Deutscher Bankangestellten-Verband

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

DBV
Deutscher Bankangestellten-Verband
Gewerkschaft der Finanzdienstleister

Vereinsdaten
Verbände: 6 Regionalverbände
Mitglieder: 20.800
Bundesvorstand
Vorsitzender: Stephan Szukalski
Stv. Vorsitzender: Robert Piasta
Stv. Vorsitzende: Ursula Feikes
Internet
Website: dbv-gewerkschaft.de

Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) ist eine verbandsunabhängige Gewerkschaft für Angestellte von Finanzdienstleistern mit Sitz in Düsseldorf. Er ist beim Amtsgericht Düsseldorf im Vereinsregister unter der Nummer VR 3723 mit dem Namen Deutscher Bankangestellten-Verband e.V. - nachfolgend: DBV-Gewerkschaft der Finanzdienstleister - eingetragen. Er hat 20.800 Mitglieder (Stand: Ende 2014) und ist damit die zweitgrößte Gewerkschaft in der Bankenbranche. Der DBV versteht sich als unabhängige Alternative zu den DGB-Gewerkschaften. Er ist Tarifpartner des privaten Bankgewerbes, der Genossenschaftsbanken, des privaten Versicherungsgewerbes und in zahlreichen Haustarifen. Er wurde 1894 in Magdeburg durch 56 Angestellte des privaten Bankgewerbes als Deutscher Bankbeamten-Verein gegründet. Bis heute sind die meisten Mitglieder des DBV im Bankgewerbe beschäftigt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Kaiserreichs und der Weimarer Republik war der DBV die größte Gewerkschaft im Bankensektor, der Organisationsgrad betrug 80–90 % der Angestellten. Er war maßgeblich an der Gründung des Versorgungswerkes des Bankgewerbes, des BVV, im Jahre 1909 beteiligt und ist bis heute Mitglied in der Versorgungskasse und im Aufsichtsrat der Kasse vertreten. 1920 erreichte der DBV den Abschluss des ersten Reichstarifvertrags für das Bankgewerbe durch langwierige, landesweite Streiks. Im selben Jahr erfolgte die Übernahme des konkurrierenden Vereins der Bankbeamten.

1919 wurden erstmals Frauen Mitglieder des DBV. Zu diesem Zeitpunkt waren nur rund 10 % der Bankbeschäftigten weiblich. Nach Überwindung der Hyperinflation 1923 gingen die Beschäftigtenzahlen im Bankengewerbe massiv zurück, dies spürte auch der DBV durch Mitgliederschwund. Zu einer Stabilisierung kam es in der Folge erst 1932, da auch die Weltwirtschaftskrise, die 1928 einsetzte, die Bankenlandschaft in Mitleidenschaft zog. Die Früchte konnten allerdings nicht mehr geerntet werden: Im Jahre 1933 wurde der langjährige Vorsitzende (Vorstandsmitglied seit 1903), Max Fürstenberg (1872–1934), in einer kurzfristig anberaumten Vorstandssitzung abgesetzt und der DBV gleichgeschaltet. Das Vermögen von zu dieser Zeit rund 1 Million Reichsmark wurde eingezogen. Der DBV ging auf dem Umweg über den Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband schließlich in der Deutschen Arbeitsfront (DAF) auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt neben den DGB-Gewerkschaften vorerst nur die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft DAG eine Zulassung. Der DBV konnte sich erst am 16. Dezember 1952 wiedergründen und schaffte es vorerst nicht, an Vorkriegserfolge im Bankengewerbe anzuknüpfen. Gegen den Trend konnten jedoch bereits in diesen frühen Jahren im Westbereich (Düsseldorf und Köln), in München und im Raum Hannover wieder zahlreiche Mitglieder gewonnen werden. 1970 benannte sich der DBV in Deutscher Bankangestelltenverband um.

