Brian Jones (Musiker)

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Brian Jones, 1965

Lewis Brian Hopkin Jones (* 28. Februar 1942 in Cheltenham, Gloucestershire; † 3. Juli 1969 in Hartfield, Sussex) war ein britischer Musiker. Als Leadgitarrist war er einer der Gründer von The Rolling Stones.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Februar 1942 kam Brian Jones als erstes Kind seiner aus Wales stammenden Eltern Lewis Blount Jones und Louisa Beatrice Jones (geborene Simmonds) zur Welt. Er hatte zwei Schwestern, die 1943 geborene und im Alter von zwei Jahren an Leukämie verstorbene Pamela sowie die 1946 geborene Barbara. Sein Vater war Flugzeugingenieur. Seine Mutter war Klavierlehrerin. Auch Brian erlernte von ihr das Klavierspiel, spielte aber auch Saxophon und Klarinette. Als er zu seinem 17. Geburtstag eine Gitarre bekam, interessierte ihn nur noch dieses Instrument.

Als 1959 seine Freundin, die erst 17-jährige Valerie Corbett, in Cheltenham ihr erstes uneheliches Kind Simon zur Welt brachte, schickten Brians Eltern ihren Sohn zu Verwandten ins Ausland, wo er mit seiner Bluesleidenschaft die meiste Zeit in Schallplattenläden und Musikclubs verbrachte. Als er bald darauf nach Cheltenham zurückkam, zeugte er zwei weitere Kinder.

Als dort 1961 bei einem Chris-Barber-Konzert Sonny Boy Williamson auftrat, war Brian Jones vom Blues vollkommen gefangen genommen und zog mit Pat Andrews und dem gemeinsamen Sohn nach London, wo er im Dezember 1961 Alexis Korner kennenlernte. Beim nächtlichen Schallplattenhören in Korners Küche begeisterte Jones sich für das Slidegitarrenspiel von Elmore James in Dust my Broom und fing an, an seiner Spieltechnik zu arbeiten. Am 24. März 1962 holte ihn Alexis Korner erstmals auf die Bühne des Ealing Clubs, wo er mit dessen Band Blues Incorporated einige Songs spielte. Brian Jones nannte sich damals „Elmo Lewis“.

Durch Korner lernte er Mick Jagger und Keith Richards kennen, mit denen er im Juni 1962 The Rolling Stones gründete. In der ersten Zeit war Jones der Leader der Gruppe.

Mit den Rolling Stones am Flughafen Amsterdam Schiphol; Brian Jones, links im gestreiften Jackett, 1964

Während Brian Jones bei den zwischen 1963 und '65 aufgenommenen Rolling-Stones-Songs meist als Gitarrist zu hören war, wie etwa bei I Wanna Be Your Man oder Little Red Rooster, aber auch an der Slide-Gitarre – und Mundharmonika, trat er ab 1966 vermehrt als Multi-Instrumentalist in Erscheinung. Auf den Alben Aftermath, Between the Buttons und Their Satanic Majesties Request bereicherte er mit allerlei Instrumenten das Klangbild der Rolling Stones: Mit der Flöte (Ruby Tuesday, Sing This All Together, Gomper), mit der Sitar (Paint It Black, Mothers Little Helper, Gomper), mit der Harfe (On With The Show), dem Marimbafon (Under my Thumb, Out of Time), dem Dulcimer (Lady Jane, I am waiting), dem Cembalo (Take it or leave it, Ride on Baby), dem Akkordeon (Back Street Girl), dem Kazoo und Banjo (Cool Calm and Collected), der Orgel (Complicated, 2000 Man), dem Piano und diversen Blasinstrumenten (Saxophon, Posaune, Klarinette) (Something happened to me yesterday, Dandelion sowie auf dem Album Their Satanic Majesties Request). Außerdem bediente er auf mehreren Songs das Mellotron.

