Deutsche Goldreserven

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Deutsche Goldreserven ist eine Bezeichnung für die Goldbestände, die im Eigentum der Deutschen Bundesbank sind. Sie umfassten am 31. Dezember 2014 3.384.225 kg – fast 3.400 Tonnen – Feingold in physischen Beständen (Goldbarren). Der Goldpreis an diesem Tag betrug 31.757,51 Euro je Kilo; das Gold war also rechnerisch 107.474.559.280 Euro wert.[1] Daneben besitzt die Bundesbank umfangreiche Währungsreserven.

Die Goldreserven der Bundesbank sind seit dem Ende der 1960er Jahre[2] die zweitgrößten der Welt.[3] Nur die Vereinigten Staaten haben noch größere Goldreserven.

Die Bundesbank könnte die Reserven im Zuge einer Währungskrise verpfänden oder verkaufen.[4]

Bestand und Lagerorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Goldbestand von 3386,4 Tonnen (Stand: 31. März 2014)[5] lagerten 1536 Tonnen (ca. 45 %) bei der US-Notenbank Fed in New York, 450 Tonnen (ca. 13 %) bei der Bank of England in London und 374 Tonnen (11 %) bei der Banque de France in Paris. 1036 Tonnen, ungefähr ein Drittel (ca. 31 %) des Bestandes, verwahrte die Bundesbank in eigenen Tresoren im Inland.[6]

Die deutschen Goldreserven hatten Anfang 2013 einen Marktwert von 131,4 Milliarden Euro. 2013 fiel der Goldpreis; im Zuge der Eurokrise und des jahrelang steigenden Goldpreises wuchs das öffentliche Interesse an ihnen.

Im Oktober 2012 bestätigte die Bundesbank erstmals, dass mehr als die Hälfte des deutschen Goldes im Ausland (allein fast 45 % in den USA) lagert.[7] Die Lagerung des Goldes im Ausland wird seit langem kritisiert. Im Januar 2013 gab die Bundesbank bekannt, sie lasse rund 700 Tonnen von New York und Paris nach Frankfurt bringen; beginnend 2013 und 2020 endend.[8]

Die Bundesbank verkauft jährlich etwa fünf bis sechs Tonnen Gold an das Bundesfinanzministerium zur Prägung von Gedenkmünzen;[9] ansonsten kauft und verkauft die Bundesbank kein Gold.[6]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutschen Goldreserven stammen aus der Zeit des Bretton-Woods-Systems (1944–1973) und der Europäischen Zahlungsunion (1950–1958), als Länder mit Leistungsbilanzdefiziten Staaten mit Leistungsbilanz-Überschüssen Gold überschrieben.

Von 1945 bis 1950 hatte Deutschland keine Goldreserven.[10] 1948 wurde die Bank deutscher Länder (Vorgängerin der Bundesbank) gegründet. Sie besaß 1951 zum ersten Mal Gold; der Bestand am Jahresende 1951 betrug 24,5 Tonnen. 1968 erreichte die Goldmenge im Eigentum der Bundesbank einen Hochstand; zum Jahresende 1968 betrug sie 4.033,8 Tonnen.[10] Die Bundesbank (bis 1. August 1957 Bank deutscher Länder) erhielt das Gold in New York (Sitz der FED), London (Sitz der Bank of England) und Paris (Sitz der Banque de France) und beließ es angesichts des Kalten Krieges dort.

Im Jahr 1969 sank der Goldbestand durch den Verkauf von 14 Millionen Unzen Gold an die FED auf 3.625,4 Tonnen. In den Jahren 1970 bis 1973 nahm der Goldbestand leicht zu. Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 blieb dieser Bestand bis 1977 fast unverändert bei etwa 3.658 Tonnen. 1977 ließ die Bundesbank Goldbestände von ihrem Depot bei der Bank of England auf das BIZ-Depot bei der Bank of England übertragen und erhielt im Gegenzug eine Gutschrift auf ihrem Goldkonto bei der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) in Basel.

Im Januar 2004 erwog die Bundesbank den Abbau der Reserven um 20 % innerhalb der folgenden fünf Jahre.[11] Zu diesem Zeitpunkt betrug die Menge der Reserven 3440 Tonnen,[12] ein Jahr darauf 3433 t.[13] Die Bundesrepublik Deutschland, zusammen mit anderen europäischen Staaten, verpflichtete sich 2009 im dritten Central Bank Gold Agreement, insgesamt nicht mehr als 400 t Gold pro Jahr über eine 5-jährigen Zeitraum zu veräußern.

