Muttenz

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Muttenz
Wappen von Muttenz
Staat: Schweiz
Kanton: Basel-Landschaft (BL)
Bezirk: Arlesheim
BFS-Nr.: 2770i1f3f4
Postleitzahl: 4132
UN/LOCODE: CH MUT
Koordinaten: 615558 / 263577Koordinaten: 47° 31′ 22″ N, 7° 38′ 43″ O; CH1903: 615558 / 263577
Höhe: 291 m ü. M.
Fläche: 16,64 km²
Einwohner: i17'723 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 1065 Einw. pro km²
Website: www.muttenz.ch
Ausblick vom Wartenberg auf Muttenz und gegen Basel

Ausblick vom Wartenberg auf Muttenz und gegen Basel

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Muttenz (Baseldeutsch: Muttez [ˈmʊtəts ˈmʊtəds][2][3]) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Arlesheim des Schweizer Kantons Basel-Landschaft.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muttenz liegt östlich der Stadt Basel, zwischen dem Rhein im Norden und dem Gempenplateau im Süden und dem Wartenberg und seinen Ruinen im Osten. Muttenz ist eine Industriestadt (über 14'000 Arbeitsplätze) und teilt das grosse Industriegebiet Schweizerhalle mit den Gemeinden Birsfelden und Pratteln. Weiter befindet sich hier der Rangierbahnhof Basel-Muttenz, einer der grössten Europas. Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1664 Hektaren, davon sind 41 % Wald, 41 % Siedlungsflächen, 16 % Landwirtschaftsgebiet und 2 % unproduktive Fläche. Muttenz ist die einzige Schweizer Gemeinde, die eine Landesgrenze (Deutschland), eine Kantonsgrenze (Kanton Solothurn), eine Halbkantonsgrenze (Kanton Basel-Stadt), Bezirksgrenze (Bezirk Liestal), sowie Gemeindegrenzen (Birsfelden, Münchenstein und Arlesheim) aufweist.

Muttenz grenzt an die basel-landschaftlichen Gemeinden Arlesheim, Münchenstein, Birsfelden, Pratteln und Frenkendorf, sowie an die solothurnische Gemeinde Gempen, die Stadt Basel und die deutsche Gemeinde Grenzach-Wyhlen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muttenz findet urkundlich erstmals 1225/1226 sicher bezeugt: In Mvttence vna scopoza […] comparauit frater Gerungus «Bruder Gerungus erwarb in Muttenz eine Schuppose». Die früheren, oft auf Muttenz bezogenen Belege in fine Methimise (794) und vicum qui Mittenha dicitur (1032) tauchen erst in viel jüngeren Abschriften auf, und deren Bezug zu Muttenz ist spekulativ.[4]

Der Ortsname ist wegen seiner erst im Hochmittelalter einsetzenden Überlieferung nicht sicher zu erklären. Die ältere Herleitung von lateinisch mũtātiō «Pferdewechselstation» wird heute ausgeschlossen. Eine andere Deutung geht von einem alteuropäischen Gewässernamensuffix *-antia aus, verbunden mit einem erschlossenen alteuropäischen *mud- (zur Wurzel *meu- «feucht») oder einem erschlossenen altgermanischen *mudra- «Schlamm»; der Name *Mudantia «schlammiger Bach, Schlammbach» (für den Dorfbach) wäre diesfalls sekundär auf die am Bach liegende Ortschaft übertragen worden. Weitere Erklärungmöglichkeiten scheitern aus verschiedenen Gründen, sodass der Name als ungeklärt gelten muss.[4][5]

Ereignisgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Wartenberg fand man bronzezeitliche Funde und in der Hard eisenzeitliche Gräber. Ebenso fand man mehrere römische Siedlungsplätze. Die Alemannen kamen im 3. nachchristlichen Jahrhundert in die Gegend des heutigen Muttenz.

Im 8. Jahrhundert gehörte Muttenz zum Besitz des Domstiftes von Strassburg und die damals erbaute Kirche wurde dem ersten fränkischen Bischof von Strassburg, dem heiligen Arbogast geweiht. Um 1320 wurden die Münch von Münchenstein neue Besitzer von Muttenz, nachdem sie die Bewohner gefoltert und gejagt hatten. Sie mussten aber Muttenz teilweise an die Stadt Basel verpfänden und 1515 fiel das Dorf endgültig der Stadt Basel zu. Bei der Kantonstrennung im Jahr 1832/3 wechselte Muttenz zum Halbkanton Basel-Landschaft.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen von Muttenz wurde 1939 entworfen. Anlass dafür war eine Landesausstellung, an welchen die Gemeinden durch die (neuen) Wappen repräsentiert werden sollten. Der Wappenzeichner war Adolf Müller, der den Löwen Katharinas von Löwenberg (Ehefrau von Konrad Münch, welcher Muttenz von 1324 bis 1378 regierte). Dieser rote Löwe steht nach heraldisch rechts gedreht hinter einem roten Turm, der die Mittlere Wartenbergruine repräsentiert. Rechts und links davon befinden sich zwei identische Türme. Das Wappen wurde auf einem weissen Schild gezeichnet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reformierte Wehrkirche St. Arbogast, die einzige vollständig erhaltene Wehrkirche der Schweiz.[6]
  • Bauernhausmuseum, das Dorfmuseum
  • Burgruinen auf dem Wartenberg
  • Freidorf, bedeutendster Siedlungsbau der Schweiz aus der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg – entworfen von dem späteren Bauhaus-Architekten und Urbanisten Hannes Meyer.

