Deutsche Goldreserven

Als Deutsche Goldreserven werden diejenigen Goldreserven bezeichnet, die im Eigentum der Deutschen Bundesbank stehen. Die Bundesrepublik Deutschland verfügt nach den USA über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Dabei lagert etwas mehr als die Hälfte der Goldbestände in Frankfurt, nämlich 51,04 %. 12,06 % der Bestände hält die Bank of England in London und 36,90 % die Federal Reserve Bank of New York (Stand 2025).[1]
Allgemeines
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gemäß § 3 BBankG hält und verwaltet die Deutsche Bundesbank die Währungsreserven und mithin den Goldbestand. Dieser umfasste am 31. Dezember 2019 3.366.500 kg Feingold in Goldbarren. Ausgewiesen wurden diese Goldbestände in der Bilanz der Bundesbank mit 146,562 Mrd. Euro; 2021 waren es 173,821 Mrd. Euro; Ende 2023 dann 201,335 Mrd. und Ende 2024 270,580 Mrd. Euro.[2] Für Mitte 2025 wurde ein Wert von 340 Mrd. Euro errechnet.[3] Daneben besitzt die Bundesbank umfangreiche Währungsreserven.[4]
Die Goldreserven der Bundesbank sind seit dem Ende der 1960er Jahre[5] die zweitgrößten der Welt.[6] Nur die Vereinigten Staaten haben noch größere Goldreserven.
Die Bundesbank könnte die Reserven im Zuge einer Währungskrise verpfänden oder verkaufen.[7]
Bestand und Lagerstellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jedes Jahr veröffentlicht die Deutsche Bundesbank einen „Bericht zum Goldbestand der Deutschen Bundesbank“, in dem Barren-, Melt- oder Inventarnummer, Barrenanzahl, Bruttogewicht, Feingewicht und Feingehalt sämtlicher im Besitz der Bundesbank befindlichen Goldbarren unter Angabe der Lagerstätte aufgelistet werden.[8] Der Goldbestand der Bundesbank nahm in den Jahren 1998 bis 2024 von 3.551 auf 3.351 t, d. h. um 200 t ab. Mit dem Übergang vom Europäischen Währungssystem zur Europäischen Währungsunion übertrug die Bundesbank – wie alle am Eurosystem teilnehmenden Zentralbanken – Währungsreserven an die Europäische Zentralbank, darunter unter anderem 232 Tonnen Gold.[9]
Im Jahr 2013 beschloss die Bundesbankdirektion ein neues Lagerstellenkonzept für die deutschen Goldreserven, nach dem ab 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven im Inland lagern sollte.[9] Bis 2017 wurden 300 Tonnen Gold aus New York[10] und 374 Tonnen aus Paris[11] nach Frankfurt gebracht. Die damit verbundene Auflösung des Depots in Paris wurde damit begründet, dass Frankreich genauso wie Deutschland den Euro als Währung habe und Paris kein Handelsplatz für Gold wie etwa London sei.[9] Während zum Jahresende 1998 nur 119 t Gold in Frankfurt lagerten (3,4 % des Gesamtbestands), waren es Ende 2024 1710 t (51,0 %).
Die Goldbestände in New York, Paris und London waren aufgrund anhaltender deutscher Exportüberschüsse entstanden. Die Importe aus Deutschland wurden von den Empfängerländern teilweise in Reservewährungen und teilweise in Gold bezahlt und das Gold wurde der Einfachheit halber und aus Kostengründen vor Ort eingelagert. Das Gold in New York, London oder Paris war also nicht aus Deutschland dorthin transportiert worden. Insofern sind immer wieder erhobene Forderungen nach „Zurückholung“ der deutschen Goldreserven irreführend. Während der Zeit des Kalten Krieges spielten auch sicherheitspolitische Überlegungen eine Rolle, d. h. man wollte das Gold an einem weit von der Sowjetunion entfernten Ort aufbewahrt sehen.[9]
Ende 2022 hatte der Goldbestand nach Angaben der Bundesbank einen Wert von 184 Milliarden Euro.[12] Ende 2021 belief sich der wertmäßige Anteil des Goldes an den Währungsreserven der Bundesbank auf rund 66 %. 1972 lag der Anteil noch unter 30 %, was maßgeblich an dem damals viel niedrigeren Goldpreis lag.[9]
Die Unversehrtheit der Goldbarren wird regelmäßig zerstörungsfrei mittels Ultraschall, mit einem Röntgenfluoreszenzspektrometer (um die Zusammensetzung des Materials an der Oberfläche zu analysieren) und mit einer speziellen digitalen Präzisionswaage geprüft.[9] Die Bundesbank verkauft jährlich einige wenige Tonnen Gold an das Bundesfinanzministerium zur Prägung von Gedenkmünzen;[13] ansonsten kauft und verkauft die Bundesbank kein Gold.[14]
| Lagerstandort | 31.12. 1998[15] |
31.12. 2016[16] |
31.12. 2017[17] |
31.12. 2018[18] |
31.12. 2019[4] |
31.12. 2020[19] |
31.12. 2021[20] |
31.12. 2022[21] |
31.12. 2023[22] |
31.12. 2024[23] |
31.12. 2025[24] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 119 | 1.619 | 1.710 | 1.710 | 1.710 | 1.710 | 1.710 | 1.710 | 1.710 | 1.715,5 | 1.710 | |
| 1.537 | 1.236 | 1.236 | 1.236 | 1.236 | 1.236 | 1.236 | 1.236 | 1.236 | 1.239,6 | 1.236,2 | |
| 1.521 | 432 | 427 | 423 | 420 | 416 | 412 | 409 | 407 | 406,3 | 403,9 | |
| 374 | 91 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
| Insgesamt | 3.551 | 3.378 | 3.374 | 3.370 | 3.367 | 3.362 | 3.358 | 3.355 | 3.353 | 3.361,4 | 3.350,2 |
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gründerzeit und Erster Weltkrieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 forderte und erhielt das Deutsche Reich von Frankreich Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Französischen Francs. So flossen dem Deutschen Reich große Mengen Gold und Silber in Münzform zu (5-Franc-Stücke enthielten 45 Gramm Feinsilber, 10-Franc-Stücke enthielten 2,9032 Gramm Feingold). Diese waren einer der Auslöser für den Wirtschaftsboom in der Gründerzeit.
Ein kleiner Teil von 120 Mio. FF wurde als Reichskriegsschatz im Juliusturm der Zitadelle Spandau eingelagert und fiel nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zurück an Frankreich. Laut der New York Times wurden 1919 rund 90 Mio. Goldmark (umgerechnet ca. 4,5 Mio. Britische Pfund) über Amsterdam nach London geliefert, der Artikel spekuliert als deren Ursprung ebenfalls die Zitadelle Spandau.[25] Darüber hinaus wurden 1921 weitere 450 Mio. US-Dollar in Gold von Deutschland („über Holland und England“) nach New York verschifft, und insgesamt bereits 748 Mio. US-Dollar seit Mitte 1920.[26]
Zweiter Weltkrieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kurz nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 ließ das NS-Regime die Goldreserve und die Devisenreserven Österreichs, die aufgrund der deflationistischen Wirtschaftspolitik der Regierungen in den 1930er Jahren beachtliche Bestände erreicht hatten, in das devisenarme Deutschland transportieren. So gerieten mehr als 2,7 Milliarden Schilling an Gold und Devisen unter NS-Kontrolle.[27]
Auf Grund der deutschen Bedrohung verlagerte Belgien ein Drittel seiner Goldreserven ins Vereinigte Königreich, ein Drittel nach Kanada und die Vereinigten Staaten und nahezu den Rest nach Südfrankreich. Frankreich verschiffte bei Ausbruch des Krieges den größten Teil dieses Goldes nach Dakar im Senegal (statt es, wie von der belgischen Regierung gefordert, in die Vereinigten Staaten zu senden.) Nachdem Deutschland 1940 Belgien und Frankreich besetzt hatte, forderte das deutsche Außenministerium die Übergabe der im Senegal befindlichen belgischen Goldreserve. 1941 veranlassten französische Beamte des Vichy-Regimes den Transport von 4.944 Kisten mit 198 Tonnen Gold, die nach einigen politischen Scheinmanövern am 9. Oktober 1942 offiziell in den Besitz von Vertretern der Deutschen Reichsbank kamen. Die Barren wurden danach eingeschmolzen, in Preußische Staatsmünzen geprägt und in die Schweiz gebracht[28], um von den Erlösen Waren und Munition von neutralen Ländern zu kaufen. (Die Banque de France erstattete der Belgischen Nationalbank nach Kriegsende eine Kompensation für den Verlust dieses Goldes.)[29]
Bretton-Woods
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die heutigen deutschen Goldreserven stammen aus der Zeit des Bretton-Woods-Systems (1944–1973) und der Europäischen Zahlungsunion (1950–1958), als Staaten mit Leistungsbilanz-Defiziten denjenigen mit Leistungsbilanz-Überschüssen Gold überschrieben.
