Exportweltmeister

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Mit dem SchlagwortExportweltmeister“ wird meist die Volkswirtschaft mit dem größten Export von Waren bezeichnet.[1]

Definition und Berechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schlagwort „Exportweltmeister“ ist nicht allgemein gültig definiert. Meist ist damit aber die Volkswirtschaft mit dem größten Export im internationalen Warenhandel gemeint.

Zur Berechnung wird folglich meist nur der Wert aller exportierten Waren bestimmt. Andere Exporte, insbesondere der Wert exportierter Dienstleistungen, werden nicht einberechnet. Die Bestimmung erfolgt üblicherweise auf Basis eines Kalenderjahres und auf Basis des monetären Warenwertes. Häufig wird der monetäre Wert in US-Dollar oder Euro bemessen. Da Wechselkursschwankungen daher zwangsläufig einen starken Einfluss auf die Statistik haben können, wird der Warenwert manchmal alternativ in Kaufkraftparitäten ermittelt. Als Volkswirtschaft wird meist die Wirtschaft eines Nationalstaates verstanden, nur selten größere Wirtschaftsräume wie der Europäische Binnenmarkt.

Grenzen des Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Definitionsgemäß ist die Aussagekraft des „Titels“ Exportweltmeister begrenzt. Folgende Grenzen der Aussagekraft sind zu beachten:

  • Der Exportweltmeister verzeichnet in seiner Leistungsbilanz nicht zwingend den größten Exportwert, da meist nicht der Wert anderer Exporte wie der Wert exportierter Dienstleistungen betrachtet wird. Insbesondere Volkswirtschaften mit einem starken Fokus auf den Dienstleistungssektor werden dadurch in ihrer wahren Exportstärke unterschätzt. Ferner wird der Kapitaltransfer zwischen Volkswirtschaften nicht berücksichtigt, obwohl er erheblichen Anteil an der Leistungsbilanz haben kann. Besonders in Volkswirtschaften mit vielen Unternehmen, die ihre in ausländischen Produktionsstandorten produzierte Ware im Ausland absetzen, kann der Anteil der Kapitalrückflüsse großen Anteil an der Leistungsbilanz haben.
  • Der Exportweltmeister verzeichnet in seiner Handelsbilanz nicht zwingend den größten Überschuss, weil der Gesamtwert der Warenimporte den Warenexporten nicht gegenübergestellt wird.
  • Der Exportweltmeister weist nicht zwingend den größten Warenexport pro Einwohner oder im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auf. Der Exportwert wird also nicht in Relation zur Größe der Volkswirtschaft gesetzt.
  • Die Kosten für die Erzeugung und Distribution der exportierten Waren werden nicht betrachtet. Wenn ein Exportweltmeister vorrangig Waren mit geringer Marge exportiert, kann der Gesamtgewinn der Exportunternehmen geringer als in anderen Volkswirtschaften ausfallen.

Der Begriff ist zwar ein Schlagwort in der politischen Diskussion, aber weniger geeignete volkswirtschaftliche Messgröße um die (relative) Leistungsfähigkeit oder die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft zu beurteilen. In der volkswirtschaftlichen Diskussion steht häufiger die gesamtwirtschaftliche Beurteilung der Höhe von negativen oder positiven Leistungsbilanzsalden oder der Wert der Nettoexporte im Fokus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1900 und 2002 waren meist die Vereinigten Staaten Exportweltmeister. Nur zwischen 1986 und 1988 sowie 1990 war die Bundesrepublik Deutschland in dieser Periode Exportweltmeister. Von 2003 bis 2008 war Deutschland erneut Exportweltmeister. 2009 war erstmals die Volksrepublik China Exportweltmeister.

Die Vereinigten Staaten waren in der Warenexportstatisitik von 2003 bis 2010 Zweiter oder Dritter. Das Vereinigte Königreich verlor 1960 seine langjährige zweite Position an Deutschland und 1971 die dritte Position an Japan. Japan war 1971 bis 2003 jeweils Dritter. China war 2004 erstmals Dritter und belegte 2007 und 2008 den zweiten Platz. Nach Chinas Aufstieg zum Exportweltmeister belegte Deutschland 2009 den zweiten Platz.[2][3]

Kritik an Deutschlands Exportorientierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Basarökonomie

Der global zunehmende Güterhandel führt nicht nur zu einem Zuwachs von Exporten bzw. Importen von Fertigwaren, sondern tendenziell auch zu einem Zuwachs von importierten bzw. exportierten Vorleistungen. Fraglich ist, ob sich einhergehend das Verhältnis des Wertes der Vorleistungen zum Wert der Exportgüter (die sogenannte Fertigungstiefe) verändert und falls ja, wie die Folgen dieses Trends zu beurteilen sind. Einige Ökonomen wie Hans-Werner Sinn warnen, dass Deutschland zu einer Basarökonomie verkomme, in der die inländische Wertschöpfung (i. e. der Wert der exportierten Güter abzüglich des Wertes der zur Herstellung benötigten Importgüter) stark zurückgehe. Dass Deutschland zwar von 2003 bis 2005 Exportweltmeister war, aber dennoch eine steigende Arbeitslosigkeit zu verzeichnen hatte, sei ein Indiz für diese These.[1]

Kritiker der These von der Basarökonomie entgegnen, dass die Wertschöpfung an den deutschen Exportprodukten zu rund 75 % in Deutschland erfolge. Die Fertigungstiefe sei damit nach wie vor sehr signifikant. Daher könne nicht von einer Basarökonomie gesprochen werden. Dieser Trend müsse ohnehin infolge zunehmender globaler Handelsverflechtung als unabänderliche Erscheinung hingenommen werden. [4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Loschky, Liane Ritter: Konjunkturmotor Export. (PDF). In: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Wirtschaft und Statistik. Nr. 05/2007. Wiesbaden 2007 (Online (Memento vom 14. November 2010 im Internet Archive) [PDF]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Exportweltmeister – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Exportweltmeister. ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V., abgerufen am 9. Januar 2018.
  2. China ist Exportweltmeister. In: die tageszeitung, 11. Januar 2010
  3. Exportweltmeister Deutschland – Titel auf Zeit? (Memento vom 15. November 2010 im Internet Archive) – PDF des Statistischen Bundesamtes
  4. Marcel Fratzscher: Die Deutschland-Illusion: Warum wir unsere Wirtschaft überschätzen und Europa brauchen, Carl Hanser Verlag GmbH Co KG, 2014, ISBN 9783446441453, Kapitel „Deutschland, der Exportweltmeister“