Im März 2012 betrug der Bestand 3396 t.[14] Der Marktwert betrug infolge des damals hohen Goldpreises zeitweise 136 Mrd. Euro.[15] Ende 2014 nannte die Bundesbank einen Goldbestand von 3.384,2 Tonnen Gold.[16]

Diskussion um die Lagerung im Ausland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1998 unterscheidet die Bundesbank in ihren Bilanzen nicht mehr zwischen (physisch vorhandenem) Gold und Goldforderungen.[17]

Bundestagsabgeordnete wie zum Beispiel Martin Hohmann erhielten auf ihre zum Teil wiederholt gestellten Fragen von der Bundesregierung ungenaue Antworten.[18][19] Die Geheimniskrämerei von Bundesbank und Bundesregierung sorge erst dafür, dass „eine Menge Seemannsgarn gesponnen“[20] wird und Verschwörungstheorien entstehen. In dem Zusammenhang wurde bekannt, dass die Zentralbanken in London und Paris den Wunsch der Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder (CDU) und Marco Wanderwitz (CDU), die physischen Goldbestände der Bundesbank in Augenschein zu nehmen, ablehnten. Im Mai 2012 bildete sich eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Holt unser Gold heim!“. Deren Aufruf zur Rückführung der Goldreserven nach Deutschland haben über 15.000 Menschen unterschrieben.[21] Hinter der Aktion steht auch der Bund der Steuerzahler Bayern e. V.

Der Bundesrechnungshof ermittelte im Auftrag des Bundestags, ob die Bundesbank ihre ausländischen Goldbestände einer regelmäßigen Inventur unterwirft. Am 22. Oktober 2012 veröffentlichte der Bundesrechnungshof einen Bericht an den Bundestags-Haushaltsausschuss, in dem eine regelmäßige Inventur der im Ausland verwahrten deutschen Goldreserven gefordert wurde, da die Währungsreserven einen hohen Wert erreichten.[22]

Nach der Rüge des Rechnungshofes erklärte die Bundesbank, 50 Tonnen jährlich aus New York nach Frankfurt holen zu wollen. Die Bestände sollen dort eingeschmolzen, auf ihre Qualität geprüft und in neue Barren gegossen werden. Die in der Bundesbank-Zentrale verwahrten Bestände bestehen dem Bundesrechnungshof-Bericht zufolge aus 82.857 Barren, die überwiegend in verplombten Containern mit je 50 Barren lagern, die in vier separat verschlossenen Tresorboxen lagern, ein Teil davon (6183 Barren) in offenen Regalen in einem separaten Tresor.

In einer Pressemitteilung vom 16. Januar 2013 teilte das Vorstandsmitglied der Bundesbank Carl-Ludwig Thiele mit, dass bis zum Jahr 2020 insgesamt 19 % der deutschen Goldbestände aus dem Ausland nach Frankfurt, entsprechend 674 Tonnen Gold aus den Vereinigten Staaten und Frankreich mit einem Gesamtwert von 27 Milliarden Euro verbracht werden. Das Golddepot in Paris soll ganz aufgelöst werden. In New York verbleiben 37 % statt bisher 45 % des deutschen Goldes. In der Bank of England lagernde Goldreserven im Umfang von 13 % blieben unverändert. Das Pariser Golddepot werde aufgelöst aufgrund der gemeinsamen Währung und weil in Frankfurt Lagerkapazitäten frei seien. Der Bundesrechnungshof betonte, dass es ihm nie um die Verlagerung des Goldes nach Deutschland ging, sondern um die Erstellung eines klaren Konzeptes, in dem begründet würde, warum und wie viel Gold wo gelagert werde.[23][4] Die vollständige Rückholung aus Frankreich erfolgt unter anderem, weil in einer Währungskrise in Paris aufgrund der gemeinsamen Währung keine Devisen zu erhalten seien.[24]

Rund 100 exemplarische Barren der bei der Fed in New York lagernden Goldbestände von 60 Regierungen können besichtigt werden.[24] Die in Deutschland aufbewahrten Bestände können nicht besichtigt werden.[2]

Rückholungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Bundesbankpräsident Jens Weidmann wurden 2013 knapp 37 Tonnen Gold (5 Tonnen aus New York und 32 Tonnen aus Paris) nach Frankfurt transportiert. Eine Sicherheitsfirma ließ einen Teil der Goldbarren einschmelzen. Dadurch ist nicht erkennbar, ob dasselbe Gold zurückkam, das einst eingelagert wurde.[25][26]

Im Jahr 2014 wurden insgesamt 120 Tonnen Gold nach Frankfurt gebracht, davon 35 Tonnen aus Paris und 85 Tonnen aus New York.[27]

