Waggonfabrik Talbot

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Waggonfabrik Talbot
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1838
Sitz Jülicher Straße 213-237
52070 Aachen
Leitung Dirk Reuters (Geschäftsführer)
Mitarbeiter 240 (Juli 2013)
Branche Schienenfahrzeughersteller
Website http://www.talbot-services.com
Hauptgebäude an der Jülicher Straße

Die Waggonfabrik Talbot in Aachen ist der älteste deutsche Hersteller von Schienenfahrzeugen und gehörte bis 30. Juni 2013 zu Bombardier Transportation. Am 1. Juli 2013 wurde das Werk von der Talbot Services GmbH übernommen.

Geschichte[Bearbeiten]

Gegründet wurde das Unternehmen 1838 durch Johann Hugo Jacob Talbot (* 1794; † 11. Februar 1850) und den Brüsseler Kutschenfabrikanten Pierre Pauwels, um einen Großauftrag über 200 Personen- und Güterwagen auszuführen. Später wurden Wagen für die Bahnen in Deutschland und in den Benelux-Ländern produziert. 1845 wurde die Produktion in die Nähe des Nordbahnhofes verlegt. Nach dem Tod von Johann Hugo Jacob Talbot übernahmen dessen Söhne die Leitung zusammen mit Peter Herbrand, 1855 wurde die Firma in Talbot & Herbrand geändert. 1860 wurde das Gelände an der Jülicher Straße bezogen, auf dem auch noch 2013 der Sitz der Produktion ist. Seit 1894 wurde der Talbot-Selbstentlader gebaut, der von Georg Talbot entwickelt worden war. Um 1900 hatte Talbot rund 400 Mitarbeiter.

1913 kaufte Talbot die konkurrierende Waggonfabrik J. P. Goossens im Eschweiler Stadtteil Aue, welche bis 1908 der Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb gehörte. Dies bedeutete, insbesondere durch die Verdoppelung der Verbandsquote im Staatsbahngeschäft, eine außerordentliche Vergrößerung und brachte erhebliche Vorteile im Hinblick auf eine rationellere Fertigung. Im Zuge der weiteren Rationalisierung wurde dieses Zweigwerk 1923 stillgelegt und dessen Produktion in das entsprechend vergrößerte Aachener Werk verlegt, 1929 waren dort 1700 Mitarbeiter beschäftigt. Seit 1934 wurden als Antwort auf die Wirtschaftskrise auch Diesel-Triebwagen hergestellt. Auch Straßenbahnfahrzeuge gehörten zur Produktpalette, doch ging deren Produktion dann zur Konzerntochter DUEWAG über. Georg Talbot leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod im Jahr 1948. Anschließend übernahm zunächst sein Sohn Richard Talbot die Geschäftsleitung und übergab diese im Jahr 1975 schließlich seinem Neffen Kurt Capellmann.

Über einen längeren Zeitraum besaß Talbot auch Anteile am Düsseldorf-Krefelder Waggonhersteller DUEWAG AG. Diese Beteiligung wurde 1989 an die Siemens AG verkauft.

Der kanadische Mischkonzern Bombardier kaufte Talbot 1995 auf. 1250 Mitarbeiter hatte das Werk damals.

Zu den damaligen Produkten zählten der 1994 entwickelte Talent (Talbot leichter Nahverkehrstriebwagen) und die Endmontage der Stadtbahnfahrzeuge Bombardier Flexity Swift.

Insgesamt hat das Werk über 100.000 Wagen und Drehgestelle und über 1000 Triebzüge gefertigt.

Seit Schließung des niederländischen Herstellers Werkspoor 1968 galt der niederländische Markt als bedeutender Abnehmer. Talbot lieferte den ICM Koploper, den SGM Sprinter, den SM90 Raihopper, DM90 Buffel und die Doppelstockwagen DDM und die Doppelstock Triebwagen DD-IRM und VIRM. Nach Übernahme durch Bombardier wurden aber viele Fahrzeuge im Verbund produziert, ab 2001 konzentrierte man sich auf die Endmontage, die Rohbauten für Triebwagen wurden aus Görlitz zugeliefert. So wurde im Juli 2008 der erste von 50 Zügen des Modells VIRM-4 an die Nederlandse Spoorwegen übergeben. Der VIRM-4 ist ein Fahrzeug mit einem relativ großen Holzanteil an der Innenausstattung und gilt als Nachfolger der Modelle VIRM-3, VIRM-2, VIRM und IRM.

Im Oktober 2012 wurde die Schließung des Werkes für Juni 2013 durch Bombardier angekündigt. Rund 600 Mitarbeiter waren betroffen.[1] Die Beschäftigten, die sich gegen die Schließung wehren, erkoren die legendäre Aachener Figur, den wehrhaften Schmied, zu ihrer Identifikationsfigur.

Die neue Talbot Services GmbH hat den Standort übernommen und die Weiterbeschäftigung für ca. 240 Mitarbeiter ermöglicht.[2] Derzeit stellt das Unternehmen neben Schienenfahrzeugen[3] auch das Elektrofahrzeug Streetscooter[4] her.[5]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Viktor Engelhardt: Waggonfabrik Talbot Aachen. Eine Festschrift zur Hundertjahrfeier 1938. Berlin (Archiv für Wirtschaftsgeschichte), 1938.
  • Heinrich Krohn: Die Geschichte der Reisezug- und Güterwagen. Prestel, München 1988. Qu.-4to. 184 S. Mit zahlr., teils farbigen Abbildungen. Farbig illustr. OPp. Erste Ausgabe. Festschrift zum 150jährigen Bestehen der Waggonfabrik Talbot in Aachen. Bietet einen Überblick über die Geschichte des Waggonbaus mit besonderer Berücksichtigung der Fa. Talbot.
  •  Guus Ferreé: Ende einer großen Tradition. Talbot schließt nach 175 Jahren. In: eisenbahn-magazin. Nr. 4/2013, alba, April 2013, ISSN 0342-1902, S. 22–25.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Waggonfabrik Talbot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bombardier schließt Bahn-Fahrzeugwerk in Aachen. In: Welt online, Axel Springer AG, 18. Oktober 2012. Abgerufen am 10. November 2013. 
  2.  Guus Ferreé: Ende einer großen Tradition - Die bekannte Waggonfabrik Talbot, heute Teil des Weltkonzerns Bombardier, schließt nach 175 Jahren. In: Eisenbahn Magazin. Nr. 4, Alba Publikation Alf Teloeken GmbH & Co. KG, Düsseldorf April 2013, ISSN 0342-1902, S. 22-25, DNB 011037288, OCLC 722390688, ZDB-ID 188486-4 (Heft Archiv, abgerufen am 10. November 2013).
  3. Berthold Strauch: Talbot Services lockt neue Bahnpartner an. In: Aachener Nachrichten, Aachener Zeitungsverlag, 20. Juni 2013. Abgerufen am 10. November 2013. 
  4. Streetscooter - The next step in e-mobility. StreetScooter GmbH. Abgerufen am 10. November 2013.
  5. Berthold Strauch: 175 Jahre Talbot: Mit der großen Bahntradition in die neue Zukunft. In: Aachener Nachrichten, Aachener Zeitungsverlag, 20. Juni 2013. Abgerufen am 10. November 2013. 

50.7859722222226.1108333333333Koordinaten: 50° 47′ 9″ N, 6° 6′ 39″ O