Von 1945 bis 1950 hatte Deutschland keine Goldreserven.[30] 1948 wurde die Bank deutscher Länder (Vorgängerin der Bundesbank) gegründet. Sie besaß 1951 zum ersten Mal Gold; der Bestand am Jahresende 1951 betrug 24,5 Tonnen. 1968 erreichte die Goldmenge im Eigentum der Bundesbank einen Hochstand; zum Jahresende 1968 betrug sie 4.033,8 Tonnen.[30] Die Bundesbank (bis 1. August 1957 Bank deutscher Länder) erhielt das Gold in New York (Sitz der FED), London (Sitz der Bank of England) und Paris (Sitz der Banque de France) und beließ es angesichts des Kalten Krieges dort.
Im Jahr 1969 sank der Goldbestand durch den Verkauf von 14 Millionen Unzen Gold an die FED auf 3.625,4 Tonnen. In den Jahren 1970 bis 1973 nahm der Goldbestand leicht zu.
Nach Bretton-Woods
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 blieb dieser Bestand bis 1977 fast unverändert bei etwa 3.658 Tonnen. 1977 ließ die Bundesbank Goldbestände von ihrem Depot bei der Bank of England auf das BIZ-Depot bei der Bank of England übertragen und erhielt im Gegenzug eine Gutschrift auf ihrem Goldkonto bei der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) in Basel.
Im Jahr 1998 wurden der Bundesbank das 1979 im Rahmen der EWS-Gründung in den Fonds für Währungspolitische Zusammenarbeit (EFWZ) eingebrachte Gold (23,8 Mio. Unzen = 740 Tonnen) zurückübertragen.[31] Nachdem die Bundesbank im Januar 1999 6,5 % ihrer physischen Goldreserven (7,46 Mio. Unzen, ca. 232 Tonnen) an die EZB übertrug (als deutschen Anteil der Währungsreserven)[30][15] erwog sie im Januar 2004 den Abbau der Reserven um weitere 20 % innerhalb der folgenden fünf Jahre.[32] Zu diesem Zeitpunkt betrug die Menge der Reserven 3440 Tonnen,[33] ein Jahr darauf 3433 t.[34] Die Bundesrepublik Deutschland, zusammen mit anderen europäischen Staaten, verpflichtete sich 2009 im dritten Central Bank Gold Agreement, insgesamt nicht mehr als 400 t Gold pro Jahr über einen 5-jährigen Zeitraum zu veräußern. Im März 2012 betrug der Bestand jedoch immer noch 3396 t.[35]
Der Marktwert betrug infolge des damals hohen Goldpreises zeitweise 136 Mrd. Euro.[36] Ende 2014 nannte die Bundesbank einen Goldbestand von 3.384,2 Tonnen Gold.[15]
Diskussion um die Lagerung im Ausland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1998 unterscheidet die Bundesbank in ihren Bilanzen nicht mehr zwischen (physisch vorhandenem) Gold und Goldforderungen.[37][38]
Die Lagerstellen der nationalen Goldreserven befinden sich zum Teil im Ausland. Deshalb ist ein Lagerrisiko in Form des Transferstopprisikos in der Weise vorhanden, dass politische Ereignisse (wie Embargo) oder höhere Gewalt (Bürgerkrieg) die Auslieferung der Goldbarren an den Eigentümer Bundesbank verhindern können. Deshalb haben sich verschiedene Zentralbanken als Eigentümer der staatlichen Goldreserve seit 2002 bemüht, die Anzahl der ausländischen Lagerstellen zu vermindern und/oder die Goldreserven im eigenen Land zu lagern.
