Święta Lipka

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Święta Lipka
Święta Lipka führt kein Wappen
Święta Lipka (Polen)
Święta Lipka
Święta Lipka
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Kętrzyn
Gmina: Reszel
Geographische Lage: 54° 2′ N, 21° 13′ OKoordinaten: 54° 1′ 31″ N, 21° 12′ 58″ O
Einwohner: 173 (2007[1])
Postleitzahl: 11-407
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NKE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW594 Reszel - Kętrzyn
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad



Kloster Heilige Linde in Ostpreußen (Lithographie von Teichgräber 1839)
Kirche in Święta Lipka
Kircheninneres mit Hochaltar und Gnadenbild
Innenhof mit Kapelle und Kreuzgang
Kirchenraum

Święta Lipka (deutsch Heiligelinde) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren (Województwo warmińsko-mazurskie) im Powiat Kętrzyński, Gmina Reszel. In den Jahren 1975 bis 1998 gehörte das Dorf zur Woiwodschaft Olsztyn.

Święta Lipka ist einer der bekanntesten polnischen Marienwallfahrtsorte. In dem bis 1945 ostpreußischen Dorf wurde von Jesuiten die barocke Wallfahrtskirche Heiligelinde gebaut.[2] Die Basilika mit Kreuzgang und Kloster gehört zu den bedeutendsten Denkmälern des Barock in Nord-Polen. Der Papst erhob sie 1983 in den Rang einer Basilica minor.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge der Anbetung und der ersten Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge des Kults von Unserer Lieben Frau von Heilige Linde (polnisch Święta Lipka) gehen zurück auf eine Sage aus dem 14. Jahrhundert. Sie berichtet von einem in Rastenburg Verurteilten, der auf Intervention von „Unserer Lieben Frau“ eine aus Holz geschnitzte Figur ihres Kindes anfertigte. Nachdem er wegen dieser Skulptur freigelassen wurde, hängte er die Figur an eine Linde auf dem Weg von Rastenburg nach Rößel. Viele Wunder sollen sich in der Folge um die Statue des Marienkindes ereignet haben. Jedoch weist der Begriff „Heilige Linde“ weiter zurück in die Vergangenheit: nämlich auf einen heidnischen Kultplatz der Prußen. Die Linde war das Symbol der Göttin Puskaite, einer Göttin für Fruchtbarkeit und Getreide, der zu Ehren im Frühjahr und im Herbst Feste veranstaltet wurden. (Siehe auch Zwangschristianisierung).

Im Laufe der Zeit wurde eine Kapelle rund um den Baum mit der Schnitzfigur errichtet. Die Priester der Kapelle dienten dem Deutschen Orden in Rastenburg. Die ältesten Informationen über die heilige Linde sind in Dokumenten des Domkapitel von Płock enthalten. Aus einer Aufzeichnung von 1473 geht hervor, dass der Ort zum Deutschordensstaat kam, die Kapelle wird nicht erwähnt. In einer Erlaubnis des Hochmeisters des Deutschen Ordens, Johann von Tiefen, von 1491 zur Einrichtung einer Gaststätte ist die Kapelle genannt. Wegen der überlieferten Wunder fanden sich immer mehr Wallfahrer bzw. Pilger nach Heiligelinde ein. Auch der Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg-Ansbach wallfahrte hierher.

In der Zeit der Reformation zerstörten deren Anhänger die Kapelle in Heiligelinde. Dank der Bemühungen von Stefan Sadorski gelang der Wiederaufbau der Kapelle. Später erwarb das ermländische Domkapitel Land und Gebäude und ließ die Kapelle renovieren und umbauen. Sie hatte nun eine Grundfläche von 40 × 26 Fuß. Der Fürstbischof von Ermland, Simon Rudnicki weihte das Kirchenbauwerk am 19. November 1619 feierlich ein. An der Fassade der Kapelle wurden die drei Wappen von Sigismund III. Wasa, Johann Sigismund (Brandenburg) und Simon Rudnicki angebracht. Immer noch bildete der Stamm der Linde mit der Schnitzfigur den Mittelpunkt der Wallfahrtskapelle. Sadorski übergab die Kapelle der Ordensgemeinschaft der Jesuiten. Pilger kamen nicht nur aus dem Ermland, sondern auch aus Warschau, Vilnius oder Lemberg. Unter den Pilgern war auch König Johann II. Kasimir.

Basilika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jesuiten veranlassten schließlich den Neubau eines Kirchengebäudes auf einem der Kapelle benachbarten Hügel. Es entstand in den Jahren 1688 bis 1693 nach Plänen eines namentlich nicht überlieferten Architekten, die Kapelle wurde abgerissen. Aus den Bauakten und Briefen der Registratur in Heiligelinde geht folgendes hervor: Der Abriss war bereits vorhanden, als der Superior Martin Wobbe und der Rektor des Kollegiums in Rössel, Johann Sigismund, mit dem Maurer, dem „ehrsamen nahmhaften Herrn Georg Ertly, Bürger und Maurer in Wilda“ (damaliger Name der Stadt Wilna (Vilnius) Zur Wilden oder Wildau) am 16. März 1688 einen Bauvertrag vereinbarten. Ertly stammte aus Tirol und war langjährig in Vilnius tätig. Superior Wobbe starb 1688, und im Oktober schloss sein Nachfolger Konrad Schröter einen zweiten Vertrag mit Maurermeister Ertly.[3] Erst 50 Jahre später, 1730 erhielt die Kirche ihre barocke Fassade.

Vor Baubeginn war es notwendig, den Boden zu stabilisieren. Der Baugrund lag auf sumpfigem Land zwischen den Seen Wirowym und Dejnowa. Dazu wurden 10.000 Holzpfeiler gerammt.

Zwischen den Jahren 2003 und 2013 konnte dank des Zustroms von Pilgern und Touristen das Bauwerk renoviert werden. Baufachleute fanden heraus, dass die gelbe Fassadenfarbe nicht der ursprünglichen Gestaltung entsprach. Ein neuer, nun ockerfarbener Anstrich wurde aufgebracht.[4]

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist in der Form einer dreischiffigen Basilika errichtet mit Presbyterium im Hauptteil des Kirchenschiffes und seitlichen Emporen. Sie wird von einem Kreuzgang umgeben mit einer Kapelle an den Ecken. An der Fassade der Kirche und der Kapellenfront sind geschnitzte Skulpturen des Bildhauers Christoph Perwanger angebracht.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Innere der Kirche ist reich verziert, unter anderem mit einem Gemälde an der Decke, in den Jahren 1722 bis 1727 gefertigt von Matthias Johann Meyer. Das Gewölbe im Presbyterium und das Hauptschiff (beginnend mit dem Presbyterium) ist geschmückt mit Bildern, so von Hedwig von Schlesien, Sigismund III. Wasa und Kasimir von Polen und Litauen.

Zur sonstigen Ausstattung der Kirche gehören der Hauptaltar von 1712 bis 1714, die Arbeit von Christoph Peucker. Im Hauptaltar befindet sich ein 1640 von Bartholomäus Pensa gemaltes Bild der Muttergottes. Der Königsberger Goldschmied Samuel Grew stellte silberne Tabernakel her. Die Bilder der anderen acht Altäre fertigte unter anderem Martin Altomonte an. In der Kirche wird eine 1652 gefertigte Kopie der Schnitzfigur Unserer lieben Frau zusammen mit einem symbolischen Lindenstamm gezeigt. Das auch Gnadenbild genannte Kunstwerk wurde im Jahr 1968 gekrönt.[5]

Orgel und Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgelprospekt von Johann Josua Mosengel und Christoph Peucker (1721) mit Goebel-Orgel von 1905

Die Orgel entstand 1719 bis 1721 in der Werkstatt von Johann Josua Mosengel. Das Instrument verfügte auf drei Manualen und Pedal über 40 Register. Von ihr ist heute allerdings nur noch der von Christoph Peucker erschaffene Prospekt erhalten, in dem eine Vielzahl von beweglichen Figuren eine Verkündigungsszene darstellen. Das Orgelwerk selbst wurde 1905 durch einen Neubau der Werkstatt Bruno Goebel, Königsberg i. Pr., mit 36 Registern auf zwei Manualen und Pedal ersetzt[6], das im Jahr 2009 durch die Werkstatt Westfälischer Orgelbau S. Sauer[7] restauriert wurde[8].

Im 20. Jahrhundert waren die beweglichen Figuren des Gehäuses für mehrere Jahre nicht mehr funktionsfähig. Erst um 1990 gelang es Spezialisten, die Mechanik für die beweglichen Figuren (Maria, Engel, Trompeter) wieder in Gang zu setzen. Die Orgel wird während der Touristensaison mehrmals täglich gespielt.

Seit dem Jahr 1988 finden in der Kirche regelmäßig Heiligelinde-Musikabende mit Chor und einem Orgelspiel statt.[9]

Weiteres auf dem Klostergelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerhalb des Kreuzganges und neben der Kirche befindet sich ein Gedenkstein zu Ehren des berühmten Komponisten Feliks Nowowiejski (1877–1946), der als Klosterschüler in Heiligelinde war. Darüber hinaus verweist ein gestalteter Granitfindling darauf, dass hier der Jakobsweg entlang führt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Curatus Kolberg: Die Heiligenlinde. In: Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Eermlands. Band 3, Braunsberg 1866, S. 28–138 und S. 435–520.
  • Heiligelinde. Ein Landschafts- und Lebensbild aus Ostpreußen von Dr. Neuhaus. In: Alte und neue Welt. Illustrierte katholische Monatsschrift 5 (1871), S. 406–412.
  • Słownik geograficzny Królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich, (Tom XI, str. 690-691), Warschau 1890.
  • Anton Ulbrich: Die Wallfahrtskirche in Heiligelinde. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des XVII. und XVIII. Jahrhunderts in Ostpreussen (= Studien zur deutschen Kunstgeschichte, Bd. 29). Heitz, Straßburg 1901 (= Dissertation; Digital).
  • Jan Obłąk: Święta Lipka, Warmińskie Wydawnictwo Diecezjalne, Olsztyn 1975.
  • Ireneusz St. Bruski: Sanktuarium Matki Jedności Chrześcijan w Świętej Lipca, Olsztyn 1993.
  • Jerzy Paszenda: Święta Lipka, Ośrodek Badań Naukowych im Wojciecha Kętrzyńskiego, Olsztyn 1996, ISSN 1233-0396.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Święta Lipka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website der Gmina, Informacje ogólne - Święta Lipka, abgerufen am 25. Okt. 2008
  2. Jesuiten in Ostpreußen, Heiligelinde
  3. Die Wallfahrtskirche in Heiligelinde
  4. Farbänderung der Fassade bei einem Besuch im Juni 2015 festgestellt und von einem Kunstführer erläutert.
  5. Geschichte der Kirche auf www.swieta-lipka.pl (polnisch); abgerufen am 1. Juli 2015.
  6. Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008.
  7. Heute: Orgelbau Sauer & Heinemann, Höxter
  8. Einzelne Pfeifen Mosengels sind gemäß der Dokumentation über die Renovierungsarbeiten an der Goebel-Orgel durchgeführt von der Firma Westfälischer Orgelbau S. Sauer, 2009, nur noch in drei Registern erhalten (Prinzipal 16‘ und Oktave 8‘ im Pedal sowie Großgedackt 16‘ im Hauptwerk).
  9. XXII. Musikabend 2010 auf www.swieta-lipka.pl (polnisch); abgerufen am 1. Juli 2015.