Andreas Meyer (Manager)

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Andreas Meyer (2012)

Andreas Meyer (* 9. April 1961 in Basel) ist ein Schweizer Manager. Seit 1. Januar 2007 ist er Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Meyer legte am Gymnasium Muttenz 1980 die Matura Typus B ab. Er studierte anschliessend Rechtswissenschaften an den Universitäten Basel und Freiburg (Schweiz). Der Sohn eines Eisenbahners arbeitete während seines Studiums als Wagenreiniger bei der SBB. 1989 erwarb er im Kanton Basel-Landschaft das Rechtsanwaltsexamen und 1995 einen MBA bei INSEAD in Fontainebleau.[1]

Seine berufliche Laufbahn begann 1990 als Rechtskonsulent bei ABB, später als Assistent der Geschäftsführung und Projektleiter bei deren Tochterunternehmen W+E Umwelttechnik in Zürich. Von 1996 bis 1997 arbeitete er als Geschäftsführer beim deutschen Anlagenbauer Babcock Borsig in Oberhausen und Bitterfeld.[1]

Von 1997 bis 2006 arbeitete Andreas Meyer in verschiedenen Positionen bei der Deutschen Bahn AG. Er stieg bei DB Energie als kaufmännischer Geschäftsführer ein und wurde 2000 Vorsitzender der Geschäftsführung. 1997 war er dabei mit dem Auftrag betraut worden, die Energiesparte zu veräussern. Durch einen Umbau konnte er den Konzern von einem langfristigen Erhalt der Energiesparte des DB-Konzerns überzeugen.[1] 2004 wurde er Vorsitzender der Geschäftsführung von DB Stadtverkehr.[2] Damit war er gleichzeitig Mitglied der Geschäftsleitung von DB Personenverkehr. Ab 2005 war Meyer gleichzeitig Mitglied der Konzernleitung der Deutschen Bahn AG.[1]

Am 23. Juni 2006 wurde Meyer, mit Wirkung zum 1. Januar 2007, vom Verwaltungsrat der SBB einstimmig aus 30 Kandidaten zum Nachfolger von Benedikt Weibel gewählt. Mit zehn der Kandidaten waren ausführliche Gespräche geführt worden.[1]

Als Jahresgehalt erhielt er im Geschäftsjahr 2014 ein Fixum von 580'000 Franken sowie einen leistungsabhängigen Anteil von 492'000 Franken. Mit insgesamt rund 1,1 Millionen CHF Gesamtentlohnung erhält Meyer damit das höchste Salär eines Angestellten in einem CH-bundesnahen Betrieb. 1996 betrug die Vergütung für den damaligen SBB-Direktoriumspräsidenten Benedikt Weibel noch 300'000 CHF.[3][4]

Meyer kündigte am 4. September 2019 seinen Rücktritt von der SBB-Spitze bis spätestens Ende 2020 an.[5][6]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge des Stellenwechsels Meyers von der Deutschen Bahn zur SBB kam es im Jahr 2008 zu einer Kontroverse um dessen Entlohnung. Innerhalb des Geschäftsberichts 2007 der SBB wurde ausgewiesen, dass Meyer neben einem Antrittsbonus und einer ausserordentlichen Einlage in die Pensionskasse eine weitere Unterstützung erhielt: SBB Immobilien erwarb das deutsche Wohnhaus Meyers zu Gestehungskosten und organisierte den Verkauf, um den Wohnortswechsel des neuen Topkaders zu erleichtern.[7][8] Neben der medialen und öffentlichen Debatte um diese Entscheidung des Verwaltungsrats wurde vom Nationalrat Josef Zisyadis eine parlamentarische Anfrage initiiert.[9] Insgesamt verdiente Meyer bis zu seinem Rücktritt rund 12 Millionen Franken.[10] Unter Druck geriet Meyer nach einem Todesfall, bei dem ein Bahnmitarbeiter in einer defekten Türe eingeklemmt blieb und verstarb.[11] Die SBB hatten seit 2018 von den defekten Türen gewusst.[12]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Meyer ist verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt in Muri bei Bern. Aufgewachsen ist er gemeinsam mit seinem Bruder in einer Eisenbahnerfamilie im baselländischen Birsfelden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Andreas Meyer wird neuer Chef der SBB. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 8–9/2006, ISSN 1421-2811, S. 404.
  2. Meldung Änderungen im DB-Vorstand. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 6/2004, ISSN 1421-2811, S. 242.
  3. SBB-Chef Meyer ist Topverdiener beim Bund. In: Handelszeitung. S. 88.
  4. Wer hat, dem wird gegeben. In: K-Tipp. 2012-08.
  5. Andreas Meyer tritt 2020 als CEO der SBB zurück. In: sbb.ch vom 4. September 2019, abgerufen am 5. September 2019.
  6. SBB-Chef Meyer tritt zurück – Verkehrsministerin Sommaruga wusste es schon im Frühling. In: nzz.ch vom 4. September 2019, abgerufen am 5. September 2019.
  7. SBB-Chef Andreas Meyer erhielt 2007 100 000 Franken mehr Lohn als sein Vorgänger. In: SBB Medienmitteilung. 30. März 2008, abgerufen am 22. Januar 2019.
  8. SBB-Chef kassiert Rekordbonus. In: Tages-Anzeiger. 26. März 2015.
  9. 08.5119 – Fragestunde. Frage: Die SBB und die Meyer-Villa in Frankfurt. 2. Juni 2008, abgerufen am 22. Januar 2019.
  10. Abtritt: So viel hat Andreas Meyer in 12 Jahren SBB verdient. In: 20minuten vom 4. September 2019, abgerufen am 4. September 2019.
  11. Sind die SBB noch gut genug? In: SRF1-Diskussionssendung Der Club vom 27. August 2019, abgerufen am 4. September 2019.
  12. Tür Pobleme: «Ein Desaster für Andreas Meyer». In: 20minuten vom 1. September 2019, abgerufen am 4. September 2019.