Forderung nach regelmäßiger Inventarisierung der im Ausland lagernden Goldreserven
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um das Jahr 2011 herum entspann sich eine – zum Teil durch Boulevardmedien angeheizte – Debatte darum, ob die in New York City, Paris und London lagernden Goldreserven (der „Goldschatz der Deutschen in New York“ – bild.de) wirklich auch physikalisch dort vorhanden seien.[39] Die Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder (CDU) und Marco Wanderwitz (CDU) stellten den Antrag, die physischen Goldbestände der Bundesbank in Augenschein zu nehmen, was von den ausländischen Banken abgelehnt wurde.[40] Nach Mitteilung der Bundesbank wurden die im Ausland lagernden Goldbestände durch die interne Revision der Bundesbank kontrolliert, allerdings ohne Inventur.[41]
Am 22. Oktober 2012 veröffentlichte der Bundesrechnungshof einen Bericht an den Bundestags-Haushaltsausschuss, in dem eine regelmäßige Inventur der im Ausland verwahrten deutschen Goldreserven angemahnt wurde, da die Währungsreserven einen hohen Wert erreicht hätten. Danach erklärte die Bundesbank, 50 Tonnen jährlich aus New York nach Frankfurt holen zu wollen. Die Bestände sollen dort eingeschmolzen, auf ihre Qualität geprüft und in neue Barren gegossen werden.[42]
In einer Pressemitteilung vom 16. Januar 2013 teilte das Vorstandsmitglied der Bundesbank Carl-Ludwig Thiele mit, dass bis zum Jahr 2020 insgesamt 19 % der deutschen Goldbestände aus dem Ausland nach Frankfurt, entsprechend 674 Tonnen Gold aus den Vereinigten Staaten und Frankreich, mit einem Gesamtwert von 27 Milliarden Euro, verbracht werden. Das Golddepot in Paris solle ganz aufgelöst werden. In New York verblieben nach dieser Planung 37 % statt bisher 45 % des deutschen Goldes und in der Bank of England lagernde Goldreserven im Umfang von 13 % blieben unverändert. Das Pariser Golddepot werde aufgrund der gemeinsamen Währung und weil in Frankfurt Lagerkapazitäten frei seien, aufgelöst. Der Bundesrechnungshof betonte, dass es ihm nie um die Verlagerung des Goldes nach Deutschland ging, sondern um die Erstellung eines klaren Konzeptes, in dem begründet würde, warum und wie viel Gold wo gelagert werde.[43] Die vollständige Rückholung aus Frankreich erfolge unter anderem, weil in einer Währungskrise in Paris aufgrund der gemeinsamen Währung keine Devisen zu erhalten seien.[44]
Diskussion um die Verlagerung aller im Ausland befindlichen Goldreserven nach Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Mai 2012 bildete sich eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Holt unser Gold heim!“. Deren Aufruf zur Rückführung der Goldreserven nach Deutschland unterzeichneten über 13.000 Personen, darunter Euro-Kritiker wie der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel und der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler.[45]
