Cornelia Koppetsch

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Cornelia Koppetsch (* 13. März 1967 in Werdohl/Westfalen) ist eine deutsche Soziologin mit den Schwerpunkten politische Soziologie, Ungleichheitsforschung sowie Familien- und Geschlechterforschung. Sie lehrt als ordentliche Professorin für Geschlechterverhältnisse, Bildung und Lebensführung an der Technischen Universität Darmstadt.[1] Koppetsch wurde in neuerer Zeit bekannt durch ihre Thesen zum Aufstieg der neuen Rechtsparteien.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vater von Cornelia Koppetsch arbeitete im Postdienst als Zusteller, die Mutter ist Hausfrau. Ihre Schwester Anne-Kathrin Koppetsch, ist evangelische Pastorin in Dortmund. Koppetsch ging auf das Bergstadt-Gymnasium in Lüdenscheid. In ihrer Jugend war Koppetsch in der evangelischen Kirche aktiv. Nach ihrem Abitur nahm Koppetsch ein Studium der Soziologie, Psychologie und Philosophie an der Justus-Liebig-Universität Gießen auf. Nach dem Vordiplom 1988 wechselte sie an die Universität Hamburg und absolvierte dort 1992 das Diplom in Psychologie. Danach war Koppetsch bis 1996 Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes und arbeitete an ihrer Dissertation zu Wissenschaft an Hochschulen. Ein deutsch-französischer Vergleich. 1996 wurde sie bei Martin Kohli und Wolf Lepenies an der Freien Universität Berlin zum Dr. phil. promoviert. Von 1995 bis 1998 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der PH Freiburg, 1998 wurde sie wissenschaftliche Assistentin an der Universität Lüneburg. Sie veröffentlichte zusammen mit Günter Burkart eine Studie zu Geschlechterverhältnissen in Paarbeziehungen im Milieuvergleich (Die Illusion der Emanzipation. Zur Reproduktion von Geschlechtsnormen in Paarbeziehungen im Milieuvergleich). 2006 folgte die Habilitation mit einer Studie über Arbeit und Identität im Wandel: Das Ethos der Kreativen. Vom bürgerlichen Beruf zur Kultur des neuen Kapitalismus und erhielt die Venia Legendi für Soziologie. Dissertation und Habilitationsschrift erwiesen sich als richtungsweisend für ihr späteres Schaffen.

Koppetsch nahm verschiedene Gastprofessuren wahr, unter anderem am Department of Sociology der University of Chicago (USA) und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der politischen Soziologie, der Mittelschichts- und Ungleichheitsforschung und der Geschlechterforschung.

Mit der Studie Die Gesellschaft des Zorns. Rechtspopulismus im globalen Zeitalter legte Koppetsch 2019 einen Erklärungsansatz zu den gesellschaftlichen Entstehungsursachen der neuen Rechtsparteien in Europa und in den USA vor. Der Aufstieg der neuen Rechtsparteien lässt sich demnach zurückführen auf einen epochalen Umbruch: den Übergang von der Industriemoderne hin zur globalen Moderne, die durch kulturelle, ökonomische und politische Grenzöffnungen geprägt ist. Dieser Wandel hat quer durch alle gesellschaftlichen Milieus Gewinner und Verlierer erzeugt und eine sozialmoralische Spaltung der Gesellschaft hervorgerufen, die sich im politischen Raum als „Kulturkonflikt“ äußert.

Unterschiedliche Arbeiten von Koppetsch befassen sich mit dem gegenwärtigen Wandel von Lebensführung und Gefühlswelten in der Mittelschicht. Dabei spielen ihrer Meinung nach Verunsicherungen und Abstiegsängste, die durch den beschleunigten Wandel und die Globalisierung westlicher Gesellschaften hervorgerufen wurden, eine zentrale Rolle. In diesem Zusammenhang beschäftigt sie sich auch mit der zeitgenössischen Eskalation von ideologischen und politischen Auseinandersetzungen.[2]

Koppetsch ist Mitbegründerin eines milieuvergleichenden Ansatzes in der Geschlechterforschung, der die Beharrungskraft traditioneller Rollenaufteilungen im Geschlechterverhältnis auf die Wirksamkeit latenter Geschlechtsnormen bezieht. Dieser Ansatz erklärt Geschlechterverhältnisse nicht durch biologische oder anthropologische Unterschiede, sondern geht davon aus, dass es latente Übereinstimmungen zwischen Männern und Frauen hinsichtlich des „richtigen“ Mannseins bzw. Frauseins gibt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Wandel von akademischen Berufsfeldern in den Kreativ- und Wissensökonomien.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gesellschaft des Zorns – Rechtspopulismus im globalen Zeitalter. transcript, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4838-6.
  • Wenn der Mann kein Ernährer mehr ist. Geschlechterkonflikte in Krisenzeiten. Suhrkamp, Berlin 2015, ISBN 978-3-518-12701-8, mit Sarah Speck.
  • Die Wiederkehr der Konformität. Streifzüge durch die gefährdete Mitte. Campus, Frankfurt am Main/New York 2013, ISBN 978-3-593-39902-7.
  • Das Ethos der Kreativen. Eine Studie zum Wandel von Arbeit und Identität am Beispiel der Werbeberufe. UVK, Konstanz 2006, ISBN 978-3-89669-608-3.
  • Wissenschaft an Hochschulen. Ein deutsch-französischer Vergleich. UVK, Konstanz 2000, ISBN 978-3-87940-739-2.
  • Die Illusion der Emanzipation. Zur Wirksamkeit latenter Geschlechtsnormen im Milieuvergleich. UVK, Konstanz 1999, ISBN 978-3-87940-658-6, mit Günter Burkart.

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Soziologie des Privaten. VS-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17751-9, mit Kornelia Hahn.
  • Nachrichten aus den Innenwelten des Kapitalismus. Zur Transformation moderner Subjektivität. VS-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-18163-9.
  • Klasse und Klassifikation. Die symbolische Dimension sozialer Ungleichheit. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 978-3-531-13749-0, mit Anja Weiß, Albert Scharenberg und Oliver Schmidtke
  • Körper und Status. Zur Soziologie der Attraktivität. UVK, Konstanz 2000, ISBN 978-3-87940-738-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edith Kresta: Soziologin über die urbane Mittelschicht: „Viele Linke machen sich etwas vor“. In: taz. 8. Juli 2018 (taz.de [abgerufen am 17. August 2019]).
  2. Edith Kresta: Soziologin über die urbane Mittelschicht: „Viele Linke machen sich etwas vor“. In: taz. 8. Juli 2018 (taz.de [abgerufen am 9. Juli 2018]).