Martin Hohmann

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Martin Hohmann 2015

Martin Hohmann (* 4. Februar 1948 in Fulda) ist ein deutscher Politiker. Er war von 1998 bis 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages für die CDU. Seine als antisemitisch kritisierte Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2003 löste die sogenannte Hohmann-Affäre aus, die zu seinem Parteiausschluss führte. Er kandidiert 2016 für die Alternative für Deutschland.

Beruf und Familie[Bearbeiten]

Martin Hohmann besuchte das Domgymnasium Fulda und absolvierte 1966 das Abitur.[1] 1967/68 leistete er seinen Wehrdienst als Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr ab und durchlief hier auch die Ausbildung zum Reserveoffizier des Heeres (Fallschirmjägertruppe). Er hat den Dienstgrad eines Majors der Reserve. Von 1969 bis 1976 studierte er Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main. Nach dem Ersten Staatsexamen und seiner Referendarzeit legte er 1979 das Zweite Staatsexamen ab. Von 1980 bis 1984 war er beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden tätig, zuletzt als Kriminaloberrat in der Abteilung Terrorismus. Hohmann ist verheiratet und hat drei Kinder.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Hohmann trat 1980 der CDU bei und gehörte ab 1990 dem Vorstand des CDU-Kreisverbandes Fulda an. Von 1984 bis 1998 war er hauptamtlich Bürgermeister der Gemeinde Neuhof.

1998 wurde Hohmann in den Deutschen Bundestag gewählt, nachdem er sich in der Wahlkreisdelegiertenversammlung gegen einen anderen Kandidaten durchgesetzt hatte. Dieser war vom vorhergehenden Abgeordneten Alfred Dregger vorgeschlagen worden, nachdem Dregger seine eigene erneute Nominierung nicht durchsetzen konnte. Bei der Bundestagswahl 2002 errang er mit 54 % der Erststimmen das Direktmandat des Wahlkreises 176 (Fulda).

Am 5. Mai 1999 reichte Hohmann zusammen mit anderen Bundestagsabgeordneten einen Antrag ein, der die Errichtung eines Holocaust-Denkmals ablehnen sollte. Am 25. Juni begründete Hohmann diesen Antrag in einer Rede. Das Holocaustdenkmal sei in seinen Augen ein Indiz dafür, dass die Deutschen sich ihre Vergangenheit nicht verzeihen könnten:

„Meine Damen und Herren, viele Menschen fordern uns als Deutsche auf, langsam den Mut zu fassen, unseren Freunden zu sagen: Mehr als zwei Generationen nach diesem riesigen Verbrechen fühlen wir uns sozusagen resozialisiert. Warum? Kein Land hat Verbrechen in seiner Geschichte aufgearbeitet und bereut, Entschädigung und Wiedergutmachung geleistet wie wir. Nach christlichen Maßstäben folgt auf Sünde, Reue und Wiedergutmachung das Verzeihen. Freilich, das Verzeihen kann man nicht erzwingen. Aber von Freunden darf man es erwarten. Fast drei Generationen Bußzeit bis heute. Es sollten nicht sechs oder sieben werden. Insofern wäre das Mahnmal auch monumentaler Ausdruck der Unfähigkeit, uns selbst zu verzeihen.“

Von der evangelikalenidea-Redaktion“ wurde Hohmann zum Politiker des Jahres 2001 gekürt. Er wurde dafür ausgezeichnet, dass er sich nach dem Terror der Anschläge vom 11. September 2001 „gegen ein falsches Toleranzdenken und eine christlich-muslimische Verbrüderung“ gewandt hatte.

Nach seinem Ausschluss aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 14. November 2003 infolge der Hohmann-Affäre war er fraktionslos. Bei der Bundestagswahl 2005 trat Hohmann in seinem Wahlkreis Fulda als parteiloser Direktkandidat an, verlor jedoch mit 21,5 % der Erststimmen (39.545 Stimmen) gegen den CDU-Kandidaten Michael Brand, der 39,1 % erreichte. Daraufhin erklärte Hohmann noch am Wahlabend, seine politische Karriere beenden zu wollen.

Ende Oktober 2015 wurde Hohmann vom Kreisparteitag Fulda auf Platz 1 der AfD-Liste für die Kommunalwahlen im März 2016 in Hessen (Kreistag des Landkreises Fulda) nominiert. AfD-Mitglied sei er noch nicht, teilte aber seine Absicht mit, in die AfD "auf Sicht" einzutreten.[2]

Hohmann-Affäre[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hohmann-Affäre

Eine als antisemitisch kritisierte Rede Hohmanns zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2003 löste die sogenannte Hohmann-Affäre aus. In deren Folge wurde er (als zweiter Abgeordneter nach Karlfranz Schmidt-Wittmack) aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und später auch aus seiner Partei, der CDU Hessens, ausgeschlossen.[3]

Weitere politische Tätigkeit[Bearbeiten]

Nach seiner Wahlniederlage 2005 trat er nicht mehr als Kandidat an, verstand sich aber zunehmend als Mahner des christlichen Konservatismus. Das Antidiskriminierungsgesetz lehnte er ab, weil es angeblich das moralische Vorrecht der Christen in Frage stellt. Er klagte darüber, dass Homosexualität und Abtreibung zum allgemeinen Sittenverfall beitrügen und dass nur die Zuwanderung das Geburtendefizit ausgleichen würde. Obwohl er sich seinen eigenen Angaben nach nicht mehr der CDU zugehörig fühlt, sammelt er weiterhin Geld für eine Verfassungsklage gegen seinen Parteiausschluss. Mit Hilfe des Autors Bernhard Bellinger will er sich von jedem Antisemitismusvorwurf befreien.[4]

2004 stellte Hohmann sich der österreichischen rechtsextremen Zeitschrift Die Aula als Interviewpartner zur Verfügung und erklärte, dass er sich „sehr gut vorstellen“ könne, „dass eine klar konservative, patriotische, christliche Partei rechts neben der Union“ für Deutschland „von Vorteil sein könnte“. Zudem referierte er unter anderem beim FPÖ-nahen Neuen Klub in Salzburg und beim von dem rechtsextremen Verleger Dietmar Munier gegründeten Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen. 2005 unterzeichnete Hohmann den aus Kreisen des Instituts für Staatspolitik initiierten Appell 8. Mai 1945 – Gegen das Vergessen.[5] 2011 hielt er die Rede zum Auftakt der „Nationalwallfahrt“ der Piusbruderschaft in Fulda.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martin Hohmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographie Martin Hohmann
  2. Ex-MdB Martin HOHMANN kehrt in Politik zurück - als Nr. 1 der AfD im Kreis. In: Osthessen News, 31. Oktober 2015.
  3. Parteiausschluss von Hohmann rechtskräftig (Memento vom 18. Dezember 2007 im Internet Archive)
  4. Hohmanns eigene Webseite
  5. Anton Maegerle: Vom Obersalzberg bis zum NSU: Die extreme Rechte und die politische Kultur der Bundesrepublik 1988-2013. Edition Critic, Berlin 2013, S. 199 f.
  6. Vgl. http://www.osthessen-news.de/beitrag_J.php?id=1202790