Cougar (Slang)

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Cougar ist eine englische Slang-Bezeichnung für Frauen, die einen wesentlich jüngeren Mann entweder für eine Beziehung oder als Sexualpartner suchen. Im normalen Sprachgebrauch bedeutet der Begriff Puma (Silberlöwe). Der Begriff spielt einerseits auf die Haarfarbe an, andererseits auf das Bild der „Jagd“ nach Partnern.

Begriff und Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der genaue Ursprung des Begriffs liegt im Unklaren. Seine erste Verwendung fand er offenbar in den 1980er-Jahren im kanadischen Eishockey-Team Vancouver Canucks als Bezeichnung für „ältere Single-Frauen, die zu den Spielen der Mannschaft gingen, um Spielern sexuell nachzustellen.“[1] Seine Popularisierung scheint auf einen Artikel[1] und ein Buch der kanadischen Toronto-Sun-Kolumnistin Valerie Gibson von 2001 bzw. 2002 zurückzugehen. Gibson hatte ihn nach eigenen Angaben von einer Bekannten aufgeschnappt und als „Bezeichnung für Frauen über 40, die gern jüngere Partner haben und sich nicht fest binden wollen“, übernommen.[2][3] Nach anderen Quellen soll für die Entstehung des Begriffs in British Columbia auch „Cougar Annie“ (Ada Annie Rae-Arthur, 1888–1985) prägend gewesen sein. Rae-Arthur, die viermal verheiratet war (unter anderem mit einem zwölf Jahre jüngeren Mann), galt als unabhängig und selbstbewusst; ihr Spitzname rührt daher, dass sie im Lauf ihres Lebens rund 100 Pumas geschossen haben soll.[4]

Anspielungen auf Raubtiere und Jagd sind in der sexuellen Begriffswelt häufig anzutreffen. Andere Ausdrücke, die mit Katzen in Verbindung stehen (beispielsweise „Muschi“), drücken jedoch eher ein Klischee der weiblichen Rolle als „klein“, „schwach“ oder „passiv“ aus. Cougar dreht dieses Bedeutungsfeld um, indem gleich das größte katzenartige Raubtier Nordamerikas zur Analogie herangezogen wird. Die Frau ist hier nicht passiv, sondern geht aktiv auf die „Jagd“ nach jüngeren Sexualpartnern.[5]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einflussreich für die Verbreitung des Begriffs war die US-Fernsehserie Cougar Town (2009–2015), die auf Deutsch mit dem Untertitel „40 ist das neue 20“ vermarktet wurde. Die Hauptdarstellerin Courteney Cox bekam 2010 den Golden Globe Award für die Rolle. 2008 brachte Donna Moore ein Musical namens Cougar in New York als Off-Broadway-Show heraus, das 2016 auch im Neuen Berliner Scala gezeigt wurde. Im gleichnamigen Titelsong heißt es:

„A cougar is a woman empowered, strong, with loot. She looks fine while sipping wine in her Armani suit.“

„Eine Cougar ist eine Frau, mächtig, stark, mit Beute. Sie sieht gut aus, während sie in ihrem Armani-Kostüm am Wein nippt.“[6]

Der Begriff machte Karriere: 2007 landete er auf Platz 2 im US-amerikanischen Wort-des-Jahres-Wettbewerb der Oxford University Press und Newsweek rief das Jahr 2009 zum „Year of the Cougar“ aus, nachdem es inzwischen Bücher, Mainstream-Filme und Beiträge in namhaften Zeitungen wie der New York Times gegeben hatte[7] und er sogar in einer Debatte des neuseeländischen Parlaments gefallen war.[1] Nach Einschätzung von Forschern der Victoria University of Wellington ist die mediale Aufmerksamkeit allerdings übertrieben, wenngleich die Anzahl von Paaren, in denen die Frau deutlich älter ist als der Mann, seit den 1980er-Jahren zugenommen habe.[1] Gemäß einer Studie der American Association of Retired Persons aus dem Jahr 2003 hatte eine von drei allein wohnenden Frauen in den USA im Alter von 40 bis 69 Jahren jüngere Partner. Laut dem US Census Bureau war im Jahr 1997 in den USA in weniger als 500.000 Paaren der Mann mindestens zehn Jahre jünger als die Frau. 2003 gab es ca. 3 Millionen Paare, bei denen der Mann mindestens sechs Jahre jünger als die Frau war. Eine Studie der McGill University aus dem Jahr 2015 kommt zu dem Schluss, dass ca. 13 % der 35- bis 44-jährigen Frauen in den USA mit einem mindestens fünf Jahre jüngeren Mann geschlafen hatten.[8] Der Autor Mark J. Penn beschreibt das Phänomen und den gesellschaftlichen Trend ausführlich in seinem 2007 erschienenen Buch Microtrends in einem Kapitel mit dem Titel Cougars.[9]

