Christiaan Tonnis

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Christiaan Tonnis, 2012

Christiaan Dirk Tonnis (* 5. Juni 1956 in Saarbrücken) ist ein deutscher Maler, Zeichner, Videokünstler und Autor. Er studierte von 1980 bis 1985 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main bei Dieter Lincke und Herbert Heckmann, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Wittgenstein, Bleistift auf Karton, 1985
Magic Mountain (after Thomas Mann), 1987, Öl auf Leinwand
Thomas Bernhard's Haus, Video, 2006, Fotografie, 1992

Tonnis` Vater Dirk Tonnis wurde als Niederländer in Amsterdam geboren. Er war Schöpfer von Zeichentrick- und Puppentrickfilmen sowie Knetfigurenanimationen. Als Programmdirektor des Saarländischen Fernsehens arbeitete er u.a. mit Herbert Heckmann und Heinz Sielmann zusammen.[1] Tonnis` Mutter Gisela Purwins wurde als Deutsche in Aglohnen, Kreis Memel, geboren. Sie war Publizistin, erste Ansagerin beim Saarländischen Fernsehen, Moderatorin und Produzentin von Rundfunk- und Fernsehserien.[1][2][3] Beide heirateten in Dover, England.

Tonnis' Beschäftigung mit Literatur der Psychopathologie und Psychoanalyse spiegelt sich in seinen frühen Arbeiten wider.[4] Dies sind zeichnerische Darstellungen verschiedener Krankheitsbilder wie z. B. der Katatonen Starre oder Postpartalen Psychose, in denen er z. T. „Drähte, Nähte, Masken, Teilmasken – sie sind manchmal kaum sichtbar, so identisch scheinen sie mit der Physiognomie[5]Ab 1986 bezieht Tonnis eine malerische Position: Auch die neuen Porträtmalereien von Schriftstellern und Philosophen geben in erster Linie die innere Befindlichkeit der Protagonisten wieder.[6]

Es folgt eine Serie von Collagen, auf denen Katzenköpfe – auf Frauenkörper platziert – dem Betrachter „traurig oder verträumt“[7] entgegenblicken. Diese sind bestimmte, an Personen festgemachte Porträts: Eine Katze z. B. ist mit Virginia Woolf, eine andere mit Alice Miller untertitelt.[7]

Teilnahme an der Performance „Who let the dogs out, Edith?“ während des „Sommer Atelier 2009“[8] im Kunstverein Familie Montez, Frankfurt am Main. „Als Ausgangsmaterial dient dabei Hans-Jürgen Syberbergs 1988 in Frankfurt gezeigte Inszenierung von Heinrich von Kleists Drama ‚Penthesilea‘, ein Monolog der großen Schauspielerin Edith Clever.“[9]

Mit der Darstellung eines goldenen Kreuzes über schwarzem und violettem Untergrund – in einzelne Pixel gegliedert auf die Wand gemalt – ist Tonnis einer von 36 internationalen Künstlern, die im Januar 2013 den 4,5 Meter hohen, gekachelten Raum "Pixelkitchen" im Günes Theater Frankfurt gestalten[10] und dadurch die digitale in die analoge Welt holen. Alle „künstlerischen Arbeiten werden an die Wände geklebt, gemalt und genagelt.“[11]

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnahme an „Road Movie“,[12] einer Produktion von Frieze Film 2008 für die Frieze Art Fair und Channel 4, London. „Road Movie“ ist ein von Neville Wakefield kuratiertes,[13] 4-teiliges, multiples Film-Experiment – zusammengestellt aus mehreren Beiträgen und produziert auf YouTube – das sich auf den Roman Die Straße (2006) von Cormac McCarthy bezieht.[14]

Ab 2009 entstehen 92 Videodokumentationen zu Ausstellungsvorbereitungen und Vernissagen sowie Künstlerinterviews für den Kunstverein Familie Montez.[15] Diese werden von einem Familienalbum aus Film stills begleitet.[16]

Ausstellungen und Projekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008: Road Movie, Frieze Art Fair, London
  • 2009: Gut ist was gefällt, Kunstverein Familie Montez, Frankfurt am Main
  • 2009: Traumwelten | CATWALK!Schloss Frauenstein, Mining am Inn
  • 2011: Fragile Helden, Kunstverein Familie Montez, Frankfurt am Main
  • 2013: Wurzeln weit mehr Aufmerksamkeit widmen, Kunstverein Familie Montez und Der Laden/Bauhaus-Universität Weimar
  • 2014: Les Fleurs du Mal – Dithering Cities, mit Elizabeth Dorazio, Mirek Macke, Nikolaus Alexander Nessler, Christiaan Tonnis und Alexander M. Winn, Luminale[17]
  • 2015: Kunst Messe Frankfurt 15, Kunstverein Familie Montez, Halle 1.2 / G13 + G14, Messe Frankfurt GmbH, Frankfurt am Main

Kuratierte Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2011 Schamanismus aus dem Großen Altai, Kunstverein Eulengasse, Frankfurt[18]
  • 2011 Meg Cebula. Geheimnis und Schönheit, Kunstverein Eulengasse, Frankfurt[19][20]

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christiaan Tonnis – Krankheit als Symbol, Pro Business Verlag, Berlin 2006, Aufl. 1, ISBN 978-3-939533-34-4
  • Christiaan Tonnis – Everyone we know, Sketchbook Project 3, Kat. Nr. 135.8–5, Brooklyn Art Library 2009, New York
  • 5+5=1!, DVD-Video (25 min.), von Christiaan Tonnis, Oswald-von-Nell-Breuning-Schule, Stadt Rödermark (Hrsg.), Archiv der Stadt Rödermark 2011[21]
  • ROTAxel Dielmann-Verlag, Frankfurt 2013, S. 15-16, 145, 148-149, 15, ISBN 978-3-86638-180-3
  • Montez im Exil – Kunstverein Familie Montez, Frankfurt 2014, von Kerstin Krone-Bayer und Hanna Rut Neidhardt (Hrsg.), ISBN 978-3-00-045918-4
  • Leipziger Baumwollspinnerei – Video Still Images, von Christiaan Tonnis (Hrsg.), Book-On-Demand, Berlin 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Christiaan Tonnis – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Christiaan Tonnis, Biografie, Homepage, blogspot.de, 12. Juni 2010
  2. Der Kreis schloß sich – Zum Tode unserer Heimatdichterin Lisbeth Purwins-Irrittié, Memeler Dampfboot, Nr. 10, Seite 187, Oktober 1974. (In der PDF-Version auf Seite 7)
  3. Gisela Tonnis flog für spots nach Berlin – Große Deutsche Funkausstellung 1963, spots – Zeitschrift für Fernsehen und Funk, Nr. 17, Jahrg. 4, 19. September 1963, Seiten 3-4 und 7-10
  4. Kai Hoffmann, Hübsches Frauengesicht als Flickwerk, Frankfurter Rundschau, 20. Februar 1986
  5. Das Gesicht hinter dem Antlitz, Gießener Allgemeine Zeitung, 20. Oktober 1986
  6. Kai Hoffmann, Gesichtsteil als Maske, Frankfurter Rundschau, 30. August 1990
  7. a b Solveig Frick, Keine Angst vor Virginia Woolf, Frankfurter Rundschau, Nr. 86, S. 31, 13. April 2007
  8. Christoph Schütte, Kunst mit Familienanschluss, Frankfurter Allgemeine Zeitung, R4 Kultur, 21. Juni 2009
  9. "Gut ist was gefällt" im Kunstverein Familie Montez e.V" (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive), kulturportal.hessen.de, 29. August 2009
  10. Antonia Troschke, Menü mit Allem, Frankfurter Rundschau, Nr. 20, RS/B7, 24. Januar 2013
  11. Amelie Persson, Pixelkitchen (Memento vom 10. Dezember 2014 im Internet Archive), schirn-magazin.de, 25. Januar 2013
  12. My Journey My Memory My Soul, FriezeFilm2008's Channel, YouTube Video, 26. Juli 2008
  13. Frieze goes YouTube, Deutsche Bank ArtMag, Ausgabe 51, Oktober 2008
  14. Frieze Film 2008, Frieze Foundation, London, 2008
  15. Kunstverein Familie Montez, YouTube Playlist
  16. Kunstverein Familie Montez – Familienalbum, abgerufen am 4. April 2015
  17. Luminale - Biennale der Lichtkultur (Memento vom 5. Februar 2015 im Internet Archive), light–building.messefrankfurt.com, 2014, S. 21
  18. Алтайские художники шаманят в Германии, Контрабанда, 12. September 2011
  19. Meg Cebula, Journal Frankfurt, No. 13, Seite 76, Mai 2011
  20. Meg Cebula. Geheimnis und Schönheit kunstaspekte.de, 27. Mai 2011
  21. Christine Ziesecke, Kultursommer auf Leinwand, Offenbach-Post, op-online.de, 29. Oktober 2011