2015 wurden 110 Tonnen aus Paris und 100 Tonnen aus New York nach Frankfurt verlagert. Seit Beginn der Verlagerungen im Jahr 2013 wurden insgesamt 367 Tonnen Gold nach Frankfurt am Main gebracht, davon 177 Tonnen aus Paris und 190 Tonnen aus New York. Das entspricht etwa 54,5 Prozent der zu verlagernden Menge (Stand 31. Dezember 2015).[28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bilanz der Deutschen Bundesbank zum 31. Dezember 2014
  2. a b Lorenz Wolf-Doettinchem; Jan Christoph Wiechmann: Der letzte Schatz der Deutschen. In: Stern vom 1. Juli 2004 (online).
  3. Daniel Gratzla: Der Goldschatz der Bundesbank. In: Focus Online. vom 4. März 2011 (online).
  4. a b Dorit Heß: Der Goldschatz geht auf Reisen. In: Handelsblatt. Nr. 50, 12. März 2013, ISSN 0017-7296, S. 29.
  5. Deutsches Gold bleibt in New York, abgerufen am 24. Juni 2014.
  6. a b Dorit Heß, Norbert Härling: Der Goldjunge. In: Handelsblatt. Nr. 11, 16. Januar 2013, ISSN 0017-7296, S. 46.
  7. spiegel.de 24. Oktober 2012: 45 Prozent des deutschen Goldes lagern in den USA
  8. spiegel.de 16. Januar 2013
  9. Bundesbank.de: Diagramm (16. Januar 2013) (PDF)
  10. a b bundesbank.de (18. Januar 2013)
  11. Deutsche Bundesbank: Vorstandsbeschluss zur Erneuerung des Goldabkommens, (Pressenotiz vom 29. Januar 2004).
  12. N.N.: Union kritisiert geplante Verkäufe der Goldreserve. In: Manager-Magazin vom 30. Januar 2004 (online).
  13. Gerald Braunberger: Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 15/2005 (17. April 2005), S. 47 (http://www.faz.net/-gv6-qccv online).
  14. Goldreserven sollen durchleuchtet werden in Die Wirtschaftswoche vom 23. Oktober 2012
  15. 109.194 Tausend Unzen. Deutsche Bundesbank: Währungsreserven und Fremdwährungsliquidität der Bundesrepublik Deutschland. I. Währungsreserven und sonstige Fremdwährungsaktiva (online), abgerufen am 5. Mai 2012.
  16. Tabelle: Entwicklung und Aufgliederung der Goldbestände der BdL/BBk seit 1950 (PDF)
  17. Manfred Gburek: Das Geheimnis des deutschen Goldschatzes. In: Wirtschaftswoche vom 3. November 2011 (online). Vgl. Geschäftsbericht 1997 (S. 172) und Geschäftsbericht 1998 (S. 198).
  18. Barbara Hendricks, Parlamentarische Staatssekretärin, am 1. Oktober 2002: „Die Deutsche Bundesbank hält einen großen Teil ihrer Goldbestände in eigenen Tresoren im Inland.“ (Wirtschaftswoche vom 3. November 2011).
  19. Ferdinand Lips: Die Goldverschwörung. Kopp Verlag, Rottenburg 2003, ISBN 3-930219-54-9, S. 301 f.
  20. Peter Vollmer: Die Jagd auf den Goldschatz der Bundesbank. In: Financial Times Deutschland. vom 7. November 2011 (online (Memento vom 8. November 2011 im Internet Archive))
  21. [1]
  22. [2]
  23. Bundesbank holt Reserven aus dem Ausland: 674 Tonnen Gold kommen nach Deutschland. tagesschau.de, 16. Januar 2013, abgerufen am 16. Januar 2013.
  24. a b Rolf Benders, Dorit Heß: Verschlusssache: Bundesbank-Gold. In: Handelsblatt. Nr. 10, 30. Januar 2013, ISSN 0017-7296, S. 30 f.
  25. https://www.impulse.de/finanzen-vorsorge/bundesbank-holt-37-tonnen-gold-aus-dem-ausland-zurueck/2012390/
  26. http://www.focus.de/finanzen/boerse/gold/auslaendische-bestaende-zurueckgeholt-bundesbank-holt-37-tonnen-gold-aus-new-york-zurueck-1_id_3556381.html
  27. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/goldschatz-bundesbank-holte-2014-insgesamt-120-tonnen-zurueck-a-1013739.html
  28. Die deutschen Goldreserven. Bundesbank, abgerufen am 23. März 2016.