Bundesgartenschau 1989

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Die Bundesgartenschau 1989 (kurz BUGA 1989, auch BUGA ‘89) fand 1989 vom 28. April bis zum 15. Oktober in Frankfurt am Main statt.[1] Sie hatte rund vier Millionen Besucher.[2] Die Bauten und Einrichtungen der Schau wurden nach Beendigung wieder vollständig entfernt. Übrig blieb der neue Volkspark Niddatal (Niddapark). Im Frankfurter Volksmund aber lebt die Erinnerung an die Bundesgartenschau fort. Er nennt den Niddapark nach wie vor BUGA-Gelände.

Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das umzäunte BUGA-Gelände war 90 ha groß.[3] Es lag im Nordteil des 168 ha großen Niddaparks.[4] Fast die Hälfte des neuen Parks war während der Schau frei zugänglich. Das war für eine Bundesgartenschau ein Novum.

Die Verkehrsanbindung der Gartenschau profitierte von der günstigen Lage des Niddaparks. Zusätzlich kamen Pendelbusse zum Einsatz, die die mit PKW angereisten Besucher von den Messeparkplätzen abholten.[5] Entlang der Main-Weser-Bahn gab es den provisorischen Bahnhof Ginnheim/Bundesgartenschau.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn der 1960er Jahre bewarb sich die Stadt Frankfurt erfolgreich um die Bundesgartenschau 1969.[6] Für die Ausstellung war das 60 Hektar große Gelände zwischen Ginnheimer Wäldchen, Nidda und Hausen vorgesehen. Erste bauliche Maßnahmen waren die Errichtung von Künstlerhäusern und die Randgestaltung des Geländes im Südwesten des heutigen Niddaparks. Unter anderem entstand der Aussichtshügel. Wegen der Finanznot der Stadt sagte der Magistrat im September 1965 die Veranstaltung ab.[7][8]

1979 bewarb sich die Stadt Frankfurt unter dem Motto Natur in der Stadt erneut erfolgreich um die Bundesgartenschau, diesmal für 1989. Im Jahr darauf beschlossen Stadt und Zentralverband Gartenbau den Durchführungsvertrag[9] und gründeten die Bundesgartenschau 1989 Frankfurt am Main GmbH.[10] 1981 folgte ein bundesweit ausgeschriebener Ideenwettbewerb Nidda-Aue, aus dem der Berliner Landschaftsarchitekt Norfried Pohl als 1. Preisträger hervorging.[11] Er bekam in Arbeitsgemeinschaft mit dem Sulzbacher Landschaftsarchitekten Werner Kappes von der GmbH die nötigen Aufträge zur Planung und Ausführung von Park und Gartenschau.[12] Der Bau des Parks begann 1984, der der Gartenschau 1986. Beide waren zur Eröffnung fertiggestellt.[13]

Die Gartenschau und ihre Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild vom BUGA-Turm aus in Richtung Süden. Der größte Teil des noch jungen Niddaparks blieb während der Schau frei von den spezifischen Angeboten einer Gartenschau.

Für die Stadt Frankfurt stand die Anlage des Niddaparks im Vordergrund, während die Gartenschau auf ihn aufmerksam machen, ihn aber nicht mit all ihrer Pracht überdecken sollte. Die Schau sollte sozusagen als „Eröffnungsattraktion“ zu Gast sein.[14] Deshalb hatten die Planer erstmals in einer Bundesgartenschau alle Gartenschau Elemente auf nur wenige Stellen konzentriert.[15] Für den Besucher ergab sich damit eine Gartenschau der kurzen Wege.[16] Außerdem betonte man den temporären Chakter der Schau und verwendete demonstrativ leichte Zelt- und Tragluftkonstruktionen, Kulissenbauten, de-montierbare Gerüste, Netze, Textilien, mobile Trennwände, Container etc. Auf noch vor kurzem kahlem Ackerland präsentierte sich auf nur wenigen Hektaren eine konzentriert dargebotene, hochentwickelte Gartenkultur, die spannungsvoll mit der behäbig, weitläufig naturnahen Auenlandschaft des Parks kontrastierte.[17]

Luftbild vom BUGA-Turm aus in Richtung Norden. Im Vordergrund die Schau der Gärten, hinten links das Blumenband, das bis zum Eingang Praunheim reichte.

Schau der Gärten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zentral gelegene Schau der Gärten war das Herz der Ausstellung. Ihr Grundriss war ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 350 m, das durch ein Fünfzig-Meter-Raster aufgeteilt war, so dass sich 49 Teilflächen von 50 × 50 m ergaben. Die Teilflächen waren mit diverse Gärten aufgefüllt. Es gab bei Gartenschauen übliche Schau-Gärten, Hausgärten oder Kleingärten beispielsweise, aber auch neue wie die Charaktergärten, gartenarchitektonische Interpretationen berühmter Gemälde.[18] Am südlichen Rand war ein 75 m hoher Turm (ein Gyro-Tower), der die Besucher in einer sich langsam drehenden Kanzel hinauf und herunter brachte.[19] Der größte Garten war zu zwei Dritteln von einem Damm umgeben. In ihm stand ein Gewächshaus mit einem kreuzenden Querflügel, das sich in den angrenzenden Wasserbecken spiegelte und als Hauptattraktion der Schau der Gärten galt.[20]

Schau der Gärten: Trotz leichter, temporärer Konstruktionen gelangen intime Ausstellungsräume

Die quadratische und streng geometrisch angelegte Schau der Gärten kontrastierte auf spannende Weise mit den weichen, organischen Linien der Waldränder des Niddaparks. Doch war das Quadrat nicht vollständig. Es war im Südosten von Baumpflanzungen des Parks durchbrochen und im Nordwesten durch das Blumenband. Eine solch überlagernde und brechende Gestaltung ist bezeichnend für den parkarchitektonischen Dekonstruktivismus der 1980er Jahre.[21]

Blumenband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicht auf das Blumenband vom Eingang Praunheim aus in Richtung Schau der Gärten

So wie die Schau der Gärten wurde auch das Blumenband auf vormaligem Ackerland angelegt, das einige Jahre brach gelegen hatte, um sich von der landwirtschaftlichen Nutzung zu erholen. Es bot Hunderttausende von Blumenzwiebeln und blühenden Pflanzen.

Eingangsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eingang Praunheim war einer der beiden großen Eingänge. Hierher kamen vor allem Besucher, die im Auto angereist und von den Messeparkplätzen aus mit Pendelbussen hergebracht waren. Das Blumenband leitete den Besucher vom Eingang aus zur Schau der Gärten.
  • Eingang Ginnheim war der andere große Eingang. Hierher kamen vor allem U- und S-Bahnbenutzer. Nahe dem Eingang stand die bei Gartenschauen übliche Blumenhalle, hier in Form eines angemieteten Tragluftzeltes. Im Eingangsbereich Ginnheim gab es auch einen Gärtnermarkt. Wer zur Schau der Gärten wollte, hatte mehrere Parkwege zur Wahl und konnte auf ihnen das Ginnheimer Wäldchen durchqueren oder umwandern und so zwischendurch eben pur vom neuen Niddapark genießen.
  • Eingang Hausen war ein kleiner Eingang im Südwesten. Ihm zugeordnet war eine Zier- und Wildstaudenschau. Wer von hier aus zur Schau der Gärten wollte, musste ein ganzes Stück Niddapark durchwandern.
  • Eingang Römerstadt war der letzte der 4 Eingänge. Hierher kamen vor allem in Bussen angereiste Besucher. In der Nähe lag eine Muster-Kleingartenanlage mit einer Ausstellung zur Geschichte des Kleingartenwesens.[22] Der Weg zur Schau der Gärten war nicht weit.
  • Ein BUGA-Bähnchen verband alle Eingänge untereinander, hielt an der Schau der Gärten und machte außerdem eine Exkursion in den Südteil des Niddaparks. Es fuhr auf Batteriestrom.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gartenschaugegner waren vielseitig aktiv

Die Gartenschau stand während der Vorbereitungen und auch Jahre danach noch unter keinem günstigen politischen Stern. Die SPD hatte sie in den 1970er-Jahren zwar angeregt, sich aber in den 1980er-Jahren von ihr abgewandt. Die seit der Kommunalwahl 1981 in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Grünen lehnten die Bundesgartenschau grundsätzlich ab.[23] Eine Bürgerinitiative sammelte 1984 rund 44.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die Bundesgartenschau.[24] Die Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern beherrschten in den 1980er-Jahren die öffentliche Meinung und nahmen Einfluss auf die Wahlkämpfe zur Stadtverordnetenversammlung.[25] Während die Befürworter betonten, dass sich die Investitionen für Park und Schau auf zusammen etwa 40 Millionen D-Mark beliefen, nannten die Gegner einen Betrag von 185 Millionen D-Mark.[26] Im zweiten Fall waren unter anderem Kosten einberechnet für die Errichtung der U-Bahnstation Niddapark, für den provisorischen S-Bahnhof an der Main-Weser-Bahn und für ein Begleitprogramm zu innerstädtischen Grünflächen und der „Grünspange“.

  • Bürgergruppen beanstandeten die „unnötige Zerstörung“ einer "noch intakten Agrarlandschaft". So fürchteten Vogelschützer um den Brutvogelbestand.
  • Kleingärtner befürchteten Umlegungen oder eine Durchschneidung ihrer Anlagen mit öffentlichen Wegen.
  • Zoologen kritisierten weltweit die Aufhebung der im 1. Bauabschnitt befindlichen Außenstelle des Zoologischen Gartens.[27]
  • Die Praunheim mit Ginnheim verbindende Woogstraße werde bleibend zugunsten der BUGA aufgelöst.
  • Das Thema „Natur in der Stadt“ konfliktiere grundsätzlich mit dem Dargebot einer Bundesgartenschau.[28]
  • Großveranstaltungen wie Bundesgartenschauen würden extra viel Verkehr generieren und wären damit schlecht für die Umwelt, speziell im Frankfurter Raum.

