Beberbeck

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Beberbeck
Koordinaten: 51° 32′ 5″ N, 9° 28′ 43″ O
Höhe: 240 m ü. NHN
Einwohner: 102
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 34369
Vorwahl: 05671
Schloss Beberbeck, Frontansicht
Oberhof
Mittelhof
Alte Schreinerei
Arbeiterhäuser
Die „Huteallee“
Hutebäume auf den früher als Waldweide genutzten Weiden des Gestüts
Brunnen im Schlosspark

Beberbeck ist ein im Reinhardswald gelegener, nordöstlicher Stadtteil von Hofgeismar im nordhessischen Landkreis Kassel. Es hat 102 Einwohner.[1] Zu Beberbeck gehört der Hofgeismarer Ortsteil Sababurg mit der gleichnamigen Sababurg.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss und Domäne Beberbeck

Beberbeck liegt auf einer von den Wäldern des Mittelgebirges Reinhardswald umgebenen und weit ausgedehnten Acker- und Wiesenfläche. Zwischen Hombressen im Süden und Gottsbüren im Norden befindet es sich etwa 4,2 km westsüdwestlich der Sababurg. Östlich vorbei fließt die kleine Nieme, die etwas weiter bachabwärts in die Holzape mündet.

Etwas nördlich vorbei an Beberbeck führt im Rahmen der Kreisstraße 55, die Hofgeismar im Südwesten mit der Sababurg im Osten verbindet, die „Dornröschen-Route“ der Deutschen Märchenstraße. An dieser Straße stehen nahe dem Mündungsbereich der Nieme in die Holzape die Schnitterkaserne, Ziegelhütte und Revierförsterei Beberbeck.

Ortsbild und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit fünf Straßen zählt Beberbeck zu den kleinsten Dörfern der Region. Als 888 ha große Staatsdomäne wird hier hauptsächlich Land- und Forstwirtschaft betrieben. Vorwiegend angebaut werden: Zuckerrüben, Weizen, Roggen und Gerste. Ebenso ist der Viehzucht ein hoher Stellenwert beizumessen. Die Durchschnittsleistung von über 10.000 Litern Milch pro Kuh wurde am 3. Juni 2005 durch den Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel honoriert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beberbeck wurde erstmals urkundlich erwähnt im Jahre 978. Die Staatsdomäne Beberbeck zählte einst zu den fünf preußischen Hauptgestüten, zu denen Trakehnen, Neustadt an der Dosse, Graditz und Altefeld gehörten. Erste Nachrichten der Pferdezucht an diesem Standort stammen von 1490. Es ist die Rede von Wilden Pferden, ein Ausdruck für Zuchtpferde, die sich frei bewegen durften. 1571 ließ Landgraf Wilhelm IV. einen 130 ha großen Tiergarten einrichten, der die Sababurg umschloss. Kurfürst Wilhelm II. erließ 1823 einen Beschluss, in dem Beberbeck zur Musteranstalt für die Landespferdezucht ernannt wurde. In den Jahren 1837 bis 1840 erbaute Johann Conrad Bromeis im Auftrag des Kurfürsten das Schloß Beberbeck zwischen Landstraße und Domäne.

Ab 1870 stand das Hauptgestüt unter preußischer Verwaltung. 1918 erfolgte die Umstellung von seither 110 Warmblutstuten auf 60 Warmblutstuten und 60 Kaltblutstuten. Der Grund dafür war, dass in der Landwirtschaft dringend mehr Zugtiere benötigt wurden. 1929 wurde das Hauptgestüt Beberbeck aufgelöst und als Hessische Staatsdomäne weitergeführt. Das Schloss wurde zu einem Alten- und Pflegeheim ausgebaut und wird von der Evangelischen Altenhilfe in Hofgeismar geführt.

Am 31. Dezember 1970 wurde Beberbeck in die Stadt Hofgeismar eingegliedert.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Johann Conrad Bromeis, dem Hofbaumeister von Kurfürst Wilhelm II., erbaute Gestütsanlage mit Schloss und Schlosspark stellt in ihrer Vollständigkeit als klassizistisches Ensemble die Hauptsehenswürdigkeit Beberbecks dar.

Einmalig sind auch die alten Huteeichen in der Feldmark um Beberbeck.[4]

Auf dem Friedhof des Dorfs steht ein Denkmal mit der Aufschrift: Dem um die Landwirtschaft Hessens hochverdienten Oberamtmann Bernhard Ulrichs in dankbarer Anerkennung gewidmet von Berufsgenossen.

Zu den Sehenswürdigkeiten nahe Beberbeck zählen die im Reinhardswald stehende Sababurg mit dem daran angegliederten Tierpark Sababurg und dem nahen Urwald Sababurg.