Ab März 2025 tauchte das Thema der in den USA gelagerten Goldreserven erneut in den Medien auf. Ausgangspunkt war ein Artikel des Mediums bild.de, auf den sich in den folgenden Tagen mehrere Medien bezogen. Zitiert wurde in diesem Zusammenhang hauptsächlich der Lobbyist Michael Jäger (Bund der Steuerzahler Deutschland) mit der Forderung einer umgehenden „Rückholung“ und „physikalischen Prüfung“.[46] Die Politiker Marco Wanderwitz (CDU) und Markus Felber (CSU) wurden in dem Artikel als Unterstützer des Anliegens dargestellt. Ein Artikel auf zdf.de zitierte Jäger einige Tage später ebenfalls im Original.[47] Der ursprüngliche Artikel wurde in der Folge von mehreren Medien zitiert, wobei teilweise der Eindruck entstand, es handele sich um eine relevante Debatte, die von einer größeren Anzahl Politiker geführt werde.[48][49][50][51][52][53] Rolf Langhammer vom Kiel Institut für Weltwirtschaft hielt die Forderung für „völlig unbegründet“ und „kontraproduktiv“, da dies Zweifel am Fortbestand der Beziehungen zwischen der US-amerikanischen und deutschen Notenbank wecken könnte.[54] Die Bundesbank erteilte den Überlegungen ebenfalls eine klare Absage und betonte das jahrzehntelange Vertrauen in die Fed.[54]
In Anbetracht der Grönlandkrise lebte die Diskussion um Goldbestände der Deutschen Bundesbank in Depots der Federal Reserve Bank of New York abermals auf.[55] Die Befürworter einer Verlagerung der deutschen Goldbestände nach Frankfurt argumentierten, dass Präsident Trump zunehmend die Unabhängigkeit der Federal Reserve Bank in Frage stelle. Es könne sein, dass Trump eines Tages plötzlich die deutschen Goldreserven in New York als Faustpfand in Beschlag nehme, beispielsweise um vermeintliche „NATO-Schulden“ einzutreiben. Amerika sei nicht mehr berechenbar.[56][57] Am 17. März 2026 stellte die AfD-Bundestagsfraktion einen Antrag auf Transfer aller im Ausland lagernden Goldbestände der Bundesbank nach Deutschland „um für Deutschland die Option einer (teilweisen) Golddeckung einer künftig möglicherweise wieder nationalen Währung post Euro zu erhalten“. Der Antrag wurde zunächst an die zuständigen Fachausschüsse verwiesen.[58]
Die niederländische Nationalbank (DNB) gab am 4. September 2026 bekannt, dass rund 86 Tonnen ihres Goldbesitzes aus New York und Ottawa nach London verlagert worden seien. 59 Tonnen Gold in den USA wurden verkauft, und dafür Gold in London angekauft. Mehr als 27 Tonnen aus den USA und Kanada wurden dagegen über den Atlantik transportiert.[59] Danach lagerten nur noch 18,5 Prozent der DNB-Bestände in New York und Kanada, 32 Prozent bei der Bank of England und 31 Prozent im eigenen Land. Offiziell wurde die Aktion durch die DNB mit „zunehmenden geopolitischen Unruhen“ begründet. Schon 2014 hatte die Bank eine Verlagerung angekündigt, aber dann nicht umgesetzt. Die Verlagerung wurde zum Teil als politisches Signal des Misstrauens gesehen.[60]
Verlagerung ins Inland
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Nach Ende des Kalten Krieges wurde die Lagerung im Ausland aufgrund der veränderten internationalen Sicherheitslage zunehmend in Frage gestellt, auch vor dem Hintergrund, dass die Goldlagerung dort kostenpflichtig war.
Im Jahr 1997/98 wurden die Bundesbank-Goldepots bei der Bank von Kanada (zuletzt knapp 41 Tonnen) und bei der Schweizerischen Nationalbank (zuletzt 1,5 Tonnen) aufgelöst. Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit wurde um die Jahrtausendwende Gold im größeren Stil aus London nach Frankfurt verlagert. Ca. 929 Tonnen (2000: 661 Tonnen und 2001 ca. 268 Tonnen) wurden aus der Bank of England zur dauerhaften Einlagerung in die Frankfurter Tresore transferiert.[15] Die von der Bundesbank zur Prägung von Gedenkmünzen jährlich verkauften ca. vier bis sechs Tonnen Gold werden seit 2008 ebenfalls aus London geholt.