Jones’ Freundin Linda Lawrence brachte 1964 einen Sohn zur Welt, dem er den Namen Julian gab, den er bereits seinem Sohn aus der Beziehung mit Pat Andrews gegeben hatte. Mit diesem Namen erwies er dem Saxophonisten Julian „Cannonball“ Adderley seine Reverenz.

Brian Jones war bekannt für seinen exzessiven Lebensstil. Er wurde von weiblichen Fans verehrt, von Szene-Leuten um Andy Warhol und Tom Wolfe hofiert und am häufigsten von allen Bandmitgliedern fotografiert. Wegen diverser Krankenhausaufenthalte, die seinem Drogen- und Alkoholkonsum geschuldet waren, mussten die Rolling Stones immer wieder ohne ihn auftreten. Als er immer häufiger Konzerte absagen musste, begannen sich die anderen Bandmitglieder von ihm zu distanzieren.

Ihr Manager Andrew Loog Oldham favorisierte das Duo Mick Jagger / Keith Richards. Jones gelang es immer weniger, seine kompositorischen Ideen gegenüber diesen beiden durchzusetzen. Hinzu kam ein Asthmaleiden, das ihn zu ständiger Medikamenteneinnahme zwang. Sein Drogenkonsum, seine Ausfälligkeiten und Allüren taten ein Übriges, um die Entfremdung von den anderen Bandmitgliedern voranzutreiben.

Am 14. September 1965 lernte Jones in München auf einer After-Show-Party die als Fotomodell und Schauspielerin tätige Anita Pallenberg kennen. Auch Mick Jagger und Keith Richards waren an ihr interessiert, doch sie reiste mit Brian Jones, der ein wenig Deutsch sprach, [1] 1966 nach Marokko. 1967 spielte Anita Pallenberg in dem Film Mord und Totschlag (von Volker Schlöndorff) mit, zu dem Jones die Filmmusik schrieb. Als es zwischen Jones und ihr immer öfters zu Eifersuchtsszenen kam, trennte sie sich im Frühjahr 1967 auf einer weiteren Marokko-Reise, an der auch Keith Richards teilnahm, abrupt von ihm und wurde Richards Freundin. Trotz seines Schocks besuchte Brian Jones mit ihr zusammen 1967 die Internationalen Filmfestspiele von Cannes, wo Mord und Totschlag vorgestellt wurde.

Brian Jones, 1967

Letztmals auf Europa-Tournee ging Brian Jones mit den Stones vom 25. März bis 17. April 1967. Das Abschlusskonzert fand am 17. April 1967 im Panathinaikos-Stadion in Athen statt. Seine letzten Auftritte mit den Stones hatte er im Mai 1968 beim Pollwinners Concert des New Musical Express, wo die Stones die beiden Lieder Jumpin’ Jack Flash und Satisfaction spielten, und beim Rock’n’Roll Circus im Dezember 1968, wo er nicht mehr bei allen Songs Gitarre, sondern teilweise nur noch Perkussion spielte.

Im Juni 1967 flog Brian Jones, der sich für die aufkommende Hippie- und Flower-Power-Bewegung begeisterte, nach San Francisco. Dort besuchte er am 15. Juni 1967 das Monterey Pop Festival und kündigte den Auftritt von Jimi Hendrix an. Mit seiner neuen Freundin Suki Poitier landete er am 4. Juli 1968 in Tanger, um die Flötenspieler von Joujouka aufzunehmen. Im November 1968 kaufte er die Cotchford Farm in Hartfield, Sussex, die früher Alan Alexander Milne, dem Autor der Winnie-Pooh-Bücher, gehört hatte. Inzwischen war er mit der schwedischen Tänzerin Anna Wohlin zusammen.

Ausstieg aus der Band und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Rolling Stones wegen des desolaten Zustands von Brian Jones seit 1967 nicht mehr auf Tournee waren und dessen Mitarbeit an den Studio-Aufnahmen immer weniger wurde, beschlossen die Stones, sich von ihrem früheren Leader zu trennen. Mick Jagger, Keith Richards und Charlie Watts fuhren am 8. Juni 1969 auf die Cotchford Farm und teilten ihm ihren Entschluss mit. Jones akzeptierte und nahm das Angebot einer einmaligen Abfindungszahlung von 100.000 Pfund an (sowie 20.000 Pfund jährlich, solange die Rolling Stones existieren). Am 9. Juni 1969 wurde die Trennung per Presseerklärung bekanntgegeben. Es war von einvernehmlicher, wegen unterschiedlicher musikalischer Präferenzen erfolgter Trennung die Rede. Laut seinem „alten“ Mentor Alexis Korner wollte Jones eine neue, progressive Bluesband gründen, um seine musikalischen Ideen zu verwirklichen. Jones schien sich im ländlichen Sussex gut zu erholen.

Am 2. Juli 1969 waren der Bauunternehmer Frank Thorogood und Janet Lawson, eine Krankenschwester und Freundin von Tom Keylock, einem Roadmanager der Rolling Stones, bei Jones und Wohlin zu Hause. Jones habe mit Thorogood Differenzen wegen angeblich noch ausstehender Gelder für Umbauten auf der Cotchford Farm begleichen wollen. Laut widersprüchlicher Aussagen sollen Brian Jones, Wohlin und Thorogood zu später Stunde beschlossen haben, ein paar Runden im hauseigenen Pool zu schwimmen. Wohlin habe den Pool nach kurzer Zeit verlassen und sei zu Lawson ins Haus zurückgekehrt, was bedeuten würde, dass Brian Jones und Frank Thorogood danach noch 10 bis 15 Minuten allein im Pool gewesen wären. Als Thorogood sich im Haus eine Zigarette angezündet habe, habe Janet Lawson vom Fenster aus gesehen, dass mit Jones etwas nicht stimmte. Sie sei hinausgerannt und habe ihn auf dem Boden des Schwimmbeckens liegend gefunden.

Als offizielle Todesursache wurde Ertrinken angegeben. Bis heute halten sich allerdings Gerüchte, er sei ermordet worden. Unterstützt wird die Mordtheorie unter anderem durch den Film Stoned, in dem der Regisseur und Drehbuchautor Stephen Wolley, durch Zeugenaussagen bestärkt, die These vertritt, Jones sei von Thorogood getötet worden. Im Abspann des Filmes wird erwähnt, dass Frank Thorogood 1993 seinem Freund Tom Keylock auf seinem Sterbebett den Mord an Brian Jones gestanden habe.[2][3] Die Todesursache wurde 40 Jahre später von der Polizei erneut überprüft, nachdem ein Journalist ihr neues Material übergeben hatte;[4] im folgenden Jahr wurde jedoch erklärt, dass keine neuen Ermittlungen aufgenommen würden.[5]

Jones’ Grab in Prestbury

Ein kostenloses Konzert der Rolling Stones am 5. Juli 1969 im Londoner Hyde Park, das schon vor Jones’ Tod geplant worden war, wurde zur Gedenkfeier. Auf der Bühne stand ein großes Bild von ihm, Mick Jagger las aus Adonais von Percy Bysshe Shelley, die Rolling Stones ließen Hunderte weißer Schmetterlinge fliegen. Bei diesem Konzert vor rund 250.000 Fans trat erstmals Jones’ Nachfolger Mick Taylor live mit der Band auf.

Brian Jones wurde auf dem Priory Road Cemetery in Prestbury, Gloucestershire, England bestattet. Bob Dylan, der mit Brian Jones befreundet war, hatte den üppigen Sarg gespendet. Charlie Watts und Bill Wyman waren die einzigen Stones-Mitglieder, die an der Beerdigung teilnahmen.

Brian Jones wird, wie andere einflussreiche Musiker, dem Klub 27 zugerechnet.

Postumes Wirken und Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jim Morrison, Sänger von The Doors, veröffentlichte kurz nach Brian Jones’ Tod das Gedicht Ode to L.A. While Thinking of Brian Jones, Deceased.
  • Pete Townshend, Kopf der britischen Rockband The Who, veröffentlichte kurz nach Brian Jones’ Tod ein Gedicht mit dem Titel A Normal Day for Brian, A Man Who Died Every Day in der englischen Tageszeitung The Times.
  • Postum wurde 1971 ein von Brian Jones vorbereiteter Dokumentarfilm über marokkanische Panflötenspieler aus dem Dorf Joujouka veröffentlicht: Brian Jones Presents The Pipes Of Pan Of Joujouka.
  • Die englische Band Psychic TV hat 1985 den Song Godstar veröffentlicht, der Brian Jones gewidmet ist und Teil eines nie veröffentlichten Films namens Godstar über Brian Jones sein sollte.
  • In dem Song Tightrope Ride, auf dem 1971 erschienenen Doors-Album Other Voices, wird Bezug zu Brian Jones hergestellt (das Lied gilt eigentlich dem verstorbenen Frontman Jim Morrison).
  • Der deutsche Schauspieler und Liedermacher Ben Becker veröffentlichte auf seinem Debütalbum einen Song mit dem Titel Brian Jones.
  • Die japanische Band Pizzicato Five widmete Brian Jones einen Song bzw. ein Video: Pizzicato Five: Sweet Soul Revue (Part II)
  • 1989 namen die Rolling Stones gemeinsam mit den Musikern von The Pipes of Pan of Joujouka das Lied Continental drift für ihre LP Steel Wheels auf. Es handelte sich teilweise um die gleichen Musiker bzw. deren Söhne, mit denen Brian Jones 1968 Panflöten-Musik aufgenommen hat.
  • Ein Film über die letzten Tage von Brian Jones wurde 2005 unter dem Titel Stoned veröffentlicht (Regie: Stephan Woolley).
  • Im März 2007 erschien der Song The Spirit of Brian Jones von der Band Beyond the Vail.
  • Der amerikanische Musiker Anton Newcombe benannte seine Band nach Jones und dem Jonestown-Massaker The Brian Jonestown Massacre.
  • Die LP Brian Jones presents the Pipes of Pan at Joujouka (1971) wurde in die Wireliste The Wire’s „100 Records That Set the World on Fire (While No One Was Listening)“ aufgenommen.

Solo Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • LP: Brian Jones presents the Pipes of Pan at Joujouka (1971) – Jones wirkt auf diesem Album der Master Musicians of Jajouka nicht selbst musikalisch mit.
  • Film: Mord und Totschlag (1968) – Jones schrieb die Filmmusik und spielte sie auch selbst mit weiteren Studiomusikern ein. Der Soundtrack des Filmes wurde nie veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Trynka: Sympathy For The Devil. Die Geburt der Rolling Stones und der Tod von Brian Jones, Hannibal Verlag 2015, ISBN 978-3854454830.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brian Jones – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephen Davis: Die Stones, S. 180 ff.
  2. Mord im Swimmingpool. In: Stern, 18. Juni 2006
  3. dpa: Fall Brian Jones: „Ich habe das mit Brian getan“. In: faz.net. 18. Mai 2004, abgerufen am 22. Juli 2014.
  4. Polizei rollt Todesfall Brian Jones wieder auf. In: Spiegel Online. 31. August 2009, abgerufen am 22. Juli 2014.
  5. This is Bath: Detectives will not re-open Stones' death investigation. (Nicht mehr online verfügbar.) In: The Bath Chronicle. 1. November 2010, ehemals im Original; abgerufen am 22. Juli 2014.@1@2Vorlage:Toter Link/www.thisisbath.co.uk (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.