Kurz vor Eröffnung der Bundesgartenschau gewannen SPD und Grüne, beide ausgesprochene Gegner, die Kommunalwahl, koalierten und regierten während der Gartenschau, ein für Bundesgartenschauen einmaliges Phänomen. Die politische Kontroverse um die Gartenschau wirkte sich zweifellos auf die Besucherzahl aus, die mit rund vier Millionen Gästen weit hinter den erwarteten acht Millionen zurückblieb.[29]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesgartenschau Frankfurt 1989 GmbH (Hrsg.): Ein Erlebnis zum Aufblühen. Bundesgartenschau Frankfurt 1989, Prospekt, August 1988
  • Bundesgartenschau Frankfurt 1989 GmbH (Hrsg.): Volkspark Niddatal, Bundesgartenschau 1989, Dokumentation des Projektes. Einzelheft. Abt-Druck GmbH, Weinheim. Juni 1989, S. 1–79
  • Reinhard Grebe: Landschaftsplanung in Frankfurt am Main. In: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege (Hrsg.): Garten + Landschaft. Band 4/89, Verlag Georg D. W. Callwey, München, April 1989, S. 21–24
  • Fritz Krämer, Jochen Gauert: Volkspark Niddatal und Bundesgartenschau 1989 Frankfurt am Main. In: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege (Hrsg.): Garten + Landschaft. Band 4/89, Verlag Georg D. W. Callwey, München, April 1989, S. 25–29
  • Werner Kappes, Norfried Pohl: BUGA 1989: Trennung von Park und Ausstellung. In: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege (Hrsg.): Garten + Landschaft. Band 4/89, Verlag D.W. Callwey, München, April 1989, S. 30–36

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volkspark Niddatal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Gartenamt, Redaktion: Katalog zur Bundesgartenschau 1989 in Frankfurt. In: Dieter Hennebo (Hrsg.): Das Gartenamt. Band 4/1989. Patzer Verlag, Hannover, Berlin April 1989, S. 95.
  2. Die Zahl von 4 Millionen Besuchern meldet u.  a. die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH auf ihrer Website
  3. Ein Erlebnis zum Aufblühen 1988, 90 ha meldet auch die Website der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH.
  4. Krämer, Gauert 1989, S. 28
  5. Krämer, Gauert 1989, S. 28
  6. Stadtchronik 1962, Institut für Stadtgeschichte
  7. Frankfurt verzichtet wegen Finanznot auf Bundesgartenschau 1969. Zeitgeschichte in Hessen (Stand: 30. September 1965). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 1. Juni 2018.
  8. Krämer, Gauert 1989, S. 26
  9. Krämer, Gauert 1989, S. 27 und Grebe 1989, S. 22
  10. Volkspark Niddatal, 1989, S. 6
  11. Thomas Sieverts: „Natur in der Stadt“ – Aber wie? In: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege (Hrsg.): Garten + Landschaft. Band 5/82. Georg D. W. Callwey, München Mai 1982, S. 341–346, 342.
  12. Krämer, Gauert 1989, S. 26
  13. Volkspark Niddatal, 1989, S. 6
  14. Krämer, Gauert 1989, S. 28
  15. Krämer, Gauert 1989, S. 28
  16. Krämer, Gauert 1989, S. 28
  17. Kappes, Pohl 1989, S. 32–33
  18. Das Gartenamt, Redaktion: Bundesgartenschau Frankfurt – die andere Gartenschau. In: Dieter Hennebo (Hrsg.): Das Gartenamt. Band 4/1989. Patzer Verlag GmbH, Hannover, Berlin April 1989, S. 194.
  19. Dieser Gyro Tower war ein „Wanderturm“, der zuvor schon auf der Bundesgartenschau Düsseldorf 1987 stand
  20. Kappes, Pohl 1989, S. 32–33
  21. Ein Vorbild des Dekonstruktivismus ist der 1982 durch Bernard Tschumi entworfene Parc de la Villette in Paris. Die Schau der Gärten war stark durch ihn inspiriert.
  22. Kappes, Pohl 1989, S. 30
  23. Frolinde Balser: Aus Trümmern zu einem europäischen Zentrum: Geschichte der Stadt Frankfurt am Main 1945–1989. Hrsg.: Frankfurter Historische Kommission (= Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission. Band XX). Jan Thorbecke, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-1210-1, S. 459–460.
  24. Leere Hülsen, Der Spiegel Nr. 19/1984
  25. Grebe 1989, S. 23
  26. Frank Berger, Christian Setzepfand: 101 Unorte in Frankfurt. Darin, S. 36 f.: Kapitel Unstern – die BUGA 1989. Societäts-Verlag, Frankfurt 2011. ISBN 978-3-7973-1248-8
  27. In den Bewerbungsunterlagen zur Bundesgartenschau 1989 war der Niddazoo noch Teil des Programms. Erst Anfang der 1980er Jahre entschied man sich für eine zoofreie Lösung
  28. Grebe 1989, S. 22–23
  29. Enttäuschende Besucherzahlen am Ende der 20. Bundesgartenschau in Frankfurt am Main. Zeitgeschichte in Hessen (Stand: 15. Oktober 1989). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 1. Juni 2018.