Der große Coup (1973)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filmdaten
Deutscher TitelDer große Coup
OriginaltitelCharley Varrick
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1973
Länge111 Minuten
AltersfreigabeFSK 18 (bei Erscheinen), danach 16
Stab
RegieDon Siegel
DrehbuchJohn Reese (Buch)
Dean Riesner
Howard Rodman
ProduktionDon Siegel
MusikLalo Schifrin
KameraMichael C. Butler
SchnittFrank Morriss
Besetzung

Der große Coup ist ein Thriller von Don Siegel aus dem Jahr 1973 nach dem Roman „The Looters“ von John Reese. Der Film kam im Verleih der Universal Pictures am 19. Oktober 1973 in die US-Kinos. Walter Matthau wurde für diesen Film 1974 mit dem British Academy Film Award als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Frank Morriss war in der Kategorie Bestes Drehbuch für den gleichen Preis nominiert.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charley Varrick, ein ehemaliger Kunstflugpilot, hat sein wenig einträgliches Geschäft als selbstständiger Schädlingsbekämpfer satt. Gemeinsam mit seiner Frau Nadine und zwei weiteren Komplizen überfiel er deswegen schon wiederholt kleinere Banken. Da die Beute immer nur wenige tausend US-Dollar betrug, ebbte das Interesse von Sheriff und Staatsanwaltschaft an der Aufklärung der Überfälle meist schnell ab.

Als Charley und Nadine zusammen mit Al und dem etwas unbedarften Harman Sullivan eine Bank in New Mexico ausrauben, geschieht das Unvorhergesehene. Al und ein Wachmann der Bank werden erschossen, Charleys Frau erschießt zwei Polizisten, wird selbst angeschossen und stirbt kurze Zeit später an ihren Verletzungen. Die Beute beträgt mehr als 750.000 US-Dollar. Da der Überfall in den Nachrichten kaum Erwähnung findet und zudem die Bank erklärt, die Höhe des geraubten Geldes betrage lediglich 2.000 Dollar, ahnt Charley, dass es sich bei der Beute um Schwarzgeld der Cosa Nostra handelt, das in der kleinen Bank zwischengelagert wurde. Er mahnt deshalb zu höchster Vorsicht, aber der unbekümmerte Harman unterschätzt die Brisanz der Situation, in der sich beide von da an befinden: Er hat vor, das Geld mit vollen Händen auszugeben.

Der sadistische Auftragsmörder Molly wird vom Syndikat auf die Bankräuber angesetzt. Da die verantwortlichen Mafiabosse sich weigern, an „Zufälle“ zu glauben, vermuten sie einen Informanten aus den eigenen Reihen. Da das Geld, das bei dem Überfall geraubt wurde, sich im Verantwortungsbereich des Unterbosses Maynard Boyle befand, gerät dieser in Verdacht, in den Überfall verstrickt zu sein. Boyle teilt dem Filialleiter Young mit, dass die Mafia beide für das Verschwinden des Geldes verantwortlich machen wird. Young, der Angst vor Folter hat, erschießt sich selbst.

Währenddessen bereitet sich Charley darauf vor, zusammen mit Harman das Land zu verlassen. Er möchte bei einer Fotografin, die nebenbei eine kleine Fälscherwerkstatt betreibt, neue Pässe besorgen. Der Besitzer des Waffengeschäfts, der Charley Varrick die Adresse der Fotografin verkaufte, verkehrt aber selbst in Unterweltkreisen und wird kurz darauf von Molly gezwungen, sein Wissen preiszugeben. Von der Fotografin erfährt Molly die Kontaktadresse von Charley, einen Wohnwagenpark. Dort erscheint Molly des Nachts am Wohnwagen von Charley und Harman. Der naive Harman ist allein. Er hat zwar zunächst Bedenken, öffnet dem Unbekannten aber schließlich die Tür – entgegen Charleys vorheriger Warnungen. Molly versucht mit Folter, aus Harman das Versteck der Beute sowie den Aufenthaltsort von Charley herauszupressen; allerdings kennt Harman beides nicht. Molly prügelt ihn zu Tode und lässt die Leiche im Wohnwagen zurück.

