Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management

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Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management
(B.A.U.M. e. V.)
Zweck: Unternehmens-Netzwerk für Umweltmanagement und nachhaltiges Wirtschaften
Vorsitz: Yvonne Zwick
Gründungsdatum: 1984
Mitgliederzahl: ca. 700 (2021)
Sitz: Hamburg (Bundesgeschäftsstelle)
Website: www.baumev.de

Der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e. V. (B.A.U.M.) ist ein Unternehmensnetzwerk für nachhaltiges Wirtschaften.

Nach eigenem Bekunden ist Ziel des Vereins, Unternehmen, Kommunen und Organisationen für die Vision des nachhaltigen Wirtschaftens zu sensibilisieren und bei der ökologisch wirksamen, ökonomisch sinnvollen und sozial gerechten Realisierung zu unterstützen.[1] Mitgliedern des B.A.U.M.-Förderkreises können freiwillig die unverbindliche Willenserklärung des Vereins, den B.A.U.M.-Kodex für nachhaltiges Wirtschaften unterschreiben und dürfen somit das Vereinslogo verwenden.[2]

Vereinsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein initiiert Projekte und Fachtagungen häufig unter Einbezug von Unternehmen, wie z. B. das Sustainability Leadership Forum (SLF), welches den Wissenstransfer sowie die inhaltliche Erarbeitung konkreter Problemlösungen durch den direkten Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ermöglichen soll.[3] B.A.U.M. organisiert eigene Wettbewerbe wie z. B. seit 2005 den Wettbewerb Büro & Umwelt, welcher schonende Umgang mit Ressourcen im Unternehmen und die Beachtung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten beim Einkauf von Büroprodukten auszeichnet.[4]

B.A.U.M. e. V. ist auch an Forschungsprojekten beteiligt, wie das BMBF finanzierte Projekt „Neue Wege, Strategien, Geschäfts- und Kommunikationsmodelle für Biokunststoffe als Baustein einer Nachhaltigen Wirtschaft“ (BiNa), welches den Einsatz von Biokunststoffen beurteilt. Fokus war hierbei die Herstellung der Biopolymere und anschließende Weiterverarbeitung zum fertigen Biokunststoff.[5]

Der Verein initiierte den dreijährigen B.A.U.M. Zukunftsfonds e.G., der eine finanzielle Investition von Bürgern in Projekte der Energieeinsparung erlaubte und mit einer Rendite von 3–5 % belohnt wurde.[6] Der Fonds wurde mit dem SPD Innovationspreis ausgezeichnet.[7] Mit dem B.A.U.M. Fair Future Fonds gibt es einen weiteren Fonds der die Investition von Privatanlegern in kleine bis mittlere Unternehmen ermöglicht, die nachhaltig agieren.[8] Die Bewertungskriterien bauen auf den Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen sowie den Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) auf.

Preisvergabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1993 verleiht der Verein seinen eigenen B.A.U.M.-Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis. Der undotierte Preis zeichnet nach eigener Aussage herausragende persönliche Leistungen und individuelles Engagement der Preisträger im betrieblichen Umweltschutz und Nachhaltigkeitsmanagement aus. Wichtiges Kriterium bei der Auswahl und Bewertung der Preisträger sind die Praxisrelevanz und die Übertragbarkeit der initiierten Maßnahmen auf andere Unternehmen. Der B.A.U.M.-Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis wird in den Kategorien Großunternehmen, Kleine und Mittelständische Unternehmen, Wissenschaft, Medien und Institutionen/Verbände vergeben.

Seit 2004 wird der Internationale B.A.U.M.-Sonderpreis an Persönlichkeiten verliehen, die sich in den Bereichen Umwelt- und Naturschutz und für soziale Fragen engagieren.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinsarbeit setzt auf „Einsicht“ und hat „Appellcharakter“ um Unternehmen und Interessensverbände zu einem umweltfreundlicheren Handeln zu bewegen. Der Verein fordert keine verbindlichen Regeln von den Mitgliedern. Der Verein verifiziert in den Statuten nicht näher, was „Nachhaltigkeit“ und „Nachhaltigkeitsmanagement“ konkret für den Verein an Maßnahmen in der Unternehmenspolitik bedeuten.

In der Öffentlichkeit mehrfach für ihre umweltschädliche Produktionsweisen, Rüstungsproduktion oder sozial schwierige Arbeitssituationen kritisierte Unternehmen können ebenfalls Förderkreismitglieder bei B.A.U.M. sein.[9] Unter anderem der Möbelkonzern IKEA Deutschland ist B.A.U.M.-Mitglied, der dafür kritisiert wird, einen Großteil seiner Kiefern-Möbelhölzer aus dem hohen Norden Russlands zu beziehen. Dem Vernehmen nach habe die Ikea-Tochter Swedwood 300.000 Hektar Naturwald in Karelien gepachtet und holze bis dahin von der Holzindustrie unberührte Waldgebiete ab.[10] Weitere Mitglieder, die kontroverse Geschäftspraktiken betreiben sind z. B. Danone,[11] Lacoste,[12] Porsche,[13] TUI Cruises,[14] Procter & Gamble[15] und Commerzbank.[16]

