Wolfgang Weber (Journalist)
Wolfgang Weber (* 17. Juni 1902 in Leipzig; † 4. März 1985 in Köln) war ein deutscher Bildjournalist.
Inhaltsverzeichnis |
Leben [Bearbeiten]
Sein Vater veräußerte das Familienunternehmen, eine Fabrik für Dachpappe und Teerprodukte, um in München die Leitung des Forschungsinstitutes für Völkerkunde zu übernehmen. So konnte Wolfgang Weber bereits als Kind zahlreiche fremdartige Kulturgüter aus der Sammlung seines Vaters kennenlernen.
1920 legte Wolfgang Weber das Abitur ab. Seine Vater schenkte ihm seine erste große Reise, dessen Ziel er sich selbst aussuchen dürfte. Er wählte Marokko.
Danach studierte er Ethnologie, Philosophie und Musikwissenschaft. Zusätzlich wurde er an der Akademie für Tonkunst zum Dirigenten ausgebildet.
Erich von Hornborstel, Professor am Phonetischen Institut der Humboldt-Universität Berlin, setzte Weber als Assistenten ein und schickte ihn auf eine Musik-Ethnografische Forschungsreise nach Ostafrika zum Stamm der Wadjaggas am Kilimandscharo. Neben den aufwändigen, mit Wachsrollen arbeitenden Tonaufnahmegeräten arbeitet er mit einer Stereokamera. Diese Aufnahmen konnte er 1925 in der Münchner Illustrierten Zeitung (MIZ) veröffentlichen. Deren Chefredakteur Stefan Lorant wurde sein erster Förderer, doch wurde nach und nach die Berliner Illustrirte Zeitung (BIZ) Webers bevorzugtes Publikationsmedium. Deren Chefredakteur Harald Lechenperg betrachtete Wolfgang Weber als ebenbürtigen Journalisten. Er konnte seine Veröffentlichungen weitgehend selbstständig ausarbeiten.[1] Obwohl Wolfgang Weber sehr oft als Kriegsberichtserstatter in der BIZ angekündigt wurde, war er kein Mitglied der NSDAP. Es entwickelten sich Spannungen zu Harald Lechenperg, die sich in der Sympathie Wolfgang Webers für den „American way of life“ gründeten. Eine bereits gebuchte Dienstreise in die USA stornierte Lechenperg ohne Rückfrage, da er befürchtete, dass Wolfgang Weber sich im Verlag des Magazins Life vorstellen könnte.
Seine Familie verbrachte die schwerste Zeit des Krieges zumeist im italienischen Positano. Aus dieser Zeit rührte eine Freundschaft zu Stefan Andres, die auch nach dem Umzug Webers nach Köln-Rodenkirchen Bestand hatte. Er war kritisch gegenüber der amerikanischen Atomrüstung eingestellt, was in seinen Berichten über die Bombe auf Hiroshima und die amerikanischen Atomtests nachzulesen ist in seinem Buch Abenteuer meines Lebens.
Seine Frau, Gertrud Weber, geb. Bierhals, gebar 1943 ihre erste Tochter in Rom. Eine zweite Tochter wurde 1947 in Kiel geboren.
Ab 1949 war Weber Chefredakteur der Zeitschrift Neue Illustrierte in Köln. Als freier Journalist hatte er Zugang zu vielen großen Personen der damaligen Zeit. So konnte er zur selben Zeit Interviews mit Ben Gurion und Jassir Arafat machen. Er berichtete 1966/67 als einziger westlicher Journalist umfassend über die Kulturrevolution in China.
Im hohen Alter wechselte er von der Leica-Kamera zur Filmaufnahmetechnik. Gemeinsam mit Peter Scholl-Latour und Dieter Kronzucker berichtete er in einem Buch über die Arbeit von Fernsehjournalisten. Er blieb bis zu seinem Lebensende ein weltreisender Journalist, der seiner Familie viel abverlangte. Er versuchte, diese Belastungen zu mildern, indem er seine Familie an Orten wie Davos, Lerici, Torno oder Taormina einquartierte.
Anläßlich seines Todes schrieb "Die Welt" in einem kurzen Artikel:
„Einer der Väter des modernen Fotojournalismus, der Pressefotograph und spätere Fernsehjournalist Wolfgang Weber, ist im Alter von 82 Jahren in Köln gestorben. Seine bahnbrechenden Bildberichte aus Afrika, Indien und China erschienen vor dem Zweiten Weltkrieg in der "Berliner Illustrierten" und in der "Münchner Illustrierten Presse". Er gehörte zu den ersten Reisejournalisten in Deutschland und hinterläßt unter anderem wichtige Fotodokumente über den Untergang des Britischen Empire. Nach dem Krieg war Weber bis 1963 Chefreporter der "Neuen Illustrierten" in Köln. Anschließende drehte er als freier Fernsehjournalist und Regisseur bis zu seinem 80. Lebensjahr in Afrika, China, Kuba und Nahost zahlreiche, zum teil preisgekrönte Dokumentarfilme für in- und ausländische Fernsehanstalten.“
Ausstellung [Bearbeiten]
Vom 4. Dezember 2004 bis 20. Februar 2005 zeigte Folkwang Museum in Essen in einer Sonderausstellung sein Lebenswerk. Sein Archiv wird dort verwaltet.
Werke [Bearbeiten]
- Barcelona. Das Gesicht der Städte. Herausgegeben von Carl Otto Justh. Albertus-Verlag. Berlin 1928.
- Hotel Affenbrotbaum, Abenteuer an der Autostraße Kap–Kairo. Ullstein, Berlin 1936.
- Abenteuer einer Kamera. Erlebnisse eines Bildjägers in Europa und Afrika. Deutscher Verlag, Berlin 1938.
- Auf Abwegen um die Welt. Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh 1964.
- Reisen ohne Ende. Wolfgang Weber sieht die Welt. Brüder Auer Verlag, Bonn/Rheindorf 1952.
- Abenteuer meines Lebens. Kurt Desch, Wien u. a. 1960.
- Hinter den Kulissen des Fernsehens. Signal-Verlag, Baden-Baden 1975, ISBN 3-7971-0152-X.
Literatur [Bearbeiten]
- Ute Eskildsen (Hrsg.): "Fliegen Sie sofort nach ...". Wolfgang Weber - Reportagen, Fotografie und Film 1925 bis 1977. Steidl, Göttingen 2004, ISBN 3-86521-098-8.
Weblinks [Bearbeiten]
- Biografie Webers auf artmediamoon.com (PDF; 48 kB)
- TAZ-Artikel zur Ausstellung im Folkwang Museum
- Fotoarchiv-Reemtsma
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Randy Kaufmann, Brigitte Werneburg: Der Ideenreichste. In: TAZ. 9. Februar 2005, Abgerufen am 6. September 2011.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weber, Wolfgang |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist |
| GEBURTSDATUM | 17. Juni 1902 |
| GEBURTSORT | Leipzig |
| STERBEDATUM | 4. März 1985 |
| STERBEORT | Köln |