Für ihre erfolgreichen Bemühungen, die historische Bausubstanz in einer stark industrialisierten Umgebung zu erhalten, erhielt die Gemeinde 1983 den Wakkerpreis.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

39 % der Bevölkerung sind reformiert und 27 % römisch-katholisch.

Der Ausländeranteil beträgt 17.5 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Muttenz: SVP 28.9 %, SP 27.2 %, FDP 14.4 %, Grüne 12.2 %, CVP 7.1 %, EVP 3.8 %, BDP 2.5 %, Grünliberale 2.4 %.[7]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muttenz ist ein Standort der Fachhochschule Nordwestschweiz mit den Bereichen Architektur, Bau und Geomatik, Life Sciences sowie Technik. Außerdem befinden sich in Muttenz ein kantonales Gymnasium mit Fachmittelschule, die Kantonale Technikerinnen- und Techniker-Schule für Informatik und eine gewerblich-industrielle Berufsfachschule.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SV Muttenz: rund 1000 Mitglieder in der Sparte Fussball. Der Sportverein Muttenz wurde am Dienstag, 11. Januar 1921, im Restaurant Central (später Gemeindestube) in Muttenz von 15 Fussballfreunden gegründet. Das Margelacker, das Stadion, wo der SV Muttenz mittlerweile zuhause ist, wurde 1950 fertiggestellt und vor über 2000 Zuschauern feierlich eingeweiht. Die 1. Mannschaft des SV Muttenz hat in der Saison 2004/05 mit dem erfolgreichen Trainer Geri Portmann den Sprung in die 1. Liga geschafft und bewegt sich im oberen Viertel der Tabelle. Das beste Jahr hatte der SV Muttenz 1978 als sie Gruppensieger in der 1. Liga wurden aber in den Qualifikationsspielen den Aufstieg in die NLB (heute: Challenge League) knapp verpassten. Der SV Muttenz hat 22 Mannschaften, davon 15 Junioren- und 4 Senioren- und Veteranenteams.

TV Muttenz: Grösster Turnverein der Nordwestschweiz mit rund 1400 Mitgliedern. Jährliche Organisation des beliebten «Jazz uff em Platz» und des traditionellen Eierleset. Der sportliche Teil organisiert sich in 7 Abteilungen: Turner (inkl. Jugendrigen), Unihockey, Volleyball, Turnerinnen, Basketball, Handball und Leichtathletik. Letztere Abteilung ist Organisator der ersten Schweizer Meisterschaften der Juniorinnen und Junioren sowie Espoir-Kategorien im Jahr 1996 und Veranstalter des «Schnällscht Schwizer» auf der Hauptstrasse im Dorfkern im Jahr 1998. Im Jahr 2008 Gastgeber der Schweizer Meisterschaften Staffel.

TTC Rio-Star Muttenz: Nationalliga A Tischtennisclub und aktueller Schweizer Meister.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitta Strub: Muttenz In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Hans-Rudolf Heyer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Landschaft. Band I: Der Bezirk Arlesheim, mit Kantonseinleitung (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 57). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1969.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Muttenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. Material des Sprachatlasses der deutschen Schweiz.
  3. Baselbieterlied & Muttenzerlied (Muttezer Lied); s Muttezer-Lied.
  4. a b Baselbieter Namenbuch. Band 3: Die Orts- und Flurnamen des Kantons Basel-Landschaft. Bezirk Alresheim. Hrsg. und bearbeitet von Rebekka Schifferle, unter Benutzung der Vorarbeiten der Forschungsstelle für Orts- und Flurnamen-Forschung Baselland. Verlag Basel-Landschaft, Liestal 2017 (Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel-Landschaft. Bd. 99-3), ISBN 978-3-85673-294-3, S. 26 f.
  5. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Huber, Frauenfeld / Payot, Lausanne 2006, ISBN 3-7193-1308-5, S. 635.
  6. Kunstführer Muttenz: Reformierte Pfarrkirche St. Arbogast (Memento vom 7. April 2014 im Internet Archive)
  7. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016, abgerufen am 4. September 2016.