In den 1970er und 1980er Jahren wurde seitens der DGB-Gewerkschaften verstärkt versucht, kleinere Gewerkschaften die Gewerkschaftseigenschaft und damit die Tariffähigkeit durch Gerichtsentscheid abzusprechen. Auch gegen den DBV wurde 1981 eine entsprechende Klage durch die Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV) eingereicht, 1989 stellte jedoch das Landesarbeitsgericht Düsseldorf letztinstanzlich die Gewerkschaftseigenschaft des DBV abschließend fest.

1994 feierte der DBV im Rahmen einer Hauptversammlung sein 100-jährigens Bestehen am Gründungsort Magdeburg, und benannte sich in der Folge in DBV – Gewerkschaft der Finanzdienstleister (2002) um. Damit trug der DBV dem Allfinanzkonzept verschiedener Banken und Versicherungen Rechnung, das auch zur Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz führen würde. Auch viele Banken hatten sich zu Beginn der 1990er Jahre durch den Zukauf von Versicherungen verstärkt. Bestärkt wurde der DBV in seiner Strategie durch den Trend in den Großbanken, Abteilungen und Servicebereiche in selbständige Serviceunternehmen auszugliedern, die ohne Banklizenz tätig sein können.

Der Beitritt der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) 2001 zu ver.di führte zu etlichen Übertritten von Mitgliedern und ehrenamtlichen Funktionären (Betriebsräte und Aufsichtsräte) in den DBV. Neben dieser Beitrittswelle in den Jahren 2001 und 2002 wächst der DBV kontinuierlich, trotz rückläufiger Beschäftigung im Kernbereich Bankenbranche. Der DBV ist in allen größeren Banken und Versicherungen durch Mitglieder vertreten. Der Organisationsgrad ist jedoch (wie bei allen anderen Gewerkschaften der Branche) nach wie vor gering, nur in wenigen Häusern liegt er bei 30–40 % der Beschäftigten. In den Großbanken ist der DBV insbesondere bei den Mitarbeitern der Deutschen Bank, der HypoVereinsbank und der ING-DiBa stark vertreten. Weitere Schwerpunkte sind die BHF-Bank, Berliner Volksbank, einige Tochterunternehmen der Postbank (BCB AG), die Deutsche Apotheker- und Ärztebank und andere, aber auch Allianz-Group und sogar der Bankensoftwarehersteller SAP.

Bekanntestes DBV-Mitglied ist der ehemalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).

Verbandsmitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der DBV – Gewerkschaft der Finanzdienstleister, ist verbandsunabhängig. Es jedoch existiert seit 2008 die Tarifgemeinschaft Postbank mit dpvkom und komba-Gewerkschaft (unter Geschäftsführung der dbb Tarifunion). Eine Absicht, dem DBB Beamtenbund und Tarifunion als Mitglied beizutreten, besteht nach Aussagen des Vorstandes nicht. Weiterhin wurde 2017 bekannt, dass der DBV - Gewerkschaft der Finanzdienstleister, mit ver.di eine Tarifgemeinschaft für die Volks- und Raiffeisenbanken vereinbart hat.

Zwischen 1919 und 1923 gehörte der DBV – Gewerkschaft der Finanzdienstleister dem DGB (Dachverband der christlichen Gewerkschaften während der Weimarer Republik) sowie dem Gesamtverband der Deutschen Angestelltengewerkschaften (Gedag) als Gründungsmitglied an. Insbesondere mit dem Gedag kam es aufgrund einer immer deutlicher hervortretenden völkischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Ausrichtung des Gedag jedoch schnell zu Spannungen, die im Jahre 1923 zum Austritt des DBV führten. Die Gewerkschaft schloss sich in der Folge dem linksliberal orientierten Gewerkschaftsring deutscher Angestellten-, Arbeiter- und Beamtenverbände an (selbst Mitglied der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine) und galt insbesondere den aufkommenden Nationalsozialisten von da an als „verjudet“. Bei der Auflösung des DBV 1933 zu Gunsten des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes spielten wohl auch alte Rechnungen eine Rolle, der gesamte ehemalige Vorstand des DBV wurde jedenfalls kurzfristig aus der neuen Organisation ausgeschlossen.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen hat der DBV bei seiner Neugründung jede Mitgliedschaft in einem Verband oder Gewerkschaftsbund vermieden. Überraschend für Beobachter kam es daher 2008, als der DBV mit den dbb-Mitgliedsgewerkschaften DPVKOM und komba eine Tarifgemeinschaft, vorerst auf die Postbank beschränkt schloss, die sich später sogar der Geschäftsführung der Tarifunion unterstellte.

Der Streit um die richtige Gewerkschaftspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2006 kam es mit ver.di zu heftigen Auseinandersetzungen, als der DBV im Rahmen von Haustarifverhandlungen für drei Tochtergesellschaften der Deutschen Bank Haustarifverträge abschloss, die unter anderem regelmäßige Wochenarbeitszeiten von 42 Stunden vorsieht. ver.di schließt Wochenarbeitszeiten oberhalb von 40 Stunden aus, und griff den DBV nach den Separatabschlüssen heftig an.

Weiteren Zündstoff bot die von der Deutschen Bank neuerworbene norisbank GmbH, für die in einer Verhandlungsgemeinschaft ein gemeinsamer Haustarifvertrag vereinbart werden sollte. Diese Verhandlungsgemeinschaft kamen jedoch zu keinem Abschluss, da sich in den Verhandlungen wiederum deutlich die unterschiedlichen Ansätze zeigten. Während für ver.di Mindestabsicherung/Grundgehalt im Vordergrund der Verhandlungen standen, hatte für den DBV die Ausgestaltung des Variablen Vergütungsanteils höhere Bedeutung. Zum 1. September 2007 trat ein alleine mit dem DBV vereinbarter Tarifvertrag für die norisbank in Kraft, während die Arbeitgeberseite die Verhandlungen mit ver.di einseitig für beendet erklärte.

Im Jahr 2011 beschloss der Bundeskongress von ver.di, die „offene Auseinandersetzung mit gegnerischen Organisationen führen“ zu wollen. Dabei wurden explizit genannt: „Im Fachbereich Finanzdienstleistungen sind dieses die Gewerkschaften DHV – Die Berufsgewerkschaft und DBV – Gewerkschaft der Finanzdienstleister.“ Als Verhaltensregeln wurden festgelegt: „ver.di-Mitglieder bzw. Interessenvertreterinnen/Interessenvertreter werden in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass jede politische Zusammenarbeit mit Mitgliedern dieser Organisationen ein gewerkschaftsschädigendes Verhalten darstellt.“ Es erfolgte eine klare Kampfansage: „Juristische Auseinandersetzungen mit gegnerischen Organisationen sollen immer dann geführt werden, wenn sie erfolgversprechend erscheinen.“

Als 2011 die Deutsche Bank die Postbank kaufte, und in der Folge die Arbeitsbedingungen der Back-Office-Einheiten verschlechtern wollte, kam es durch gemeinsame Arbeitskämpfe (z. B. ein dreitägiger Warnstreik bei der Zahlungsverkehrstochter BCB AG) zu erneuten vorsichtigen Annäherungen zwischen den Gewerkschaften. In der Folge kündigte der DBV die strittigen Haustarifverträge bei den Tochtergesellschaften, die Neuverhandlungen erfolgten gemeinsam mit ver.di.

Auch bei den Genossenschaftsbanken, die seit 2008 nur noch mit dem DBV Tarifverträge abschließen, kam es zu einer erneuten Annäherung. Am 4. Februar 2016 erklärte eine Vertreterin von ver.di und der DBV-Bundesvorsitzende gegenüber dem Handelsblatt, dass beide Gewerkschaften über eine Tarifgemeinschaft im Genossenschaftssektor sprächen. Dies mündete im Abschluss einer Vereinbarung zu einer Tarifgemeinschaft im Jahr 2017.

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gewerkschaft gliedert sich derzeit in 6 Regionalverbände:

  • Regionalverband Nord
  • Regionalverband West
  • Regionalverband Mitte
  • Regionalverband Ost
  • Regionalverband Süd
  • Regionalverband Süd-West

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]