Preisvergabe an Unilever-Chef[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 ging der B.A.U.M.-Umweltpreis an den damaligen Unilever-Chef Harry J. M. Brouwer, da er „die Nachhaltigkeitsaktivitäten des Konzerns entscheidend geprägt und vorangetrieben“ habe.[17] Diese Verleihung war von anderen NGOs kritisiert worden, u. a. aufgrund der bei Unilever zu jenem Zeitpunkt nicht als nachhaltig gesicherten Bezugsquellen von Palmöl. Der Verein „Rettet den Regenwald“ verlieh als Reaktion darauf dem Unilever-Chef daher seinen Antipreis BAUM-AB-Preis „für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien“. Reinhard Behrend von „Rettet den Regenwald“ charakterisierte den Verein B.A.U.M. im Zusammenhang mit der umstrittenen Umweltpreisverleihung 2011 wie folgt: „B.A.U.M. ist ein Verein, in dem 500 Wirtschaftsbetriebe sitzen, die sich gegenseitig medienwirksam auf die Schulter klopfen.“[18]

Eine weitere von Umweltorganisationen kritisierte Preisverleihung war 2014 in der Kategorie Großunternehmen an das Kreuzfahrtunternehmen AIDA.[19]

Vereinsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde 1984 gegründet und ist als gemeinnützig anerkannt. Dem geschäftsführenden Vorstand gehörte bis 31. Dezember 2020 Maximilian Gege (Gründungsmitglied, Vorsitzender seit 2005), Dieter Brübach und Martin Oldeland an. Zum 1. Januar 2021 übernahm Yvonne Zwick, zuvor Stellvertretende Generalsekretärin und Leiterin des Büro Deutscher Nachhaltigkeitskodex beim Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung den Vorsitz. Die Vereinsarbeit wird begleitet von einem Beirat Unternehmen und einem Kuratorium Wissenschaft. Dem Beitrat Unternehmen gehören Inhaber bzw. Führungskräfte aus B.A.U.M.-Mitgliedsunternehmen an, u. a. Thomas E. Banning (Sprecher), Naturstrom. Im Kuratorium Wissenschaft wirken Wissenschaftler aus Fachgebieten rund um das nachhaltige Wirtschaften mit. Mitglieder des Kuratoriums sind z. B. Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung; und Mojib Latif, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.[20]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wer wir sind Website des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management. Abgerufen am 21. September 2017.
  2. B.A.U.M.-Kodex Website des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management. Abgerufen am 21. September 2017.
  3. Sustainability Leadership Forum (SLF) Website des Sustainability Leadership Forum. Abgerufen am 11. Mai 2016.
  4. Wettbewerb Büro & Umwelt Website des Wettbewerbs Büro & Umwelt. Abgerufen am 21. September 2017.
  5. Homepage – BiNa. IfBB – Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe, abgerufen am 19. Januar 2020.
  6. B.A.U.M. Zukunftsfonds | Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  7. SPD Innovationspreis 2013 an die B.A.U.M. Zukunftsfonds e.G. In: SPD Innovationspreis. REEG, abgerufen am 19. Januar 2020.
  8. B.A.U.M. Fair Future Fonds. GLS Bank, abgerufen am 19. Januar 2020.
  9. Diese Unternehmen sind Mitglieder im B.A.U.M.-Netzwerk. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  10. Beendete Petition: Ikea: Wohnst du noch oder zerstörst du schon? In: Petitionen, 20. Mai 2014. Rettet den Regenwald e. V. Auf Regenwald.org, abgerufen am 5. August 2021.
  11. Importiertes Mineralwasser in Einwegflaschen: Deutsche Umwelthilfe kritisiert Nestlé und Danone Waters für ökologischen Irrsinn. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  12. Dirty Laundry. Abgerufen am 19. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  13. DER SPIEGEL: Porsche muss im Diesel-Skandal 535 Millionen Euro Bußgeld zahlen – DER SPIEGEL – Mobilität. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  14. Dinosaurier des Jahres 2011 – NABU. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  15. RP ONLINE: Neuss: „Stoppt Landraub für Tempo“. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  16. Meike Schreiber: Commerzbank: Waffen, Kohle, Elternzeit. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  17. B.A.U.M.-Umweltpreis – Presseinformation (PDF; 127 kB), abgerufen am 25. Mai 2016.
  18. Pressemitteilung Der Verein Rettet den Regenwald e.V. verleiht am 23. September 2011 den BAUM-AB-Preis an Unilever-Chef Harry J. M. Brouwer für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien, auf regenwald.org
  19. AIDA erhält B.A.U.M-Umweltpreis (Memento vom 30. November 2016 im Internet Archive)
  20. Gremien des B.A.U.M. e. V. Abgerufen am 24. Mai 2016.