ASFINAG

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Autobahnen- und Schnellstraßen- Finanzierungs-Aktiengesellschaft
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1982
Sitz Wien, Österreich
Leitung Karin Zipperer
Klaus Schierhackl
(Vorstände)[1]
Claudia Kahr (Aufsichtsratsvorsitzende)
Mitarbeiter 2.734 (31. Dezember 2016)[2]
Umsatz 2,385 Mrd. Euro (2016)[2]
Branche Infrastruktur
Website www.asfinag.at

Asfinag Bau Management GmbH Wien, Modecenterstraße 16

Die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) ist eine österreichische Infrastrukturgesellschaft. Die Aktien stehen zur Gänze im Eigentum der Republik Österreich.

Rechtsgrundlage und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die A1 bei Eugendorf
Die A2 zwischen Grafenstein und Völkermarkt Ost
Die A3 vor dem Knoten Eisenstadt
Die A4 Richtung Budapest

Die Rechtsgrundlage des Unternehmens ist das ASFINAG-Gesetz. Die ASFINAG wurde 1982 gegründet und der Unternehmensgegenstand ist gemäß § 2 Absatz 1 des Gesetzes die Finanzierung, die Planung, der Bau und die Erhaltung von Bundestraßen sowie die Einhebung von zeit- und fahrleistungsabhängigen Mauten. Für die Einhebung der Maut wurde 1997 ein Fruchtgenussvertrag abgeschlossen und die ASFINAG hat seither formal das Fruchtgenussrecht an den im Eigentum des Bundes stehenden Grundstücken und Anlagen des hochrangigen Bundesstraßennetzes (ASFINAG-Ermächtigungsgesetzes 1997).[3]

Das ASFINAG-Gesetz behandelt hauptsächlich Finanzierungsregeln und berechtigt die ASFINAG, Mauten einzuheben. Spezielle Regeln über die Leistungsqualität (Straßenzustand etc.) enthält dieses Gesetz nicht. Die ASFINAG ist aber gemäß § 7 berechtigt, den zuständigen Behörden besonders geschulte Personen zur Betrauung als Organe der Straßenaufsicht vorzuschlagen. Diese Organe haben sodann das Recht, Lenker- oder Fahrzeugkontrollen durchzuführen. Ähnliche Rechte haben auch die Mitarbeiter der Mauteinhebung gemäß § 18 Bundesstraßen-Mautgesetz.[4]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ASFINAG erhält keine finanziellen Mittel aus dem Staatsbudget, sondern finanziert sich über Einnahmen aus der Vignette, LKW-Maut und Sondermautstrecken sowie über Anleihen am Kapitalmarkt. Gemäß § 10 ASFINAG-Gesetz hat der Bund die Liquidität des Unternehmens sicherzustellen. Der Bund übernimmt für einzelne Finanzierungstransaktionen eine gesonderte Haftung, um die Finanzierungskosten gering zu halten.[5] Bei einem Jahresüberschuss führt die ASFINAG ggf. einen Teil als Dividende an die Republik Österreich ab.

Von Lkw und Autobussen wird eine Maut abhängig von der Achsanzahl und der auf Autobahnen und Schnellstraßen gefahrenen Strecke via GO-Box abgebucht wird eingehoben. Autos (bis 3,5 t hz. Gesamtmasse) und Motorräder leisten über die irreversibel auf das Fahrzeug zu klebende Vignette hingegen einmal einen rein zeitabhängigen Beitrag zur generellen Nutzung des hochrangigen Straßensystems (10-Tages-, 2-Monats- oder Jahres-Vignette). Seit November 2017 gibt es für Pkw-Besitzer die Möglichkeit eine digitale Vignette zu erwerben.[6]

Des Weiteren gibt es Sondermauten für bemautete kostenintensive Strecken. Von West nach Ost: Arlberg-Straßentunnel, Brennerautobahn (nur diese Autobahn A13 darf ohne Vignette befahren werden), Tauerntunnel, Karawankentunnel, Bosrucktunnel, Gleinalmtunnel.[7] Die Einhebung dieser Sondermauten erfolgt über Einzelkarten, oder daneben uneinheitlich über Zeitkarten (Jahr, Monat, mit Streckenkombination und verschiedenen Ermäßigungen etwa für Pendler, Menschen mit Behinderung, Anrainer), sowie Teilstreckenkarten und Mehrfahrtenkarten. Fahrzeuge, die Blaulicht tragen, verschiedene staatliche und Internationale Dienste, etwa Bundesheer und Justizwache sind von der Sondermaut permanent ausgenommen.

Investitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2017 sind Investitionen in Höhe von 1,2 Mrd. EUR vorgesehen. Davon fließen 530 Mio. EUR in den Neubau von Straßenstrecken und zweiten Tunnelröhren. 470 Mio. EUR sind für die Erhaltung von Straßen und die Sanierung bestehender Tunnel vorgesehen. Der Rest verteilt sich auf sonstige Investitionen.[8] Von 2017 bis 2021 sind Investitionen in Höhe von 7,8 Mrd. EUR vorgesehen.[9]

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konzernmutter ASFINAG hat ihren Sitz in Wien und unterhält verschiedene Tochtergesellschaften:[10]

  • die ASFINAG Bau Management GmbH (BMG) mit Firmensitz in Wien verantwortet Bauprojekte und den Streckenausbau
  • die ASFINAG Alpenstraßen GmbH sitzt in Innsbruck für die Streckenerhaltung (Vorarlberg und Tirol)
  • die ASFINAG Service GmbH (SG) mit Sitz in Ansfelden für die Streckenerhaltung (restliche Bundesländer)
  • die ASFINAG Maut Service GmbH (MSG) mit Firmensitz in Salzburg ist zuständig für Mauteinhebung, Streckenmaut, Vignette und LKW-Maut
  • die ASFINAG International GmbH (AIG) mit Firmensitz in Wien für die Vermarktung

Zahlen und Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen betreibt ein Streckennetz von 2199 Kilometern Länge mit 367 Anschlussstellen, 164 Tunnelanlagen mit 383 Kilometer Röhrenlänge und 5192 Brücken.

Das Unternehmen betreibt weiters 49 Rastplätze, 109 Parkplätze und 41 Park & Drive Anlagen, sie verpachtet insgesamt 87 Raststationen. Insgesamt gibt es am gesamten Netz 6892 Lkw-Pkw-Stellplätze.

Das Unternehmen hat 2.796 Mitarbeiter, diese sind u. a. in 43 Autobahnmeistereien, 6 Mautstellen und 9 Verkehrsmanagementzentralen beschäftigt.

Die Jahresfahrleistung auf den betriebenen Autobahnen und Schnellstraßen beträgt 30,8 Mrd. km. Insgesamt wurden 2016 26,4 Mio. Vignetten verkauft.

Die Mauteinnahmen betrugen im Jahr 2016:

  • Lkw-Maut: 1,27 Mrd. Euro
  • Vignette: 472 Mio. Euro
  • Sondermaut: 173 Mio. Euro

Quelle: ASFINAG[9]

Management und Aufsichtsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Management setzt sich aus den zwei Vorständen der ASFINAG, Karin Zipperer und Klaus Schierhackl, zusammen sowie den einzelnen Geschäftsführern der Tochtergesellschaften. Karin Zipperer wurde mit 15. September 2017 in Nachfolge von Alois Schedl zur Vorstandsdirektorin der ASFINAG für Technik bestellt.[1]

Der Aufsichtsrat setzt sich zusammen aus der Vorsitzenden Claudia Kahr (seit 23. Juni 2010) und den Mitgliedern Herbert Kasser (seit 24. Mai 2007), Maria Kubitschek (seit 24. Mai 2007), Kurt Eder (seit 4. September 2014) und Nikolaus Gretzmacher (seit 4. September 2014). Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sind Roman Grünerbl als Vorsitzender der Konzernvertretung, Uschi Zortea-Ehrenbrandtner als Vorsitzende des Betriebsrats der ASFINAG AG sowie Richard Loidl als Vorsitzender des Betriebsrats der ASFINAG Bau Management GmbH.[11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde am 11. September 1982 gegründet.[12] Ab diesem Zeitpunkt wurden die Kreditoperationen zentral für alle Projektgesellschaften in Österreich geführt. 1992 wurde die ÖSAG (Österreichische Autobahnen und Schnellstraßen AG) und ASG (Alpen Straßen AG) gegründet, eine Zusammenführung der bis dato sechs operativen Autobahngesellschaften in Österreich in die ASG im Westen, ÖSAG für den Rest Österreichs.

