Ballermann 6

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Ballermann 6 (Mai 2007)
Luftbild vom Ballermann 6

Ballermann 6 (seit Februar 2017: Beach Club Six) ist ein Strandlokal an der Platja de Palma auf der spanischen Baleareninsel Mallorca. Es liegt im Ortsteil Ses Cadenes des Stadtteils S’Arenal der Inselhauptstadt Palma.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name ist eine Verballhornung der Bezeichnung „Balneario“ (spanisch für „Heilbad“) Nº 6. Das Wort Ballermann ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine Schusswaffe und Ballern ist eine gleiche Formulierung für das Trinken größerer Mengen Alkohol.

1994 hat sich ein Ehepaar aus Niedersachsen den Namen „Ballermann“ schützen lassen; das Lizenzrecht besteht noch bis 2027.[1]

Im Februar 2017 wurde der Name des „Ballermann 6“ in „Beach Club Six“ geändert.[2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Strandlokal, an dem sich insbesondere deutsche Touristen versammeln, besteht aus einem Stahlhäuschen von circa 10 Meter × 3 Meter Grundfläche und ist ausgestattet mit Theke, Zapfanlagen, Toiletten und Vorratsraum. Davor befindet sich eine abgegrenzte Terrasse mit Bestuhlung und Sonnenschirmen. Das Ganze wird von einer halb lichtdurchlässigen Stahlkonstruktion zwischen zwei Lichtmasten überspannt, die tagsüber Schatten und nachts Licht spendet.

Das Lokal im Februar 2016 bei Nacht

Es gibt auf einer Strecke von etwa vier Kilometern ungefähr alle 270 Meter insgesamt 15 fast baugleiche Strandlokale (Balneario Nº 1 bis Balneario Nº 15 – die Zählung erfolgt von Südosten nach Nordwesten). Insbesondere der Balneario Nº 6 (Ballermann 6) hat seinen Ruf durch den Massentourismus aus Deutschland erhalten. Deutsche und europäische Medien haben oft über die Szene am Ballermann 6 berichtet. Dort werden vor allem deutsches Bier und spanische Sangría getrunken; letztere wurde früher in Plastikeimern mit extra langen Trinkhalmen serviert. Dies wurde umgangssprachlich als Eimersaufen bekannt.

Seit einigen Jahren hat die mallorquinische Regierung den Verkauf alkoholischer Getränke in Eimern verboten. Der Begriff „Ballermann“ ist manchen ein Synonym für eine bestimmte Partymentalität oder für Komasaufen. In der 1997 gedrehten Filmkomödie Ballermann 6 wurde dies thematisiert.

Mythos und Stereotyp „Ballermann 6“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lokal im Mai 2001
Strand am Ballermann 6

Der Mythos Ballermann, welcher zugleich zum Klischee oder Stereotyp stilisiert wurde, assoziiert ein ganz bestimmtes Szenario, das sich dort in ungefähr dieser Form immer wieder ereignet: Zum typischen Ambiente des Ballermann gehört demnach die Beschallung mit einer Musikform, die sich auf Kompilationen mit Titeln wie Ballermann-Hits u. ä. wiederfindet. Zu einer Mischung aus volkstümlichem Schlager, Eurodance und Kirmestechno werden vorwiegend Texte in deutscher Sprache gesungen, die sich meist um Sex, Alkoholkonsum und die lokalen Begebenheiten – Urlaub, Sonne, Strand und den Ballermann selbst – drehen. Die Titel werden zu den Öffnungszeiten im Strandlokal per Außenlautsprecher dargeboten, sie sind aber auch in anderen Lokalen zu hören. Diese Musik ist Ausdruck eines Lebensgefühls, das auch in Deutschland in Form öffentlicher oder privater „Ballermann-Partys“ in Erscheinung tritt. Vergleichbare Partys gibt es auch beim Kölner Karneval, auf dem Münchner Oktoberfest und auf Après-Ski-Partys z. B. im österreichischen Ischgl.

Als Stars dieser Szene gelten oder galten u. a. Jürgen Drews, Mickie Krause, Dieter Thomas Kuhn, Michael Wendler und Tim Toupet. Beliebt sind – auch außerhalb der Karnevalssession – die Kölner Karnevalsgruppen Paveier und Höhner.

Exzessive Partykultur und Sauftourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Begriff Ballermann werden insgesamt Formen von exzessiver Party-Kultur sowie das Segment des Sauf- und Party-Tourismus bezeichnet, auch jenseits von Mallorca, so beispielsweise in Bulgarien. Entsprechende Lokale sind dort an Goldstrand und Sonnenstrand zu finden. Die Strände werden bei dem überwiegend jugendlichen Publikum wegen der vergleichsweise günstigen Getränkepreise immer beliebter. Von den örtlichen Gastronomen durchaus gewünscht, gelten die dortigen Partymeilen als Ballermann am Balkan. Auch in Berlin-Friedrichshain ist von zunehmendem Ballermann-Tourismus die Rede.

