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6-Stunden-Rennen von Brands Hatch 1968

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der nach einem Bremsdefekt ausgefallene Porsche 907 von Jo Siffert und Hans Herrmann mit der Originalstartnummer 37
Startnummer 24; Werks-Lotus 47 von Jackie Oliver und John Miles. Rang 10 im Schlussklassement und Klassensieg
Der Ford F3L P68 gab in Brands Hatch sein Renndebüt

Das 6-Stunden-Rennen von Brands Hatch 1968, auch BOAC International 500 World Championship Sports Car Race, Brands Hatch, fand am 7. April in Brands Hatch statt und war der dritte Wertungslauf der Sportwagen-Weltmeisterschaft dieses Jahres.

Beim 6-Stunden-Rennen von Brands Hatch fand das Duell zwischen der Werksmannschaft von Porsche und der Rennmannschaft von John Wyer seine Fortsetzung. Beim Saisoneröffnungsrennen, dem 24-Stunden-Rennen von Daytona, siegte Porsche mit fünf Fahrern, die sich das Cockpit des Siegerwagens teilten: Vic Elford, Jochen Neerpasch, Rolf Stommelen, Joseph Siffert und Hans Herrmann. Auch beim zweiten Wertungslauf, dem 12-Stunden-Rennen von Sebring, blieb Porsche erfolgreich. Siffert und Herrmann gewannen im Porsche 907 2.2.

Zur Rennveranstaltung nach Brands Hatch reiste Porsche unter der Leitung von Fritz Huschke von Hanstein mit vier 907, drei Einsatzwagen und einem Reservefahrzeug, an. Die Fahrerpaarungen waren Gerhard Mitter/Ludovico Scarfiotti, Vic Elford/Jochen Neerpasch sowie Jo Siffert/Hans Herrmann. Auch Alfa Romeo meldete über die Werksmannschaft Autodelta drei Einsatz- und einen Ersatzwagen in der P 2.0-Klasse. Gefahren wurden die Alfa Romeo T33/2 von Nanni Galli, Giancarlo Baghetti, Lucien Bianchi, Udo Schütz, Richard Attwood und Nino Vaccarella.

Fünf Ford GT40 waren am Start, darunter der Gulf- J. W. Automotive Engineering-Wagen für Jacky Ickx und Brian Redman. Paul Hawkins und David Hobbs pilotierten den im Besitz von Hawkins befindlichen rot lackierten GT40, Baujahr 1967, mit breiteren Reifen als die restlichen Modelle und einem neuen Zylinderkopf von Ford. Der Wagen von Mike Salmon und David Piper hatte einen neuen 4,7-Liter-V8-Motor von Ford mit einem Weslake-Zylinderkopf. Sein Renndebüt gab der Ford F3L P68. Len Bailey entwickelte den Wagen für Alan Mann Racing. Der flache Wagen hatte einem sehr geringen Luftwiderstand und erreichte bei Testfahrten eine Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h. Die teilweise mittragende Aluminiumkarosserie war mit einem aus Leichtmetallblechen verschweißten und vernieteten Rahmen verbunden. Bug- und Heckhaube ließen sich vollständig hochklappen, sodass alle Aggregate leicht zugänglich waren. Das Leergewicht des Wagens lag bei etwa 670 kg. Die Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 30 cm waren seitlich der 15-Zoll-Felgen und nicht in den Radschüsseln platziert, um die Kühlluft besser heranführen zu können. Als Motor kam der aus der Formel 1 stammende V8-DFV-Motor von Cosworth zum Einsatz[1]. Ursprünglich war Jim Clark als einer der Fahrer vorgesehen. Clark ging jedoch für seinen Arbeitgeber Lotus bei einem Formel-2-Rennen auf dem Hockenheimring an den Start, weil das sein Reifenvertrag mit Firestone notwendig machte (auch Graham Hill musste aus diesem Grund absagen) und verunglückte dort am Tag, an dem das Rennen in Brands Hatch ausgefahren wurde, mit einem Lotus 48 tödlich. Alan Mann meldete Bruce McLaren, Mike Spence, Jack Brabham und Denis Hulme. Am Freitag vor dem Rennen musste auch Brabham kurzfristig absagen. Diesmal verhinderte ein Vertrag mit einem Mineralöl-Unternehmen den Einsatz. Als Ersatzmann sprang Jochen Rindt ein. Hulme kam überhaupt nicht zum Fahren, da der Wagen von Mike Spence und Jochen Rindt im ersten Training einen Motorschaden hatte und Spence daraufhin zu Bruce McLaren wechselte, an dessen Seite Hulme hätte fahren sollen.

