Escholzmatt-Marbach

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Escholzmatt-Marbach
Wappen von Escholzmatt-Marbach
Staat: Schweiz
Kanton: Luzern LU
Wahlkreis: Entlebuch
BFS-Nr.: 1010i1f3f4
Postleitzahl: 6182 (Escholzmatt)
6192 (Wiggen)
6196 (Marbach)
Koordinaten: 637791 / 195952Koordinaten: 46° 54′ 49″ N, 7° 56′ 5″ O; CH1903: 637791 / 195952
Höhe: 858 m ü. M.
Fläche: 106,39 km²
Einwohner: 4325 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 41 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
5,8 % (31. Dezember 2014)[2]
Website: www.escholzmatt-marbach.ch
Karte
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Escholzmatt-Marbach ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Entlebuch des Kantons Luzern in der Schweiz. Die neue Gemeinde entstand per 1. Januar 2013 aus den bestehenden Gemeinden Escholzmatt und Marbach.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im oberen Entlebuch, am Übergang zum Emmental und wird von der Ilfis und von der Weissemme durchflossen. Die Ilfis verlässt die Gemeinde beim Ortsteil Wiggen nordwestwärts in Richtung Emme, die Weissemme fliesst nordostwärts in Richtung Kleine Emme. Die Gemeinde ist mit einer Fläche von über 100 km² nach Flühli die zweitgrösste im Kanton Luzern.

Die Nachbargemeinden von Escholzmatt-Marbach sind im Nordwesten und Norden Trub (Kanton Bern), im Nordnordosten Romoos, im Nordosten Schüpfheim, im Osten Flühli, im Süden Schangnau (Kanton Bern) und im Südwesten Eggiwil (Kanton Bern).

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 5'198
1860 4'748
1900 4'618
1980 4'193
1990 4'199
2000 4'570
2005 4'405
2010 4'313
2015 4'325

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung benutzt als Alltagssprache eine hochalemannische Mundart. Die Unterschiede zwischen dem örtlichen Dialekt und dem der Stadt Luzern sind allerdings beträchtlich. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 95,04 % Deutsch, 1,73 % Albanisch und 0,96 % Serbokroatisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pfarrer-Stalder-Brunnen in Escholzmatt

Früher war die gesamte Bevölkerung Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Weniger durch Kirchenaustritte – im heute noch recht strenggläubigen Entlebuch – als durch Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) gibt es 78,41 % römisch-katholische, 10,96 % evangelisch-reformierte, 0,93 % orthodoxe und 0,53 % freikirchliche Christen. Daneben findet man 2,45 % Muslime, 1,64 % Konfessionslose und 1,15 % Angehörige anderer nichtchristlicher Bekenntnisse (meist Hindus). Die Muslime sind herkunftsmässig Albaner aus dem Kosovo und wenige Bosniaken; die Orthodoxen Serben und Montenegriner und die Hindus Tamilen aus Sri Lanka.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2014 waren von den 4'323 Einwohnern 4'071 Schweizer und 252 (= 5,8 %) Ausländer.[3] Die Einwohnerschaft bestand aus 94,2 % Schweizer Staatsbürgern. Ende 2014 stammten die ausländischen Einwohner aus Serbien inklusive Kosovo (23,4 %), Deutschland (19,0 %), Portugal (5,6 %), der Türkei (1,6 %) und Italien (1,2 %). 17,1 % stammten aus dem übrigen Europa und 32,1 % waren aussereuropäischer Herkunft.[4]

Geschichte Escholzmatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedlung des Amt Entlebuchs erfolgte im Vergleich zu anderen Regionen verhältnismässig spät. Die älteste urkundlich erhaltene Nennung des Ortsnamens als askolvismatten datiert auf das Jahr 1160. [5]

Das ehemalige Gemeindewappen zeigt einen Turm auf grünem Dreiberg mit flankierenden Kreuzen. Es erinnert an die ehemalige habsburgische Herrschaft und stützt sich auf eine Burgfeste, die entweder auf dem Hinderchnubel oder in Wiggen stand. Die Kreuze stellen den Bezug zu den Deutschrittern von Sumiswald her.

Als nach dem Ende des Dreissigjährigen Krieges die Wirtschaft einbrach, wehrten sich die Entlebucher gegen die strenge städtische Herrschaft. In diesem Bauernkrieg von 1653 war der Escholzmatter Christian Schybi der militärische Führer. Als der Aufstand im Entlebuch und Emmental kläglich scheiterte, bezahlte Schybi seine Führungsrolle mit dem Leben. Ein Denkmal auf dem Dorfplatz hält das Andenken an Christian Schybi und Hans Emmenegger, einer seinen Mitstreiter, wach.

Ein weiteres Denkmal, das auf der Wasserscheide der Kleinen und der Grossen Emme liegt, erinnert an Franz Joseph Stalder (1757–1833), einen ehemaligen Pfarrer von Escholzmatt. Er gilt als wichtige Persönlichkeit der Schweizer Kulturgeschichte und als Begründer der deutschschweizerischen Dialektologie.

Geschichte Marbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ums Jahr 1290 geriet Marbach unter die Herrschaft der Habsburger, während es vorher im Besitz der Freiherren von Wolhusen gewesen war. Die niedere Gerichtsbarkeit übte lange die Benediktinerabtei Trub aus. Die Ortschaft wird erstmals im Habsburger Urbar 1306 als Marpach namentlich erwähnt. Wegen der Abhängigkeit von habsburgischen Vögten versuchte sich das Entlebuch freizukaufen. Insbesondere der Landvogt Peter von Thorberg machte sich bei den freiheitsliebenden Bauern unbeliebt. Die Entlebucher verburgrechteten sich 1385 ein erstes, am 13. März 1396 ein zweites Mal mit der Stadt Luzern. Mit Ausnahme der Gemeinden Escholzmatt und Marbach kam das Entlebuch im Jahr 1405 endgültig unter luzernische Herrschaft. Marbach, Escholzmatt und Trub gehörten zum Landgericht Ranflüh. Da die Stadt Bern im Jahr 1408 die Gerichtsbarkeit über das Landgericht Ranflüh erworben hatte, pochten sowohl Luzern wie Bern auf ihr Besitzrecht an Marbach. Beide Städte legten ihren Streit erst mit dem Vertrag der Völligen Richtung im Jahr 1470 bei. Trub fiel an Bern – Escholzmatt und Marbach ans Entlebuch und somit an Luzern. Bis 1798 bildeten die letzteren Gemeinden das sogenannte obere Entlebuch. Von 1798 bis 1803 gehörte die Gemeinde zum Distrikt Schüpfheim, seither zum damals neu geschaffenen Amt Entlebuch.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat Escholzmatt-Marbach besteht aus fünf Mitgliedern und ist wie folgt aufgestellt:

  • Fritz Lötscher (CVP): Gemeindepräsident
  • Pius Kaufmann (CVP): Gemeindeammann
  • Daniel Portmann (FDP): Sozialvorsteher
  • Ruth Rava-Stalder (FDP)
  • Franz Duss (CVP)

Kantonsratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kantonsratswahlen 2015 des Kantons Luzern betrugen die Wähleranteile in Escholzmatt-Marbach: CVP 48,8 %, SVP 26,1 %, FDP 19,3 %, GPS 3,7 %, SP 2,0 %.[6]

Nationalratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Escholzmatt-Marbach: CVP 40,3 %, SVP 36,8 %, FDP 13,9 %, SP 3,5 %, GPS 1,9 %, glp 1,5 %, BDP 1,4 %.[7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Escholzmatt-Marbach liegt an der Bahnlinie Luzern–Bern.

Sehenswürdigkeiten Escholzmatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Escholzmatt ist als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestuft. Besonders erwähnenswert sind die grosse neugotische Pfarrkirche St. Jakob[8] und das Mettlenquartier. Speziell ist auch der Schybi-Stein, welcher vor der Dorfkirche steht. Er steht zum Gedenken an den im Bauernkrieg von 1653 hingerichteten Bauernführer, Christian Schybi. Weitere Denkmäler siehe auch unter Geschichte.

Sehenswürdigkeiten Marbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der schönen Barockkirche aus dem 18. Jahrhundert verfügt das kleine Zentrum auch noch über einige schöne Häuser im typischen voralpinen Stil. Ferner gibt es einen Kreuzweg, der zu einer der heiligen Stätte von Lourdes nachgebildeten Grotte der Jungfrau Maria führt. Die Marbachegg und das UNESCO-Biosphärenreservat Entlebuch-Schrattenfluh sind attraktive Ausflugsziele.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Horat: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Neue Ausgabe I: Das Amt Entlebuch. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1987 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 80). ISBN 3-7643-1900-3. S. 88–147 (Escholzmatt), 234–267 (Marbach).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Escholzmatt-Marbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Panorama von Escholzmatt

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. https://www.pxweb.bfs.admin.ch/Selection.aspx?px_language=de&px_db=px-x-0102020000_201&px_tableid=px-x-0102020000_201\px-x-0102020000_201.px&px_type=PX
  3. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach demographischen Komponenten, institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit und Geschlecht (Bundesamt für Statistik, STAT-TAB)
  4. LUSTAT: Gemeindeprofil Escholzmatt-Marbach
  5. Bildband Escholzmatt anlässlich des 850-Jahre-Jubiläum, ebd. 2009
  6. LUSTAT: Gemeindeprofil Escholzmatt-Marbach
  7. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016, abgerufen am 1. Juni 2016.
  8. André Meyer: Die Pfarrkirche St. Jakob in Escholzmatt LU. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 379). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1985.