Um weiteren Nachstellungen zuvorzukommen, kontaktiert Charley Boyle zwecks einer Geldrückgabe. Diese soll auf einem Schrottplatz stattfinden – dem Ort des Showdowns. Charley – wohl wissend, dass Molly die beiden beobachtet – täuscht dabei herzliche Umarmungen mit Boyle vor. Molly denkt daraufhin, dass Boyle ein Komplize Varricks ist und tötet Boyle mit seinem Wagen.

Unterdessen besteigt Charley Varrick sein kleines Flugzeug und versucht mit diesem scheinbar zu fliehen, überschlägt sich nach einer langen Verfolgungsjagd aber absichtlich und bleibt kopfüber liegen. Molly glaubt, ihn in der Hand zu haben und verspricht ihn zu befreien, wenn er ihm den Ort der Beute zeigt. Charley gibt an, dass das Geld im Kofferraum eines in der Nähe abgestellten Schrottautos liege. Als Molly den Kofferraum des Autos öffnet, explodiert eine Bombe und tötet ihn. In dem Kofferraum liegt auch die entstellte Leiche von Harman; diese trägt Charleys Armbanduhr und seinen Ehering. Zuvor hatte Charley bei einem nächtlichen Einbruch in die Praxis seines Zahnarztes mit dem Austausch der Röntgenbilder dafür gesorgt, dass die verbrannten Überreste im Kofferraum als seine eigenen identifiziert werden würden.

Charley besteigt schließlich einen versteckt geparkten Wagen und kann unbehelligt mit der Beute davonfahren.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sämtliche Drehorte für die Außenaufnahmen waren in Nevada – die Bank in dem Ort Genoa, der Trailerpark bei Dayton, die Kleinstadtszenen mit der Wohnung der Fotografin in Gardnerville, die Großstadtszenen in Reno. Die Schlussszene auf dem Autoschrottplatz wurde in der Nähe der „Mustang Ranch“, einem Bordell östlich von Reno (der Besitzer Joe Conforte tritt in einem Cameo als er selbst auf), gedreht.[1]

Der Arbeitstitel „The Last of the Independents“, die ironische Bezeichnung, die Charley Varrick sich als Motto für sein Firmenschild wählte, wurde von Don Siegel als offizieller Titel favorisiert, aber von Universal-Studioboss Lew Wasserman gegen seinen Willen geändert.

Don Siegel hat einen kurzen Cameo-Auftritt, bei dem er mit einem asiatischen Mafiaboss Tischtennis spielt.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Flugzeug, das Matthau in der Schlussszene flog, havarierte drei Jahre später bei einem Sprüheinsatz, wobei der Pilot starb.
  • Andrew Robinson (im Film das Opfer) spielte im ersten Dirty-Harry-Film von Don Siegel selbst einen psychopathischen Killer.
  • Die Warnung von Boyle an den Bank-Filialleiter, er würde nackt ausgezogen und mit Drahtzange und Lötlampe bearbeitet („a blow torch and a pair of pliers“), wird von Quentin Tarantino in Pulp Fiction leicht abgewandelt wiederbenutzt.[2]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Dieser Film hat einige der besten Sequenzen an schwarzem Humor und Spannung in Siegels Karriere.“

„Nüchtern, beinahe desinteressiert, folgt der Film Charley Varrick Schritt für Schritt, jede Annäherung ans Innenleben aber wird verweigert. Die vom Drehbuch vorgesehene Sentimentalität der Vorgeschichte erstickt sogleich in der Regungslosigkeit des echsengleichen Helden. In diesem Kontrast steckt der hauptsächliche Reiz des Films: noch die überraschendste List Varricks trifft auf äußerste Gleichmut, der Figur wie der Inszenierung.“

„Es gibt eine Menge von Gewalt in 'Der große Coup' [...] Doch die Gewalt ist keine störendes Abbild irgendeiner erkennbaren realen Welt, sondern vielmehr wesentlicher Bestandteil der Choreographie des Action-Melodrams in einer Scheinwelt.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Locations auf IMDb.com
  2. Trivia auf IMDb.com
  3. Chicago Tribune vom 10. September 2000
  4. jump-cut.de
  5. New York Times vom 20. Oktober 1973