Ab 1997 übernahm das Unternehmen die Gesamtverantwortung für Netz und Verbindlichkeiten. Eine gesetzlich geregelte Ausgliederung von kumulierten Verbindlichkeiten in der Höhe von 5,66 Milliarden Euro verschaffte der ASFINAG neue Aufgaben: Planung, Bau, Erhaltung, Betrieb und Finanzierung des hochrangigen Straßennetzes in Österreich. Das Recht zur Einhebung von Maut und Benutzungsgebühren im eigenen Namen (Fruchtgenussrecht) führte neben den Einnahmen aus den Sondermautstrecken zur Einführung einer zeitbezogenen Maut für Fahrzeuge unter zwölf Tonnen höchstzulässigem Gesamtgewicht. Seit 2004 wird für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen eine streckenabhängige Maut eingehoben.

2005 erfolgte eine Änderung der Konzernstruktur durch die Fusion der ASG und der ÖSAG mit der Konzernmutter ASFINAG. Mitte 2005 übernahm die ASFINAG die italienische Autostrade-Tochter Europpass und gründete die ASFINAG International.

2006 übernahm das Unternehmen den Straßenbetrieb durch Beendigung der Werkverträge mit den Bundesländern. Ebenso 2006 wurde die PPP Ostregion, das erste öffentlich-private Partnerschaftsprojekt, zur Errichtung der Nord Autobahn A 5 beauftragt.

2009 wurden die drei Servicegesellschaften der ASFINAG unter der „ASFINAG Servicegesellschaft“ zusammengelegt und eine Vertretung der ASFINAG in Brüssel in Kooperation mit der ASECAP aufgebaut.

Nach knapp sechs Jahren Bauzeit wurden in der Nacht auf den 4. Juli 2013 die beiden neuen Röhren des Pfändertunnels für den Verkehr freigegeben. Gleichzeitig mit der Verkehrsfreigabe endete per Gesetz die Gültigkeit der Vorarlberger Korridor-Vignette für die Fahrt zwischen der Staatsgrenze und Hohenems auf der Rheintal Autobahn A14.[13]

Das Unternehmen ist an dem PPP-Projekt beteiligt, das gemeinsam mit dem Bauunternehmen Porr in den Jahren 2009 und 2010 ein Teilstück der ungarischen Autópálya M6 errichtete und 30 Jahre lang betreiben soll.[14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ASFINAG: Vorstände. Abgerufen am 3. Oktober 2017.
  2. a b Geschäftsbericht 2016, auf asfinag.at. Abgerufen am 20. Juni 2017
  3. ASFINAG-Gesetz, auf ris.bka.gv.at, abgerufen 2. November 2017
  4. Bundesstraßen-Mautgesetz 2002 - BStMG, abgerufen am 27. November 2017
  5. Infrastrukturbeilage Oktober 2016, Seite 5, abgerufen am 27. November 2017
  6. Neue Vignette ab Donnerstag erhältlich. In: ORF Vorarlberg. 22. November 2017; abgerufen am 27. November 2017.
  7. Sonder- und Videomaut. asfinag.at; abgerufen am 12. Februar 2015.
  8. Siehe hierzu:
  9. a b Die ASFINAG in Zahlen, auf asfinag.at, abgerufen am 27. November 2017
  10. Ausgliederungen und Beteiligungen des Bundes auf bmf.gv.at, Oktober 2016, Seite 123
  11. Aufsichtsrat, auf asfinag.at, abgerufen am 27. November 2017
  12. ASFINAG-Gesetz, BGBl. Nr. 591/1982.
  13. ASFINAG: Heute Nacht fahren die ersten Fahrzeuge durch den zweiröhrigen Pfändertunnel. Aussendung der ASFINAG zur Eröffnung der beiden neuen Röhren des Pfändertunnels.
  14. Der Standard: ASFINAG und Porr stellen Autobahnteilstück fertig. vom 31. März 2010, abgerufen am 22. Januar 2013