5. Sinfonie (Schubert)

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Franz Schubert schrieb seine Sinfonie Nr. 5, B-Dur (D 485) im Herbst 1816, im Alter von 19 Jahren.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sinfonie entstand laut Schuberts Eintragungen auf der Partitur von September bis zum 3. Oktober 1816. Anlass war eine Aufführung durch das Liebhaberorchester des Musikers Otto Hatwig, die noch im selben Herbst stattfand.

Zur Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schuberts 5. Sinfonie entstand in einer Zeit, in der Schubert nach einer eigenen musikalischen Sprache suchte. So erinnert der Stil dieser Schubert'schen Jugendsinfonie, in deren Besetzung Trompeten, Pauken und Klarinetten fehlen, an Mozart, geht jedoch auch eigene Wege. So findet sich hier nicht die vorher übliche Satzstruktur wieder, in der die Themen mehr oder weniger nebeneinander existierten. Stattdessen gehen die Motive in Schuberts Sinfonie fließend ineinander über. Dies verkannte der Musikkritiker Eduard Hanslick jedoch, als er meinte, die Sinfonie sei ein schwacher Abguss von Mozart.

Schuberts Freund Leopold von Sonnleithner bezeichnete die Sinfonie als „liebliche Sinfonie in B-Dur“[1] Zeitgleich mit der Sinfonie Nr. 5 schrieb Schubert weitere Werke in der gleichen Tonart B-Dur: ein Streichquartett-Fragment (D 601) sowie eine Ouvertüre (D 470) mit dem Streichquartett-Fragment als Vorstufe.

Die Sinfonie Nr. 5 ist von allen Sinfonien Schuberts die kürzeste. In diesem Zusammenhang meinte Musikwissenschaftler Hans Joachim Therstappen, dass Schubert trotz der kleinen Besetzung des Werkes seine „ganz persönliche Auseinandersetzung […] mit der Sinfonie“[2] fortsetze.

Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner, Streicher

1. Satz: Allegro[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den ersten vier Sinfonien Schuberts fehlt in der Sinfonie Nr. 5 eine langsame Einleitung. Nach einer viertaktigen Bläserkadenz erklingt gleich ab Takt 5 des ersten Satzes ein aufsteigendes Motiv, das ab Takt 9 zu einem Thema heranwächst. Das verspielte Thema erinnerte einen Kritiker an Wiener Straßenlieder. Es wird von Violinen gemeinsam mit Rohrblattinstrumenten bzw. Flöten übernommen.

Das zweite Thema wird von einem Orchesterforte eingeleitet und von Oboe und Flöte aufgegriffen. In der Durchführung des Satzes wird das erste Thema durch dessen Einleitung ersetzt. Die Reprise wiederholt die Themen in ihrer ursprünglichen Form (das erste davon jedoch in Es-Dur), bevor die Coda den Satz markant abschließt.

2. Satz: Andante con moto[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den liedähnlichen zweiten Satz leitet die Violine ein, die von der Flöte begleitet wird. Bei der Wiederholung des zweimal zwei Takte umfassenden Themas erklingen auch die Bläser. Das Thema ist durch absteigende Dreiklangsbrechungen charakterisiert, die bereits im ersten Satz – dort aber aufsteigend – erklingen.

Nach mehreren Tonartwechseln (zum Beispiel zu Ces-Dur und Ges-Dur) endet der erste Satz mit dem ersten Thema.

3. Satz: Menuetto. Allegro molto – Trio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Menuett steht im Gegensatz zu den Menuetten in den anderen Sinfonien Schuberts nicht in der Grundtonart, sondern in deren Mollparallele g-Moll. Darin findet der Satz, ebenso wie in Chromatik und in den Motiven, sein Vorbild im dritten Satz von Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonie Nr. 40.

Im ersten Teil des Satzes wechseln sich Violin- und Tuttipassagen ab. Nachdem Flöte, Oboe und Violinen den zweiten Teil bestreiten, folgt ein ruhiger dritter Teil, das Trio. Nach einem da capo der ersten beiden Teile endet der dritte Satz.

4. Satz: Allegro vivace[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der tänzerische vierte Satz, den Musikwissenschaftler Alfred Einstein als reinster Haydn bezeichnete, enthält zwei Themen. Die Themen werden von den Streichern aufgegriffen und von den Bläsern wiederholt. Eine Coda fehlt.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste öffentliche Aufführung der Sinfonie fand am 17. Oktober 1841, ebenfalls in Wien, statt, in deren Rahmen die 5. Sinfonie, ein Hirtenchor aus der Oper Die Zwillingsbrüder, ein Vokal-Quartett für Männerstimmen, eine Arie aus der Oper Fierrabras sowie ein Hymne und Alleluja erklangen. Der „Wanderer“ beschrieb die Sinfonie am 19. Oktober 1841 „eine ausgezeichnete Composition im weniger strengen Style geschrieben, darum auch der Masse zugänglicher“.[3] Die „Allgemeine Wiener Musik-Zeitung“ schrieb:

„Es liegt ein hoher Grad von Pietät für den großen Tondichter Franz Schubert in der Idee, jene Tonstücke zur Aufführung zu bringen, welche entweder gar nicht oder doch weniger dem musikalischen Publicum bekannt sind. Allein ob eine solche auch immer zum Frommen seines Ruhmes geschieht, ob nicht so manches Tonwerk, welches der geniale Meister vielleicht zum Selbststudium entworfen, nie zur Aufführung bestimmte, oder, wenn er es auch in dem Momente des Schaffens gethan jetzt unterlassen würde, – das ist eine Frage, welche ich seinen Verehrern zur Beantwortung überlasse. Für den Veranstalter bleibt es aber immer lobenswerth und Hr. Leitermayer [der Dirigent] verdient daher auch anerkennende Würdigung für diese Intention. […]. – Die Aufführung sämmtlicher Tonstücke konnte im Ganzen eine gerundete genannt werden [… Man muß] berücksichtigen, daß die Executirenden aus Dilettanten und Schülern bestanden, die Aufführung aber eine Prüfungs⸗Akademie war.“

„Allgemeine Wiener Musik-Zeitung“ Nr. 125 vom 19. Oktober 1841, S. 523f.

Wie auch im Fall von Schuberts Sinfonie Nr. 4 wurde im Jahr 1870 in Leipzig ein vierhändiger Klavierauszug der Sinfonie Nr. 5 herausgebracht.

Im Ganzen veröffentlicht wurde die Sinfonie im Jahre 1884 im Rahmen der von Johannes Brahms redigierten Alten Gesamtausgabe aller Schubert-Sinfonien durch den Verlag Breitkopf & Härtel. Brahms bescheinigte Schuberts so genannten Jugendsinfonien keinen hohen künstlerischen Wert und war der Meinung, sie „sollten nicht veröffentlicht, sondern nur mit Pietät bewahrt und vielleicht durch Abschriften mehreren zugänglich gemacht werden“.[4]

Antonín Dvořák war zu seiner Zeit einer der wenigen Bewunderer der frühen Sinfonien Schuberts, in denen er – trotz des Einflusses von Haydn und Mozart – im „Charakter der Melodien“, der „harmonischen Progression“[5] und den vielen exquisiten Details der Orchestrierung[5] Schuberts Individualität erkannte.

Die Partitur, die aus 27 Notenblättern mit jeweils 16 Zeilen besteht, wird heute von der Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrt und befindet sich damit als einzige Partitur unter den Sinfonien Schuberts nicht in Wien.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Franz Schubert – Symponie Nr. 8 h-moll (‘Unvollendete’) D 759 und Symphonie N5. 5 B-dur D 485“, in: Große Komponisten und ihre Musik, Marshall Cavendish Verlag, 1990, S. 105–128.
  • Renate Ulm (Hrsg.): Franz Schuberts Symphonien. Entstehung – Deutung – Wirkung. Dtv Bärenreiter, 2000, ISBN 3-423-30791-9.
  • Wolfram Steinbeck: „Und über das Ganze eine Romantik ausgegossen“ – Die Sinfonien. In: Schubert-Handbuch. Bärenreiter, Kassel 2010, ISBN 978-3-7618-2041-4, S. 549–668.
  • Hans Joachim Therstappen: Die Entwicklung der Form bei Schubert, dargestellt an den ersten Sätzen seiner Symphonien. (= Sammlung musikwissenschaftlicher Einzeldarstellungen. 19.) Leipzig 1931.
  • Ernst Laaff: Schuberts Sinfonien. Dissertation, Frankfurt 1931, Wiesbaden 1933.
  • Maurice J. E. Brown: Schubert Symphonies. BBC Publications, London 1970.
  • René Leibowitz: Tempo und Charakter in Schuberts Symphonien. In: Franz Schubert. Sonderband Musik-Konzepte. München 1979.
  • Brian Newbould: Schubert and the Symphony – A new Perspective. London 1992.
  • Helmut Well: Frühwerk und Innovation – Studien zu den „Jugendsinfonien“ Franz Schuberts. Kieler Schriften zur Musikwissenschaft, Band 42. Kassel 1995.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Otto Erich Deutsch (Hrsg.): Schubert. Die Dokumente seines Lebens (= Franz Schubert: Neue Ausgabe Sämtlicher Werke.) Kassel etc. 1964ff. (Neue Schubert-Ausgabe), Kassel etc. 1964, S. 391.
  2. Hans Joachim Therstappen: Die Entwicklung der Form bei Schubert, dargestellt an den ersten Sätzen seiner Symphonien. (= Sammlung musikwissenschaftlicher Einzeldarstellungen, 19.) Leipzig 1931, S. 48.
  3. Otto Brusatti (Hrsg.): Schubert im Wiener Vormärz. Dokumente 1829–1848. Graz, 1978, S. 138.
  4. Johannes Brahms’ Brief an Breitkopf & Härtel vom März 1884, in: Johannes Brahms: Briefwechsel, Band 14, S. 353.
  5. a b John Clapham: Antonín Dvořák. Musician and Craftsman. London 1966 (Appendix II, S. 296–305): Franz Schubert, by Antonín Dvořák. S. 296ff.