Christian Olearius

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Christian Olearius (* 4. Mai 1942 im schlesischen Oberglogau) ist ein deutscher Bankier, war von 1986 bis 2014 Sprecher der Gesellschafter der Hamburger Privatbank M.M.Warburg & CO und war dort bis Ende 2019 Aufsichtsratsvorsitzender.[1]

Leben und beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kindheit und Schulbesuch in Ostfriesland studierte Olearius Rechtswissenschaft in Heidelberg, wo er Mitglied der nichtschlagenden, christlichen Studentenverbindung Heidelberger Wingolf wurde, in Berlin sowie in Göttingen und promovierte dort 1968 mit dem Thema Die Haftung des Lizenzgebers im gewerblich-technischen Rechtsschutz zum Dr. iur.

Seine Bankenlaufbahn begann er 1969 bei der Braunschweigischen Staatsbank. 1971 wechselte er zur Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg, wo er als Direktor das Firmenkundengeschäft verantwortete. Später stieg er in den Vorstand der Norddeutschen Landesbank auf. Schließlich wurde Olearius 1986 von Max M. Warburg jr. zur Hamburger Privatbank M.M.Warburg & CO geholt, dort persönlich haftender Gesellschafter und Sprecher der Gesellschafter.

Unter seiner Leitung wuchs die Bank kontinuierlich – 1997 wurde das Bankhaus Hallbaum in Hannover, 1998 die Privatbank Marcard, Stein & Co aus Hamburg, 1999 das Bankhaus Carl F. Plump & Co. in Bremen und 2003 die Berliner Privatbank Löbbecke in die Warburg-Bankgruppe integriert. Die 2007 erworbene Degussa Bank wurde 2011 in eine eigenständige Holding ausgegliedert und im Jahr 2009 Teile des Bankhauses Wölbern & Co. erworben. Seit 2009 gehört auch die Schwäbische Bank AG mit Sitz in Stuttgart zur Warburg Bankengruppe.

2008 koordinierte er zusammen mit Senator Wolfgang Peiner das Konsortium Albert Ballin, welches sich zum Erwerb und damit zur Rettung der alten Hamburger Reederei Hapag-Lloyd von der TUI AG zusammengeschlossen hatte.

2009 holte er seinen Sohn Joachim Olearius als Gesellschafter in die Geschäftsleitung, der ihm am 1. Juli 2014 als Sprecher der Gesellschafter folgte. Christian Olearius wechselte in den Aufsichtsrat und wurde dort Vorsitzender.[2]

Cum-Ex-Skandal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olearius wird vorgeworfen, mit der Warburg Bank in Zusammenarbeit mit den Bankern Paul Robert Mora und Hanno Berger maßgeblich an CumEx Geschäften beteiligt gewesen zu sein, bei denen durch die Erstattung gar nicht gezahlter Steuern dem Staat Millionen entgangen sein sollen.[3][4]

Im März 2018 durchsuchten Steuerfahnder private Immobilien von Christian Olearius und seinem Sohn Joachim Olearius sowie, nach 2016 durchgeführten Durchsuchungen, ein zweites Mal Räume der M.M.Warburg & CO.[5]

Bei der Durchsuchung 2018 wurden zahlreiche Tagebücher von Christian Olearius sichergestellt. Sie gelten als wichtiges Beweisstück bei der juristischen Aufarbeitung des Cum-Ex-Skandals.[6]

Ehrenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olearius ist Vorsitzender des Vorstandes der Warburg-Melchior-Olearius-Stiftung.[7] Er ist u. a. Mitglied in den Kuratorien der Stiftung Elbphilharmonie, der Stiftung Humboldt-Universität und der Joachim Herz Stiftung. Für seine langjährige Mitgliedschaft in der und Verdienste um die Handelskammer Hamburg wurde ihm 2006 die Ehrennadel der Handelskammer verliehen.[8]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Haftung des Lizenzgebers im gewerblich-technischen Rechtsschutz, Univ. Diss. 1968, Göttingen
  • Olearius als Hrsg. mit Karen Michels: Aby Warburg: Im Bannkreis der Ideen, Beck-Verlag 2007
  • Olearius mit Bernd Thiemann: Bankenkrise – Siechtum mit System, Ausgabe 14 von Beobachtungen zur Zeit, Warburg 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Warburg-Aufsichtsräte beugen sich dem Druck der Bafin. In: Manager Magazin. 25. November 2019, abgerufen am 18. Februar 2020.
  2. Artikel im Hamburger Abendblatt vom 25. Juni 2014
  3. Der größte Steuerraub in der deutschen Geschichte, Lutz Ackermann, Benedikt Becker, Manuel Daubenberger, Philip Faigle, Karsten Polke-Majewski, Felix Rohrbeck, Christian Salewski, Oliver Schröm, Die Zeit, 8. Juni 2017
  4. Oliver Hollenstein, Christian Salewski, Oliver Schröm: Das Millionen-Geschenk. In: Die Zeit. Nr. 8/2020, 13. Februar 2020, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 13. Februar 2020]).
  5. CORRECTIV: „Jahrhundertcoup - Angriff auf Europas Steuerzahler“ (HD, Panorama zu #CumExFiles). 19. Oktober 2018, abgerufen am 20. Oktober 2018.
  6. zeit.de 3. September 2020: Der Bankier und seine Freunde in der Politik
  7. http://www.kultur-port.de/index.php/kunst-kultur-news/4058-spende-der-warburg-melchior-olearius-stiftung-staerkt-thalia-theater.html
  8. Handelskammer-Themen des Monats vom Januar 2006