2013 begann die Bundesbank mit den angekündigten weiteren Verlagerungen. Die Transporte liefen im Jahr 2013 hauptsächlich mit Gold aus Paris an, was wegen der geringen Entfernung schneller zu organisieren war. Insgesamt wurden knapp 37 Tonnen Gold nach Frankfurt transportiert, davon vorerst nur 5 Tonnen aus New York. Da die veraltete Form der Barren aus New York nicht zu der (dem aktuellen Standard entsprechenden) Barrenform passte, wie sie das Gold aus London und Paris schon hatte, ließ die Bundesbank die Barren aus New York nach der Ankunft in Europa einschmelzen und in neue Formen gießen. Dabei wurde laut Bundesbankpräsident Jens Weidmann der Transport der nummerierten Barren von Bundesbank-Mitarbeitern vom Abtransport bis zum Schmelzbetrieb und der Einlagerung in Frankfurt anhand der Bestandslisten kontrolliert. Einen Grund zur Beanstandung hinsichtlich Gewicht und Feingehalt habe es nicht gegeben.[61] Im Rahmen von Swap-Geschäften hatte die Bundesbank in den 1960er-Jahren ebenfalls Gold unter Good-Delivery-Standard akzeptiert und diese auf Kosten der USA umschmelzen lassen.[62]
Mit der Einlagerung von 91 Tonnen Gold aus Paris in Frankfurt wurde 2017 das Depot in der Banque de France aufgelöst. Damit war die Verlagerung bereits deutlich eher abgeschlossen als ursprünglich angedacht.[63] Insgesamt kostete die Verlagerung der Goldbarren nach Frankfurt von 2013 bis 2017 über 7 Millionen Euro.[64]
Aktuelle Lagerstellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lagerstätten der Goldreserven der Deutschen Bundesbank
Stand: 31. Dezember 2025[1]
Am 31. Dezember 2025 lagerten 136.637 Goldbarren im Gesamt-Feingewicht von 1.710,0624673 Tonnen in verschiedenen Lagerstätten der Bundesbank in Deutschland. Dies entsprach 51,04 Prozent des gesamten Goldbesitzes. In der Bank of England lagerten 32.328 Goldbarren mit 403,9924642 Tonnen Feingewicht (12,06 Prozent) und in der Federal Reserve Bank in New York City 98.613 Goldbarren mit Feingewicht 1.236,2315997 Tonnen (36,90 Prozent).[1] Dabei haben die beiden ausländischen Lagerorte der deutschen Goldreserven unterschiedliche Funktionen und Lagerbedingungen. Die Barren in London sind offen und einzeln zugänglich gelagert, da sich an diesem internationalen Handelsplatz für Gold die Bestände öfter verändern. Die Lagerung erfolgt kostenpflichtig, allerdings auch mit Haftung. In New York liegen die Barren nur zur Aufbewahrung und daher sehr wenig beweglich. Bei dieser Art der Lagerung entstehen keine Kosten, die FED haftet allerdings im Verlustfall auch nicht für die Bestände. Beide Bestände werden regelmäßig von der Bundesbank mit zerstörungsfreien Methoden (Ultraschall, Röntgenfluoreszenzspektrometer und Präzisionswaage) auf Homogenität, Feingehalt und Gewicht untersucht.[9]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 The Deutsche Bundesbank’s gold holdings as per 31 December 2025. Deutsche Bundesbank, abgerufen am 5. September 2026 (englisch).
- ↑ Der Jahresabschluss der Deutschen Bundesbank für das Jahr 2024. Abgerufen am 18. September 2025.
- ↑ Wie sicher ist das deutsche Gold in New York? 2. Mai 2025, abgerufen am 18. September 2025.
- 1 2 Bundesbank Geschäftsbericht 2019 (PDF; 1 MB), Seite 53 (Stand 31. Dezember 2019) – Abgerufen am 28. März 2019
- ↑ Lorenz Wolf-Doettinchem; Jan Christoph Wiechmann: Der letzte Schatz der Deutschen. In: Stern vom 1. Juli 2004 (online ( vom 8. August 2010 im Internet Archive)).
- ↑ Daniel Gratzla: Der Goldschatz der Bundesbank. In: Focus Online. vom 4. März 2011 (online).
- ↑ Dorit Heß: Der Goldschatz geht auf Reisen. In: Handelsblatt. Nr. 50, 12. März 2013, S. 29.
- ↑ Goldbestand der Deutschen Bundesbank, Stand: 31.12.2024 – Überblick über die Lagerstellenverteilung des Goldbestandes der Deutschen Bundesbank. Deutsche Bundesbank, abgerufen am 12. April 2025.
- 1 2 3 4 5 6 7 Das Gold der Deutschen. Forum Bundesbank in der Hauptverwaltung in Hessen, 21. September 2022, abgerufen am 12. April 2025.
- ↑ Frank Stocker: 300 Tonnen Gold aus New York nach Deutschland geholt. In: Die Welt. 9. Februar 2017.
- ↑ dpa: Der Goldschatz ist zurück. In: Handelsblatt. 23. August 2017.
- ↑ Deutschlands Gold ist auch im Ausland sicher. 11. Januar 2024, abgerufen am 22. Juni 2024.
