Mrągowo

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Mrągowo
Wappen von Mrągowo
Mrągowo (Polen)
Mrągowo
Mrągowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Mrągowo
Fläche: 14,80 km²
Geographische Lage: 53° 52′ N, 21° 18′ OKoordinaten: 53° 52′ 0″ N, 21° 18′ 0″ O
Einwohner: 22.109
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 11-700 bis 11-709
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NMR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 16: (Litauen–) PoćkunyEłkOlsztynGrudziądzDolna Grupa
DK 59: GiżyckoRozogi
DW 591: MichałkowoKętrzyn → Mrągowo
DW 600: SzczytnoRybno → Mrągowo
Schienenweg: kein regulärer Bahnverkehr
Nächster int. Flughafen: Warschau
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 14,80 km²
Einwohner: 22.109
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1494 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2810011
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeisterin: Otolia Siemieniec[2]
Adresse: ul. Królewiecka 60 A
11-700 Mrągowo
Webpräsenz: www.mragowo.um.gov.pl



Mrągowo [mrɔŋˈgɔvɔ] (1945–1947 Ządźbork, deutsch Sensburg, masurisch Ządźbork) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 60 Kilometer östlich der Stadt Allenstein (Olsztyn) am Rand der Masurischen Seenplatte im früheren Ostpreußen. Das Stadtgebiet ist umgeben von der Landgemeinde Mrągowo.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sensburg südsüdöstlich der Stadt Königsberg i. Pr. und ostnordöstlich der Stadt Allenstein auf einer Landkarte von 1908.
Rathaus (2007)

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1348 errichtete der Deutsche Orden eine hölzerne Burg, die Sensburg, in der Gegend des heutigen Mrągowo. Ihr Name weist jedoch auf eine vorherige ältere Siedlung (prußisch „sena“, „senas“: alt, altertümlich) hin. Durch diese Burg entwickelte sich eine Siedlung, die 1397 erstmals urkundlich erwähnt wurde und möglicherweise bereits 1404 bis 1407 das Stadtrecht nach Kulmer Recht erhielt. Gesichert ist die (erneute) Vergabe des Stadtrechtes 1444 vom Hochmeister Konrad von Jungingen. Der Name des Ortes war damals bereits Sensburg. Die Lebensgrundlage für den Ort lieferten vor allem die umliegenden Wälder sowie die Landwirtschaft.

Während des 16. und 17. Jahrhunderts zerstörten mehrfach Brände die Stadt, so 1568, 1693 und 1698. 1657 wütete die Pest, von 1708 bis 1711 eine Cholera-Epidemie in der Stadt. Auch während der Napoleonischen Kriege mit Russland wurde der Ort abermals zerstört.

1818 wurde Sensburg Sitz des Landkreises Sensburg, und 1897 erhielt der Ort Anschluss an das Eisenbahnnetz. Bei der Abstimmung am 11. Juli 1920 im Abstimmungsgebiet Allenstein wurden in Stadt und Kreis Sensburg 34.334 Stimmen für den Verbleib bei Ostpreußen (und damit beim Deutschen Reich) und nur 25 für den Anschluss an Polen abgegeben.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt während der Ostpreußischen Operation am 26. Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen und dabei zu etwa 20 % zerstört. Am 28. Mai 1945 wurde Sensburg unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann danach der Zuzug von Polen und Ukrainern aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die dort völkischen Minderheiten angehört hatten. Die betreffenden Gebiete waren im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach Ende des Zweiten Weltkriegs an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige solcher Minderheiten waren vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen. In Sensburg angekommen, bemächtigten sich die Polen und Ukrainer der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Bevölkerung und verdrängten die Einwohner daraus. Der Großteil der Einwohner, soweit nicht bereits geflohen, wurde in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Von 1975 bis 1998 war die Stadt der Woiwodschaft Olsztyn angegliedert.

Heute ist sie mit ihrer Umgebung ein beliebtes Touristenziel.

Polnischer Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt erhielt 1945 zunächst den Namen Ządźbork, 1947 wurde sie zu Ehren des evangelischen Pfarrers und Sprachforschers Christoph Cölestin Mrongovius (1764–1855) in Mrągowo umbenannt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ein-
wohner
Anmerkungen
1782 ca. 1.200 [3]
1831 2.137 teils Polen[4]
1875 3.321 [5]
1880 3.611 [5]
1890 3.562 davon 250 Katholiken und 115 Juden[5]
1933 8.757 [5]
1939 9.880 [5]
2007 21.663 [6]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische St.-Trinitatis-Kirche

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische frühere Alte Pfarrkirche und heutige St.-Trinitatis-Kirche (polnisch Kościół św. Trócy) an der ul. Kościelna stammt aus dem Jahr 1734 und ist die Nachfolgekirche eines 1409 errichteten Gotteshauses.[7] Der viergeschossige Westturm steht bereits seit 1705. Im Jahr 1885 wurde die Apsis angebaut.

Die alte Innenausstattung ist nicht mehr vorhanden, wie überhaupt nach der Zerstörung durch Brandstiftung im Jahr 1945 die Kirche niedriger und kürzer wieder aufgebaut wurde. Heute ist das Innere der Kirche schlicht, modern und pragmatisch eingerichtet.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Kirche ein Gotteshaus, in dem lutherisch gepredigt wurde.[8] Bis 1945 gehörte die Pfarrei mit ihrem weitflächigen Kirchspiel zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute gehört die Gemeinde zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchenkreis Sensburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sensburg war bis 1945 auch Sitz der Superintendentur für den Kirchenkreis Sensburg, zu dem elf Kirchengemeinden gehörten:[8]

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Name
Alt Ukta/Rudczanny -- / Niedersee Ukta / Ruciane-Nida
Aweyden Nawiady
Barranowen Hoverbeck Baranowo
Eichmedien Nakomiady
Nikolaiken Mikołajki
Ribben Rybno
Schimonken Schmidtsdorf Szymonka
Seehesten Szestno
Sensburg Mrągowo
Sorquitten Sorkwity
Warpuhnen Warpuny

Römisch-katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische St.-Adalbert-Kirche

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische St.-Adalbert-Kirche (polnisch Kościół św. Wojciecha) an der ul. Królewiecka entstand 1860/61 und wurde in neogotischem Stil errichtet.[9] Mehrfarbige Dachziegel dienten damals als Verzierung. Sie ist heute die älteste der fünf römisch-katholischen Kirchen der Stadt.

Pfarrgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrei wurde am 30. Juli 1870 errichtet.[10] Bis zum 30. Juni 1939 gehörte sie im Bistum Ermland zum Dekanat Masuren II mit Amtssitz in Johannisburg (polnisch Pisz), danach bis 1992 zum Dekanat Bischofsburg, ab 1945 „Biskupiec“. Danach wurde Mrągowo selber Dekanatsamtssitz.

Dekanatsbezirke Mrągowo I und II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1992 wurde Mrągowo in das neu formierte Erzbistum Ermland der Römisch-katholischen Kirche in Polen überführt. Heute ist es Amtssitz zweier Dekanate:

Name Deutscher Name Name Deutscher Name
Dekanat Mrągowo I: Dekanat Mrągowo II:
Św. Rafał Kalinowski,
Mrągowo
St. Raphael Kalinowski,
Sensburg
Grabowo Grabowen/Grabenhof
Św. Wojciech,
Mrągowo
St. Adalbert,
Sensburg
Honorat Koźmiński, Mrągowo Honorat Koźmiński,
Sensburg
Nawiady Aweyden Matka Boża Saletyńska,
Mrągowo
Mutter Gottes von La Salette,
Sensburg
Piecki Peitschendorf Św. Pio z Pietrelciny,
Mrągowo
Pio von Pietrelciny,
Sensburg
Szestno Seehesten Rybno Ribben
Warpuny Warpuhnen Sorkwity Sorquitten

Polnisch-orthodox[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die orthodoxe Kirche Verklärung des Herrn

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gotteshaus der Polnisch-orthodoxen Kirche an der ul. Franklina D. Roosevelta wurde 1895/96 erbaut. Es diente bis 1939 der örtlichen jüdischen Gemeinde als Synagoge. Es heißt heute Kirche der Verklärung des Herrn (polnisch Cerkiew Przemienienie Pańskie).

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde der Polnisch-orthodoxen Kirche (polnisch Autokefaliczny Kościół Prawosławny) in Mrągowo ist dem Dekanat Olsztyn (Allenstein) der Diözese Białystok-Danzig zugeordnet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Entstehung des Wappens rankt sich eine Sage. Als im 15. Jahrhundert die Stadt wuchs, waren die Viehherden der Einwohner durch wilde Tiere aus den umliegenden Wäldern gefährdet. Unter diesen befand sich auch ein Bär, der regelmäßig Vieh riss oder Honig stahl. Nach erfolglosen Versuchen, das Tier zu erlegen, wurde es schließlich durch Militäreinheiten verfolgt. Diese verwundeten das Tier nur durch einen Schuss an der Tatze, und der Bär konnte fliehen. Nach einer Verfolgung wurde das Tier bei Rastenburg erlegt. Um zu beweisen, dass es sich wirklich um das fragliche Tier handelte, wurde seine Tatze nach Sensburg gebracht.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hausbemalung in Mrągowo
  • gut erhaltene Altstadt
  • evangelische St.-Trinitatis-Kirche (polnisch Kościół św. Trójcy) aus dem 18. Jahrhundert
  • St.-Adalbert-Kirche (polnisch Kościół św. Wojciecha) aus dem 19. Jahrhundert
  • Rathaus von 1825
  • Der deutsche evangelische Friedhof, für dessen Erhalt sich der Ernst-Wiechert-Verein einsetzt.[11]
  • Bismarckturm[12]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Geburtsjahr geordnet

Mit der Stadt verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgemeinde Mrągowo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Gmina Mrągowo

Die Landgemeinde Mrągowo, zu der die Stadt selbst nicht gehört, umfasst eine Fläche von 294,87 km² und hat 7976 Einwohner (Stand 30. Juni 2015).

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, S. 42, Nr. 6.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 510, Nr. 103.
  • Max Toeppen: Geschichte Masurens – Ein Beitrag zur preußischen Landes- und Kulturgeschichte. 1870, Nachdruck 1979, S. 98–104 (540 Seiten).
  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den Lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandenen Predigern. Königsberg 1777, S. 293–294.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mrągowo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Burmistrz Miasta Mrągowo, abgerufen am 24. Februar 2015
  3. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, S. 42, Nr. 6.
  4. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 510, Nr. 103.
  5. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/sensburg.html#ew33senssens
  6. Główny Urząd Statystyczny / Central Statistical Office: Ludność – stan i struktura w przekroju terytorialnym / Population – size and structure by territorial division, Stand 30. Juni 2007 (polnisch, englisch; PDF). (Memento vom 16. Februar 2008 im Internet Archive)
  7. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 140.
  8. a b Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 501–502.
  9. Kirchen in Sensburg
  10. Die Pfarrei św. Wojciecha
  11. VdG: In Sensburg will man den alten Friedhof retten
  12. Bismarckturm Sensburg (bismarcktuerme.de)