Agenturen der Europäischen Union

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Die Agenturen der Europäischen Union sind Einrichtungen der Europäischen Union mit meist eigener Rechtsfähigkeit, die die Mitgliedstaaten und deren Bürger unterstützen sollen. Ihre Standorte sind über die EU verteilt und erfüllen so den Wunsch nach einer größeren Standortdiversifizierung. Im Gegensatz zu den Organen der Europäischen Union werden sie nicht durch die Gründungsverträge (Primärrecht), sondern durch Rechtsakte der Organe (Sekundärrecht) gegründet.

Eine Sonderstellung nehmen die Exekutivagenturen ein: Sie werden von der Europäischen Kommission gegründet und mit der Verwaltung von Unionsprogrammen beauftragt. Sie sind nicht auf Dauer, sondern für einen begrenzten Zeitraum eingerichtet und im Rang einer Generaldirektion der Europäischen Kommission gleichgestellt. Im Unterschied zu den anderen Agenturen müssen sie am Sitz der Europäischen Kommission, also in Brüssel oder Luxemburg, angesiedelt sein.

Dezentrale Agenturen der Europäischen Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offizieller Name Abkürzung Website Standort Staat Gründung Anmerkungen
Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung Cedefop [1] Thessaloniki GriechenlandGriechenland Griechenland 1975
Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen EUROFOUND [2] Dublin IrlandIrland Irland 1975
Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht EMCDDA [3] Lissabon PortugalPortugal Portugal 1993
Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum EUIPO [4] Alicante SpanienSpanien Spanien 1993 bis 23. März 2016: Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) – HABM
Übersetzungszentrum für die Einrichtungen der Europäischen Union CdT [5] Luxemburg LuxemburgLuxemburg Luxemburg 1994
Europäische Umweltagentur EEA [6] Kopenhagen DanemarkDänemark Dänemark 1994
Europäische Stiftung für Berufsbildung ETF [7] Turin ItalienItalien Italien 1994
Europäische Arzneimittel-Agentur EMA [8] London Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 1995 bis 2009: Europäische Agentur zur Beurteilung von Arzneimitteln (EMEA); von Brexit betroffen
Gemeinschaftliches Sortenamt CPVO [9] Angers FrankreichFrankreich Frankreich 1995
Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz EU-OSHA [10] Bilbao SpanienSpanien Spanien 1996
Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit EUMC Wien OsterreichÖsterreich Österreich 1997 2007 durch FRA abgelöst
Europäisches Polizeiamt Europol [11] Den Haag NiederlandeNiederlande Niederlande 1999 im Rahmen der PJZS gegründet
Europäische Agentur für den Wiederaufbau EAR [12] Thessaloniki GriechenlandGriechenland Griechenland 2000 Ende der Tätigkeit am 31.12.2008
Institut der Europäischen Union für Sicherheitsstudien EUISS / ISS [13] Paris FrankreichFrankreich Frankreich 2001 im Rahmen der GASP gegründet
Europäische Polizeiakademie EPA / CEPOL [14] Budapest UngarnUngarn Ungarn 2001 im Rahmen der PJZS gegründet
Europäische Einheit für justizielle Zusammenarbeit Eurojust [15] Den Haag NiederlandeNiederlande Niederlande 2002 im Rahmen der PJZS gegründet
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA [16] Parma ItalienItalien Italien 2002
Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs EMSA [17] Lissabon PortugalPortugal Portugal 2002
Satellitenzentrum der Europäischen Union EUSC [18] Torrejón de Ardoz SpanienSpanien Spanien 2002 im Rahmen der GASP gegründet
Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA [19] Köln DeutschlandDeutschland Deutschland 2003
Agentur für das Europäische GNSS GSA [20] Prag TschechienTschechien Tschechien 2004
Europäische Verteidigungsagentur EDA [21] Brüssel BelgienBelgien Belgien 2004 im Rahmen der GASP gegründet
Eisenbahnagentur der Europäischen Union ERA [22] Valenciennes/Lille FrankreichFrankreich Frankreich 2004 Name durch Verordnung (EU) 2016/796 geändert
Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache Frontex [23] Warschau PolenPolen Polen 2005 bis 6. Oktober 2016: Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union
Europäische Fischereiaufsichtsagentur CFCA [24] Vigo SpanienSpanien Spanien 2005
Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit ENISA [25] Iraklio GriechenlandGriechenland Griechenland 2005
Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ECDC [26] Stockholm SchwedenSchweden Schweden 2005
Europäisches Institut für Gleichstellungsfragen EIGE [27] Vilnius LitauenLitauen Litauen 2006
Agentur der Europäischen Union für Grundrechte FRA [28] Wien OsterreichÖsterreich Österreich 2007
Europäische Chemikalienagentur ECHA [29] Helsinki FinnlandFinnland Finnland 2007
Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden ACER [30] Ljubljana SlowenienSlowenien Slowenien 2009
Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation BEREC [31] Riga LettlandLettland Lettland 2010
Europäisches Unterstützungsbüro für Asylfragen EASO [32] Valletta MaltaMalta Malta 2010
Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA [33] London Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 2011 von Brexit betroffen
Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA [34] Paris FrankreichFrankreich Frankreich 2011
Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung EIOPA [35] Frankfurt am Main DeutschlandDeutschland Deutschland 2011
Europäische Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts eu-LISA [36] Tallinn EstlandEstland Estland 2012 im Aufbau

Agenturen der Europäischen Atomgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offizieller Name Abkürzung Website Standort Staat Gründung Anmerkungen
Euratom-Versorgungsagentur ESA [37] Luxemburg LuxemburgLuxemburg Luxemburg 1958
Europäisches gemeinsames Unternehmen für den ITER und die Entwicklung der Fusionsenergie (Fusion for Energy) F4E [38] Barcelona SpanienSpanien Spanien 2007

Exekutivagenturen der Europäischen Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offizieller Name Abkürzung Website Standort Staat Gründung Anmerkungen
Exekutivagentur für kleine und mittlere Unternehmen EASME [39] Brüssel BelgienBelgien Belgien 2003 2003–2007: Exekutivagentur für intelligente Energie (IEEA), 2007–2014: Exekutivagentur für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (EACI)
Exekutivagentur für Verbraucher, Gesundheit, Landwirtschaft und Lebensmittel CHAFEA [40] Luxemburg LuxemburgLuxemburg Luxemburg 2005 2005–2008: Exekutivagentur für das Gesundheitsprogramm (PHEA), 2008–2014: Exekutivagentur für Gesundheit und Verbraucher (EAHC)
Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur EACEA [41] Brüssel BelgienBelgien Belgien 2006
Exekutivagentur für Innovation und Netze INEA [42] Brüssel BelgienBelgien Belgien 2006 2006–2013: Exekutivagentur für das transeuropäische Verkehrsnetz (EA TEN-V)
Exekutivagentur des Europäischen Forschungsrates ERC [43] Brüssel BelgienBelgien Belgien 2007
Exekutivagentur für die Forschung REA [44] Brüssel BelgienBelgien Belgien 2007

Weitere Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offizieller Name Abkürzung Website Standort Staat Gründung Anmerkungen
Europäisches Innovations- und Technologieinstitut EIT [45] Budapest UngarnUngarn Ungarn 2008

Gesamtschau, Dachverband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 45 (Stand Februar 2017, EIT nicht mitgezählt) Agenturen wurden unabhängig voneinander, manche bei Bedarf aufgrund besonderen Situationen (z.B. Bankenkrise) ohne Gesamtkonzept eingerichtet. Es existiert ein Dachverband dieser Agenturen, ein Agenturnetzwerk mit jährlich wechselndem Vorsitz, der im März 2017 von EFSA übernommen wird. Die in Summe 9.500 Mitarbeiter der Agenturen stellen 1/6 des gesamten Personalstands der europäischen Verwaltung, und erhalten mit 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2015 nicht ganz 0,8 Prozent des EU-Budgets.

In Österreich arbeiten derzeit Agenturen mit in Summe 100 Mitarbeitern. Österreich zeigt Interesse an der Aufnahme der zwei wegen des Brexit aus London abzusiedelnden Agenturen.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Steinmüller: Die 45 Motoren Europas : Bewerten, Sammeln und Verwalten orf.at. 4. Februar 2017, abgerufen 5, Februar 2017. – Mit Aussagen von Politikwissenschaftler Berthold Rittberger.