Reaktionen auf das Image und auf Beeinträchtigungen für die einheimische Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regierung der Balearischen Inseln hat nach der Fußball-WM 2006 eine bereits seit längerem bestehende Begrenzung von Außen-Musikbeschallung auf 64 dB festgesetzt. Die Lokale an der Platja de Palma müssen ab Mitternacht die Außenmusik komplett einstellen, was für viele der Touristen einen erheblichen Verlust an „Ballermannstimmung“ bedeutet. Die Schallbegrenzung betrifft die gesamte Insel Mallorca. Dezibelbegrenzer an den Musikanlagen und Doppeltüren zur Außenschallreduzierung sind inselweit bei Lokalen mit nächtlichen Öffnungszeiten Pflicht.

Die Balneario-Lokale selbst haben von ca. 2:00 bis 11:00 Uhr morgens geschlossen. Bereits im Jahre 1998 ist das deutschsprachige Schild mit der Aufschrift „Ballermann 6“, welches im gleichnamigen Film noch zu sehen war, entfernt worden. Im gleichen Jahr gab es Demonstrationen der Gastronomen gegen die geplante Einführung einer früheren Sperrstunde.

Im Jahr 2013 galt erstmals ein Alkoholverbot am Ballermann, um in der Hochsaison ein besseres Bild abzugeben. Zwischen 22 und 1 Uhr nachts war vom Ballermann 6 bis Ballermann 4 eine Alkoholstreife der Polizei unterwegs. Das Alkohol- und „Saufverbot“ galt vom 28. Juni 2013 bis einschließlich 1. September 2013.

2014 beschloss der Stadtrat von Palma mit der „Verordnung für zivilisiertes Zusammenleben“[3] einen Verbotekatalog, um am „Ballermann“ für mehr Ordnung und Sauberkeit zu sorgen.[4]

COVID-19-Pandemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Beginn der COVID-19-Pandemie wurden europaweit Lokale, Kneipen, Restaurants und andere Orte des Nachtlebens geschlossen. In Spanien waren bis Mitte 2020 etwa 30.000 Menschen in Verbindung mit COVID-19 verstorben. Nach einem weitreichenden Lockdown in Spanien (einschließlich der spanischen Inseln) ist seit Juni 2020 Tourismus wieder erlaubt. Im Juli gab es am Ballermann und in angrenzenden Straßen wieder nächtliche Trinkgelage, bei denen die Teilnehmer gegen Abstands- und Hygienegebote verstießen. Dies fand europaweit Aufmerksamkeit – auch vor dem Hintergrund, dass Après-Ski-Partys in Ischgl Anfang 2020 ein Hotspot gewesen waren, von dem aus heimkehrende Touristen SARS-CoV-2 in ihre Heimatländer schleppten. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte das Verhalten gefährlich und „rücksichtslos gegenüber allen, die in Sicherheit ihren Urlaub verbringen möchten“. Mallorcas Regionalregierung schloss Mitte Juli alle Lokale in den Party-Zentren (neben der „Bier-“ und „Schinkenstraße“ auch „Punta Ballena“ in der Briten-Hochburg Magaluf für zwei Monate).[5]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1974 veröffentlichte die Band Grobschnitt ein Album mit dem Titel Ballermann.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sacha Szabo: Ballermann. Das Buch. Phänomen und Marke. Eine wissenschaftliche Analyse eines außeralltäglichen Erlebnisses. Tectum, Marburg 2011. ISBN 9783828827912

Audio-Satire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Balneario Nº 6 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wie zwei Niedersachsen mit der Marke „Ballermann“ reich wurden. Göttinger Tageblatt, 7. September 2018, abgerufen am 27. September 2018.
  2. Ballermann 6 bekommt feineren Anstrich auf ntv.de, 27. Februar 2017
  3. Ordenanza para garantizar y fomentar la convivencia cívica en la ciutat de Palma de Mallorca (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive) (PDF, Faltblatt), Ajuntament de Palma
  4. Stephanie Schuster: Neue Verordnung: Die Benimm-Regeln in der Übersicht. In: Mallorca Zeitung, 22. Mai 2014
  5. „Wir wollen diese asozialen Touristen hier nicht haben“. RP Online, 16. Juli 2020.

Koordinaten: 39° 30′ 56″ N, 2° 44′ 42″ O