Wem die Stunde schlägt

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Dieser Artikel behandelt den Roman For Whom the Bell Tolls von Ernest Hemingway. Für den gleichnamigen Song von Metallica, siehe For Whom the Bell Tolls (Lied).

Wem die Stunde schlägt (englisch For Whom the Bell Tolls) ist ein Roman von Ernest Hemingway aus dem Jahr 1940. Die deutsche Übersetzung stammt von Paul Baudisch und erschien 1941 im Verlag Bermann Fischer, Stockholm.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Buch auch im deutschsprachigen Raum zu einem Bestseller.

Handlung[Bearbeiten]

Der Roman erzählt eine Episode von drei Tagen aus der Geschichte des US-amerikanischen Guerillakämpfers Robert Jordan im Spanischen Bürgerkrieg.

Die Rahmenhandlung stellt der Auftrag an den Sprengstoffexperten Jordan dar, eine Brücke zeitgleich zum bevorstehenden Angriff der Republikaner auf die Stadt Segovia zu sprengen. Hinter den Linien der Feinde sucht Jordan die Zusammenarbeit mit der Guerrillagruppe um Pablo. Pablos zögerlicher Einsatz für die Operation steht Jordans Pflichtgefühl entgegen. Weitere Spannungen werden durch Robert Jordans erwachende romantische Liebe zu María, einer Mitkämpferin Pablos, ausgelöst.

Ein bedeutender Teil des Romans ist aus der Sicht Jordans geschrieben. Seine Erzählung ist mit Erinnerungen an einige Treffen mit Russen in Madrid sowie an seinen Vater und Großvater durchsetzt. Daneben berichtet Pilar, eine energische, „urwüchsige“ Spanierin und Frau von Pablo, in erschreckender Realitätsnähe von der Brutalität des Bürgerkrieges: einmal in Gestalt einer aufgebrachten republikanischen Menschenmenge, ein anderes Mal durch nationalistische Regierungstruppen.

Geschichtlicher Zusammenhang[Bearbeiten]

Der Roman bezieht in der ideologischen Auseinandersetzung zwischen linksgerichteten Volksfrontlern (Anarchosyndikalisten, Kommunisten, linksliberale Republikaner) und rechtsgerichteten Nationalisten (Monarchisten, Konservative, Faschisten) Partei, indem Robert Jordan die Hoffnung wachhält, dass weltweite Unterstützung dem Anliegen der Republikaner zum Sieg verhelfen könne.

Daneben wird die Unterstützung beider Seiten durch fremde Mächte (Sowjetunion für die Volksfront, Deutschland und Italien für die Franquisten) deutlich gemacht.

In dem Roman selbst geht Hemingway jedoch kaum direkt auf die weltpolitischen Hintergründe des Bürgerkrieges und dessen Folgen für Spanien ein, sondern lässt die Schicksale der Figuren für die Situation des Landes sprechen.

Kritisch setzte sich der Autor mit der langjährigen spanischen KP-Vorsitzenden Dolores Ibárruri auseinander.[2]

Interpretation[Bearbeiten]

Titel[Bearbeiten]

Für den Titel des Romans verwendete Hemingway ein Zitat des englischen Dichters John Donne (1572-1631). Ausschnitte des geistlichen Gedichtes Meditation Nr. 17 stellt er dem Buch auch als Motto voran:

"No Man is an Island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main; [...] and therefore never send to know for whom the bell tolls; it tolls for thee.
Kein Mensch ist eine Insel, in sich selbst vollständig; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinentes, ein Teil des Festlands; [...] und darum verlange nie zu wissen, wem die [Toten-]Glocke schlägt; sie schlägt dir.

Es bezieht sich auf die Verantwortung, die jeder einzelne in der Gemeinschaft trägt. Ein Ideal, das die Zentralgestalt Jordan vorbildlich erfüllt. Als Motto ist dieser Satz aber auch als moralische Aufforderung an jeden einzelnen Leser gerichtet.

Autobiografischer Ansatz[Bearbeiten]

Hemingways eigene Erlebnisse als Kriegsfreiwilliger auf Seiten der Republikaner gaben Anstoß zu diesem Thema und begründen die Wirklichkeitsnähe der Darstellung. Hemingway konnte neben seinen Erlebnissen im spanischen Bürgerkrieg auch Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg verarbeiten. Nach Anthony Burgess gleicht eine Abschiedsszene Hemingways Aufbruch an die italienische Front.

Auch die letzten Gedanken Robert Jordans klingen an Hemingways eigene an, als er bei Fossalta verwundet wurde.

Die Romanfigur María hat deutliche Parallelen zu Catherine Barkley aus dem teil-autobiographischen Roman A Farewell to Arms. Allerdings ist María weniger komplex entwickelt und erscheint eher farblos.

Erzählstil[Bearbeiten]

Wem die Stunde schlägt ist ein uneinheitlicher Roman. Er wechselt zwischen der sog. auktorialen Erzählsituation (Bericht eines „allwissenden Erzählers“ in der dritten Person), Dialogen zwischen den Romanfiguren und umfangreichen Betrachtungen Robert Jordans hin und her.

Das Werk ist in einem lapidaren Stil geschrieben und bedient sich des von Hemingway deutlich mitgeprägten Kunstmittels der Kurzgeschichte. Damit soll eine Unmittelbarkeit erzielt werden, die die Absicht hat, den Leser zu begeistern und ins Geschehen hineinzuziehen. Der Protagonist Robert Jordan wird dabei so leidenschaftlich geschildert, dass damit die oben bereits erwähnten Parallelen zu Hemingways persönlichen Erlebnissen möglich scheinen.

Die bewusst verwendete vereinfachte Syntax und der begrenzte Wortschatz verhindert jedoch eher, dass die Figuren eine lebhaft-lebendige Wirkung erzielen. Das über weite Strecken mit spanischen Brocken durchsetzte, archaisierende mittelalterliche Englisch (thou, thee anstelle des modernen you) simuliert Alter und formale Struktur der spanischen Sprache. Unter anderem wird durch diese Übertragung der unterschiedlichen spanischen Anreden Du (tú) und Sie (Usted) ins Englische dem Leser vermittelt, dass die Sprache der Romanfiguren nicht Englisch ist. Die Ansicht, dass das Spanisch der Loyalisten sich besonders gut durch mittelalterliches Englisch wiedergeben lässt, wird jedoch von Spaniern im Allgemeinen nicht geteilt.

Im letzten Abschnitt des Romans teilt sich der Erzählstrang. Inhaltlich folgt er auch Andrés, der eine Nachricht an die Republikaner übermitteln soll.

Motive[Bearbeiten]

Ein Hauptthema des Buches ist die Kameradschaft. George Orwell beschreibt sie (in “Homage to Catalonia”) als einen engen Zusammenhalt inmitten der alltäglichen Bedrohung durch den Tod sowie als selbstlosen Einsatz des Einzelnen für ein Ideal oder den gemeinschaftlichen Besitz. Körperlichen Ausdruck findet diese enge Gemeinschaft der männlichen „Schicksalsgefährten“ in Gesten wie Umarmungen oder Schulterklopfen. Stärke ziehen die Kämpfer ebenfalls aus einer Verbundenheit mit dem Land (Spanien), oft symbolisiert durch den Waldboden mit seinen Kiefernnadeln.

Ein weiteres Motiv ist das des Suizids. Hemingway versucht im Roman den Freitod aus „edlen Motiven“ zu rechtfertigen. Die Kämpfer ziehen sämtlich den Tod einer eventuellen Gefangenschaft vor und sind bereit, sich im Notfall das Leben zu nehmen oder aber es jemand anderem anzuvertrauen. Dieses Motiv ist angesichts Hemingways eigenen Suizids einundzwanzig Jahre später für die autobiografische Deutung interessant.

Hemingway zeichnet im Roman ein Bild von Gewalt und Tod in Gestalt der militärischen Vernichtungsmaschine. Damit wird die klassische Darstellung des Krieges als Kampf zwischen Menschen auf eine andere Ebene gebracht. Heldentaten werden durch „Abschlachtszenen“ abgelöst. Ein Beispiel hierfür ist die Erschießung von Marías Eltern an der Schlachthauswand.

Ein anderer Aspekt von Gewalt findet sich in der Beziehung zwischen den Hauptfiguren. Hier wird physische Gewalt durch psychische Gewalt ersetzt. Beispielhaft ist die Auseinandersetzung zwischen Robert und Pablo, wobei Robert letzteren zu provozieren versucht, um einen Vorwand zu haben, ihn zu erschießen. Pilar ist gleichfalls eine Figur, die vielfach psychische Gewalt anwendet, ohne je jemanden physisch zu verletzen.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Zeitschrift Le Monde nahm Wem die Stunde schlägt in ihre Liste der 100 Bücher des Jahrhunderts auf.

Verfilmung[Bearbeiten]

Der Roman wurde 1943 mit Gary Cooper, Ingrid Bergman, Akim Tamiroff und Katina Paxinou in den Hauptrollen verfilmt. Die Bearbeitung des Romans zum Drehbuch stammte von Dudley Nichols, Regie führte Sam Wood.

Der Film Wem die Stunde schlägt wurde für eine Reihe von Oscars nominiert: Katina Paxinou erhielt den Oscar als beste Nebendarstellerin. Weiter waren Gary Cooper (Hauptrolle), Ingrid Bergman (Hauptrolle) und Akim Tamiroff (Nebendarsteller) nominiert; daneben bestanden Nominierungen für Ausstattung, Kamera, Schnitt, Musik und als bester Film.

Musik[Bearbeiten]

For Whom the Bell Tolls“ ist ein Lied der Band Metallica aus dem Album „Ride the Lightning“ (1984). Es thematisiert eine Episode, in der der Guerillaführer El Sordo auf einem Hügel eingeschlossen ist und gemeinsam mit fünf Gefährten bei einem Luftangriff umkommt. Daneben existieren weitere musikalische Bearbeitungen des Stoffes, u.a. von Simon Dupree And The Big Sound aus den Sechzigerjahren.

Trivia[Bearbeiten]

Robert Jordan war das Hauptpseudonym des US-amerikanischen Schriftstellers James Oliver Rigney, Jr., ohne dass dieser den Bezug auf Hemingways Text bestätigt hätte.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ernest Hemingway: Wem die Stunde schlägt. 1. Auflage. Fischer, S., Frankfurt am Main 2010 (Originaltitel: For Whom the Bell Tolls, übersetzt von Paul Baudisch), ISBN 978-3-596-90322-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://d-nb.info/573740887
  2. Wem die Stunde schlägt, Kap. 25 und 32.