Christoph Strässer

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Christoph Strässer in der Reichstagskuppel

Christoph Strässer (* 12. Juni 1949 in Velbert) ist ein deutscher Politiker (SPD). Seit Januar 2014 war er Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe.[1] Medienberichten zufolge erklärte er am 22. Februar 2016 aufgrund persönlicher Überlastung[2] bzw. auch aufgrund der Unvereinbarkeit seiner Positionen mit den „geplanten Verschärfungen der Asylgesetze“ seinen Rücktritt zum Ende des Monats.[3] Er war von 2005 bis 2014 Sprecher der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der SPD-Bundestagsfraktion.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1967 leistete Strässer zunächst den Wehrdienst ab und absolvierte anschließend ab 1969 ein Studium der Rechtswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Münster, welches er 1974 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach der Ableistung des Referendariats bestand Strässer auch das zweite Staatsexamen. Seit 1980 ist er als Rechtsanwalt in Münster und seit 1993 auch mit einer zweiten Kanzlei in Wittenberg tätig. Strässer ist Fachanwalt für Steuer- und Verwaltungsrecht.

Christoph Strässer ist verheiratet.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1969 trat Strässer den Jungdemokraten bei und gehörte ab Mai 1972 dem ersten Bundesvorstand des neu gegründeten Liberalen Hochschulverbandes (LHV) an. Von 1977 bis 1982 war er Bundesvorsitzender der Jungdemokraten und daneben Mitglied im Bundesvorstand der FDP. 1980 war Strässer einer der Erstunterzeichner des Krefelder Appells der Friedensbewegung. Nach dem Bruch der Sozialliberalen Koalition im Herbst 1982 trat Strässer 1982 aus der FDP aus; 1984 trat er der SPD bei.

Von 1993 bis 2007 war er Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Münster. Bei der Kommunalwahl 2004 war Strässer der SPD-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Münster, konnte sich aber in der Stichwahl mit 46,2 % der Stimmen nicht gegen Berthold Tillmann (CDU) durchsetzen.

Aufgrund von Recherchen von Franz Walter und Stephan Klecha zur Haltung von Parteien und Politikern in den 1970er und 1980er Jahren zum strafrechtlichen Schutz gegen Pädophilie wurde auch Strässers früheres Verhalten thematisiert.[4] Er bezeichnet die damaligen Aktivitäten heute als „groben Unfug.“[5]

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1999 bis 2002 gehörte Strässer dem Rat der Stadt Münster an.

Seit der Bundestagswahl 2002 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2002 bis 2005 war er stellvertretender Sprecher, von 2005 bis 2014 Sprecher der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der SPD-Bundestagsfraktion. Strässer war von 2002 bis 2014 Mitglied des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und des Rechtsausschusses. Von Dezember 2002 bis Februar 2009 war er außerdem Beauftragter der SPD-Fraktion für Freie Berufe.

Strässer war bis 2014 Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und der Westeuropäischen Union (WEU). Er war Beauftragter des Europarates für die Lage der politischen Gefangenen in Aserbaidschan.

Strässer zog 2002 und 2005 als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Münster in den Bundestag ein. Er ist der erste Sozialdemokrat, der bei einer Bundestagswahl diesen Wahlkreis gewinnen konnte. Dabei setzte er sich jeweils knapp gegen den CDU-Kandidaten Ruprecht Polenz durch.

Zur Bundestagswahl 2009 trat Strässer erneut als Direktkandidat für den Wahlkreis Münster an; Polenz erhielt mehr Stimmen. Strässer zog über die Landesliste der SPD NRW in den Bundestag ein.

Strässer ist unter anderem Mitglied des Kuratoriums von Aktion Deutschland Hilft, des Bündnisses der Hilfsorganisationen, und des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Er unterstützt[6] die Ausstellung „ich krieg dich – children affected by war“ von World Vision[7], das diesem Bündnis angehört.[8][9]

Er war von 2005 bis 2014 Sprecher der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der SPD-Bundestagsfraktion. Seit Januar 2014 ist er Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, hat aber seinen Rücktritt zum Ende Februar 2016 angekündigt. Nach Medienberichten erklärte er am 22. Februar 2016 aufgrund der Unvereinbarkeit seiner Positionen mit den „geplanten Verschärfungen der Asylgesetze“ seinen Rücktritt zum Ende des Monats.[3] Andere berichteten, in seinem Rücktrittsschreiben, den er mit persönlicher Überlastung begründete, habe er zugleich erklärt: „Gleichzeitig will ich nicht verhehlen, dass sich auch in meinem Arbeitsfeld, insbesondere im Bereich der Flüchtlingspolitik (Asylpaket II), politische Entscheidungen abzeichnen, die für mich nur schwer vereinbar sind mit meinen eigenen Positionen und meiner eigenen Glaubwürdigkeit“.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beauftragter für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe Auswärtiges Amt
  2. a b Flüchtlingspolitik der Bundesregierung: Menschenrechtsbeauftragter Strässer tritt zurück. Spiegel online, 22. Februar 2016, abgerufen am 23. Februar 2016.
  3. a b Menschenrechtsbeauftragter Strässer tritt zurück. In: Deutschlandfunk. Abgerufen am 22. Februar 2016 (de-de).
  4. Schulte von Drach: Ein Skandal, der schon lange Geschichte ist - Kommentar in: Süddeutsche Zeitung vom 13. September 2013.
  5. Westfälische Nachrichten. Abgerufen am 13. Oktober 2013.
  6. http://www.christoph-straesser.de/meldung.php?meldung=2587&page=0
  7. "ich krieg dich - children affected by war". Auswärtiges Amt, 10. Februar 2010, abgerufen am 22. März 2011.
  8. Für viele Kinder ist Krieg bitterer Ernst. In: Westfälische Nachrichten vom 26. August 2010.
  9. Was Krieg für Kinder bedeutet. In: Münstersche Zeitung vom 26. August 2010.