- ↑ Bundesbank.de: Diagramm (16. Januar 2013) ( vom 2. Dezember 2016 im Internet Archive) (PDF)
- ↑ Dorit Heß, Norbert Härling: Der Goldjunge. In: Handelsblatt. Nr. 11, 16. Januar 2013, ISSN 0017-7296, S. 46.
- 1 2 3 4 Tabelle: Entwicklung und Aufgliederung der Goldbestände der BdL/BBk seit 1950 (PDF; 69 kB)
- ↑ Goldbestand der Deutschen Bundesbank, Stand: 31.12.2016. (pdf) In: fragdenstaat.de. Abgerufen am 13. September 2026.
- ↑ Goldbarren-Inventurliste der Bundesbank (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2023. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) (Stand 31. Dezember 2017) – Abgerufen am 2. März 2018
- ↑ Goldbarren-Inventurliste der Bundesbank (Stand 31. Dezember 2018) – Abgerufen am 2. April 2019
- ↑ Deutsche Bundesbank: Goldbestand der Deutschen Bundesbank zum 31.12.2020. 31. Dezember 2020, abgerufen am 28. Juli 2021.
- ↑ Deutsche Bundesbank: Goldbestand der Deutschen Bundesbank zum 31.12.2021. 31. Dezember 2021, abgerufen am 6. März 2022.
- ↑ Deutschlands Gold ist auch im Ausland sicher. 11. Januar 2024, abgerufen am 22. Juni 2024.
- ↑ Wie hoch sind Deutschlands Goldreserven und wo lagern sie? 17. April 2024, abgerufen am 22. Juni 2024.
- ↑ Goldreserven Zentralbanken. 14. März 2025, abgerufen am 20. März 2025.
- ↑ Gesamtbestand an Gold der Deutschen Bundesbank, Stand 31.12.2025. Abgerufen am 19. April 2026.
- ↑ Britain gets German Gold, The New York Times vom 13. September 1919
- ↑ Bankers' view of the gold import movement, The New York Times vom 21. August 1921
- ↑ Manfred Jochum: Die Erste Republik in Dokumenten und Bildern. Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien 1983, S. 247.
- ↑ Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Fischer, Frankfurt 2005, S. 162 ff.
- ↑ Das belgische Gold in den Händen von Ausländern. Museum der Belgischen Nationalbank, 16. Februar 2021, abgerufen am 10. Januar 2023.
- 1 2 3 Entwicklung der Goldbestände Bundesbank.de vom 18. Januar 2013 – Abgerufen am 6. Februar 2018.
- ↑ Carl-Ludwig Thiele: Pressegespräch „Deutsche Goldreserven“. (pdf) In: Deutsche Bundesbank. 16. Januar 2013, S. 7, abgerufen am 6. September 2026.
- ↑ Deutsche Bundesbank: Vorstandsbeschluss zur Erneuerung des Goldabkommens. (Pressenotiz vom 29. Januar 2004 ( vom 30. Januar 2012 im Internet Archive)).
- ↑ N.N.: Union kritisiert geplante Verkäufe der Goldreserve. In: Manager-Magazin vom 30. Januar 2004 (online).
- ↑ Gerald Braunberger: Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 15/2005 (17. April 2005), S. 47 (faz.net).
- ↑ Goldreserven sollen durchleuchtet werden. In: Die Wirtschaftswoche. 23. Oktober 2012.
- ↑ 109.194 Tausend Unzen. Deutsche Bundesbank: Währungsreserven und Fremdwährungsliquidität der Bundesrepublik Deutschland. I. Währungsreserven und sonstige Fremdwährungsaktiva ( online ( vom 3. Februar 2007 im Internet Archive)), abgerufen am 5. Mai 2012.
- ↑ Manfred Gburek: Das Geheimnis des deutschen Goldschatzes. In: Wirtschaftswoche vom 3. November 2011 ().
- ↑ Geschäftsbericht 1997 ( vom 3. Februar 2007 im Internet Archive) (PDF, S. 172)
Geschäftsbericht 1998 ( vom 24. September 2011 im Internet Archive) (PDF, S. 198). - ↑ Ralf Schuler: BILD beim Goldschatz der Deutschen in New York. In: Bild.de. 6. März 2012, abgerufen am 5. September 2026.
