Schöneberg (Hofgeismar)

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Koordinaten: 51° 31′ 12″ N, 9° 25′ 9″ O

Schöneberg
Höhe: 182 m ü. NHN
Einwohner: 550
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 34369
Vorwahl: 05671
Die Kirche in Schöneberg

Schöneberg ist ein Straßendorf im Landkreis Kassel in Nordhessen mit 550 Einwohnern (Stand 2015).[1] Seit der hessischen Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre ist Schöneberg ein Stadtteil der nahe gelegenen Stadt Hofgeismar.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schöneberg liegt westlich am Rande des Reinhardswalds. Durch den Ort führt die Bundesstraße (B 83) von Kassel nach Bremen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur weltlichen Macht der Mainzer Erzbischöfe im Bereich von Diemel und oberer Weser gehörte auch die Schutzburg Schöneberg auf dem gleichnamigen 323 m hohen Berg, westlich des heutigen Dorfes gelegen, die bereits Anfang des 12. Jahrhunderts errichtet worden war.

Dorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des Dorfes Schöneberg erfolgte für Glaubensflüchtlinge aus Frankreich im Jahre 1699. Landgraf Karl von Hessen gab ihnen im 17. Jahrhundert auch in der Umgebung der Stadt Hofgeismar neuen Siedlungsraum, nachdem sie durch das Edikt von Fontainebleau und die Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Ebenso fanden hier Hugenotten und Waldenser Flüchtlinge eine neue Heimat, die 1698 auf Befehl Ludwigs XIV. vertrieben worden waren. Nach 1698 bildeten sich nach der Vertreibung von Waldensern aus dem französischen Staatsgebiet (z. B. Orpierre) und aus Piemont, auch in anderen Gegenden Deutschlands waldensische Gemeinden.

David Clément

Das Dorf Schöneberg entstand, nachdem Landgraf Karl im Bereich des ehemaligen Dorfs Büngheim (urkundlich bereits im Jahre 965 erwähnt), einen Platz für die Anlage einer "Kolonie" bestimmt hatte, mit deren Bebauung ab 1700 begonnen wurde. Für die Ortsplanung war Paul du Ry verantwortlich, der - ebenfalls hugenottischer Glaubensflüchtling - 1685 von Landgraf Karl zum Hofbaumeister berufen worden war.

Die Liste der Gründerfamilien von Schöneberg nennt 24 Familien. Ihre Zahl hat sich, auch bedingt durch die damals hohe Kindersterblichkeit, bis zur Volkszählung im Jahre 1779 nicht nennenswert verändert. Insgesamt 124 Personen in 28 Familien benennt die Schöneberger Personenstandsliste von 1779.

Der Haupterwerb der Dorfbevölkerung lag in der Landwirtschaft. Im Laufe der Jahre entstanden in Schöneberg aber auch eine Ziegelei, einige Töpfereien sowie andere Handwerksbetriebe, darunter ein Strumpfwirker, zwei Schneider, zwei Schuhmacher oder ein Seifenmacher.

Die ursprünglich durch den Nachbarort Hümme führende alte Bremer Poststraße wurde ab 1730 über Schöneberg geführt, offensichtlich, um das neu entstandene Bad Gesundbrunnen bei Hofgeismar anzubinden. Möglicherweise hat sich dies auch auf die Entwicklung der Dorfbevölkerung ausgewirkt. Anders als in dem etwa zur gleichen Zeit gegründeten Dorf Kelze lebten in Schöneberg bereits im Jahr 1779 neben 16 französischen Haushalten mit 76 Personen bereits 12 deutsche Familien mit 48 Personen, bevor der Sonderstatus der von französischen Glaubensflüchtlingen gegründeten Dörfer dann im Jahre 1822 durch landgräfliche Verordnung gänzlich aufgehoben wurde.

Am 31. Dezember 1970 wurde Schöneberg in die Stadt Hofgeismar eingegliedert.[2]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fachwerkkirche wurde 1705 gebaut. Die seelsorgerische Betreuung der Gemeinde erfolgte, wie schon in der "Kolonie" Carlsdorf, durch Pfarrer David Clément bis zu seinem Tod 1725. Bereits seit dem Jahr 1686 war Clément Pfarrer der französisch-reformierten Gemeinde an der Neustädter Kirche in Hofgeismar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Bleibaum (Schriftleitung): Kreis Hofgeismar (= Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen, Bd. 3). Oberhessische Presse, Marburg/Lahn 1966, S. 192.
  • Jochen Desel: Französische Dörfer: 300 Jahre Kelze und Schöneberg, Band II: Deutsche Zuwanderer 1669–1779. Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde Kassel 1834, Zweigverein Hofgeismar, Hofgeismar 1999.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen, Gudensberg-Gleichen 1995.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hofgeismar → Zahlen und Fakten → Einwohner (Haupt- und Nebenwohnsitze), Stand: 30. Juni 2015, abgerufen am 30. November 2016, auf hofgeismar.de
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 398.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]