Gleichwohl trifft der Begriff auch auf Kritik: Die Verwendung des Wortes Cougar etwa für Brigitte Macron, Ehefrau des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, kritisiert der Soziologe Eric Fassin als sexistisch, da man in ihm zwar „eine Art Bewunderung“ für die Subversion überkommener Normen sehen könne, die Frau mit der Titulierung aber auch „animalisiere“: Das weibliche Begehren sei „begehrenswert, aber auch bedrohlich für die Männlichkeit“.[10] Allgemein kann der Begriff zwar eine Beleidigung darstellen, aber auch als Metapher für sexuell emanzipierte Frauen dienen.[11]

Im Januar des Jahres 2010 strahlte der neuseeländische Sender Air New Zealand einen kontroversen Werbespot aus, in dem Cougars als aggressive, promiske, tragische, berauschte Frauen auf Beutezug dargestellt wurden. Die Kampagne war so umstritten, dass sie eingestellt wurde.[1]

Pornographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die ursprünglichen Erfinderinnen den Begriff als „post-feministisch“ verstanden wissen wollten[12] und Frauen, die sich mit dem Begriff identifizieren, damit Empowerment verbanden oder der „Vergleich mit einem kraftvollen, geschmeidigen und sehr attraktiven Raubtier“[13] ihnen zusagte, tauchen Cougar-Frauen auch als Genre in der Pornographie auf[14] (vgl. MILF), die jedoch statt des Interesses der Frauen an jüngeren Männern die Vorlieben von Männern an älteren Frauen in den Vordergrund stellt. Die Paarung „ältere Frau, jüngerer Mann“ kommt auf der Pornographiewebseite YouPorn sogar am häufigsten vor.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rosemary-Claire Collard: Cougar figures, gender, and the performances of predation. In: Gender, Place & Culture. Band 19, Nr. 4, August 2012, S. 518–540, doi:10.1080/0966369X.2011.610179.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Zoe Lawton, Paul Callister: Older Women-Younger Men Relationships: the Social Phenomenon of ‘Cougars’. A Research Note. Institute of Policy Studies Working Paper 10/02. Wellington Januar 2010 (englisch, ips.ac.nz [PDF; 415 kB; abgerufen am 15. Mai 2017]).
  2. Valerie Gibson: Cougar: A Guide for Older Women Dating Younger Men. Firefly Books Ltd., 2002, ISBN 978-1-55297-635-7.
  3. Maridel Reyes: Field Guide to the Cougar – Why society has not quite accepted the May/December relationship. In: Psychology Today. 1. November 2010, abgerufen am 13. Mai 2017 (englisch).
  4. Collard 2012, S. 526 f.
  5. Collard 2012, S. 532
  6. Zitiert nach Collard 2012, S. 518
  7. Ramin Setoodeh: Why 2009 is the year of the Cougar. Newsweek, 17. Juni 2009, abgerufen am 13. Mai 2017 (englisch).
  8. Milaine Alarie, Jason Carmichael: The “Cougar” Phenomenon: An Examination of the Factors That Influence Age-Hypogamous Sexual Relationships Among Middle-Aged Women. In: Journal of Marriage and Family. Band 77, Nr. 5, Oktober 2015, S. 1250–1265, doi:10.1111/jomf.12213 (englisch, researchgate.net [PDF; 289 kB; abgerufen am 20. Mai 2017]).
  9. Mark J. Penn, E. Kinney Zalesne: Microtrends: the small forces behind tomorrow’s big changes. Twelve, New York 2007, ISBN 978-0-446-58096-0.
  10. Patrick Kovarik: Brigitte Macron, cible de remarques sexistes : «Dire cougar, c'est animaliser». Le Parisien, 10. Mai 2017, abgerufen am 13. Mai 2017 (französisch).
  11. Josie Tetley, David Lee, James Nazroo, Sharron Hinchliff: Let’s talk about sex – what do older men and women say about their sexual relations and sexual activities? A qualitative analysis of ELSA Wave 6 data. In: Ageing & Society. 15. November 2016 (englisch, whiterose.ac.uk [PDF; 226 kB; abgerufen am 21. Mai 2017]).
  12. Collard 2012, S. 528
  13. Collard 2012, S. 529
  14. Vanessa Murdock, Charles Clarke, Jaap Kamps, Jussi Karlgren: Current Research on Search and Exploration of X-rated Information. In: Workshop on Search and Exploration of X-Rated Information. Rom 5. Februar 2013 (englisch, uva.nl [PDF; 142 kB; abgerufen am 21. Mai 2017]).
  15. Derrell Cox II: What Drives the Human Sex Drive? Peering into the Portals of Virtual Sex. S. 8 (englisch, researchgate.net [PDF; 282 kB; abgerufen am 21. Mai 2017]).