Im Training überraschte Bruce McLaren im Ford mit der zweitbesten Rundenzeit. Schnellster war Jo Siffert im Porsche, der für seine beste Runde 1:34,600 Minuten benötigte, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 162,296 km/h entsprach. Während Siffert im Porsche von der Pole-Position weg den besten Start hatte, verhinderte McLaren einen Frühstart durch Treten der Kupplung, wodurch er an die fünfte Stelle zurückfiel. Rasch gelang es McLaren jedoch, die vor ihm liegenden Fahrzeuge zu überholen und zu Siffert aufzuschließen. Die höhere Endgeschwindigkeit des Ford nutzend ging er beim Überrunden langsamerer Fahrzeuge auch an Siffert vorbei in Führung. Nach einer Stunde Renndauer führte McLaren mit knappem Vorsprung auf die beiden Porsche von Siffert und Mitter. Bei der Überrundung von Joakim Bonnier im Lola T70 Mk. 3 GT überholten die Porsche-Piloten McLaren, der auf den dritten Rang zurückfiel. Erneut gelang es McLaren, sich die Führung zu erkämpfen. Nach 1 ½ Stunden Fahrzeit übergab McLaren den Ford an Mike Spence, der wenig später mit einem Defekt an der Antriebswelle ausrollte.

Neue Gegner der Porsche erwuchsen in den GT40 von Ickx/Redman und Hawkins/Hobbs. Das Duell dauerte bis zum Rennende und wurde durch die schnellere Arbeit der Wyer-Boxenmannschaft und den Ausfall des Siffert/Herrmann-Porsche wegen eines Bremsdefektes mitentschieden. Im Ziel hatte Jacky Ickx einen Vorsprung von 22 Sekunden auf den bestplatzierten Porsche, der von Ludovico Scarfiotti gefahren wurde.

Obwohl bereits am Nachmittag die Nachricht vom Todesturz Jim Clarks im Fahrerlager und der Boxengasse bekannt wurde, fuhr der Werks-Lotus 47 von Jackie Oliver und John Miles weiter. Das Team erreichte den zehnten Gesamtrang und den Sieg in der Sportwagenklasse bis 2 Liter Hubraum.

Schlussklassement

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Pos. Klasse Nr. Team Fahrer Fahrzeug Runden
1 S 5.0 4 Vereinigtes Königreich J. W. Automotive Engineering Jacky Ickx
Vereinigtes Königreich Brian Redman
Ford GT40 218
2 P 3.0 38 Deutschland Porsche System Engineering Deutschland Gerhard Mitter
Italien Ludovico Scarfiotti
Porsche 907 2.2 218
3 P 3.0 36 Deutschland Porsche System Engineering Vereinigtes Königreich Vic Elford
Deutschland Jochen Neerpasch
Porsche 907 2.2 216
4 S 5.0 5 Australien Paul Hawkins Australien Paul Hawkins
Vereinigtes Königreich David Hobbs
Ford GT40 210
5 S 5.0 9 Vereinigtes Königreich David Piper Pedro Rodríguez
Vereinigtes Königreich Roy Pierpoint
Ferrari 250LM 209
6 S 5.0 2 Ecurie Bonnier Schweden Jo Bonnier
Schweden Sten Axelsson
Lola T70 Mk.3 GT 207
7 P 2.0 45 Squadra Tartaruga Rico Steinemann
Dieter Spoerry
Porsche 910 207
8 P 2.0 47 Vereinigtes Königreich Chevron Cars Vereinigtes Königreich Brian Classic
Vereinigtes Königreich Digby Martland
Chevron B8 206
9 P 2.0 53 Valvoline Racing Team Österreich Rudi Lins
Karl Foitek
Porsche 910 206
10 S 2.0 24 Vereinigtes Königreich Gold Leaf Team Lotus Vereinigtes Königreich Jackie Oliver
Vereinigtes Königreich John Miles
Lotus 47 202
11 S 5.0 6 Vereinigtes Königreich Strathaven Ltd. Vereinigtes Königreich Mike Salmon
Vereinigtes Königreich David Piper
Ford GT40 200
12 S 2.0 21 Vereinigtes Königreich William Bradley Vereinigtes Königreich Eric Liddell
Vereinigtes Königreich William Bradley
Porsche 906 200
13 P 2.0 41 Vereinigtes Königreich Fawdington & Ramsay Vereinigtes Königreich Andrew Hedges
Vereinigtes Königreich Julian Sutton
Lotus 47 200
14 P 2.0 44 Italien Autodelta SpA Italien Nanni Galli
Italien Giancarlo Baghetti
Alfa Romeo T33/2 198
15 S 5.0 10 Vereinigtes Königreich Paul Vestey Vereinigte Staaten Roy Pike
Vereinigtes Königreich Paul Vestey
Ferrari 250LM 196
16 S 2.0 28 Vereinigtes Königreich Mefco Racing Opposite Lock Club Vereinigtes Königreich Martin Hone
Vereinigtes Königreich John Harris
Vereinigtes Königreich John Hine
Porsche 906 195
17 P 2.0 50 Vereinigtes Königreich Chevron Cars Vereinigtes Königreich John Lepp
Vereinigtes Königreich John Bridges
Chevron B8 188
18 S 5.0 3 Vereinigtes Königreich Jackie Epstein Vereinigtes Königreich Jackie Epstein
Vereinigtes Königreich Edward Nelson
Lola T70 Mk.3 GT 183
19 S 2.0 22 Vereinigtes Königreich Mike de Udy Portugal Mario Cabral
Jacques Duval
Porsche 906 183
20 P 2.0 42 Italien Autodelta SpA Vereinigtes Königreich Richard Attwood
Italien Nino Vaccarella
Alfa Romeo T33/2 169
21 S 2.0 23 Vereinigtes Königreich Autodelta SpA Vereinigtes Königreich Chris Ashmore
Vereinigtes Königreich Jeff Edmonds
Porsche 906 154
22 S 2.0 29 Vereinigtes Königreich Jeremy Delmar-Morgan Vereinigtes Königreich Jeremy Delmar-Morgan
Vereinigtes Königreich Mike Walton
Porsche 906 151
Disqualifiziert
23 P 2.0 48 Vereinigte Staaten A. G. Dean Racing Vereinigte Staaten Tony Dean
Vereinigte Staaten Mike Beckwith
Ferrari Dino 206S 127
Ausgefallen
24 P 2.0 43 Italien Autodelta SpA Lucien Bianchi
Deutschland Udo Schütz
Alfa Romeo T33/2 125
25 P 3.0 37 Deutschland Porsche System Engineering Jo Siffert
Deutschland Hans Herrmann
Porsche 907 2.2 106
26 S 5.0 8 Vereinigtes Königreich Terry Drury Vereinigtes Königreich Terry Drury
Vereinigtes Königreich Keith Holland
Ford GT40 91
27 P 2.0 46 Niederlande Ben Pon Niederlande Gijs van Lennep
Niederlande Ben Pon
Porsche 910 91
28 S 5.0 1 Vereinigtes Königreich Sid Taylor Racing Steering Wheel Club Dave Charlton
Craig Fisher
Lola T70 Mk.3 GT 69
29 P 3.0 34 Vereinigtes Königreich Alan Mann Racing Bruce McLaren
Vereinigtes Königreich Mike Spence
Ford F3L P68 66
30 S 2.0 27 Vereinigtes Königreich Julian Hasler Vereinigtes Königreich Peter Jackson
Vereinigtes Königreich Geoff Oliver
Lotus 47 42
31 S 2.0 25 Vereinigtes Königreich Team Elite Vereinigtes Königreich Trevor Taylor
Vereinigtes Königreich Mike Budge
Lotus 47 35
32 P 2.0 49 Vereinigtes Königreich Nomad Cars Vereinigtes Königreich Tony Lanfranchi
Vereinigtes Königreich Mark Konig
Nomad Mk.1 22
33 S 5.0 7 Vereinigtes Königreich David Prophet Racing Vereinigtes Königreich David Prophet
Vereinigtes Königreich Richard Bond
Ford GT40 19
34 P 3.0 35 Vereinigte Staaten Howmet Corporation Vereinigte Staaten Dick Thompson
Vereinigtes Königreich Hugh Dibley
Howmet TX Continental 7
35 S 2.0 26 Vereinigtes Königreich Chris Barber Vereinigtes Königreich John Hine
Vereinigtes Königreich Mike Crabtree
Lotus 47 1
Nicht gestartet
36 S 5.0 12 Vereinigtes Königreich Peter Clarke Vereinigtes Königreich Peter Clarke
Vereinigtes Königreich Vic Walker
Ferrari 250LM 1
37 P 3.0 33 Vereinigtes Königreich Alan Mann Team Österreich Jochen Rindt
Vereinigtes Königreich Mike Spence
Ford F3L P68 2
38 P 3.0 T Deutschland EPorsche System Engineering Deutschland Jochen Neerpasch Porsche 907 3
39 P 2.0 T Italien Autodelta SpA Alfa Romeo T33/2 4

1 nicht gestartet 2 Motorschaden im Training 3 Motorschaden im Training 4 Ersatzwagen

Nur in der Meldeliste

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Hier finden sich Teams, Fahrer und Fahrzeuge, die ursprünglich für das Rennen gemeldet waren, aber aus den unterschiedlichsten Gründen daran nicht teilnahmen.

Pos. Klasse Nr. Team Fahrer Chassis
40 P 3.0 31 Vereinigtes Königreich Alain de Cadenet Vereinigtes Königreich Tommy Weber
Vereinigtes Königreich Alain de Cadenet
Scodec-Diva Martin Valkyrie
41 P 3.0 32 Vereinigtes Königreich Derek Bennett Vereinigtes Königreich John Woolfe
Vereinigtes Königreich Derek Bennett
Chevron B12
42 P 3.0 39 Vereinigtes Königreich Racing Preparations Vereinigtes Königreich John Markey Chevron B8
43 P 2.0 51 Vereinigtes Königreich Christopher St. Quintin Vereinigtes Königreich Mac Daghorn
Vereinigtes Königreich Christopher St. Quintin
Abarth 1600 OT
44 P 2.0 52 Vereinigtes Königreich Northumbria Racing Vereinigtes Königreich John Blades
Vereinigtes Königreich Neil Corner
Chevron B6
Klasse Fahrer Fahrer Fahrzeug Platzierung im Gesamtklassement
P 3.0 Deutschland Gerhard Mitter Italien Ludovico Scarfiotti Porsche 907 2.2 Rang 2
P 2.0 Rico Steinemann Dieter Spoerry Porsche 910 Rang 7
S 5.0 Jacky Ickx Vereinigtes Königreich Brian Redman Ford GT40 Gesamtsieg
S 2.0 Vereinigtes Königreich Jackie Oliver Vereinigtes Königreich John Miles Lotus 47 Rang 10
  • Gemeldet: 44
  • Gestartet: 35
  • Gewertet: 22
  • Rennklassen: 4
  • Zuschauer: unbekannt
  • Wetter am Renntag: warm und trocken
  • Streckenlänge: 4,265 km
  • Fahrzeit des Siegerteams: 6:01:13,000 Stunden
  • Gesamtrunden des Siegerteams: 218
  • Gesamtdistanz des Siegerteams: 929,718 km
  • Siegerschnitt: 154,431 km/h
  • Pole Position: Jo Siffert – Porsche 907 2.2 (#37) – 1:34,600 = 162,296 km/h
  • Schnellste Rennrunde: unbekannt
  • Rennserie: 3. Lauf zur Sportwagen-Weltmeisterschaft 1968
  • Rennserie: 1. Lauf zur Britischen Sportwagen-Meisterschaft 1968
  • Peter Higham: The Guinness Guide to International Motor Racing. A complete Reference from Formula 1 to Touring Car. Guinness Publishing Ltd., London 1995, ISBN 0-85112-642-1.

Einzelnachweise

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  1. Über den Ford F3L P68
Vorgängerrennen
12-Stunden-Rennen von Sebring 1968
Sportwagen-Weltmeisterschaft Nachfolgerennen
1000-km-Rennen von Monza 1968