Formel 2

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Die Formel 2 ist eine Rennkategorie für einsitzige, offene Rennwagen. Sie wurde erstmals 1947 als Unterbau für die Formel 1 und als Nachfolgeklasse der vor dem Zweiten Weltkrieg üblichen Voiturette-Klasse ausgeschrieben. Bis in die 1980er-Jahre hinein gab es verschiedene regionale Meisterschaften dieser Klasse, darunter die Formel-2-Europameisterschaft. An ihre Stelle traten ab 1985 die Formel 3000 und später die GP2-Serie, deren Reglement sich von der ursprünglichen Formel 2 deutlich unterschieden. Mit Beginn der Saison 2017 wird der Begriff Formel 2 wieder international verwendet; die bisherige GP2-Serie erhält die Bezeichnung FIA-Formel-2-Meisterschaft.

Formel 2 von 1950 bis 1985[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferrari Formel 2 von 1953
F2-Rennwagen Porsche 718/2, 1960
Lotus mit Jochen Rindt, 1970
March 782 von 1978
Erfolgreichstes Formel-2-Auto der frühen 1980er-Jahre: Ralt RT6
Einheitschassis der „neuen Formel 2“: Williams JPH1 von 2009

Geschichte und Reglement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Einzelrennen, die in keiner Meisterschaft zusammengefasst wurden, gab es nationale Meisterschaften, aber erst ab 1967 eine Europameisterschaft. Allerdings wurden die Fahrerweltmeisterschaften 1952 und 1953 übergangsweise nach dem Reglement der Formel 2 ausgetragen, da nach dem Rückzug von Alfa Romeo nicht genügend konkurrenzfähige Formel-1-Autos verfügbar waren.

Die Regeln änderten sich im Laufe der Zeit. Von 1947 bis 1953 galt eine Hubraumobergrenze von 2000 cm³ (bzw. 500 cm³ für kompressorbetriebene Fahrzeuge). Mit Einführung des neuen Formel-1-Hubraumlimits von 2500 cm³ zur Saison 1954 entfiel auch die bisherige Formel 2. Erst 1957 wurde eine neue Formel 2 mit einer Hubraumgrenze von 1500 cm³ und einer Beschränkung auf sechs Zylinder offiziell eingeführt.

1961 wurden diese Formel-2-Regeln unter Wegfall der Begrenzung der Zylinderzahl zur Formel 1 erhoben, wodurch bisherige Formel-2-Fahrzeuge wie etwa Porsche 718 oder Ferrari 156 automatisch in die Formel 1 kamen. Die Wiedereinführung der Formel 2 erfolgte 1964, wobei das Reglement ein Hubraumlimit von 1000 cm³ und ein Mindestgewicht von 420 kg vorschrieb.

1967 führte die FIA die Formel-2-Europameisterschaft ein, die bis 1984 Bestand hatte. Der Hubraum wurde auf 1600 cm³ vergrößert. Diese Fahrzeuge mit über 200 PS durften auf dem Nürburgring wegen der Länge der Strecke zwecks Auffüllung des Starterfeldes gleichzeitig mit der Formel 1 antreten und konnten sogar einige der schwereren F1-Boliden hinter sich lassen. Zudem traten viele F1-Fahrer auch bei reinen F2-Rennen an, wo sie jedoch nicht für EM-Punkte berechtigt waren. So gewann Jochen Rindt zahlreiche F2-Rennen, konnte dieselben Gegner aber in der F1 wegen seiner meist unterlegenen Fahrzeuge lange Jahre nicht schlagen. Der zweifache F1-Weltmeister Jim Clark starb in einem F2-Rennen auf dem Hockenheimring, ebenso wie der Deutsche Gerhard Mitter, der beim Training zum GP von Deutschland im Werks-BMW verunglückte.

Ab 1972 galten wieder 2000 cm³ und sechs Zylinder als Obergrenze. Bis 1975 musste vom Motortyp eine Mindeststückzahl (100 bis 1000) im letzten Jahr gebaut worden sein. Ab 1976 waren reine Rennmotoren erlaubt, die über 300 PS leisteten. Auf dem Nürburgring wurden damit Anfang der 1980er-Jahre Rundenzeiten erzielt, die denen der F1 Mitte der 1970er entsprachen.

Als einzige Frau fuhr Hannelore Werner 1970 auf dem Nürburgring auf einen Podestplatz.

1985 wurde die Formel 2 durch die Formel 3000 abgelöst, bei der die ehemaligen Ford-Cosworth-Saugmotoren weiterverwendet wurden, die in der F1 durch die Einführung der Turbos nicht mehr konkurrenzfähig waren und somit günstig in großer Zahl verfügbar wurden.

2005 wurde die Nachfolgeserie der Formel 3000 eingeführt, die GP2-Serie, bei der aus Gründen der Zuverlässigkeit einheitliche V8-Motoren mit 4000 cm³ benutzt werden. Damit hatte die „kleine Klasse“ vorerst kurioserweise mehr Hubraum als die Formel 1.

Meisterschaften und Rennserien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Reglement der Formel 2 wurden im Laufe der Jahre verschiedene Meisterschaften ausgetragen:

Daneben gab es in Australien und Mexiko weitere Formel-2-Meisterschaften. Ihnen lag allerdings ein eigenständiges technisches Reglement zugrunde.

Regionale Formel-2-Serien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Meisterschaften bestanden zeitweise verschiedene Rennserien ohne Meisterschaftsstatus nach Formel-2-Reglement. Hierzu gehören

Wiederbelebung 2009–2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem seit längerer Zeit über die Wiederbelebung der Formel 2 diskutiert worden war, erhielt 2008 der britische Ex-Formel-1-Fahrer Jonathan Palmer den Zuschlag für die Neuschaffung einer Formel-2-Serie. Ab 2009 wurde die FIA-Formel-2-Meisterschaft ausgetragen. Das Konzept sah wie folgt aus:

  • Aus Kostengründen fuhren in dieser Serie Einheitsautos.
  • Aus dem gleichen Grund gab es keine Teams im herkömmlichen Sinn.
  • Die Mechaniker waren aus Gründen der Gleichbehandlung bei jedem Rennen bei einem anderen Fahrer im Einsatz.
  • Der Formel-1-Konstrukteur Williams konzipierte das Chassis.
  • Die 1,8-Liter-Turbo-Motoren kamen von Audi; ihre Leistung betrug rund 300 kW.

Das Reglement wies damit starke Ähnlichkeit mit der restriktiven Variante im Markenpokal auf. 2009 wurden zehn Rennen ausgetragen, teilweise im Rahmen der WTCC-Tourenwagenmeisterschaften. Die Serie wurde zum Ende der Formel-2-Saison 2012 eingestellt.

FIA-Formel-2-Meisterschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Saison 2017 wird die GP-Serie unter der Bezeichnung FIA-Formel-2-Meisterschaft fortgeführt.[1] Das Reglement entspricht dem der bisherigen GP2-Serie. Es hat keinen Bezug zur Formel 2 der Jahre 1950 bis 1985.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Formel 2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marcus Simmons: GP2 Series becomes new FIA Formula 2 Championship. Autosport.com, 9. März 2017; abgerufen am 10. März 2017.