Zentraler Grenzwertsatz
Bei den Zentralen Grenzwertsätzen handelt es sich um eine Familie schwacher Konvergenzaussagen aus der Wahrscheinlichkeitstheorie. Allen gemeinsam ist die Aussage, dass die Summe einer großen Zahl von unabhängigen Zufallsvariablen asymptotisch eine stabile Verteilung befolgt.[1] Bei endlicher und positiver Varianz der Zufallsvariablen ist die Summe annähernd normalverteilt, was die Sonderstellung der Normalverteilung erklärt.
Die wichtigste und bekannteste Aussage wird auch einfach als Der Zentrale Grenzwertsatz bezeichnet und befasst sich mit unabhängigen, identisch verteilten Zufallsvariablen, deren Erwartungswert und Varianz endlich sind. Diese Aussage ist auch bekannt als Grenzwertsatz von Lindeberg/Lévy.
Es existieren verschiedene Verallgemeinerungen, für die eine identische Verteilung keine notwendige Voraussetzung ist. Stattdessen wird dann eine andere Voraussetzung gefordert, die sicherstellt, dass keine der Variablen zu großen Einfluss auf das Ergebnis erhält. Beispiele sind die Lindeberg-Bedingung und die Ljapunow-Bedingung. Darüber hinausgehende Verallgemeinerungen gestatten sogar „schwache“ Abhängigkeit der Zufallsvariablen.
Die Bezeichnung geht auf G. Pólyas Arbeit Über den zentralen Grenzwertsatz der Wahrscheinlichkeitsrechnung und das Momentenproblem von 1920 zurück.[2]
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Der Zentrale Grenzwertsatz der Statistik bei identischer Verteilung[Bearbeiten]
Sei
eine Folge von Zufallsvariablen, die auf demselben Wahrscheinlichkeitsraum alle dieselbe Verteilung aufweisen und unabhängig sind (u.i.v. = unabhängig und identisch verteilt, engl. i.i.d. = independent and identically distributed). Sei weiter angenommen, dass sowohl der Erwartungswert
als auch die Standardabweichung
existieren und endlich sind.
Betrachten wir nun die
-te Teilsumme dieser Zufallsvariablen
. Der Erwartungswert von
ist
und die Varianz ist
. Bildet man daraus die standardisierte Zufallsvariable
dann besagt der Zentrale Grenzwertsatz, dass die Verteilungsfunktion von
für
punktweise gegen die Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung
konvergiert. Ist
die Verteilungsfunktion von
, dann bedeutet dies, dass für jedes reelle 
In etwas anderer Schreibweise erhält man
wobei
der Mittelwert der ersten n Summanden der Zufallsvariablen ist.
Bemerkungen[Bearbeiten]
- Der Beweis des Zentralen Grenzwertsatzes erfolgt meist auf Basis allgemeiner Sätze über die Eigenschaften von charakteristischen Funktionen. Auf deren Grundlage reicht es, die Momente beziehungsweise Kumulanten der Folgenglieder
und so die Koeffizienten der Taylorreihe der charakteristischen Funktion zu bestimmen. Letzteres ist aber einfach möglich (siehe Artikel Kumulante, Abschnitt Zentraler Grenzwertsatz).
- Der Zentrale Grenzwertsatz kann aber auch elementar, das heißt ohne das tiefliegende Hilfsmittel der charakteristischen Funktion, bewiesen werden. Dazu werden Erwartungswerte der Form
untersucht, die einerseits im Fall einer Indikatorfunktion eines abgeschlossenen Intervalls
der Wahrscheinlichkeit
entsprechen und andererseits in Fällen einer genügend glatten Funktion
gut approximiert werden können. Dieses Verfahren eines elementaren Beweises stammt von Jarl Waldemar Lindeberg.[3]
- Endliche Stichprobenumfänge lassen die Frage nach der Konvergenzgüte aufsteigen. Unter bestimmten Bedingungen liefert der Satz von Berry-Esseen eine Antwort: Existiert das dritte zentrierte Moment
und ist es endlich, dann ist die Konvergenz zur Normalverteilung gleichmäßig und die Konvergenzgeschwindigkeit wenigstens von der Ordnung
.
- Da für stochastisch unabhängige normalverteilte Zufallsvariablen die Summe wieder normalverteilt ist, gilt für diese der zentrale Grenzwertsatz im Endlichen, genauer ist
für jedes
bereits nach N(0,1) verteilt.
- Für stochastisch unabhängige bernoulli-verteilte Zufallsvariablen ist die Summe binomialverteilt und man erhält als Spezialfall des zentralen Grenzwertsatzes den Satz von Moivre-Laplace.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ John P. Nolan: Stable Distributions - Models for Heavy Tailed Data. Birkhauser, Boston 2011, S. 22 (http://academic2.american.edu/~jpnolan/stable/stable.html).
- ↑ Jeff Miller: Earliest Known Uses of Some of the Words of Mathematics.
George Pólya: Über den zentralen Grenzwertsatz der Wahrscheinlichkeitsrechnung und das Momentenproblem, Mathematische Zeitschrift, 8, 1920, S. 171-181 (online) - ↑ Jarl Waldemar Lindeberg: Eine neue Herleitung des Exponentialgesetzes in der Wahrscheinlichkeitsrechnung, Mathematische Zeitschrift, Band 15, 1922, S. 211-225 (Online-Version).
Siehe auch Jörg Bewersdorff: Statistik – wie und warum sie funktioniert. Ein mathematisches Lesebuch. Vieweg+Teubner Verlag 2011, ISBN 978-3834817532, doi:10.1007/978-3-8348-8264-6, S. 139-146.




untersucht, die einerseits im Fall einer
der Wahrscheinlichkeit
entsprechen und andererseits in Fällen einer genügend
gut approximiert werden können. Dieses Verfahren eines elementaren Beweises stammt von
und ist es endlich, dann ist die Konvergenz zur Normalverteilung
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