Angers

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Angers in Frankreich. Zu weiteren Bedeutungen siehe Angers (Begriffsklärung).
Angers
Wappen von Angers
Angers (Frankreich)
Angers
Region Pays de la Loire
Département Maine-et-Loire (Präfektur)
Arrondissement Angers
Kanton Chef-lieu von 8 Kantonen
Koordinaten 47° 28′ N, 0° 33′ W47.472777777778-0.5555555555555625Koordinaten: 47° 28′ N, 0° 33′ W
Höhe 12–64 m
Fläche 42,70 km²
Einwohner 148.803 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 3.485 Einw./km²
Postleitzahl 49000, 49100
INSEE-Code
Website http://www.angers.fr/

Blick auf Angers

Angers /ɑ̃ʒe/ ist eine Stadt im Westen Frankreichs und Hauptstadt des Départements Maine-et-Loire in der Region Pays de la Loire. Angers war die alte Hauptstadt von Anjou.

Geografie[Bearbeiten]

Angers liegt in der Nähe vom Zusammenfluss von Maine und Loire, am Fluss Maine, und im Mittel 20 m über dem Meeresspiegel. Die Gemeindefläche beträgt 4.270 ha.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend von Angers ist seit der Steinzeit besiedelt. Auf dem Gebiet des späteren Schlosses hat man ein Steinmonument (Cairn) des Neolithikums entdeckt. Seit etwa dem 5. Jahrhundert v. Chr. siedelten die keltischen Andes (auch Andecaver) hier, nach denen das Anjou benannt ist. Sie errichteten ein Oppidum (frühstädtische Siedlung), das nach der Eroberung Galliens durch die Römer nach 50 v. Chr. Iuliomagus (Marktplatz des Julius Caesar) benannt und zum Verwaltungszentrum der Andecaver bestimmt wurde. Bei Ausgrabungen wurden die Thermen der Stadt und einige weitere Gebäude aus der Römerzeit freigelegt.

Nach den ersten Barbareninvasionen ab 275 erhielt die Stadt zum Schutz eine Mauer, die eine Fläche von etwa 9 ha umschloss. 372 wurde Angers erstmals das Bistums Angers genannt. Im Verlauf der Völkerwanderung war die Stadt umkämpft; wohl 469 kam es hier zu Kämpfen zwischen sächsischen Plünderern und gallo-römischen und fränkischen Truppen, siehe Paulus (Comes). Im 6. Jahrhundert wurde in der Stadt auf Initiative des Heiligen Germanus von Paris ein Kloster errichtet: Saint-Aubin, dem im 7. Jahrhundert ein weiteres, Saint-Serge, folgte. 851 erhielt die Stadt eine Burg, die allerdings die Angriffe der Normannen der Folgezeit nicht verhindern konnte. Um 929 nimmt Fulko den Titel eines Grafen von Anjou an, Angers wird Sitz der Grafschaft seines Herrscherhauses, das in der französischen Geschichte eine bedeutende Rolle spielte. Um 1175 wurde das Krankenhaus Saint-Jean durch König Heinrich II. von England, Graf von Anjou, gegründet. In den Jahren 1232–1242 erfolgte der Bau des Schlosses durch Blanka von Kastilien und Ludwig IX. Die Universität Angers wurde 1356 gegründet. 1373–1380 entstand der „Wandteppich der Apokalypse“. Eine der bedeutendsten Vertreter der Dynastie Anjou war René I., Herzog von Anjou, Graf der Provence und König von Neapel und Sizilien (1409–1480). 1598 bereitete Heinrich IV. in Angers das Friedensedikt vor, das in Nantes unterzeichnet wurde.

1793 geriet Angers in die Auseinandersetzungen des Aufstands der Vendée. Im Zeitalter der Industrialisierung entstanden im 19. Jahrhundert u. a. die Webereien Bessonneau. Im Jahre 1850 marschierten Soldaten bei Sturm zwar ohne Tritt über die Hängebrücke von Angers, deren Schwingungen dennoch so verstärkt wurden, dass sie einstürzte (Resonanzkatastrophe).

Von Juni 1940 bis zum Sommer 1944 war Angers - wie der ganze Norden und Westen von Frankreich - von der Wehrmacht besetzt, nachdem diese den Westfeldzug binnen weniger Wochen gewonnen hatte.

In den Jahren 1957–1966 schuf Jean Lurçat den Wandteppich „Der Gesang der Welt“, der heute im alten Krankenhaus Saint-Jean ausgestellt ist. Seit 2001 ist Jean-Claude Antonini Bürgermeister der Stadt.

Im Jahr 2005 kam die Stadt in die Schlagzeilen, als dort im Justizpalast der größte Kinderschänderprozess in der Justizgeschichte stattfand. Angeklagt waren damals 66 Erwachsene, die sich an 45 eigenen und fremden Kindern auf brutalste Art vergangen haben sollen und somit das Geschäft der Prostitution betrieben. Dieser Fall schockierte ganz Europa.

