Antje von Dewitz

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Antje v. Dewitz (Geschäftsführerin von Vaude, 2015)

Antje von Dewitz (* 18. September 1972 in Ebingen (heute Albstadt)) ist eine deutsche Unternehmerin. Sie ist Geschäftsführerin des Bergsportausstatters Vaude in Tettnang.[1]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antje v. Dewitz wuchs in Untereisenbach bei Tettnang auf. Sie ist die mittlere der drei Töchter von Albrecht v. Dewitz, der 1974 das Familienunternehmen Vaude gegründet hat.[2] Die Familie bildet einen Zweig des ursprünglich mecklenburgisch-pommerschen Adelsgeschlechtes derer von Dewitz.

Antje v. Dewitz lebt mit ihrem Partner und den vier gemeinsamen Kindern in Tettnang.[3]

Studium und berufliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Dewitz belegte an der Universität Passau das Fach Wirtschafts- und Kulturraumstudien. Im Jahr 1998 schloss sie ihr Studium mit dem Diplom ab.[4] Von Dewitz wollte eigentlich eher im Bereich Umweltschutz tätig werden und hatte zunächst nicht geplant, in das Unternehmen ihres Vaters einzusteigen.[5] Als sie ab 1998 erstmals bei Vaude beschäftigt war, baute sie den Bereich „Taschen und Reisegepäck“ auf.[6] Von 2000 bis 2002 war sie für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, 2005 übernahm sie die gesamte Marketingleitung. Im Zeitraum von 2002 bis 2005 war sie außerdem zeitweise wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hohenheim,[4] wo sie eine Dissertation mit dem Titel „Die Gestaltung eines leistungsstarken Arbeitsverhältnisses durch Talent Relationship Management“ anfertigte.[6][7][8] 2005 wurde sie zur Dr. oec. promoviert. Im Jahr 2009 übergab Albrecht v. Dewitz ihr die Geschäftsführung.[9]

Von Dewitz richtet seitdem allmählich immer mehr Prozesse im Unternehmen an Kriterien der Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit aus. Dies solle möglichst auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette geschehen, d. h. auch in der Logistik der Produkte und bei Zulieferbetrieben im Ausland.[10]

Wirtschaftspolitische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinwohl-Ökonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Dewitz setzt sich dafür ein, dass die Leitlinien der Gemeinwohl-Ökonomie stärker beachtet werden und kritisiert, dass in der Wirtschaft zu sehr nur auf Finanzkennzahlen geachtet würde.[11] Gemeinsam mit Christian Felber erreichte sie, dass sich der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss 2015 für das Gemeinwohl-Ökonomie-Modell aussprach und dafür plädiert, dass dieses „sowohl in den europäischen als auch in die einzelstaatlichen Rechtsrahmen integriert werden“ sollte.[11]

Initiative Bleiberecht für Flüchtlinge und Einwanderungsgesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2018 gründete Antje v. Dewitz gemeinsam mit dem Brauunternehmer Gottfried Härle die Initiative Bleiberecht für Flüchtlinge mit einem festen Arbeits- oder Ausbildungsplatz, der sich in kurzer Zeit 80 Betriebe und drei Verbände aus Baden-Württemberg angeschlossen haben. Die Unternehmer-Initiative fordert ein Bleiberecht für abgelehnte Asylbewerber, sofern diese einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz nachweisen können.[12] Am 19. April wurde die Initiative vom baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl empfangen. Dabei sprach sich Antje v. Dewitz für die rasche Einführung eines Zuwanderungsgesetzes aus, da Vaude in bestimmten Bereichen mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen habe, der durch Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften gedeckt werden könnte.[13]

Ämter und Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gestaltung eines leistungsstarken Arbeitsverhältnisses durch "Talent Relationship Management". Ein praxisorientiertes Konzept für mittelständische Unternehmen. Dissertation Universität Hohenheim, 426 Seiten, Shaker Verlag, Aachen 2006, ISBN 978-3-8322-5048-5 (auch als e-book im PDF-Format verfügbar)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Öffentlich zugänglicher Abschnitt im Munzinger-Archiv, 50/2016, 13. Dezember 2016, abgerufen am 6. März 2017
  2. Lisa Nienhaus: Vaude-Chefin Antje von Dewitz: Die Wandersfrau, FAS, 23. August 2011, abgerufen am 6. März 2017
  3. Dagmar Deckstein: Portrait: Unternehmerin Antje von Dewitz, Character, Seite 6-15, Ausgabe 1, August 2013, PDF-Format, ca. 3,4 MB, Bethmann-Bank, abgerufen am 6. März 2017
  4. a b Georg Hohenester: Powerfrau vom Bodensee, DAV Panorama, 4/2011, PDF-Format, ca. 637 kB, mit weiteren biografischen Angaben; abgerufen am 6. März 2017
  5. So auch im Typisch deutsch-Gespräch mit Hajo Schumacher auf Deutsche Welle vom 8. März 2015
  6. a b Tina Groll: Was machen Sie mit Ihrem Erbe?, veröffentlicht auf ZEIT-online am 4. November 2010, abgerufen am 6. März 2017
  7. Bibliographische Angaben zur Dissertation, Deutsche Nationalbibliothek
  8. Der Titel der Dissertation wird z. B. im Artikel von Christian Thiele: Die Frau fürs Grüne genannt, veröffentlicht auf ZEIT-online am 31. Juli 2014, abgerufen am 6. März 2017
  9. Dagmar Deckstein: Vaude – Nachhaltigkeit als Strategie. In: Süddeutsche Zeitung. 5. Oktober 2016, abgerufen am 6. Juni 2017.
  10. Ausführlich dazu z. B. Kristin Lüders, Dominic Veken: Gegen den Wind. Interview mit Antje v. Dewitz In: Enorm, 05/2016, S. 43f.
  11. a b Dagmar Deckstein: Gemeinwohl-Ökonomie. Verantwortung übernehmen. Süddeutsche Zeitung, 6. Oktober 2016
  12. Moritz Schildgen: Oberschwäbische Unternehmer wollen Abschiebung von Migranten verhindern. Schwäbische Zeitung, 24. April 2018
  13. Unternehmer-Initiative: Bleiberecht für Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit gefordert, in: Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee, 06/2018, Seite 6, IHK Ulm, PDF-Format, ca. 6,8 MB.
  14. Ulrich Mendelin: Löw darf Bundespräsidenten wählen, Schwäbische Zeitung, 20. Dezember 2016
  15. Projektbeirat von Naturkapital Deutschland, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ
  16. Board und Management der European Outdoor Group, EOG Homepage
  17. Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, DBU Homepage
  18. Regina Henkel: Vaude-Chefin Antje von Dewitz erhält Ehrenpreis „Brand Manager of the Year“, Fashionunited, 2. Juli 2018
  19. Kurzvitae der Ordensprätendenten, Seite 2, PDF-Format, ca. 130 kB, Staatsministerium Baden-Württemberg, 6. Mai 2017
  20. Martin-Werner Buchenau, Joachim Hofer: Antje von Dewitz: Die Gipfel-Stürmerin, Hall of Fame der Familienunternehmen, Handelsblatt online, 11. Januar 2017
  21. Dr. Antje von Dewitz erhält B.A.U.M. Umweltpreis, Pressemitteilung, WWF
  22. Leonie Müller: Antje von Dewitz, Ausstellungstafel, PDF-Format, ca. 325 kB, Erinnerungen und Geschichten von Menschen aus den 90er, Ausstellung Jungsein im Land, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg