Bussche (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen derer von dem Bussche
Wappen derer von dem Bussche-Ippenburg genannt von Kessel
Rittergut Thale um 1860, vormaliges Kanonissenstift Wendhusen

Bussche ist der Name eines alten ostwestfälischen Adelsgeschlechts. Die Herren von dem Bussche gehörten zum Uradel im Ravensberger Land. Das Geschlecht ist zu unterscheiden von gleichnamigen, aber nicht stammesverwandten Geschlechtern[1] aus dieser Gegend. Zweige der Familie bestehen bis heute.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschlecht wurde im Jahre 1225 mit dem dominus (lat. Herr) Everhardus de Busche erstmals urkundlich erwähnt.[2] Sein Bruder Albert wird ab 1230 in Urkunden genannt. Mit einem ab 1341 erscheinenden Albert beginnt die ununterbrochene Stammreihe. Der Leitname Albert wurde noch lange Zeit an Angehörige der Familie vergeben.

Die Herren von dem Bussche saßen ursprünglich im Ravensbergischen bzw. im Grenzgebiet von Ravensberg und Osnabrück. Aber bereits 1390 konnten sie das osnabrücksche Ippenburg erwerben und 1447 auch das benachbarte Hünnefeld (beide gehören heute zu Bad Essen). In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gelangte Lohe (Gemeinde Bakum) im nordmünsterischen Amt Vechta, Anfang des 17. Jahrhunderts Haddenhausen bei Minden, 1656 Streithorst und 1820 Schloss Neuenhof bei Lüdenscheid sowie Gut Dötzingen in Hitzacker (Elbe) in Familienbesitz. Mit Ausnahme von Lohe sind diese Güter bis heute im Besitz der Grafen bzw. Freiherren von dem Bussche geblieben.

Linien und Standeserhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des 15. und 16. Jahrhunderts teilte sich die Familie in drei große Linien, die auch die Namen ihrer Stammsitze zu Beinamen gemacht haben. Bussche-Ippenburg mit dem Zweig Bussche genannt Münch (1773), Bussche-Lohe mit der Zweiglinie Bussche-Haddenhausen und Bussche-Hünnefeld mit dem Zweig Bussche-Streithorst (1904).

Nachdem bereits einzelne Linien eine Bestätigung zur Führung des gewohnheitsrechtlich getragenen Freiherrentitel erhalten hatten, wurde im Jahre 1884 sämtlichen Zweigen der Familie der Freiherrenstand vom Königreich Preußen bestätigt.

  • Bussche-Ippenburg

Alfred von dem Bussche-Ippenburg, königlich-preußischer Intendanturassessor, erhielt 1846 die preußische Genehmigung zur Führung des Freiherrentitels. Schloss Ippenburg befindet sich seit 1390 bis heute im Besitz der Familie.

  • Bussche-Ippenburg genannt von Kessel

Julius von dem Bussche-Ippenburg, adoptierter von Bottlenberg gen. Kessel, erhielt am 3. Mai 1825 die preußische Namens- und Wappenvereinigung mit den ausgestorbenen Herren von dem Bottlenberg gen. Kessel und wurde am 15. Oktober 1840 in den preußischen Grafenstand erhoben. Aus dem Erbe der Familie Bottlenberg-Kessel kam das Schloss Neuenhof in Familienbesitz.

  • Bussche-Münch

Philipp Clamor von dem Bussche, Domkapitular zu Osnabrück und Universalerbe des braunschweigisch-lüneburgischen Landdrosten Philipp von Münch auf Schloss Benkhausen, erhielt am 10. Juni 1773 die preußische Namens- und Wappenvereinigung mit denen von Münch unter dem Namen von dem Bussche genannt Münch. Die preußische Genehmigung zur Annahme des Namens von dem Bussche-Münch wurde 1886 erteilt. Schloss Benkhausen blieb bis 1962 im Familienbesitz, Haus Werburg bis 1941.

  • Bussche-Lohe

Die Linie war seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf dem Gut Lohe (heute Ortsteil von Bakum) ansässig. Sie blüht bis heute. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1945 war auch das Rittergut Cösitz in Sachsen-Anhalt in ihrem Besitz.

  • Bussche-Haddenhausen

1610 erwarb Johann von dem Bussche-Lohe das Gut Haddenhausen von seinem Schwiegervater Hilmar d. J. von Münchhausen (der es als Vormund seiner Neffen veräußern musste). Die Eheleute Johann und Hedwig von dem Bussche ließen zwischen 1613 und 1616 das heutige Schloss Haddenhausen im Stil der Weserrenaissance errichten. Gut und Schloss befinden sich noch heute im Besitz einer Familienstiftung, des bereits am 1. März 1690 durch den Landrat Christoph von dem Bussche-Hünnefeld gegründeten von dem Bussche-Hünnefeld'schen Stammlegats. Kuno von dem Bussche-Haddenhausen erhielt am 16. Juli 1868 die preußische Genehmigung zur Führung des Freiherrntitels und des Beinamens Haddenhausen. Der Familie gehörte bis 1945 das Gut Katelbogen in Mecklenburg.

  • Bussche-Hünnefeld

Die Linie der Freiherren von dem Bussche-Hünnefeld ist bis heute im Besitz von Schloss Hünnefeld, das zwischen 1600 und 1614 auf dem Rittergut erbaut wurde, welches die Familie seit 1447 besitzt.

Der königlich-westfälische Gesandte in Sankt Petersburg, Clamor Dietrich Ernst Gerhard von dem Bussche-Hünnefeld, wurde am 23. Januar 1810 in den westfälischen Grafenstand erhoben.

  • Bussche-Streithorst

Clamor Eberhard, Herr zu Hünnefeld, kaufte im Jahre 1656 das Rittergut Streithorst, das sein Sohn Johann Heinrich übernahm. Sein Enkel Clamor Eberhard († 1753) stiftete das Majorat Streithorst, das aus Streithorst, Schwege, Wechmannshoff und Derenburg bestand. Dessen Sohn Ernst August kaufte weitere Güter dazu, beispielsweise Thale (1755). Erst Georg Clamor Carl Maximilian Traugott († 1896) änderte aber seinen Namen von dem Bussche-Hünnefeld in von dem Bussche-Streithorst, wodurch eine neue Linie entstand. Das namengebende Rittergut Streithorst verkaufte Axel Ernst-August Clamor nach dem Tod seines Vaters Georg Clamor und seiner Stiefmutter Auguste im Jahre 1977. Erst im Jahre 2004 kam das Rittergut Streithorst wieder in Familienbesitz, als es Eberhard Clamor, Angehöriger des zweiten Hauses der Hünnefelder Linie, erwarb. Eberhard Clamor nahm umfangreiche Renovierungen vor, ehe er es wieder bewohnen konnte.

Herren auf Streithorst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clamor Eberhard Freiherr von dem Bussche-Hünnefeld (1611–1666), Herr auf Hünnefeld und Streithorst (seit 1656)
  • Johann Heinrich Freiherr von dem Bussche-Hünnefeld (1644–1689), Herr zu Streithorst, kaufte Meinbrexen 1678, Staue und Oldendorf 1684
  • Clamor Eberhard Freiherr von dem Bussche-Hünnefeld (1683–1753), Herr zu Streithorst, Schwege und Wechmannshoff
  • Ernst August Freiherr von dem Bussche-Hünnefeld (1719–1796), Majoratsherr zu Streithorst, kinderlos
  • Werner Ludwig Clamor Freiherr von dem Bussche-Hünnefeld (1748–1816), Sohn von Ernst Augusts Bruder Johann Friedrich, Domsenior und Propst zu Halberstadt übernahm als Majoratsherr zu Streithorst, kinderlos
  • August Clamor Friedrich Wilhelm Freiherr vom dem Bussche-Hünnefeld (1776–1831), Herr auf Stecklenberg, Domherr zu Magdeburg; Sohn von Werner Ludwig Clamors Bruder Christian August Clamor, übernahm als Herr zu Streithorst, Thale und Steinhausen
  • Georg Clamor Carl Maximilian Traugott Freiherr von dem Bussche-Streithorst (1825–1896), Majoratsherr zu Streihorst und Thale, etc., Mitglied des preußischen Herrenhaus; änderte den Namen der Linie in Streithorst
  • Cuno Clamor Carl Georg Friedrich Freiherr von dem Bussche-Streithorst (1850–1907), Majoratsherr auf Streithorst, Thale etc.
  • Georg Clamor Lothar Albert Hans Hilmat Louis Freiherr von dem Bussche-Streithorst (1883–1959), Majoratsherr auf Streithorst, Thale etc.
  • Eberhard Clamor Dieter Manfred Freiherr von dem Bussche-Hünnefeld (* 1961)

Herren auf Haddenhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahnenprobe von 1720: Johann Clamor August von dem Bussche-Lohe a.d.H. Haddenhausen
  • Johann von dem Bussche-Haddenausen-Lohe (1570–1624), Herr zu Lohe, kaufte 1609 das Rittergut Haddenhausen
  • Hilmar von dem Bussche-Haddenhausen-Lohe (1617–1677), Herr zu Haddenhausen, 2. Sohn von Johann
  • Johann Wilken von dem Bussche-Haddenhausen (1652–1705), Herr zu Haddenhausen, Drost zu Hausberge und Regierungsrath zu Minden
  • Hilmer Albrecht von dem Bussche-Haddenhausen (1689–1726), Herr zu Haddenhausen, Geh. Regierungsrat und Domküster zu Minden, übertrug das Rittergut 1708 an die "von dem Bussche-Hünnefelder Stiftung"

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen (ältestes Siegel von 1341) zeigt in Silber drei (2:1) mit den Schneiden rechts gekehrte rote Pflugscharen. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken zwei geschrägte, mit den Schallöffnungen auf- und auswärts gestellte, jeweils mit drei (oder fünf) roten Bändern umwundene silberne Jagdhörner (mittelalterliche Form: Hifthorn).[3]

Das Wappen derer von dem Bussche-Ippenburg genannt von Kessel ist gespalten. Rechts ist es gleich dem Stammwappen mit links gekehrten Pflugscharen, rechts gleich dem Wappen von Bottlenberg genannt Kessel: In Silber ein oben viermal, unten dreimal gezinnter toter Balken.

Das Wappen derer von dem Bussche-Münch ist geviert; die Felder 1 und 4 entsprechen dem Stammwappen, 2 und 3 in Silber mit den Sachsen (Flügelknochen) einwärts gekehrte rote Flügel.

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bussche family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So waren z. B. die Büsche aus dem Schaumburgischen ein weder stammes- noch wappengleiches (Lilienwappen) Adelsgeschlecht, das 1565 mit Klaus Büschen in Hessisch Oldendorf erloschen ist und dem auch der Humanist Hermann von dem Busche angehörte.
  2. Westfälisches Urkundenbuch 3 (1868), Nr. 1712.
  3. Otto Gruber: Die Wappen des südoldenburgischen Adels. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1971. Vechta 1970, S. 17f.

Koordinaten: 52° 20′ 23″ N, 8° 21′ 41″ O