289777777788.5121694444444) Oberursel
Stierstädter Bach 2489440 3,3 150 rechts 6,0 (50.1826555555568.5888416666667) Oberursel-Stierstadt

Ortschaften[Bearbeiten]

Die Ortschaften am Urselbach sind (flussabwärts betrachtet):

Daten[Bearbeiten]

Der obere Teil des Urselbaches (die ersten 11 km bis zum Fluss-km 5) ist vom Typ ein silikatischer Mittelgebirgsbach[10] und der untere Teil (ab Fluss-km 5) ein feinmaterialreicher karbonatischer Mittelgebirgsbach.[11] Der Urselbach hat in seinem unteren Bereich einen mittleren Abfluss von 295,8 l/s.

Brücken[Bearbeiten]

Eine Vielzahl von Brücken führen über den Urselbach. Dazu gehören (flussabwärts betrachtet):

Oberhalb von Oberursel befindet sich über dem Urselbach nahe der Kanonenstraße nach Schmitten die Kaiserin-Friedrich-Brücke, die unter Denkmalschutz steht.

Die größte Brücke ist die zwischen Weißkirchen und Niederursel stehende Urselbachtalbrücke der Bundesautobahn 5, die am 27. September 1936 während des Ausbaus der Reichsautobahn eröffnet wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie stark beschädigt. Im Jahr 1953 wurde eine Brückenhälfte vollendet, auf der der Verkehr notdürftig wieder fahren konnte. Für einen Aufwand von 1,3 Millionen Mark wurde die Brücke bis April 1957 wieder zweispurig hergestellt.[12] 1972 wurde der dreispurige Ausbau der Brücke fertiggestellt. Der Aufwand für diese Baumaßnahme betrug 17 Millionen Mark und damit 4,5 Millionen Mark mehr als die ursprüngliche Planung.[13] Im Zusammenhang mit dem geplanten Ausbau auf acht Spuren ist insbesondere die Forderung der Anlieger auf eine Lärmschutzwand Teil der öffentlichen Diskussion.[14] Im Bereich des südsüdwestlichen Brückenwiderlagers befindet sich die Wüstung Mittelursel.

Die klassizistische Brücke über den Bach in der Spielsgasse in Niederursel wurde 1984 durch einen Stahlbetonneubau ersetzt. Erhalten ist ein denkmalgeschützte Brückenstein, der als Erinnerung neben der Brücke aufgestellt ist.[15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Petran: Ursella II – Mühlen, Fabriken und Menschen am Urselbach. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-7829-0236-X
  • Gudrun Koeniger, Jürgen Fischer: Mühlenwanderweg am Urselbach.
  • Hartmut Fischer: Oberurseler Bäche. Bund für Umwelt und Naturschutz e. V., Ortsverband Oberursel/Steinbach, 2006
  • Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Stadtgewässer – Flüsse, Bäche, Altarme entdecken. Frankfurt 2004. Darin: Kapitel Urselbach, S. 75 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Urselbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. a b c d e f Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  3. a b Urselbach. Frankfurt.de
  4. Hans Krahe: Unsere ältesten Flussnamen. Harrassowitz, Wiesbaden 1964, S. 56
  5. 182 Krahe gibt diesen Beleg als „791 Ursella“ an
  6. Dieser Beleg ist als Karteikarte bei Krahe in Kasten vier ersichtlich.
  7. Geologische Karte 1:25000, Blatt 5716, Oberreifenberg
  8. Fürl: Die Biologie der Landschaft des Haidtränktals. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Oberursel, Heft 25, 1981
  9. TK25 und Google Earth
  10. Typ 5: Silikatische Mittelgebirgsbäche (PDF; 141 kB)
  11. Typ 6: Feinmaterialreiche Karbonatische Mittelgebirgsbäche (PDF; 177 kB)
  12. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juli 1956, S. 34 Vollendung der Urselbachbrücke und Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Januar 1956, S. 35 Die Urselbachbrücke erst 1957 fertig
  13. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Juni 1974, S. 27 Urselbachbrücke nicht vom Einsturz bedroht
  14. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Februar 2009, Nr. 38, S. 62, Lärmschutzwand für Oberursel
  15. Heinz Schomann, Volker Rödel, Heike Kaiser: Denkmaltopographie Stadt Frankfurt am Main. Überarbeitete 2. Auflage, limitierte Sonderauflage aus Anlass der 1200-Jahr-Feier der Stadt Frankfurt am Main. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7973-0576-1, S. 674