Bevölkerung[Bearbeiten]

  • Bevölkerungszahl: 148.803 Einwohner (Stand 1. Januar 2011)
  • Agglomerationsraum: 31 Kommunen, insgesamt 270.000 Einwohner
  • Bevölkerungsdichte: 3.311 Einwohner/km²
  • Beschäftigungsstruktur:
    • Arbeiter: 11,7 %
    • Angestellte: 13,4 %
    • Handwerker, Händler, Betriebsleiter: 2,4 %
    • Beschäftigte in der Landwirtschaft: 0,2 %
    • Rentner: 15 %
    • Andere, ohne Anstellung: 42,5 %
    • 90.000 beruflich Aktive im Agglomerationsraum, entspricht einer Beschäftigungsrate von 53,9 %

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die wichtigsten Arbeitgeber:

  • Universitätsklinik: 4.500 Beschäftigte,
  • Angers Stadt und Agglomeration: 3.353 Beschäftigte,
  • Thomson Multimédia: 1.350 Beschäftigte,
  • Nec Computer International: 1000 Beschäftigte,
  • Valéo: 1000 Beschäftigte,
  • Bosch France: 900 Beschäftigte,
  • Scania: 700 Beschäftigte

Jedes Jahr werden in Angers produziert:

  • 800.000 Fernsehgeräte (Thomson)
  • 1,2 Millionen Personalcomputer,
  • 3,5 Millionen Scheinwerfer (Valéo)
  • 6 Millionen Fahrzeugbremsen (Bosch)
  • 9.500 LKW (Scania)
  • 12 Millionen Flaschen Cointreau
  • 30.000 Tonnen Schiefer

Administration[Bearbeiten]

Angers ist der Sitz des Gemeinschaftlichen Sortenamts.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Haus von Adam (Maison d'Adam), ältestes Gebäude der Stadt

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Angers


Weltkulturerbe der UNESCO: Die Altstadt gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.


Bedeutende mittelalterliche Kirchenbauten sind die Kathedrale, die Abtei Saint-Aubin und die Kirche Saint-Serge mit einem charakteristischen Netzrippengewölbe des frühen 13. Jahrhunderts, wie es für die sogenannte "angevinische Gotik" des "Style Plantagenêt" typisch ist. In die Zeit König Heinrichs II. gehört das Hôpital Saint-Jean, ein dreischiffiger gewölbter Krankensaal mit schlanken Säulen (s.u. Museen).

Château du Roi René, im Vordergrund der Fluss Maine


Château du Roi René:

Das Schloss Angers findet seinen Ursprung im 11. Jahrhundert, als die Grafen von Anjou ihr Palais an dieser Stelle errichteten. Im 13. Jahrhundert wurde es fertiggestellt und war Teil der Stadtmauer. Von außen ähnelt es eher einer Festung mit seinen 17 Türmen, die bis auf den Mühlenturm alle gestutzt wurden. Eine architektonische Besonderheit sind die Baumaterialien: Tuffstein (weiß) und Schiefer (schwarz). Damit zeigt sich, dass Angers an der Grenze des Pariser Beckens und des Armoricanischen Massivs liegt.

Ein besonderes Kunstwerk, das auf Schloss Angers ausgestellt ist, ist der Wandteppich der "Apokalypse von Angers" (103 m lang, 4,5 m hoch). Es ist ein Wandteppichzyklus, der den Weltuntergang nach der Offenbarung des Johannes darstellt. Der Wandteppich ist der älteste erhaltene Bildteppich dieser Größe, wurde im 14. Jahrhundert gewebt, und ist ein einzigartiges Beispiel für die Wandteppichkunst des Mittelalters.

Museen[Bearbeiten]

