Emilia Roig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Emilia Zenzile Roig (geboren 10. April 1983 in Dourdan, Frankreich) ist eine französische Politologin, Sachbuchautorin und Aktivistin mit den Themenschwerpunkten Intersektionalität und Antidiskriminierung. Sie lebt seit 2005 in Berlin, wo sie das „Center for Intersectional Justice“ e. V. gründete.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emilia Roig wuchs in einem Vorort von Paris als Tochter eines jüdisch-algerischen Vaters und einer aus Martinique stammenden Mutter auf.[1][2] Der Vater ist Arzt, die Mutter Krankenschwester.[3] Roigs Eltern lernten sich in Französisch-Guyana kennen und ließen sich gemeinsam in der Nähe von Paris nieder.[4]

Sie studierte an der Hertie School of Governance, an der sie ihren Master of Public Policy erwarb.[5] Einen Master of Business Administration bekam sie von der Jean Moulin Universität in Lyon. 2015 promovierte sie in Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation zum Thema intersektionale Diskriminierung.[6][7]

Von 2007 bis 2011 arbeitete Emilia Roig zu Menschenrechtsfragen bei Amnesty International in Deutschland, bei der Internationalen Arbeitsorganisation der UN in Tansania und Uganda sowie bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in Kambodscha.[8] Von 2011 bis 2015 lehrte sie Intersektionalitätstheorie, Postcolonial Studies und Critical Race Theory an der Humboldt-Universität und an der Freien Universität Berlin sowie Internationales und Europäisches Recht an der Jean-Moulin-Universität in Lyon. Seit 2015 ist sie Fakultätsmitglied im Social Justice Study Abroad Program der DePaul University in Chicago[9] und seit 2019 lehrt sie an der Hertie School in Berlin.[10][11]

In Berlin gründete sie 2017 die Non-profit Organisation „Center for Intersectional Justice“ e. V. (CIJ) als gemeinnützigen Verein mit dem Ziel Gleichstellungs- und Anti-Diskriminierungsarbeit in Deutschland und Europa um eine intersektionale Perspektive zu erweitern.[12] CIJ macht Lobbyarbeit, bietet Trainings und Workshops, forscht und publiziert zu Themen im Bereich Intersektionalität. So veröffentlichte CIJ im Auftrag des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) 2019 einen Bericht über „Intersektionalität in Deutschland“. Neben Emilia Roig ist Kimberlé Crenshaw im Vorstand des Vereins.[13] Zuvor war Roig Projektleiterin beim Deutschen Dachverband der Migrantinnenorganisationen (DaMigra). Sie wurde 2020 als Fellow in die amerikanische Non-Profit-Organisation „Ashoka“ Deutschland aufgenommen.[14][15]

2021 erschien ihr erstes Buch unter dem Titel „Why We Matter. Das Ende der Unterdrückung“. Unter anderem anhand ihrer eigenen Familiengeschichte beschreibt sie, wie Machthierarchien und Systeme der Unterdrückung erkannt und bekämpft werden können.[16][17] Das Buch wurde ein Bestseller[18][19][20] und in den Feuilletons überregionaler Tageszeitungen besprochen.[21]

Sie war 2020 Jurymitglied des Deutschen Sachbuchpreises des Deutschen Bibliotheksverbands und 2019 in der Jury des „25 Women Award“ der Edition F.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographie
Buchbeiträge
  • 5. Action positive aveugle à la race: la méritocratie sous couvert d’égalité des chances. In: Hourya Bentouhami, Mathias Moschel: Critical Race Theory: Une introduction aux grands textes fondateurs Dalloz, Paris 2017, ISBN 978-2-247-17443-0, S. 157–167. (französisch)
  • Interseccionalidad menos raza = statu quo In: ¿Cómo puede cambiar el mundo el feminismo? Lengua de Trapo, Madrid 2018, ISBN 978-84-8381-229-7, S. 219–222. (spanisch)
  • Sibylle Berg: Gespräch mit Emilia Zenzile Roig. Politologin, Gründerin und Direktorin des Center for Intersectional Justice in: Nerds retten die Welt: Gespräche mit denen, die es wissen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020, ISBN 978-3-462-05460-6[22]
  • Uttering “race” in colorblind France and post-racial Germany. In: Karim Fereidooni und Meral El: Rassismuskritik und Widerstandsformen, Springer VS, 2017, doi:10.1007/978-3-658-14721-1_36, S. 613–627. (englisch)
  • Intersectionality as a practice: Lucy Gasser and Anna von Rath interview Emilia Roig. In: Kylie Crane, Lucy Gasser, Sara Morais dos Santos Bruss and Anna von Rath: The minor on the move - doing cosmopolitanisms. edition assemblage, Münster 2021, ISBN 978-3-96042-098-9. (englisch)
Artikel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politologin über Rassismus - "Unterdrückungssysteme werden täglich verleugnet". Abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  2. "Why We Matter" - ttt – titel, thesen, temperamente - ARD | Das Erste. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  3. Madlen Haarbach: Tagesspiegel Leute: Neukölln, vom 14. April 2021.
  4. Emilia Roig: Why We Matter: Das Ende der Unterdrückung. Aufbau Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03847-2.
  5. Alum-spiration: “The corona crisis can be seen as an opportunity for transformation”. Abgerufen am 11. Februar 2021 (englisch).
  6. Who we are. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  7. Emilia Roig: Gender equality for some at the cost of others: deciphering the intersectional discrimination of racialized care workers in France and Germany. Dissertation, Humbold University of Berlin, 2015
  8. Who we are. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  9. Faculty | Berlin, Germany | Study Abroad | Academics | College of Law | DePaul University, Chicago. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  10. Summary of Gender, Race, Class: Intersectionality & Social Inequalities. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  11. Summary of Gender, Race, Class: Intersectionality & Social Inequalities. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  12. poco.lit.: Intersektionalität als Praxis: Interview mit Emilia Roig. In: poco.lit. Abgerufen am 10. Februar 2021 (deutsch).
  13. Intersektionalität in Deutschland. Chancen, Lücken und Herausforderungen. Ein Bericht des Center for Intersectional Justice 2019 (pdf)
  14. Ashoka: Outrage As A Precursor To Justice. Abgerufen am 11. Februar 2021 (englisch).
  15. Emilia Roig. In: Ashoka Deutschland. 16. November 2020, abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  16. Politologin über Rassismus - "Unterdrückungssysteme werden täglich verleugnet". Abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  17. "Why We Matter" - ttt – titel, thesen, temperamente - ARD | Das Erste. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  18. Leseempfehlungen: Sachbuch-Bestenliste für März 2021. Abgerufen am 1. März 2021.
  19. DIE ZEIT: Leseempfehlungen: Die Sachbuch-Bestenliste für März. In: Die Zeit. 25. Februar 2021, abgerufen am 1. März 2021.
  20. Sachbuchbestenliste März - Von Diskurswächtern und mittelmäßigen Lügnern. Abgerufen am 1. März 2021 (deutsch).
  21. Rezensionsnotizen im Perlentaucher
  22. Sybille Berg: Nerds retten die Welt. In: republik.ch. 1. Oktober 2019, abgerufen am 11. Februar 2021.