Emilia Roig

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Emilia Roig (2017)

Emilia Zenzile Roig (geboren am 10. April 1983 in Dourdan, Frankreich) ist eine französische Politologin, Sachbuchautorin und Aktivistin mit den Themenschwerpunkten Intersektionalität und Antidiskriminierung. Sie lebt seit 2005 in Berlin, wo sie das Center for Intersectional Justice e. V. gründete.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emilia Roig wuchs in einem Vorort von Paris als Tochter eines jüdisch-algerischen Vaters und einer aus Martinique stammenden Mutter auf.[1][2] Der Vater ist Arzt, die Mutter Krankenschwester.[3] Roigs Eltern lernten sich in Französisch-Guyana kennen und ließen sich in der Nähe von Paris nieder.[4]

Sie studierte in Berlin an der Hertie School of Governance, an der sie einen Abschluss als Master of Public Policy erhielt.[5] Einen Master of Business Administration bekam sie von der Jean Moulin Universität in Lyon. 2015 promovierte sie in Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation zum Thema intersektionale Diskriminierung.[6][7]

Von 2007 bis 2011 arbeitete Roig zu Menschenrechtsfragen bei Amnesty International in Deutschland, bei der Internationalen Arbeitsorganisation der UN in Tansania und Uganda sowie bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in Kambodscha.[8] Von 2011 bis 2015 lehrte sie Intersektionalitätstheorie, Postcolonial Studies und Critical Race Theory an der Humboldt-Universität und an der Freien Universität Berlin sowie Internationales und Europäisches Recht an der Jean-Moulin-Universität in Lyon. Seit 2015 ist sie Fakultätsmitglied im Social Justice Study Abroad Program der DePaul University in Chicago[9] und seit 2019 lehrt sie an der Hertie School in Berlin.[10][11][12]

In Berlin gründete sie 2017 die Non-Profit-Organisation Center for Intersectional Justice e. V. (CIJ) als gemeinnützigen Verein mit dem Ziel, Gleichstellungs- und Anti-Diskriminierungsarbeit in Deutschland und Europa um eine intersektionale Perspektive zu erweitern.[13] CIJ macht Lobbyarbeit, bietet Trainings und Workshops, forscht und publiziert zu Themen im Bereich Intersektionalität. So veröffentlichte CIJ im Auftrag des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) 2019 einen Bericht über „Intersektionalität in Deutschland“. Neben Emilia Roig ist Kimberlé Crenshaw im Vorstand des Vereins.[14] Zuvor war Roig Projektleiterin beim Deutschen Dachverband der Migrantinnenorganisationen (DaMigra). Sie wurde 2020 als Fellow in die amerikanische Non-Profit-Organisation „Ashoka“ Deutschland aufgenommen.[15][16]

2021 erschien ihr erstes Buch unter dem Titel „Why We Matter. Das Ende der Unterdrückung“. Unter anderem anhand ihrer eigenen Familiengeschichte beschreibt sie, wie Machthierarchien und Systeme der Unterdrückung erkannt und bekämpft werden können.[17][18] Das Buch wurde ein Bestseller[19][20][21] und in den Feuilletons überregionaler Tageszeitungen besprochen.[22]

Sie war 2020 Jurymitglied des Deutschen Sachbuchpreises des Deutschen Bibliotheksverbands und 2019 in der Jury des „25 Women Award“ der Edition F.

Sie war Ende 2021 Teil der Kampagne „Lesbische Sichtbarkeit“ des Berliner Senats.

2022 wurde sie als „Most Influential Woman of the Year“ im Rahmen des Impact of Diversity Award gewählt.

Roig ist Mutter eines Sohnes, geschieden und lebt mit ihrer Partnerin in Berlin.[23] Sie bezeichnet sich als „queer“.[24]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographie
Buchbeiträge
  • 5. Action positive aveugle à la race: la méritocratie sous couvert d’égalité des chances. In: Hourya Bentouhami, Mathias Moschel: Critical Race Theory: Une introduction aux grands textes fondateurs Dalloz, Paris 2017, ISBN 978-2-247-17443-0, S. 157–167. (französisch)
  • Interseccionalidad menos raza = statu quo In: ¿Cómo puede cambiar el mundo el feminismo? Lengua de Trapo, Madrid 2018, ISBN 978-84-8381-229-7, S. 219–222. (spanisch)
  • Sibylle Berg: Gespräch mit Emilia Zenzile Roig. Politologin, Gründerin und Direktorin des Center for Intersectional Justice in: Nerds retten die Welt: Gespräche mit denen, die es wissen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020, ISBN 978-3-462-05460-6[25]
  • Uttering “race” in colorblind France and post-racial Germany. In: Karim Fereidooni, Meral El: Rassismuskritik und Widerstandsformen. Springer VS, 2017, doi:10.1007/978-3-658-14721-1 36, S. 613–627. (englisch)
  • Intersectionality as a practice: Lucy Gasser and Anna von Rath interview Emilia Roig. In: Kylie Crane, Lucy Gasser, Sara Morais dos Santos Bruss and Anna von Rath: The minor on the move – doing cosmopolitanisms. edition assemblage, Münster 2021, ISBN 978-3-96042-098-9. (englisch)
  • Sandra Jungmann: Laut und Selbstbestimmt. Wie wir wurden, wer wir sind. Leykam Verlag, Graz/ Wien 2022, ISBN 978-3701182350, S. 12–25.
  • Tanja Raich: Das Paradies ist weiblich, Kein & Aber; 2. Auflage, neue (22. Februar 2022), ISBN 978-3-0369-5870-5. (deutsch)
  • Lisa Jaspers, Naomi Ryland, Silvie Horch: Unlearn Patriarchy. Ullstein, 2022, ISBN 978-3-550-20219-3, Kapitel Unlearn Liebe.
Artikel
Filme
  • ARTE Dokuserie Projekt Aufklärung - Autor: Thorsten Glotzmann, Host: Emilia Roig, Filming: Nicolai Mehring, Year: 2019-2022

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Sachbuch-Bestenliste für März 2021 von Deutschlandfunk Kultur, dem ZDF und der ZEIT (Quelle: https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/zdf-zeit-deutschlandfunk-sachbuch-bestenliste-maerz-2021-102.html)
  • Spiegel-Bestsellerliste Platz 14 im Februar 2021
  • Top 5 Bücher des Monats im März 2021 bei der Süddeutsche Zeitung. (Quelle: [26])
  • Gewählt als eines der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison im April 2021 von Perlentaucher. (Quelle: [27])
  • Nominiert für den NDR-Sachbuchpreis 2021. (Quelle: [28])
  • Edition F Award 2021 in der Kategorie „Gesellschaft“
  • 2022 gewählt zur „Most Influential Woman of the Year“ im Rahmen des Impact of Diversity Award

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Emilia Roig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politologin über Rassismus – „Unterdrückungssysteme werden täglich verleugnet“. Abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  2. "Why We Matter" – ttt – titel, thesen, temperamente – ARD | Das Erste. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  3. Madlen Haarbach: Tagesspiegel Leute: Neukölln, vom 14. April 2021.
  4. Emilia Roig: Why We Matter: Das Ende der Unterdrückung. Aufbau Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03847-2.
  5. Alum-spiration: “The corona crisis can be seen as an opportunity for transformation”. Abgerufen am 11. Februar 2021 (englisch).
  6. Who we are. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  7. DNB 1154588068
  8. Who we are. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  9. Faculty. College of Law, DePaul University, Chicago, abgerufen am 11. Februar 2021.
  10. Summary of Gender, Race, Class: Intersectionality & Social Inequalities. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  11. Summary of Gender, Race, Class: Intersectionality & Social Inequalities. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  12. [1], abgerufen am 20. Februar 2021.
  13. poco.lit.: Intersektionalität als Praxis: Interview mit Emilia Roig. In: poco.lit. Abgerufen am 10. Februar 2021 (deutsch).
  14. Intersektionalität in Deutschland. Chancen, Lücken und Herausforderungen. Ein Bericht des Center for Intersectional Justice 2019 (pdf)
  15. Ashoka: Outrage As A Precursor To Justice. Abgerufen am 11. Februar 2021 (englisch).
  16. Emilia Roig. In: Ashoka Deutschland. 16. November 2020, abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  17. Politologin über Rassismus – „Unterdrückungssysteme werden täglich verleugnet“. Abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  18. "Why We Matter" – ttt – titel, thesen, temperamente – ARD | Das Erste. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  19. Leseempfehlungen: Sachbuch-Bestenliste für März 2021. Abgerufen am 1. März 2021.
  20. DIE ZEIT: Leseempfehlungen: Die Sachbuch-Bestenliste für März. In: Die Zeit. 25. Februar 2021, abgerufen am 1. März 2021.
  21. Sachbuchbestenliste März – Von Diskurswächtern und mittelmäßigen Lügnern. Abgerufen am 1. März 2021 (deutsch).
  22. Rezensionsnotizen im Perlentaucher
  23. Interview über Diskriminierungen – «Schwarze Männer und weisse Frauen haben Mühe, ihre Privilegien anzuerkennen». Abgerufen am 5. März 2022.
  24. „Vor jeder großen, guten Entwicklung gibt es Chaos und Widerstand“ - l.mag.de. Abgerufen am 7. März 2022.
  25. Sybille Berg: Nerds retten die Welt. In: republik.ch. 1. Oktober 2019, abgerufen am 11. Februar 2021.
  26. Bücher des Monats März 2021, auf sueddeutsche.de, abgerufen am 31. Mai 2022
  27. Bücher der Saison Frühjahr 2021, auf perlentaucher.de, abgerufen am 31. Mai 2022
  28. Nominierungen NDR-Sachbuchpreis 2021, auf ndr.de, abgerufen am 31. Mai 2022