Geplantes Schloss-Beberbeck-Resort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 bestanden Pläne seitens der Stadt Hofgeismar, aus Beberbeck einen Tourismuspark (Ferienresort) zu machen. Mit einer Investitionssumme von 420 Millionen Euro sollten mehrere Golfplätze, ein Binnensee, luxuriöse Hotels, 600 Wohneinheiten in Feriendörfern und eine Reitanlage mit Trabrennbahn und Poloplatz entstehen.[5] Die politischen Instanzen, insbesondere Hofgeismars Bürgermeister Heinrich Sattler und der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch, befürworteten dieses Projekt und waren bereit, es mit Subventionen zu fördern.[6] Der 2007 gegründeten und der Stadt Hofgeismar angegliederten Besitzgesellschaft Domäne Beberbeck räumte die Landesregierung das Recht zur Vermarktung von rund 900 ha Domänenfläche ein.[7] Für die Realisierung waren Mittel privater Investoren erforderlich und der geplante Eingriff in den denkmalgeschützten Baukomplex sowie in die historisch gewachsene, sensible Kulturlandschaft war umstritten. Es gab dabei erhebliche Zweifel, ob das Projekt wirtschaftlich erfolgreich sein konnte und zu einer nachhaltigen Belebung des Tourismussektors in Nordhessen führt. Das „Aktionsbündnis Beberbeck“, in dem auch Naturschutzverbände wie die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland mitwirkten, lehnte das Projekt ab, weil es Eingriffe in die Lebensräume seltener Wildtiere, wie der Wildkatze und das Verschwinden alter Alleenbäume befürchtete.[8][9] Die Unterzeichnung von Verträgen mit einer nicht namentlich bekannten Investorengruppe wurden im Verlauf des Jahres 2010 mehrfach ergebnislos verschoben.[10]

2005 bis 2008 drehte der Filmemacher Klaus Stern einen Dokumentarfilm mit dem Titel Henners Traum – Das größte Tourismus-Projekt Europas über das Ferienresort-Projekt.[11] Der Film lief sechs Monate lang in Kassel und wurde am 16. November 2009 im ZDF ausgestrahlt.[12] Stern erhielt dafür den Adolf-Grimme-Preis 2010 sowie den Hessischen Filmpreis 2009.[13]

Am 17. Dezember 2010 erklärte Bürgermeister Sattler vor der Stadtverordnetenversammlung Hofgeismar das Projekt „Ferienresort Beberbeck“ per 31. Dezember 2010 für beendet, da kein Investor gefunden wurde. Am 8. Januar 2011 wurde bekannt, dass die Besitzgesellschaft Insolvenz angemeldet hat. Für die Stadt Hofgeismar kann dieses zur Folge haben, dass die abgegebenen Bürgschaften fällig werden. Der Verlust für die Stadt Hofgeismar soll sich auf 3 bis 5 Millionen Euro belaufen.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eduard Brauns, Beberbeck und sein Schlößchen, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1960
  • Clemens Freiherr von Nagel-Doornick, Die Pferde von Beberbeck und Sababurg, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1971
  • Willi Vesper, Beberbeck – 1000 Jahre alt, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1978
  • Helmut Burmeister und Klaus-Peter Lange, Alt-Hofgeismar. Bilder aus einer vergangenen Zeit 1870–1925, Hofgeismar 1979
  • Silke Renner Hg., Beberbeck – zwischen Sababurg und Gesundbrunnen; eine Zeitreise durch die Region, Kassel 2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beberbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hofgeismar → Zahlen und Fakten → Einwohner (Haupt- und Nebenwohnsitze), Stand: 30. Juni 2015, abgerufen am 30. November 2016, auf hofgeismar.de
  2. Hofgeismar – Stadtteil Beberbeck – Ortsteil Sababurg (Ortstafel), abgerufen am 5. November 2017, auf hofgeismar.de
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 398.
  4. Eichen bei Beberbeck im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 28. Oktober 2016
  5. Schloss Beberbeck Resort (Memento vom 14. September 2010 im Internet Archive), Infos zu den Ferienresort-Planungen
  6. laut ehemals einsehbaren Infos aus: Ferien-Resort Beberbeck: Machbarkeitsstudie, auf projectm.de
  7. Antrag der Landesregierung betreffend Veräußerung der Hessischen Staatsdomäne Beberbeck in Hofgeismar; hier: Zustimmung zur Veräußerung durch den Hessischen Landtag nach § 64 Abs. 2 LHO, Drucksache 16/7923, vom 29./31. Oktober 2007, auf starweb.hessen.de (PDF; 80,6 kB)
  8. Gemeinsame Pressemitteilung von BUND, HGON und NABU zum "Ferien- und Freizeitresort Beberbeck", vom 2. Dezember 2007, auf bund-hessen.de
  9. Georg Etscheid: Besser Golf als Ackerbau. In: Die Zeit, 10. Januar 2008
  10. Ferienresort-Beberbeck: Investoren bleiben unbenannt. hna.de. 23. Juli 2010. Abgerufen am 7. August 2011.
  11. Henners Traum – Das größte Tourismusprojekt Europas, in: duisburger filmwoche 32, vom 3. November 2008, auf duisburger-filmwoche.de
  12. Henners Traum – Das größte Tourismusprojekt Europas, in: Sendung vom 16. November 2009, auf zdf.de
  13. laut ehemals einsehbaren Infos zu Henners Traum – Das größte Tourismusprojekt Europas, auf 3Sat.de
  14. Besitzgesellschaft Beberbeck insolvent – Verlust für die Stadt bei drei bis fünf Millionen Euro. hna.de. 7. Januar 2011. Abgerufen am 7. August 2011.