Carolin Emcke

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Carolin Emcke auf der re:publica 2016

Carolin Emcke (* 18. August 1967 in Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen) ist eine deutsche Autorin und Publizistin. Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Leben und Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carolin Emcke, Tochter einer Argentinierin und eines Deutschen, wuchs in Wuppertal und Hamburg auf und machte 1986 das Abitur.[1] Daraufhin studierte sie in Frankfurt am Main, an der London School of Economics und an der Harvard-Universität Philosophie, Politik und Geschichte. Sie war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und promovierte in Frankfurt bei Axel Honneth in Philosophie mit der Arbeit Kollektive Identitäten: sozialphilosophische Grundlagen.

Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carolin Emcke (2010)

Von 1998 bis 2006 war sie in der Auslandsredaktion des Spiegels tätig und berichtete aus vielen Krisengebieten. 2003/2004 lehrte Emcke als Gastdozentin Politische Theorie an der Yale University in Seminaren über „Theorien der Gewalt“ und „Zeugenschaft von Kriegsverbrechen“. Seit 2004 moderiert sie in Berlin die monatliche Diskussionsveranstaltung „Streitraum“ an der Schaubühne.[2][3][4] 2006 und 2007 arbeitete Emcke als Beraterin des Studiengangs Journalismus der Hamburg Media School, seit 2007 ist sie freie Publizistin, u. a. für die ZEIT und die Süddeutsche Zeitung.

Zu Themen wie Globalisierung, Theorien der Gewalt, Zeugenschaft, Fotografie und kulturellen Identitäten hält sie regelmäßig Seminare und Vorträge und publiziert dazu. 2008 erschien der Bericht sowie Rückblick auf ihren Patenonkel und damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank Alfred Herrhausen, den die Rote Armee Fraktion am 30. November 1989 in einem Attentat ermordet hatte. Emcke plädiert in der Veröffentlichung Stumme Gewalt[5] für einen gesellschaftlichen Dialog. Wenn die Strafverfolgungsbehörden an der Aufgabe scheitern, das Verbrechen durch das strafrechtliche Ermittlungsverfahren aufzuklären, entspräche dem Ziel der Wahrheits- und Versöhnungskommission, durch das Prinzip „Freiheit gegen Aufklärung“[6] das Schweigen zu brechen: Den Tätern wird unter der Bedingung Amnestie gewährt, dass sie ein umfassendes Geständnis ablegen. Das impliziert beiderseits die Bereitschaft, auf Gewalt, Rache und Verachtung zu verzichten. Carolin Emcke erhielt für den Text den Theodor-Wolff-Preis.

Carolin Emcke auf der Leipziger Buchmesse 2012

In dem autobiographischen Buch Wie wir begehren (2013) beschreibt Emcke die Entdeckung ihrer Homosexualität, wobei sie ihre Wünsche formuliert, aber auch die soziale Ausgrenzung als Ergebnis ihres Coming-out diskutiert.[7] Im Januar 2014 führte sie für Die Zeit ein Interview mit Thomas Hitzlsperger über dessen Coming-out.[8][9]

Von 2014 bis 2016 gehörte sie der ersten Jury des Bayerischen Buchpreises an.[10] Zudem ist sie Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Sie gehört zu den Unterstützern der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union, die Ende November 2016 veröffentlicht wurde.

Am 19. September 2017 startete in der Cumberlandschen Galerie des Staatstheaters Hannover eine auf über 6 Jahre angelegte Veranstaltungsreihe mit Carolin Emcke. Das ABC der Demokratie wurde von Emcke und dem Staatstheater entwickelt und wird von der Stiftung Niedersachsen unterstützt. Es wird vier Veranstaltungsabende pro Jahr geben, in denen Carolin Emcke mit einem Gast aus Kultur, Bildung, Kunst etc. sich dem Begriff der Demokratie nähern und für die Zuhörer greifbarer machen wird. Das ABC dient dabei als Leitfaden. Am 19. September startete die Reihe mit dem Buchstaben A – Amerika und dem Schriftsteller Teju Cole und war Wochen vorher ausverkauft.[11]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carolin Emcke lebt in Berlin[1] und ist mit der Literaturwissenschaftlerin Silvia Fehrmann liiert.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emcke wurde am 23. Oktober 2016 in der Paulskirche anlässlich der Frankfurter Buchmesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet; ihre Laudatorin war ihre Doktormutter Seyla Benhabib.[12] Ihre Dankesrede erfuhr sowohl wohlwollende Zustimmung[13][14], als auch starke Kritik.[15] So lobte Patrick Bahners in der FAZ Emckes „eindringliches und empathisches“ Bemühen, um die „Wiedergewinnung des sozialen oder inneren Friedens, den die Demokratie zur Voraussetzung hat“,[16] während Thomas Schmid und Adam Soboczynski Emcke die „Wiederholung von Banalitäten“[17] bzw. die „notorische Unterschlagung von Zuwanderungsproblemen“[18] vorwerfen. Bundespräsident Joachim Gauck kritisierte im Anschluss an die Preisverleihung Emckes vollkommenen Verzicht auf Kollektivbegriffe wie „Nation“.[19]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carolin Emcke – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Carolin Emcke. In: Internationales Biographisches Archiv 42/2016 vom 18. Oktober 2016 (abgerufen via Munzinger Online).
  2. Streitraum Aktuell.
  3. streitraum’s Videos on Vimeo.
  4. Streitraum |. In: carolin-emcke.de. Abgerufen am 23. Oktober 2016.
  5. Interview: „Ich möchte, dass die Täter sprechen“. In: Die Zeit vom 14. Mai 2008; abgerufen am 6. Juli 2010.
  6. Carolin Emcke: Stumme Gewalt. In: Die Zeit, 6. September 2007; abgerufen am 6. Juli 2010.
  7. „Wie wir begehren“ – Carolin Emcke über homosexuelles Leben in Deutschland. In: Der Tagesspiegel, 28. November 2013; abgerufen am 26. Juni 2016.
  8. Carolin Emcke, Moritz Müller-Wirth: Thomas Hitzlsperger: "Homosexualität wird im Fußball ignoriert". In: Die Zeit. Hamburg 13. Januar 2014 (zeit.de [abgerufen am 31. Oktober 2016]).
  9. Bernd Ulrich: Homosexualität im Fußball – Thomas Hitzlsperger: Aus dem Abseits. In: Der Tagesspiegel, 28. November 2013; abgerufen am 26. Juni 2016.
  10. Website Bayerischer Buchpreis 2016; abgerufen am 26. Juni 2016.
  11. ABC der Demokratie. Auf der Website der Stiftung Niedersachsen, abgerufen am 1. Oktober 2017.
  12. a b Carolin Emcke erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016. friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de; abgerufen am 24. Juni 2016.
  13. Spiegel online, Hamburg Germany: Friedenspreisträgerin Carolin Emcke: Der Anti-Dylan. In: Spiegel online. Abgerufen am 25. Oktober 2016.
  14. Judith Von Sternburg: Carolin Emcke: Optimismus gegen Fanatismus. In: fr-online.de. (fr-online.de [abgerufen am 25. Oktober 2016]).
  15. Die Gute und die Bösen. (tagesspiegel.de [abgerufen am 25. Oktober 2016]).
  16. Patrick Bahners: Friedenspreis für Carolin Emcke: Sie lassen hassen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 23. Oktober 2016 (faz.net [abgerufen am 25. Oktober 2016]).
  17. Frankfurt: Carolin Emcke dankt für den Friedenspreis. In: Die Welt. Abgerufen am 25. Oktober 2016.
  18. Adam Soboczynski: Carolin Emcke: Das Leiden der anderen. In: Die Zeit. Hamburg 23. Oktober 2016 (zeit.de [abgerufen am 25. Oktober 2016]).
  19. Entgegnung auf Carolin Emcke: Was Gauck vermisste – die Nation. In: DIE WELT. Abgerufen am 25. Oktober 2016.
  20. Ernst-Bloch-Preis 2006 (pdf). Archiviert vom Original am 19. Oktober 2007, abgerufen am 8. Januar 2014.
  21. Theodor-Wolff-Preis 2008, prämiierter Text, Bewertung der Jury und Vita. Archiviert vom Original am 19. September 2011, abgerufen am 8. Januar 2014.
  22. Carolin Emcke: Islamgegner: Liberaler Rassismus. In: Die Zeit. Hamburg 25. Februar 2010 (zeit.de [abgerufen am 21. Februar 2016]).
  23. Annette Milz: Die Journalisten des Jahres 2010. 21. Dezember 2010, abgerufen am 22. Dezember 2010.
  24. Dokumentation des Merck-Preises für Carolin Emcke auf der Website der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
  25. Lessing-Preis 2015 geht an Reporterin Carolin Emcke, Kurznachrichten des Deutschlandradio Kultur, 24. August 2014; abgerufen am 24. August 2014.
  26. Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht. FAZ von 14. Oktober 2016, S. 10.
  27. Der Anti-Dylan, Selbstgefällig, pathetisch, verurteilend: Carolin Emcke wird für ihre Rede in der Paulskirche kritisiert. Frontenbildung ist so alltäglich geworden, dass sie selbst da mitschwingt, wo es um Versöhnung geht.