Musée Jean Lurçat
Im Gebäude des Krankenhauses Saint-Jean aus dem 12. Jahrhundert werden die zeitgenössischen Wandteppiche (1957–1966) von Jean Lurçat ausgestellt. Er hat dieses Werk „Chant du monde“ („Gesang der Welt“) genannt. Sie sollen die Apokalypse der Neuzeit, die Atombombe, darstellen. Es gibt auch Sonderausstellungen von jungen Künstlern der Wandteppichkunst.
Musée des Beaux-arts
Das Kunstmuseum wurde im Jahre 2004 nach fünfjährigen Bauarbeiten wieder eröffnet. Nach umfassender Renovierung und Vergrößerung beinhaltet das Gebäude nun zwei feste Ausstellungen auf 3.000 m². Die Ausstellung Beaux-arts zeigt Bilder und Skulpturen vom 14. bis zum 21. Jahrhundert. In Histoire d'Angers werden archäologische Funde präsentiert und die Geschichte der Stadt beschrieben. Jeder Raum stellt eine Epoche oder eine künstlerische Bewegung dar. Ca. 20 % der Kunstobjekte werden gezeigt (350 Werke). Es finden auch temporäre Ausstellungen statt, die eher der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmet sind (z.B. Niki de Saint-Phalle – 1930–2002, Neuer Realismus).
Das Gebäude ist das ehemalige Logis oder auch Stadthaus der Familie Barrault, erbaut im 15. Jahrhundert. Seit 200 Jahren beherbergt es das Museum der Künste. Die Sammlung des Museums ist vielfältig und aus Spenden, Hinterlassungen und Käufen entstanden.
Galerie David d'Angers
Die Abteikirche Toussaint aus dem 13. Jahrhundert beinhaltet zahlreiche Werke des Bildhauers David d'Angers (1788–1856) aus seiner Schaffensperiode von 1806 bis zu seinem Tod, die er an seine Heimatstadt vermacht hat.
Dieses Gebäude wurde seit der Französischen Revolution vernachlässigt. In den 80er Jahren wurde die Kirche restauriert und mit einem Glasdach versehen. Das Museum wurde vom damaligen Präsidenten der Republik, François Mitterrand, 1984 eingeweiht.
Die Kirche und ihr Klostergang integrieren sich in das Ensemble des Museums der „Schönen Künste“ und seinem Park. Im Klostergang Toussaint finden im Sommer oft Konzerte statt.
Musée Pincé
In dem Renaissance-Gebäude (1530–1535) werden Gegenstände aus griechischer und römischer Antike sowie ägyptische, japanische und chinesische Kunstobjekte präsentiert.
Musée-Château de Villevêque
Im Schloss von Villevêque werden 900 Kunstobjekte aus dem Mittelalter und der Renaissance ausgestellt.
Musée du Génie Militaire
In dem vom französischen Heer betriebenen und einer Ausbildungseinrichtung angegliederten Pionier-Museum wird die Geschichte der französischen Pioniertruppe von den Anfängen bis heute dargestellt. Modelle und historische Pläne bieten einen interessanten Eindruck der Entwicklung dieser technischen Unterstützungstruppe, natürlich fehlt auch das Wirken ihres berühmtesten Vertreters, des Festungsbauers Vauban, nicht.

Natur und Freizeit[Bearbeiten]

Binnenhafen von Angers

Die Insel Saint-Aubin liegt 3 km vom Stadtzentrum entfernt, zwischen den Flüssen Mayenne und Sarthe. Sie besteht aus Flusssedimenten und bietet eine reichhaltige Flora und Fauna. Neben der Weidewirtschaft dient sie vor allem der Naherholung. Man kann die Insel vom Festland über eine kleine Fähre erreichen und zu Fuß oder mit dem Rad erkunden. 10 km Wege stehen dafür bereit.

Das Naherholungsgebiet Lac de Maine umfasst 220 ha Fläche, davon 100 ha Gewässer. Zahlreiche Freizeitaktivitäten werden angeboten, darunter Windsurfen, Segeln, Kanufahren, Tretbootfahren, Schwimmen, Tennis und Orientierungsläufe. Direkt am See liegt eine Jugendherberge (150 Betten) sowie ein Campingplatz (vier Sterne, geöffnet von März bis Oktober).

Flusstourismus: Von Angers aus kann man 300 km schiffbare Gewässer erreichen, die Flüsse Loire, Maine, Sarthe und Mayenne. Der Abschnitt der Loire von Sully-sur-Loire bis Chalonnes-sur-Loire wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Der Binnenhafen von Angers bietet sich als Ausgangspunkt an, man kann dort Haus- und Ausflugsboote mieten.

Sport[Bearbeiten]

SCO Angers: Angers ist Heimat des zeitweiligen Fußballerstligisten SCO Angers, der seit 2007 in der Ligue 2 spielt.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt ist durch Eisenbahnverbindungen (Bahnhof St. Laud mit TGV-Halt) und Autobahnen mit den Städten Nantes, Le Mans und Tours verbunden. 20 km nordöstlich, in Marcé besteht ein Flughafen mit Auslandsflugverkehr.

Der Nahverkehr wird durch mehrere Buslinien getragen. Eine bedeutende Verbesserung im ÖPNV der Stadt, die schon einmal von 1896 bis 1949 einen Straßenbahnbetrieb besaß, soll eine Straßenbahnlinie bringen, die am 25. Juni 2011 eröffnet wurde.[1]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Angers pflegt Städtepartnerschaften mit[2]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter:

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. railwaygazette.com: Angers tram opens, 29. Juni 2011, Zugriff am 2. September 2011
  2. Website von Angers: Villes jumelles et partenaires

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Angers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien