Deutsche Grenzpolizei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grenzpolizisten an der Elbe 1956

Die Deutsche Grenzpolizei (DGP) war eine bewaffnete und militärisch organisierte Formation des DDR-Innenministeriums zum Schutz der DDR-Staatsgrenze, vorrangig der innerdeutschen Grenze zur Bundesrepublik Deutschland. Die Grenzpolizei setzte auf Befehl Schusswaffen gegen Grenzverletzer und Flüchtlinge ein. Sie wirkte an der Berlin-Blockade 1948/49 und beim Bau der Berliner Mauer 1961 mit. Neben dem polizeilichen Auftrag sollte nach sowjetischem Vorbild auch eine militärische Funktion im Kriegsfalls erfüllen. Nach dem Bau der Mauer wurde die Deutsche Grenzpolizei in die Grenztruppen der NVA überführt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Problematik der deutschen Außengrenzen und der durch die Demarkationslinien der Besatzungszonen machte eine Sperrung und Grenzkontrolle zu den Außen- und Binnengrenzen durch Truppen der Siegermächte notwendig. Die Problemstellungen bei der Grenzpolitik damals war der Schwarzhandel über Sektorengrenzen sowie die Kanalisierung der Flüchtlingsströme. Ende 1946 wurde auf Befehl der SMAD in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) eine Grenzpolizei mit rund 2.500 Polizisten eingerichtet. Diese betätigte sich zunächst als Hilfsdienst der sowjetischen Besatzungstruppen, mit denen sie operierten und unter deren Kommando sie im Dienst standen. Organisatorisch war die Grenzpolizei an die Innenministerien der jeweiligen Länder in der SBZ angegliedert. Die Grenzpolizei wurde auf Ebene der Länder aufgestellt und deckten sich zeitlich mit ähnlichen Bemühungen in den westlichen Besatzungszonen. Der Schußwaffengebrauch war durch sowjetische Order von 1946 für Grenzpolizisten zunächst nur im Fall der Selbstverteidigung zulässig.[1]

1948 erfolgte die Zentralisierung verschiedener Institutionen in der SBZ, unter anderem auch der Grenzpolizei. Die Grenzpolizei wurde mit der Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI) an eine zentrale Institution gebunden und die den Ländern entzogen. Im selben Jahr wurden erstmals der Grenzpolizei Politoffiziere beigeordnet. Ebenso erweiterten zwei Direktiven des Jahres 1947 und 1948 des DVdI die Möglichkeiten des Schußwaffengebrauchs. Zur Festnahme von gefährlichen Verbrechern sollte dies ohne nicht möglich sein. Ende 1948 war jeder Grenzpolizist mit einer Schußwaffe ausgestattet. Bei der Berlin-Blockade ab dem 8. Juni 1948 war die Grenzpolizei für die Unterbrechung der Verkehrswerge nach West-Berlin über SBZ-Territotium und die Überwachung der Außengrenze Ost-Berlins zur SBZ zuständig. Der hierbei aufgebaute Ring um Berlin wurde zur Dauereinrichtung der Grenzpolizei und der Sicherheitspolitik des werdenden SED-Regimes. Mit der Zunahme der Intensität des Kalten Krieges wurde auch das Grenzregime restriktiver und Verstöße dagegen häufiger. Vom 1. Juli 1949 bis zum 31. Dezember starben 30 Menschen an der Grenze der SBZ beziehungsweise DDR. Hierunter auch Angehörige der Grenzpolizei. Vom Oktober 1949 bis zum März 1950 nahm die Grenzpolizei rund 154.000 Festnahmen wegen Verstößen gegen die Grenze der DDR vor. 1950 umfassten die Einheiten der Grenzpolizei rund 20.000 Mann. 1951 wurde mit der Aufstellung seegestützter Bereitschaften zur Küstensicherung begonnen.[2]

1952 erfolgte eine Umstrukturierung der Grenzpolizei nach sowjetischem Vorbild. Sie wurde dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellt und sollte neben der polizeilichen Rolle auch eine militärische Rolle bei einem möglichen Angriff der Westmächte und einem darauffolgenden Gegenangriff spielen und auch darauf vorbereitet werden. Ebenso trat eine erneute Verschärfung des Grenzregimes ein. Fünf Kilometer in Grenznähe wurden zur Sperrzone erklärt. Hier war jeder sich aufhaltende DDR-Bürger passierscheinpflichtig. Der unerlaubte Grenzübertritt wurde mit Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Gefängnis geahndet. Bei Nichtbefolgung von Anweisungen durch Verdächtige waren die Grenzstreifen der Schusswaffengebrauch angewiesen. Ab August 1952 sorgten zivile Helfer der Grenzpolizei für Unterstützung bei der Grenzsicherung. Im Sommer 1952 wurden rund 8.000 unerwünschte Personen aus dem Grenzstreifen durch die Grenzpolizei ausgesiedelt. Im Oktober 1952 führte die Grenzpolizei nach sowjetischem Vorbild militärische, statt der bisher polizeilichen, Ränge ein. Die bisher blauen Uniformen wurden durch khakifarbene Uniformen ersetzt. Nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953, wurde die Grenzpolizei abermals auf rund 30.700 Polizisten 1954 aufgestockt. Ende der Fünfziger Jahre verfügte die Grenzpolizei neben der polizeilichen Ausrüstung über rund 1600 Panzerabwehrkanonen, 102 weitere Geschütze, 18 Flugabwehrgeschütze und 69 gepanzerte Fahrzeuge. Den Moral- und Nachwuchsproblemen der Grenzpolizei aufgrund hoher Fluktuation und auch Fahnenflucht in der Grenzpolizei versuchte die SED mit Erhöhung der Besoldung und besserer Verpflegung beizukommen.[3]

Boot der Grenzpolizei vor Rügen

Am 1. Dezember 1955 übernahm die Grenzpolizei die Aufgabe der Außensicherung der DDR-Grenzen vollständig von den bisher zuständigen sowjetischen Truppen.[4]

Am 1. März 1957 wurde das Kommando der Deutschen Grenzpolizei in Pätz aufgestellt. Gleichzeitig begann eine Reform des Grenzsicherungssystems der DGP, bei der einheitliche Strukturen und ausreichende Reserven geschaffen wurden. Außerdem erhielt die DGP wirksamere Waffen.[5]

Kurz nach der Schließung der Sektorengrenze nach Westberlin mittels der Berliner Mauer am 13. August 1961, bei der die Grenzpolizei neben anderen bewaffneten Organen mitgewirkt hatte, wurde die Grenzpolizei dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt und die Grenztruppen der NVA überführt. Bis dahin war für die Überwachung der Sektorengrenze nicht die Grenzpolizei sondern die Ost-Berliner Volkspolizei zuständig gewesen.[6] Somit waren die Grenzverbände der DDR nun dem sowjetischen Vorbild angeglichen. Die Grenzpolizei bestand bei ihrer Überführung in die Grenztruppen aus rund 38.000 Grenzpolizisten.[7] Bis zum Mauerbau am 13. August 1961 starben 160 Menschen beim Versuch des illegalen Grenzübertritts. Darunter 11 Angehörige der Grenzpolizei und 1 sowjetischer Fahnenflüchtiger.[8]

Um eine Einbeziehung in Abrüstungsverhandlungen zu verhindern, erfolgte im Frühjahr 1971 die Umbenennung in Grenztruppen der DDR, womit die DDR-Machthaber zum Ausdruck bringen wollten, dass es sich nicht um einen Teil der NVA handele.

Die Abteilung Aufklärung beim Kommando der DGP arbeitete bis zum 31. Dezember 1961 selbständig mit inoffiziellen Kräften und war ab 1. Januar 1962 in der Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit eingegliedert.

Chefs der Deutschen Grenzpolizei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Grenzpolizei – Sammlung von Bildern

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Torsten Diedrich : Die Grenzpolizei der SBZ/DDR (1946 - 1961) in Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.) : Im Dienste der Partei - Handbuch der bewaffneten Organe der DDR, Berlin, 1998 S. 202 - 204
  2. Torsten Diedrich : Die Grenzpolizei der SBZ/DDR (1946 - 1961) in Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.) : Im Dienste der Partei - Handbuch der bewaffneten Organe der DDR, Berlin, 1998 S. 205 - 208
  3. Torsten Diedrich : Die Grenzpolizei der SBZ/DDR (1946 - 1961) in Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.) : Im Dienste der Partei - Handbuch der bewaffneten Organe der DDR, Berlin, 1998 S. 208 - 212
  4. Torsten Diedrich : Die Grenzpolizei der SBZ/DDR (1946 - 1961) in Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.) : Im Dienste der Partei - Handbuch der bewaffneten Organe der DDR, Berlin, 1998 S. 212
  5. Zeittafel zur Militärgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik. 1949–1984. Militärverlag der DDR, Berlin 1986, S. 146.
  6. Gerhard Sälter, Johanna Dietrich, Fabian Kuhn: Helmut Just. In: dies.: Die vergessenen Toten. Todesopfer des DDR-Grenzregimes in Berlin von der Teilung bis zum Mauerbau (1948–1961). Ch. Links, Berlin 2016, ISBN 978-3-86153-933-9, S. 54
  7. Torsten Diedrich : Die Grenzpolizei der SBZ/DDR (1946 - 1961) in Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.) : Im Dienste der Partei - Handbuch der bewaffneten Organe der DDR, Berlin, 1998 S. 218f
  8. Peter Joachim Lapp : Die Grenztruppen der DDR (1961 - 1989) in Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.) : Im Dienste der Partei - Handbuch der bewaffneten Organe der DDR, Berlin, 1998 S. 248
  9. zunächst als Oberst, ab 1963 Generalmajor, 1969 Generalleutnant, 1979 mit Aufstellung der Grenztruppen Generaloberst. Quelle: Klaus Froh, Rüdiger Wenzke: Die Generale und Admirale der NVA. Ein biographisches Handbuch. 4. Auflage. Ch. Links, Berlin 2000, ISBN 3-86153-209-3, S. 157 f.