- ↑ Philip Plickert: Rechnungshof fordert Bestandsaufnahme – Politiker dürfen Goldreserven nicht sehen. 22. Oktober 2012, abgerufen am 5. September 2026.
- ↑ Die Welt vom 21. Mai 2014, Liegt das Gold der Bundesbank wirklich in New York?, abgerufen am 21. November 2021
- ↑ Warum die Deutschen ihr Gold im Ausland lagern. In: Süddeutsche Zeitung. 23. Oktober 2012, abgerufen am 5. September 2026.
- ↑ Bundesbank holt Reserven aus dem Ausland: 674 Tonnen Gold kommen nach Deutschland. tagesschau.de, 16. Januar 2013, archiviert vom am 18. Januar 2013; abgerufen am 16. Januar 2013.
- ↑ Rolf Benders, Dorit Heß: Verschlusssache: Bundesbank-Gold. In: Handelsblatt. Nr. 10, 30. Januar 2013, ISSN 0017-7296, S. 30 f.
- ↑ Finger weg vom Gold der Bundesbank! In: Handelsblatt. 16. März 2013, archiviert vom am 13. März 2022; abgerufen am 5. September 2026.
- ↑ Holt sofort unser Gold aus den USA zurück! bild.de vom 27. März 2025, abgerufen am 17. Mai 2025
- ↑ Goldschatz zurück in deutsche Tresore? – zdf.de vom 31. März 2025 – Abgerufen am 17. Mai 2025.
- ↑ "Holt unser Gold heim": Rückholaktion gefordert t-online.de vom 30. März 2025, abgerufen am 17. Mai 2025
- ↑ Ist das Gold der Bundesbank in den USA noch sicher? handelsblatt.com vom 4. April 2025, abgerufen am 17. Mai 2025
- ↑ Nach Trumps Zoll-Hammer: Unionspolitiker fordern Rückholung von deutschem Gold aus US-Tresoren fr.de vom 5. April 2025, abgerufen am 17. Mai 2025
- ↑ Sorge um deutsche Goldreserven in US-Tresoren stern.de vom 7. April 2025, abgerufen am 17. Mai 2025
- ↑ Müssen wir unser Gold vor Donald Trump schützen? rp-online.de vom 8. April 2025, abgerufen am 17. Mai 2025
- ↑ Was passiert mit den deutschen Goldreserven in den USA? de.euronews.com vom 9. April 2025, abgerufen am 17. Mai 2025
- 1 2 Unter Trump: So sicher ist das deutsche Gold in den USA noch morgenpost.de vom 25. April 2025, abgerufen am 17. Mai 2025
- ↑ Michelle Goddemeier: Reserven im Ausland: Ist das deutsche Gold in den USA noch sicher?, tagesschau.de, 23. Januar 2026, abgerufen am 25. Januar 2026
- ↑ Ist das deutsche Gold in den USA noch sicher? In: Tagesschau. 23. Januar 2026, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ "Mittelfristig Gold nach Deutschland holen". In: Tagesschau. 31. Januar 2026, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ Antrag thematisiert Rückholung der deutschen Goldreserven. In: bundestag.de. 18. März 2026, abgerufen am 5. September 2026.
- ↑ Michael Race: Why are European countries moving their gold out of North America? In: BBC News. 5. September 2026, abgerufen am 5. September 2026 (englisch).
- ↑ Angst vor Trump? Niederlande holen Goldreserven aus den USA – was macht Deutschland? In: boerse-online.de. 4. September 2026, abgerufen am 5. September 2026.
- ↑ Welt Online: Die ganze Wahrheit über das Gold der Bundesbank. In: Welt Online. (welt.de [abgerufen am 12. Juli 2018]).
- ↑ Deutsche Bundesbank: Zurück in die 60er: Tauschgeschäfte. (bundesbank.de [abgerufen am 17. Juli 2018]).
- ↑ Bundesbank schließt Goldverlagerungen vorzeitig ab. In: Deutsche Bundesbank. 23. August 2017, archiviert vom am 26. August 2017; abgerufen am 5. September 2026.
- ↑ Barbara Schäder: Sieben Millionen Euro für Verlagerung der Goldreserven. In: Stuttgarter Nachrichten. 9. Februar 2017, archiviert vom am 29. September 2023; abgerufen am 5. September 2026.