Bergfreiheit (Bad Wildungen)

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Bergfreiheit
Koordinaten: 51° 3′ 0″ N, 9° 5′ 34″ O
Höhe: 351 m
Fläche: 4,6 km² [LAGIS]
Einwohner: 343 (30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 75 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34537
Vorwahl: 05626
Blick auf den Ort mit Schneewittchen-Skulptur

Bergfreiheit ist ein staatlich anerkannter Luftkurort im Kellerwald und südwestlicher Stadtteil von Bad Wildungen im Landkreis Waldeck-Frankenberg, Hessen (Deutschland).

Wirtschaftliche Grundlage sind heute insbesondere der Fremdenverkehr und die Landwirtschaft. Es gibt eine Edelsteinschleiferei. Sie besitzt die Schürfrechte für den lokal vorkommenden Kellerwalder Achat, den sie zu Schmuckstücken verarbeitet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Bergfreiheit, im Südosten des Kellerwaldes gelegen, ist vom Naturpark Kellerwald-Edersee umgeben und liegt auf 320 m Höhe nördlich des Bergkamms Keller, in dem der Wüstegarten (675 m ü. NN) den höchsten Berg darstellt, und süd-südöstlich des Auenbergs (611 m). Tangiert wird der Ort vom Mittellauf der Urff. Der Ort zählt mit den Dörfern Albertshausen, Armsfeld, Braunau, Frebershausen, Gellershausen, Hüddingen, Hundsdorf, Odershausen und Bad Reinhardshausen zu den so genannten Walddörfern (nicht zu verwechseln mit den Hamburger Walddörfern).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Kupfererzbergwerk, heute Besucherbergwerk mit oberer und unterer Sohle

Das einstige Bergmannsdorf im Tal der Urff war in früheren Jahrhunderten das Zentrum des Bergbaus im Kellerwald. Der Ortsname basiert auf dem Begriff der Bergfreiheit.

1252 wurde Bergbau beim heutigen Dorf Bergfreiheit erstmals urkundlich erwähnt, als Abbaurechte an Zisterzienser-Mönche aus Haina verliehen wurden. Planmäßig wurde Kupfererz durch Bergleute seit 1552 abgebaut und vor Ort verhüttet. Das Recht der Bergfreiheit im Tal der Urff erhielt die ursprünglich „Neusess“ genannte Bergmannssiedlung im Jahre 1561 durch ein Edikt des Grafen Samuel von Waldeck-Wildungen verliehen. Das zog viele Bergleute in den Ort, der 1584 erstmals „Bergfreiheit“ genannt wurde. Mit der Bergfreiheit genossen die Bergleute umfangreiche Rechte, wie Schank- und Zollfreiheit, Jagd- und Holzrecht, Befreiung vom Militärdienst und von Spanndiensten. Auch hatten sie das Recht zum freien Zu- und Abzug und zur freien Wahl von Bürgermeister und Rat.[2] Im gesamten Tal der oberen Urff gab es im 16. und 17. Jahrhundert bergbauliche Einrichtungen (insbesondere Stollen) sowie Einrichtungen der Weiterverarbeitung (Hammerwerke, Gießereien) und Infrastruktur. Bereits 1577 erfolgte bei den Grubenbauen von Bergfreiheit die Entwässerung durch die Wasserkunst; die erste Anlage hatte zwei über- und ein untertägiges Kunstrad im Stollen mit 7 m Durchmesser. Nach dem Erliegen des Bergbaus wurde die Wasserkunst 1662 abgeworfen.

In der Blütezeit des Ortes lebten rund 1.000 Menschen in Bergfreiheit. Die Abbauperiode in Bergfreiheit endete bereits um 1590 nach rund 40 Jahren. Durch Verfall und Wegzug gingen die 19 Hüttenbetriebe allmählich ein, und zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs gab es nur noch 15 Bewohner.

Eine Wiederaufnahme des Erzabbaus unter hohem Kostenaufwand ab 1651 scheiterte und wurde bereits 10 Jahre später aufgegeben. Auch weitere Erschließungsversuche zwischen 1728, anfangs durch Ludwig Balthasar Müller, Berginspektor von Thalitter, und 1737 verliefen verlustreich. Danach kam es nur noch zu Untersuchungsarbeiten zwischen 1850 und 1900. 1908 kam das Grubenfeld an die Firma Krupp aus Essen. Seit 1968 gehört es zur Harz-Lahn-Erzbergbau GmbH.

1965 gründeten Ortsbewohner einen Verein zur Erforschung des lokalen Bergbaus. Seit 1974 kann das ehemalige Kupfererzbergwerk Bertsch in Ortsnähe als Besucherbergwerk besichtigt werden. Das verbliebene Grubensystem bei Bergfreiheit hat heute etwa 20 km lange Gangsysteme.

Am 31. Dezember 1971 wurde Bergfreiheit in die Stadt Bad Wildungen eingegliedert.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten im Ort sind das Schneewittchenhaus, das historische Bergamt, das in ein Museum umgestaltet wurde,[4] und die Fachwerkkirche.

Um Bergfreiheit führt ein 5 km langer ökologischer Lehrpfad. Er präsentiert an 17 beschilderten Stationen die Kulturlandschaft um das ehemalige Bergmannsdorf. Thematisch geht es um Bergbau, Siedlungsentwicklung, Flora und Fauna, Streuobstbestände sowie Dorferneuerung.

Schneewittchen-Dorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fremdenverkehrswerbung gab Bergfreiheit den Titel Schneewittchendorf im Kellerwald. Der hessische Lokalhistoriker Eckard Sander führt das Märchen der Brüder Grimm von Schneewittchen auf das Dorf Bergfreiheit zurück. Schneewittchen soll die seinerzeit als besonders schön bekannte Waldecker Prinzessin Margaretha von Waldeck gewesen sein. Die sieben Zwerge, die mit Schaufeln im Berg arbeiten, werden in diesem Zusammenhang auf die damals übliche Kinderarbeit in Bergwerken zurückgeführt. Jährlich finden auf einer Freilichtbühne im Ort Theateraufführungen des Märchens statt.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Hochgrebe und Helmut Löwer: Bergfreiheit. Arolsen: Waldeckischer Geschichtsverein 1994 (= Waldeckische Ortssippenbücher 48); Bearbeiteter Zeitraum 1731–1945, 1019 Familien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Bad Wildungen in Zahlen, abgerufen am 15. Mai 2015
  2. Kulturelle Entdeckungen Nordhessen; Band 1: Landkreis Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder-Kreis, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, 1999, S. 26–27.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408.
  4. Informationen zum Bergamtmuseum
  5. Website zum Schneewittchendorf

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikivoyage: Bergfreiheit – Reiseführer